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Die Wettervorhersage für dieses Jahrhundert

Umwelt - 06-12-2005 - 00:01
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Der Klimawandel hat bereits begonnen

Der Klimawandel hat bereits begonnen

Die Frage, ob es zum Klimawandel kommen wird, stellt sich nicht mehr - er hat bereits begonnen. Professor Guy Brasseur empfiehlt daher den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, dringend Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben.

 
Wettervorhersagen wie wir sie in Form von bewegten Satellitenbildern täglich im Fernsehen präsentiert bekommen  sind nichts im Vergleich zu den Modellen, die unter Leitung von  Guy Brasseur am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie entwickelt werden. Diese Modelle, die nun den Abgeordneten des Europäischen Parlaments präsentiert wurden, zeigen die wahren Wettervorhersagen für das 21. Jahrhundert. 
 
Anlässlich der vierten Jahrestagung der STOA am 23. November sprach auch Professor Guy Brasseur. STOA ist das Forum zur Bewertung wissenschaftlicher und technischer Optionen und dient der wissenschaftlichen Unterstützung der gesetzgeberischen Arbeit des Europäischen Parlaments. Professor Brasseurs Bemerkung, "eine gute Regierung erfordert eine gute Wissenschaft", ist das ideale Motto für die STOA.
 
 
Tiefgreifende regionale Veränderungen
 
Die verschiedenen Modelle sagen eine Erderwärmung von 2,1°C auf 4,1°C bis im Jahr 2100 voraus. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Hälfte des Arktikeises verschwunden sein, und ab 2080 werden Schiffe in den Sommermonaten von Europa nach Japan fahren können, ohne dass sie beim Passieren des Nordpols einen Eisblock sehen werden. Global betrachtet wird die Erderwärmung auch nach 2100 ansteigen. "Selbst wenn es ab sofort keine CO2-Emissionen mehr gäbe, würde die Temperatur dennoch für weitere 200 – 300 Jahre ansteigen", so Professor Brasseur. In Europa wird sich dies unterschiedlich auswirken. Im Mittelmeerbecken ist mit Dürren und sogar mit beginnender Wüstenbildung zu rechnen. Für Zentraleuropa sind zunehmende Regenfälle und Überflutungen zu erwarten, während sich Nordeuropa aufgrund einer Verlangsamung des Golfstroms auf kältere Temperaturen einstellen muss. 
 
Angesichts derartiger Prognosen bieten Regen- oder Sonnenschirme keinen Schutz mehr. Was ist zu tun? Professor Brasseur befürwortet zwar die Bemühungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Rahmen des Kyoto-Protokolls, hält diese jedoch nicht für ausreichend: "Die Emissionen müssten um 80 bis 90 % sinken, um eine Wirkung zu erzielen. 5 bis 10 % reichen nicht aus. Kyoto sollte daher nur einen ersten Schritt darstellen."
 
Auf die Frage eines Abgeordneten, was er den Staatsoberhäuptern empfehlen würde, antwortete Professor Brasseur: "Es müssen nicht nur Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern, sondern es muss auch eine neue Energiepolitik betrieben werden – vor allem in den USA. Ich kann den Europäern nur empfehlen, sich nicht mit dem Kyoto-Protokoll zufrieden zu geben, sondern konsequent an der Entwicklung neuer Technologien weiterzuarbeiten." Auch die Forschung sei nicht zu vernachlässigen, da sie Grundlagen für neue Technologien schaffen kann. Eine elegante Art zu sagen, dass die Politik der Wissenschaft eine unterstützende Hand reichen muss.
 
REF: 20051202STO03140