Das Europäische Parlament fördert die Menschenrechte

Die Achtung der Menschenrechte ist einer der grundlegenden Werte der Europäischen Union. Jeder Verstoß gegen diese Rechte - ungeachtet dessen, ob er innerhalb oder außerhalb der EU begangen wird - beeinträchtigt die demokratischen Grundsätze, die unserer Gesellschaft zugrunde liegen. Das Europäische Parlament geht mit legislativen Maßnahmen sowie durch Wahlbeobachtung, monatliche Menschenrechtsdebatten in Straßburg und die Verankerung der Menschenrechte in seinen Außenhandelsabkommen gegen derartige Verstöße vor.

Das Europäische Parlament fördert die Menschenrechte auch durch den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, der seit 1988 jährlich verliehen wird. Mit dem Preis werden Personen ausgezeichnet, die sich weltweit in besonderer Weise für die Menschenrechte eingesetzt haben. Dadurch werden einerseits Verstöße gegen die Menschenrechte aufgezeigt und andererseits die Preisträger und ihr Anliegen unterstützt.

Nadija Murad und Lamija Adschi Baschar, ausgezeichnet mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit 2016

Nadija Murad und Lamija Adschi Baschar wurden vom „Islamischen Staat" (IS) als Sexsklavin missbraucht, doch konnten sie das Martyrium überleben und sind heute das Sprachrohr der Frauen, die Opfer des systematischen Einsatzes von sexueller Gewalt durch den IS geworden sind. Sie setzen sich für die Rechte der Gemeinschaft der Jesiden im Irak ein, einer religiösen Minderheit, die ins Visier der militanten Kämpfer des IS geraten sind, welche danach trachten, alle Jesiden zu töten und somit Völkermord an ihnen zu begehen.

Am 3. August 2014 hat der IS alle männlichen Bewohner des Dorfes Kotscho, dem Heimatort von Lamija Adschi Baschar und Nadija Murad, im irakischen Bezirk Sindschar massakriert. Anschließend wurden die Frauen und Kinder des Ortes versklavt. Sämtliche jungen Frauen, darunter auch Lamija Adschi Baschar, Nadija Murad und deren Schwestern, wurden verschleppt, wiederholt verkauft und als Sexsklavinnen ausgebeutet und missbraucht. Bei dem Blutbad in Kotscho verlor Nadija Murad sechs ihrer Brüder und ihre Mutter, die zusammen mit 80 älteren Frauen umgebracht wurde, weil man sie für die Zwecke der sexuellen Ausbeutung für wertlos hielt. Lamija Adschi Baschar wurde zusammen mit ihren sechs Schwestern zu Sexsklavinnen degradiert. Sie wurde fünf Mal hintereinander von einem IS-Kämpfer an einen anderen weiterverkauft und gezwungen, in Mossul Bomben und Sprengstoffwesten für Selbstmordanschläge herzustellen, nachdem die IS-Kämpfer ihre Brüder und ihren Vater hingerichtet hatten.
 
Im November 2014 gelang Nadija Murad mit der Hilfe einer Nachbarfamilie die Flucht, die sie aus dem vom IS kontrollierten Gebiet herausschmuggeln konnte. Sie gelangte anschließend in ein Flüchtlingslager im Norden des Irak und von dort weiter nach Deutschland. Ein Jahr später sprach Nadija Murad im Dezember 2015 auf der ersten Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zum Thema des Menschenhandels und hielt eine bewegende Rede über ihre Leidenszeit. Im September 2016 wurde sie zur Sonderbotschafterin des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC) für die Würde der Überlebenden des Menschenhandels ernannt und beteiligt sich seitdem an globalen und lokalen Initiativen, mit denen das Bewusstsein für das Schicksal der zahllosen Opfer des Menschenhandels geschärft werden soll. Im Oktober 2016 wurde sie vom Europarat mit dem Václav-Havel-Menschenrechtspreis geehrt.

Lamija Adschi Baschar unternahm mehrere Fluchtversuche, bevor sie schließlich im April mit der Hilfe einer Familie, die lokale Schmuggler bestochen hatte, ihren Peinigern entkommen konnte. Auf ihrer Flucht aus dem Kurdengebiet in Richtung des von den irakischen Regierungstruppen kontrollierten Gebiets wurde sie von IS-Kämpfern verfolgt. Dabei wurden zwei Personen, die mit ihr flüchteten, von einer Tretmine zerrissen, und sie wurde dabei verletzt und ist danach nahezu völlig erblindet. Dennoch konnte sie ihre Verfolger abschütteln und wurde schließlich zur medizinischen Behandlung nach Deutschland gebracht, wo sie ihre überlebenden Geschwister wieder in die Arme schließen konnte. Seit ihrer Genesung engagiert sich Lamija Adschi Baschar in Aufklärungskampagnen, um auf das Schicksal der Gemeinschaft der Jesiden hinzuweisen, und unterstützt Frauen und Kinder, die Opfer der Versklavung und der Gräueltaten des IS geworden sind.

Zeichnungen: Ali Ferzat, Sacharow-Preisträger 2011.

Wie fördert das Europäische Parlament die Menschenrechte?

Ergänzend zum Sacharow-Preis unterstützt das Europäische Parlament die Menschenrechte auch durch konkrete politische und legislative Maßnahmen.

Kontakt

Informationskampagne (GD COMM)

Europäisches Parlament
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