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Thunfisch im Mittelmeer massiv überfischt - Rettung möglich?

Fischerei - 20-09-2006 - 19:21
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Gefrorener Roter Thunfisch auf einem Markt in Tokio

Thunfisch - der Sushi-Fisch

Die Thunfischbestände im Mittelmeer stehen kurz vor dem Zusammenbruch – so die dramatische Botschaft einer Anhörung des EP-Fischerei-Ausschusses. Thunfisch, der schon in der Antike verzehrt wurde, ist besonders durch den zunehmenden Appetit auf Sushi bedroht. Fischereiexperten, Umweltschützer und Branchenvertreter sind sich einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht: Die jährliche Fangmenge von 50.000 Tonnen müsste halbiert werden, um eine Regenerierung der Bestände zu gewährleisten.

Obgleich sich die Hauptabnehmer in Japan befinden, wird die Hälfte des weltweiten Thunfischfangs durch französische, italienische und spanische Boote eingebracht. Es gibt zwei Hauptverbreitungsgebiete des Fisches: der Westatlantik und der Ostatlantik, wobei sich etwa 80% der ostatlantischen Bestände im Mittelmeer befinden.
 
Große Überkapazitäten der Fischereiflotten, oft unter „Billigflaggen“, und seit Kurzem auch die wachsende Verbreitung von Thunfisch-Farmen bedrohen den Fortbestand insbesondere des Roten Thunfischs.
 
In den Fischfarmen werden gefangene wilde Thunfische gemästet und erreichen dadurch schneller ein höheres Gewicht und können zu höheren Preisen verkauft werden.
 
Diese Praxis ist neu, kaum geregelt und breitet sich schnell aus. So stammten 1997 lediglich 200 Tonnen Thunfisch aus Farmen; 2005 waren es bereits 25.000 Tonnen. Es besteht kein Zweifel, dass die Fangmengen deutlich über der Quote liegen, die von der Internationalen Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) festgelegt wurde.
 
Was kann die EU unternehmen?
 
Auf die Fischereiflotte der Europäischen Union entfallen derzeit 57% der Fang-Quoten und 60% der Fischfarm-Produktion des Roten Thunfischs. Zudem unterstützte die EU in den vergangenen 10 Jahren den Fischfang, indem sie beispielsweise den Ausbau der französischen Fischereiflotte (der größten im Mittelmeer) subventionierte. Durch eine Abkehr von dieser Politik könnte die EU einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der bedrohten Art leisten.
 
Auf der Anhörung kritisierte Sergi Tudela vom World Wildlife Fund (WWF) die EU, da sie die Interessen der Fischerei-Industrie vor den Artenschutz stelle. Ein für die Gemeinsame Fischereipolitik der EU verantwortlicher Vertreter der Europäischen Kommission räumte ein, dass eine Umstrukturierung der Industrie „unvermeidlich“ sei.
 
Während der Anhörung schlugen mehrere Abgeordnete Maßnahmen zum Schutz des Thunfischs vor. Der britische Abgeordnete Struan Stevenson (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EPP-ED) forderte angesichts der offensichtlichen Krise ein vollständiges Fangverbot in den Laichgebieten. Die Abgeordnete Elspeth Attwooll von der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) sprach sich für die Schaffung eines regionalen Sachverständigen-Rates für das Mittelmeer aus, um den Fischfang rigoroser zu kontrollieren.
 
Für die Grünen forderte die französische Abgeordnete Marie-Hélène Aubert die Mitgliedsstaaten auf, Verantwortung zu übernehmen und EU-Mittel einzusetzen, um der Überfischung entgegenzuwirken. „Nachdem wir die Modernisierung der Flotten subventioniert haben, um unsere Kapazitäten zu erhöhen, müssen wir nun Mittel zur Verkleinerung der Flotten einsetzen“, sagte sie. Der deutsche Sozialdemokrat Heinz Kindermann warf die Frage auf, ob die derzeitigen Strafen nicht verschärft werden sollten.
 
Dass die Biomasse der Thunfisch-Bestände während der vergangenen zwanzig Jahre um 80% zurückgegangen ist, spricht dafür, dass für den Thunfisch die Uhren auf fünf vor zwölf stehen.
 
REF: 20060919STO10788