Blickpunkt
 

Parlamentarische Assistenten: die rechten Hände der Europa-Abgeordneten

Institutionen - 02-04-2007 - 19:57
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Zwei Assistenten in den Fluren des Parlamentes

Junge Gesichter: die parlamentarischen Assistenten

Wer das Europäische Parlament besucht, mag erstaunt sein, in den Fluren, Aufzügen und Büros so viele junge Leute zu sehen. Die meisten von ihnen arbeiten als parlamentarische Assistenten. Ein Großteil der 785 Europa-Parlamentarier beschäftigt einen oder mehrere Assistenten. Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus und wie sind sie dazu gekommen? Erfahren Sie mehr über die vielen „rechten Hände“ der Europa-Abgeordneten in diesem Blickpunkt-Dossier.

Insgesamt beschäftigen die Europa-Abgeordneten direkt oder indirekt rund 4.000 Mitarbeiter. Gut 1.400 davon arbeiten als akkreditierte parlamentarische Assistenten, hauptsächlich in Brüssel und im Wahlkreis, zum Teil auch in Straßburg.
 
Der Begriff Assistent ist der im Europäischen Parlament geläufigste, insbesondere die Mitarbeiter der französischen und britischen EU-Abgeordneten nennen sich meist auch selbst so. Die Mitarbeiter von deutschen und österreichischen Abgeordneten werden hingegen auch als Büro-Leiter, wissenschaftliche Mitarbeiter, Sekretäre oder persönliche Referenten angestellt. Dies ist kein Zufall, denn die Tätigkeiten, die die Assistenten ausüben, sind annähernd so unterschiedlich und vielfältig wie die Zahl der Abgeordneten und deren Charaktere.
 
Auch die Gehälter variieren stark, je nach Alter, Berufserfahrung, Herkunft und den Erwartungen des jeweiligen Abgeordneten. Manche Assistenten verdienen weniger als eine Sekretärin im Heimatland, andere beziehen Gehälter, die mit denen eines Juniorprofessors vergleichbar sind.
 
Die Abgeordneten können die Assistenten von ihrer monatlichen Sekretariatszulage bezahlen. Einige Assistenten beziehen ihr Gehalt nicht direkt vom Abgeordneten, sondern zum Beispiel von der nationalen Abgeordneten-Gruppe, die einen Pool von Assistenten beschäftigt.
 
Die Assistenten halten die Stellung im Parlament, wenn ihr Abgeordneter nicht vor Ort ist, und sind die erste Anlaufstelle für Bürger, Besucher und Gesprächspartner des Abgeordneten.
 
Die Assistenten sind nicht nur für die einzelnen EU-Abgeordneten unerlässlich, sondern auch für das Funktionieren des Parlaments insgesamt.
 
 
REF: 20070209FCS02971

Wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Assistenten aus?

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Drei Assistenten bei ihrer Arbeit

Post, E-Mails, Infoblätter: Alles an einem Tag

Den typischen Arbeitstag, es gibt ihn genau genommen nicht. Denn die Assistenten sind oft alles in einem und jeden Tag etwas anderes: Sekretär, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Büroleiter, Unterhändler, inoffizieller Stellvertreter und politischer Berater sowie Pressesprecher – Ohr, Mund und Auge des Abgeordneten. Jeden Tag müssen sich die Assistenten in neuen Herausforderungen beweisen und die variieren von einem Abgeordneten zum anderen gewaltig.
 
„Die Arbeit als Assistent kann sehr variieren, von sehr spannend bis zu eher langweiligen oder frustrierenden Aufgaben. Das hängt alles vom Abgeordneten ab", so Maria, die für einen griechischen EU-Abgeordneten arbeitet.
 
„Es ist eine sehr bizarre Arbeit, sehr intensiv. Man verbringt so viel Zeit miteinander", so der polnische Assistent Cezary, der vermutet, dass er mit seinem Abgeordneten „mehr Zeit als mit meiner Verlobten" verbringt und das Verhältnis zwischen Assistent und Abgeordneten mit einer Beziehung vergleicht: „entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht.“
 
Wenn es einen typischen Tag eines Assistenten gäbe – oder einer Assistentin, viele sind weiblich – , dann könnte er in etwa so aussehen:
 
8:30 Uhr: E-Mails checken und die Post bearbeiten, währenddessen klingelt das Telefon ununterbrochen, Zeitungen und Ausschnitte überfliegen, dann am Parlamentsbericht über die Förderung abgasarmer Straßenfahrzeuge arbeiten, für den die Abgeordnete Berichterstatterin ist.
 
Anschließend eine Zusammenfassung mit Neuigkeiten aus Brüssel für die Homepage der Abgeordneten und für ihren Bürger-Rundbrief verfassen.
 
11:00 Uhr: Dringend benötigte Kaffeepause – in der wegen der bunten Sessel mit ohrenförmigen Lehnen so genannten Mickey-Mouse-Bar im dritten Stock des Parlaments, wo sich Abgeordnete, EU-Beamte, Lobbyisten, Besucher, Praktikanten sowie Assistenten zu einem grünen Tee oder einer Lait Russe, einem Cappuccino, einem cortado, oder einem Orange Juice und einem Plausch treffen. Kaum eine europäische Sprache, die man hier nicht hört und spricht.
 
11:20 Uhr: Die von der Abgeordneten am Wochenende gefaxten Änderungsanträge ins dafür vorgesehene Formular übertragen und ans Ausschuss-Sekretariat schicken. Um 12:00 Uhr ist Abgabeschluss.
 
11:45 Uhr: Das Handy klingelt. Die Abgeordnete muss früher heimreisen, weil sie an einer öffentlichen Debatte im  Wahlkreis teilnehmen muss.
 
Schnell zum Reisebüro (wieder dritter Stock) und den Flug umbuchen. Das Hotelzimmer für morgen absagen und nicht zu vergessen: das Taxi zum Flughafen reservieren!
 
12:30 Uhr: Ins Erdgeschoss, Schlange stehen, um einen Sandwich zu kaufen.
 
Mittagessen im Büro vor dem Computer, wo zwischenzeitlich 243 E-Mails in der Inbox gelandet sind. Auf dem Fernseher läuft die Pressekonferenz der EU-Kommission zur Zukunft des Kyoto-Protokolls.
 
13:00 Uhr: Die Ausschusssitzung mit der Abgeordneten vorbereiten – eine Rede über ihre Änderungsvorschläge zu Ende schreiben, dann kurz prüfen, welche anderen Berichte diskutiert werden.
 
15:00 Uhr: Ausschusssitzung des Entwicklungsausschusses verfolgen und Notizen machen.
 
18:30 Uhr: die Abgeordnete kommt zurück ins Büro, um einen Botschafter zu empfangen und einen anstehenden Bericht zu beratschlagen. Eine Pressemitteilung über das Ergebnis schreiben und eine Pressekonferenz für den folgenden Tag organisieren.
 
19:30 Uhr: Höchste Zeit, einen Brief an die Kommission zu schreiben, der die Belange von Bürgern im Wahlkreis aufgreift ... das Handy klingelt: Es ist der Leiter einer Wahlkreis-Gruppe, die morgen das Parlament besucht (natürlich organisiert vom Assistenten) und heute Abend mit der Abgeordneten essen geht.
 
Noch einmal beim Restaurant anrufen, um die Reservierung zu bestätigen, dann mit der Abgeordneten dorthin aufbrechen.
 
23:55 Uhr: Ein langer Tag geht zu Ende.
 
Das ist noch nicht alles…
 
Neben den „Standard“-Aufgaben erledigt ein Assistent manchmal auch andere persönliche Dinge, die im Vertrag nicht vorgesehen sind ... 
 
Hier einige typisch untypische Aufgaben, von denen Assistenten berichtetet haben:
 
Babysitter: „Meine Abgeordnete musste ihr Kind nach Brüssel mitnehmen und konnte niemanden finden, der auf ihren Jungen aufpasste, während sie arbeitete. Also brachte sie ihn mit ins Büro und ich habe eine Weile mit ihm gespielt.“
 
Kleidung für den Abgeordneten besorgen: „Sein Koffer war verloren gegangen und er brauchte eine Krawatte für die Plenarsitzung“, erzählt ein Assistent. Ein anderer musste für seinen Abgeordneten herausfinden, wo man einen Smoking ausleihen kann: „Und ich hatte dafür nur einen Tag Zeit, es schien aussichtslos ...aber ich habe ihn bekommen!“.
 
Stadtführer: „Nach zwei Jahren als Abgeordnete entschied meine Chefin, dass es an der Zeit sei, Brüssel zu erkunden. Weiter als in ihr Hotel und ins Europaparlament war sie noch nicht gekommen ... Also zeigte ich ihr das Stadtzentrum und wir haben die typischen Muscheln mit Fritten gegessen. Sie kannte noch nicht einmal den ‚Grand Place’ oder das ‚Manneken Pis’“, so die Assistentin einer irischen Abgeordneten.
 
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Der Traum vom Assistenten-Dasein?

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Ein Assistent weist auf das Europaparlament

"Hier geht’s lang" - Assistenten zeigen Besuchern das Europaparlament

Frei nach dem Motto „Alle Wege führen nach Brüssel“ finden junge Menschen mit den unterschiedlichsten Ausbildungen und Arbeitserfahrungen in diesen Beruf. Trotzdem lassen sich einige Gemeinsamkeiten bei der Mehrheit der Assistenten im Parlament feststellen.
 
Motivation
 
Manche sehen den Job als Chance, aktiv am europäischen Projekt mitzuarbeiten. Für die französische Assistentin Anne-Claire ist es eine wichtige Voraussetzung, ein „überzeugter Europäer“ zu sein und den Wunsch zu haben, die Europäischen Union mitzugestalten.
 
Für die schwedische Assistentin Jeanette ist es eine Möglichkeit, sich für ihre „politischen Ziele und Überzeugungen in einer internationalen Umgebung“ zu engagieren. „Du trägst dazu bei, die Zukunft der EU zu gestalten“, meint auch Lisa aus Deutschland.  
 
Politikwissenschaft – der richtige Weg?
 
Gibt es ein spezielles Studienfach, das besonders auf die Arbeit eines Assistenten vorbereitet? Nicht wirklich, meint Guna aus Lettland: „Ich glaube, dass es keine richtige oder falsche Ausbildung gibt um Assistent eines Abgeordneten zu werden. Ich habe zum Beispiel einen Abschluss in Religionswissenschaften und Theologie. Persönlichkeit und die individuellen Ziele sind wichtiger.“
 
Die meisten haben bereits vor der Arbeit als Assistent gute Kenntnisse über die EU sowie Fremdsprachenkenntnisse. „Mit einem Studium, das auf Europapolitik oder Europarecht ausgerichtet ist, hat man schon ein umfangreiches Verständnis der Verfahrens- und Arbeitsweisen der Institutionen. Das bedeutet einen Zeitgewinn“, sagt Anne Laure. Ein Abgeordneter, der selbst neu im Haus ist, bevorzugt Assistenten, die die Abläufe und das Tagesgeschäft im Parlament schon kennen.
 
 
Gesucht: Stressresistenter effizienter Multi-Tasker mit Takt und Geduld
 
Die Arbeit als Assistent ist abwechslungsreich, aber die Arbeitstage sind oft lang und hektisch. Es gilt, den Überblick zu bewahren, auch wenn mitunter alle zehn Sekunden eine E-Mail" ankommt, wie die Französin Gaëlle einmal gezählt hat.
 
„Es ist eine sehr intensive Arbeitsbeziehung und Du musst ständig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen", so Lisa. Motiviert und stressresistent sollte man daher schon sein.  
 
„Die Fähigkeit zum ‚Multitasking’ ist fast den ganzen Tag gefragt, deswegen muss man gut organisiert sein, schnell reagieren und sich an neue Situationen anpassen können“, betont die lettische Assistentin Guna. „Du musst Geduld haben und flexibel sein, effizient arbeiten können und ein Problemlöser sein“, fasst Jeanette zusammen.
 
Nicht alle Erwartungen, die in die Abgeordneten und die Assistenten gesetzt werden, lassen sich erfüllen: „Manchmal bekommen wir Anrufe von Bürgern, und man meint, dass die Europa-Abgeordneten alle möglichen Probleme in der Welt lösen könnten", so der italienische Assistent Luciano.
 
Dennoch, wie unrealistisch das Bürger-Anliegen auch ist, wie nervig der Lobbyist auch sein mag, der zum siebten Mal einen Termin bekommen will: stets heißt es freundlich bleiben und Geduld aufbringen. 
 
Politisches Engagement – eine Voraussetzung?
 
Die meisten Assistenten sind der Auffassung, dass man den politischen Überzeugungen des Abgeordneten nahe stehen sollte, um gut mit ihm oder ihr zusammenzuarbeiten. 
 
„Für mich ist das sehr wichtig: Man kann nicht so eng zusammenarbeiten, ohne die gleichen Werte und Überzeugungen zu teilen," meint Assistentin Anne-Laure. Das bedeutete jedoch „nicht, dass man systematisch auf einer Linie mit dem Abgeordneten liegen muss, ganz im Gegenteil: der Austausch von Ansichten und Meinungen zwischen dem Europa-Parlamentarier und seinem Mitarbeiter ist sehr bereichernd. Wenn ich kein Vertrauen zu dem Abgeordneten hätte, mit dem ich arbeite, könnte ich diesen Job nicht machen. Das gilt auch anders herum“
 
Daher ist es wohl auch so, dass die Mehrzahl der Assistenten parteipolitisch aktiv ist oder der Partei des Abgeordneten angehört. So auch Tomé, ein portugiesischer Assistent: „Ich habe mich immer für Politik und für die Europäische Union interessiert und ich habe mich bei den Jungsozialisten engagiert. Ich war in meinem letzten Uni-Jahr, als ich das Angebot bekommen habe, hier zu arbeiten.“
 
Einige Parlamentarier legen weniger Wert auf parteipolitische Nähe und halten es im Gegenteil für einen Vorteil, wenn der eigene Assistent abseits der internen politischen Grabenkämpfe steht. Auch wer kein Parteimitglied ist, hat also eine Chance.
 
Wie kommt man an eine Assistentenstelle?
 
Vorherige Arbeit in einem europäischen Verband, einer Kanzlei oder einer NGO (Nichtregierungsorganisation) kann hilfreich sein. Genauso wie ein Praktikum in einer EU-Institution, einem Abgeordneten-Büro in Brüssel oder in der Heimat. Wer aus derselben Region wie der Abgeordnete kommt, sollte nicht vergessen, das herauszustreichen.
 
Stellenausschreibungen sind eher selten. Die Beziehung zwischen dem Abgeordneten und dem Assistenten ist so symbiotisch, dass die meisten lieber auf jemanden zurückgreifen, den sie bereits kennengelernt haben und gut einschätzen können. Außerdem mangelt es den meisten Abgeordneten nicht an Aktivbewerbungen, auf die sie im Fall eines Falles zurückgreifen können.
 
Direkte Kontakte und Empfehlungen spielen also eine wichtige Rolle. Der portugiesische Assistent Tomé erzählt: „Meiner Erfahrung nach läuft so etwas meistens über Leute, mit denen wir hier arbeiten. Man sollte Kontakte zu Personen haben, die sich im Parlament gut auskennen oder die für die Partei arbeiten, für die man sich interessiert.“
 
Mitunter finden sich aber auch Stellenausschreibungen auf speziellen Websites (wie eurobrussels.com oder euractiv.com) oder in Brüsseler Fachpublikationen (wie der wöchentlich erscheinenden European Voice) oder im Wahlkreis. Doch um dann unter Hunderten von Bewerbern ausgewählt zu werden, muss man schon einen besonderen Lebenslauf vorweisen können, der auf die Stelle hundertprozentig passt.
 
Es lohnt sich also auf jeden Fall, selbst aktiv zu werden und auf einen oder mehrere Abgeordnete zuzugehen. Und bei einem Praktikum kann man am besten herausfinden, wie einem die Arbeit und die Persönlichkeit des potenziellen Chefs behagt. 
 
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Rechtlicher Status der parlamentarischen Assistenten: ungeklärt

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Eine Assistentin im Europaparlament hält Dokumente in den Händen

Beladen mit Dokumenten: Eine Assistentin bahnt sich ihren Weg durchs Parlament

Assistenten sind essentiell für die tägliche Arbeit der Europa-Abgeordneten. Parallel zum Machtzuwachs des Parlamentes ist auch die Anzahl der Assistenten und deren beruflichen Qualifikationen mit den Jahren gestiegen. Allerdings sind sie nicht direkt vom Parlament angestellt, sondern in der Regel direkt von ihren Abgeordneten. Die Arbeits- oder Dienstleistungsverträge sind deshalb meist nach dem Recht des Herkunftslandes des Abgeordneten geregelt. Es gibt also keinen einheitlichen rechtlichen Status der Assistenten, der die Sozialversicherung, Krankenversicherung, Steuern und Rentenvorsorge regeln würde.
 
Dies kann mitunter Probleme aufwerfen, da die Assistenten vornehmlich außerhalb ihres Heimatstaates leben und arbeiten: Die steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Situation ist unübersichtlich. Um den Assistenten mehr Rechtssicherheit zu geben, fordern viele von ihnen ein eindeutig definiertes Assistenten-Statut – eine Forderung, die auch von der Mehrheit der Abgeordneten unterstützt wird.
 
Das Problem harrt seit langer Zeit einer Lösung, vor allem weil es für die Europa-Abgeordneten selbst lange kein einheitliches Statut gab. Erst 2005 kam ein Kompromiss mit den Mitgliedsstaaten zustande und nach den Europawahlen im Jahr 2009 tritt endlich ein Abgeordneten-Statut in Kraft.
 
„Wenn das Statut für Abgeordnete 2009 in Kraft tritt, ist das größte Hindernis für einen einheitlichen Assistenten-Status beseitigt“, hofft der belgisch-ungarische Assistent Joeri Hamvas, Vorsitzender der überparteilichen Interessenvertretung der Assistenten EPAA (European Parliament Assistants' Association). „Ich hoffe, dass das Parlamentspräsidium sich diesem Problem annimmt, bevor die nächsten Wahlen im Juli 2009 anstehen“, so Hamvas.
 
Gérard Onesta, einer der Vize-Präsidenten des Europaparlaments, beschäftigt sich seit 1999 mit dem Thema und leitet eine Arbeitsgruppe, die einen „Kodex“ erarbeitet hat. Der Kodex fasst die bestehenden Bestimmungen zusammen und soll den Parlamentariern als Leitfaden dienen.
 
Onesta sieht in dem Kodex einen beachtlichen Erfolg, aber verweist auch auf den politischen Willen des Parlamentes weiter zu gehen und einen bindenden rechtlichen Rahmen zu schaffen, wie vom Parlament zuletzt bei der Verabschiedung des EU-Haushaltes 2007 gefordert wurde. Doch bisher scheiterte das Unterfangen an der notwendigen Zustimmung des Ministerrates, in dem die Mitgliedsstaaten vertreten sind.
 
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Assistent: kein Job fürs Leben

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EU-Abgeordneter Antonio López-Istúriz White mit Assistent

Vom Assistenten zum Abgeordneten?

Als Assistent habe ich viel gelernt: Ich habe einen tiefen Einblick in die Arbeit der EU-Einrichtungen gewonnen und ein großartiges Netzwerk hier in Brüssel, aber auch in meiner Heimat Dänemark aufbauen können. Darum bin ich überzeugt, dass dieser Job viele Türen geöffnet hat und einen positiven Einfluss auf meine künftige Karriere haben wird, sei es in meinem Heimatland oder in Brüssel“, meint Louise.
 
Die Arbeit als Assistent eines Europa-Abgeordneten ist eine vielfältige und interessante, aber auch stressreiche und mitunter frustrierende Erfahrung. Die Fluktuation ist relativ hoch; viele Assistenten sehen den Job als Durchgangsstation, in der sie Erfahrung auf europäischem Parkett sammeln und ein Netzwerk aufbauen. Und danach? Welcher berufliche Werdegang erwartet die Assistenten?
 
Karriere in der Politik
 
Die enge Zusammenarbeit mit den Parlamentariern und mit politischen Parteien regt einige Assistenten dazu an, selbst in die Politik zu gehen. Der spanische Abgeordnete Antonio López-Istúriz White war selbst Assistent. „Als neuer Abgeordneter in Brüssel ist einige Zeit nötig, um eine effiziente Arbeitsweise in dieser großen und komplexen Organisation zu entwickeln. Die Tatsache, dass ich vorher schon Assistent war, hat mir viel Zeit gespart. Oder wie wir in Spanien sagen: ‚Bevor man Kellner wird, muss man in der Küche gearbeitet haben.’“
 
Die niederländische Abgeordnete Kathalijne Buitenweg, die ebenfalls zuvor Assistentin war, stimmt dem zu. „Meine Erfahrungen [als Assistentin] haben mir sehr durch die ersten Monate geholfen. Ich war dadurch in der Lage, sofort mit der Arbeit anzufangen.“ Und diese Erfahrung hilft ihr auch die Arbeit ihrer Assistenten einzuschätzen und einzuteilen. „Wenn ich zum Beispiel sage: ‚Besorg bitte einen neuen Toner’, dann weiß ich, dass das im Europäischen Parlament mitunter nicht so einfach ist, wie es sich anhört“, sagt Buitenweg.
 
Einige Assistenten wechseln auch in die Fraktionsbüros oder setzen ihre Karriere in der nationalen Politik fort. So verließ der französische Assistent Yann Wehrling das Europaparlament 2005, um Generalsekretär der französischen Grünen zu werden.
 
Andere Optionen
 
Die Kenntnis der europäischen Institutionen, ein riesiges Netzwerk von Kontakten und die Arbeit selbst machen die Assistenten attraktiv für verschiedene Interessengruppen, Think-Tanks und private Unternehmen mit Interesse an der Europäischen Union.
 
Sofia, eine frühere schwedische Assistentin, die jetzt für einen Marktführer im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie arbeitet, sagt: „Die Arbeit als Assistent oder Assistentin ist eine große Herausforderung. Man muss die richtigen Prioritäten setzen, wichtige politische Themen kompetent einschätzen und sie den Wählern vermitteln. Durch Offenheit und diplomatische Fähigkeiten lassen sich in dieser Position Kontakte innerhalb und außerhalb der Institutionen aufbauen.“
 
Sofia fährt fort: „Angesichts dieser Fähigkeiten denke ich, dass es viele Jobs gibt, die zu einem Ex-Assistenten passen würden. In Brüssel gibt es die verschiedensten Think-Tanks, unterschiedliche Organisationen oder Unternehmen, Berater, andere EU-Einrichtungen, etc... Die Möglichkeiten sind grenzenlos; man muss sich nur umsehen. “
 
Beamten-Karriere 
 
Manche Assistenten qualifizieren sich durch eines der Auswahlverfahren der EU, über die die EU-Organe neue Beamte rekrutieren. Bei diesen Auswahlverfahren, den sogenannten Concours, wird sehr stark selektiert; oft sind nur maximal 3 bis 4 Prozent der Bewerber erfolgreich.
 
Die ehemalige finnische Assistentin Hannariikka, die jetzt Beamtin bei der Verwaltung des Europäischen Parlaments ist, sagt: „Assistenten bekommen ein bisschen von allem im Parlament mit. Mittendrin zu sein, wenn Entscheidungen gefällt und Gesetze verabschiedet werden und bei der Ausarbeitung beteiligt sein: Was könnte eine bessere Vorbereitung auf den Concours sein als derartiges Learning by doing?“
 
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