Die Piraten vor der Küste Somalias haben mit dem romantisch-verklärtem Bild der Freibeuter alter Zeiten wenig gemein. Den modernen Piraten geht es nicht darum, Schiffsladungen zu erbeuten, vielmehr erpressen sie die Eigner und nehmen die Besatzung als Geiseln.
Am Montag berichtete der Kommandant dieser ersten EU-Marinemission (EU-NAVFOR), der Brite Peter Hudson, gegenüber den Auβen- und Sicherheitspolitkern sowie den Mitgliedern des Fischerei- und des Verkehrsausschusses des Europaparlaments über Erfolge und Rahmenbedingungen von Atalanta.
Konteradmiral Hudson leitet einen Einsatz, der Marine-Einheiten und Material u.a. aus Belgien, Groβbritanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland, den Niederlanden, Spanien und Schweden umfasst.
Ein ständig gröβer werdendes Einsatzgebiet
Hudson erklärte, dass das Operationsgebiet von Atlanta ein Seegebiet umfasst, dessen Ausläufer soweit voneinander entfernt seien „wie Brüssel von Moskau“.
Erschwerend komme hinzu, dass er auf die Zusammenarbeit mehrerer Staaten angewiesen sei, um die gefassten Piraten juristisch zu Rechenschaft zu ziehen.
Die List und die Ausstattung der Piraten sowie ihr Operationsgebiete nähmen ständig zu, so weiter Hudson.
Auf eine Frage des stellvertretenden Vorsitzenden des Fischerei-Ausschusses Alain Cadec (EVP) über die lokalen somalischen Küstenfischer hin, warnte Hudson auch vor der Gefahr, dass diese zu einer Art „Gelegenheitspiraterie“ verleitet werden könnten.
Unangemeldet, ungeschützt
Ein Problem sei auch, dass nicht alle Handelschiffe, die in dem Gebiet unterwegs sind, vor einem Zwischenfall das Atalanta-Kommando über ihre Route informieren.
Die deutsche Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner wollte von Hudson wissen, was die Reder und Kapitäne dazu bewegen könnte, Atalanta nicht zu informieren, wenn sie das Einsatzgebiet durchfahren.
Hudson sagte, dass eventuell die Befürchtung, mit der Piraterie überhaupt in Zusammenhang gebracht zu werden, manche abschrecke, oder dass die Schiffe womöglich nicht angemessen versichert seien. Es handele sich in allen Fällen um sehr kleine Schiffseigener.
Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses Brian Simpson (Sozialisten & Demokraten) sagte zu, dazu beitragen zu wollen, dass möglichst alle Schiffe ihre Route bei Atalanta anmelden.
Insgesamt bewerteten die meisten EU-Abgeordneten die Operation Atalanta als einen Erfolg. Dennoch bleibe, so Hudson, Piraterie in der Region ein sehr weit verbreitetes Problem.