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Finalisten für den Sacharow-Preis: Einsatz gegen Entführungen in Kolumbien

Menschenrechte - 17-10-2006 - 15:20
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Demonstration in Paris zugunsten von Entführten in Kolumbien

Entführungen nicht tatenlos hinnehmen

Seit Ende September stehen sie fest: die drei Finalisten für den Sacharow-Preis 2006, mit dem das Parlament den Einsatz für die Menschenrechte würdigt. Wir präsentieren ihnen jeweils eine Nominierung, in alphabetischer Reihenfolge. Den Anfang macht „Kolumbien: alle, die sich für die Entführungsopfer einsetzen“.

Die Nominierung „Kolumbien: alle, die sich für die Entführungsopfer einsetzen“ stellt ein Thema in den Vordergrund: den Kampf gegen Geiselnahmen und den Einsatz für die Opfer von Entführungen und deren Angehörige.
 
Es wird geschätzt, dass in Kolumbien 80% aller Entführungsopfer weltweit festgehalten werden. Über 3000 Geiseln, einige von ihnen schon mehr als acht Jahre in Gefangenschaft. Zu ihnen gehören politische und gesellschaftliche Führungspersönlichkeiten, Soldaten, Polizisten und einfache Bürger.
 
Zivilbevölkerung zwischen den Fronten
 
Die Lage in Kolumbien ist seit Jahren von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, Guerillas und paramilitärischen Gruppen gekennzeichnet, die zu massiven Menschenrechtsverletzungen und regelmäßig zu Opfern unter der Zivilbevölkerung führt.
 
Die Guerillas finanzieren sich durch Entführungen und Schutzgeld- sowie Lösegelderpressung und setzten Entführungen als politische Waffe ein. Auch der Drogenhandel dient der Kriegsfinanzierung und hat Kolumbien zum weltweiten Zentrum des Kokain-Handels gemacht, während Millionen Kolumbianer in Armut leben.
 
Die Regierung hat einen Friedensprozess mit den paramilitärischen Gruppen eingeleitet und im Oktober Verhandlungen mit der FARC-Guerrilla über einen „Gefangenenaustausch“ begonnen.
 
Stellvertretend für den Kampf für Menschenrechte und gegen Entführungen stehen Ingrid Betancourt und die Stiftung País Libre (Freies Land):
 
Ingrid Betancourt hat in Kolumbien Kampagnen gegen Korruption und Drogenhandel angeführt, ehe sie im Februar 2002 selbst von der FARC (spanisch für Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) entführt wurde. Sie war Parlamentsabgeordnete und Senatorin sowie im Jahr 2002 Präsidentschaftskandidatin für die von ihr gegründete Partei Oxygen Verde (Grüner Sauerstoff). Ihre Partei strebt vor allem eine Ende des Bürgerkrieges durch Verhandlungen an.
 
Als Abgeordnete hat sich Betancourt gegen die Korruption und die Gewalt in ihrem Land eingesetzt sowie für die Unterstützung der Opfer. Sie entging einer Entführung nur knapp und hatte mehrere Morddrohungen erhalten, weshalb ihre Kinder das Land verließen. Sie wurde während des Wahlkampfes entführt, als sie mit der FARC über ein Ende der Entführungen verhandeln wollte.
 
País Libre (Freies Land) ist eine nichtstaatliche Organisation, die Entführungsopfern und deren Angehörigen sowie anderen Opfern von Erpressungen unentgeltlich und streng vertraulich beisteht. País Libre setzt sich für die Freiheit des Individuums ein und thematisiert systematisch die Probleme Kolumbiens. Auch strebt die Organisation politische und rechtliche Veränderungen an und bemüht sich, die Schädigung der Opfer durch Beratung und psychologische Unterstützung zu minimieren.
 
 
Unter den Links unten finden Sie einen Artikel über den ebenfalls nominierten weißrussischen Oppositionellen Alexander Milinkewitsch und am 24. Oktober werden wir Ghassan Tueni, die dritte Nominierung, vorstellen.
 
REF: 20061010STO11507