Oleh Senzow, Träger des Sacharow-Preises 2018

© Sergei Venyavsky/Getty Images

Oleh Senzow ist ein ukrainischer Filmregisseur und -autor und ein entschiedener Gegner der Annexion der Krim durch Russland.

Senzow wurde 1976 in Simferopol geboren, studierte zunächst Wirtschaft in Kiew und anschließend Drehbuch und Regie in Moskau. 2012 erschien sein erster und sogleich preisgekrönter Spielfilm „Gamer". Im Jahr 2013 engagierte er sich in der Bewegung Automajdan für Freiheit und Menschenrechte, und er trug dazu bei, die Euromajdan-Revolution zu entfachen. Als 2014 die rechtswidrige Annexion der Krim noch im Gange war, organisierte Senzow humanitäre Hilfe für die abgeriegelten ukrainischen Soldaten, brachte ihnen Nahrungsmittel und Medikamente und half mit, ihre Familien in Sicherheit zu bringen.

Er wurde am 10. Mai 2014 in Simferopol auf der Krim wegen des Vorwurfs verhaftet, terroristische Handlungen gegen die De-facto-Herrschaft Russlands auf der Halbinsel geplant zu haben. Vom russischen Inlandsgeheimdienst wurde er nach Russland verschleppt. Er verbrachte ein Jahr in Haft, bevor er vor ein Militärgericht gestellt wurde, das ihn schließlich zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilte; nach Ansicht von Amnesty International handelte es sich dabei um einen „äußerst zynischen Schauprozess". Die staatlichen Stellen Russlands behandelten ihn als russischen Staatsbürger, obgleich er zu keinem Zeitpunkt in Besitz eines russischen Passes war und nach eigenen Angaben lediglich die ukrainische Staatsangehörigkeit besaß.

Senzow wurde beschuldigt, eine Terrororganisation angeführt zu haben, die die Sprengung von Denkmälern auf der Krim geplant haben soll. Er beteuerte beharrlich seine Unschuld, und es konnten keine unwiderlegbaren Beweise für seine Beteiligung an kriminellen Handlungen vorgebracht werden. Der wichtigste Zeuge der Staatsanwaltschaft wiederrief sein ursprüngliches Geständnis und räumte ein, es unter Folter abgelegt zu haben. In seinem Schlusswort spottete er über den Scheinprozess und äußerte die Hoffnung, das russische Volk möge seine Angst ablegen.

Nach seiner Verurteilung wurde Senzow in eine Hochsicherheits-Strafkolonie in Sibirien nördlich des Polarkreises - Tausende Kilometer von seiner Heimat entfernt - verlegt. Auch in der Haft trat Senzow weiterhin für seine Überzeugungen ein. Im Mai 2018 trat er in einen 145-tägigen Hungerstreik und forderte die Freilassung aller ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Ihm wurde Zwangsernährung angedroht, woraufhin er seinen Hungerstreik beenden musste, zumal sein Gesundheitszustand mittlerweile kritisch war.

Am 14. Juni 2018 verabschiedete das Europäische Parlament eine Entschließung, in der es nachdrücklich die sofortige und bedingungslose Freilassung von Oleh Senzow und allen anderen unrechtmäßig in Russland inhaftierten ukrainischen Staatsbürgern forderte.

Die internationale Gemeinschaft, Menschenrechtsgruppen, russische Filmemacher, bekannte Filmregisseure und prominente Schauspieler unterstützten Senzow und forderten seine Freilassung. Auch das russische Menschenrechtszentrum „Memorial" bezeichnete ihn als politischen Gefangenen.

Im September 2019 wurde Senzow aus der Haft entlassen und kehrte in die Ukraine zurück. Seine Freilassung erfolgte im Rahmen einer zwischen Russland und der Ukraine geschlossenen Vereinbarung über den gegenseitigen Austausch von Gefangenen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, drückte in einer Erklärung seine Erleichterung und Freude über die Nachricht von Senzows Freilassung aus. Er würdigte ihn als mutigen Menschen, der sich dem Unrecht mit Würde widersetzt habe.

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