Pressemitteilung
Umweltschadstoff PFOS wird schrittweise verboten
Umwelt - 25-10-2006 - 13:57
Bei der Herstellung zahlreicher Konsumgüter und bei vielen industriellen Anwendungen werden Perfluoroctansulfonate (PFOS) eingesetzt, um z.B. Textilien, Teppiche und Papier fett-, öl- und wasserabweisend zu machen. Sie geben jedoch Anlass zur Sorge, weil sie sehr persistent, bioakkumulierbar und giftig sind. Ministerrat und EP haben sich auf ein Kompromisspaket zum Ausstieg aus der Verwendung von PFOS geeinigt, so dass das Gesetzgebungsverfahren in Erster Lesung abgeschlossen wird.
PFOS dürfen nicht mehr als Stoff oder Bestandteil von Zubereitungen in einer Konzentration von 0,005 % oder mehr in Verkehr gebracht oder verwendet werden. In Halbfertigerzeugnissen, Erzeugnissen oder Bestandteilen davon darf die PFOS-Konzentration nicht mehr als 0,1 % betragen.
Von dieser Regelung ausgenommen sind:
- Fotoresistlacke und Antireflexbeschichtungen für fotolithografische Prozesse,
- fotografische Beschichtungen von Filmen, Papieren und Druckplatten,
- Antischleiermittel für nicht-dekoratives Hartverchromen und Netzmittel für Galvanotechniksysteme, bei denen die Menge der PFOS-Emissionen in die Umwelt durch vollständigen Einsatz der besten verfügbaren Technologien auf ein Mindestmaß reduziert wird, und
- Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt.
Für die Verwendung von PFOS in Feuerlöschschäumen gilt eine Übergangsfrist. Feuerlöschschäume, die vor dem Inkrafttreten dieser Richtlinie in Verkehr gebracht wurden, dürfen danach noch weitere 54 Monate verwendet werden.
Überprüfung der Ausnahmeregelungen durch die Kommission
Spätestens ein Jahr nach Inkrafttreten der Richtlinie übermitteln die Mitgliedstaaten der Kommission ein von ihnen erstelltes Verzeichnis über die Prozesse, bei denen PFOS in Antischleiermitteln für nicht-dekoratives Hartverchromen und in Netzmitteln für Galvanotechniksysteme verwendet wird. Außerdem sollen Angaben zu den dabei verwendeten und freigesetzten PFOS-Mengen gemacht werden. Auch die vorhandenen Bestände von Feuerlöschschäumen, die PFOS enthalten, sollen dokumentiert und an die Kommission übermittelt werden.
Sämtliche Ausnahmeregelungen werden von der Kommission überprüft, sobald neue Informationen über weniger bedenkliche alternative Stoffe und Technologien vorliegen. Die Verwendung von PFOS wird eingestellt, wenn der Einsatz weniger bedenklicher Alternativen technisch und wirtschaftlich realisierbar ist. Eine Ausnahmeregelung für wesentliche Verwendungszwecke wird nur dann verlängert, wenn keine weniger bedenklichen Alternativen bestehen und wenn über die unternommenen Schritte, weniger bedenkliche Alternativen zu finden, berichtet wurde. PFOS-Emissionen in die Umwelt sollen "durch den Einsatz bester verfügbarer Technologien auf ein Mindestmaß beschränkt" werden.
Fortdauernde Risikobewertung von Perfluoroctansäure (PFOA)
Es wird vermutet, dass die sog. Perfluoroctansäure (PFOA) und ihre Salze ein ähnliches Risikoprofil wie PFOS aufweisen. Der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des EP konnte sich nicht damit durchsetzen, die Richtlinie auf PFOA auszudehnen. Die Kommission wird jedoch damit beauftragt, die laufenden Risikobewertungstätigkeiten und die Verfügbarkeit weniger bedenklicher Alternativen oder Technologien für die Verwendung von PFOA und verwandten Stoffen fortdauernd zu überprüfen. Insbesondere wenn es weniger bedenkliche alternative Stoffe und Technologien gibt, die technisch und wirtschaftlich vertretbar sind, soll die Kommission alle erforderlichen Maßnahmen vorschlagen, die zu einer Verringerung der festgestellten Risiken beitragen (z.B. durch eine eingeschränkte Vermarktung und Verwendung).
Hintergrund
In der Vergangenheit wurden zahlreiche Stoffe der Chlorchemie wie etwa DDT, PCB und FCKW aufgrund ihrer umweltschädlichen Wirkung vom Markt genommen. Dennoch belasten sie durch ihre Persistenz weiterhin die Umwelt, die Lebensmittelkette und den menschlichen Körper. Sie schädigen die Ozonschicht und tragen zum Klimawandel bei.
Perfluoroctansulfonate (PFOS) zählen zu einer relativ neuen Gruppe der perfluorierten Verbindungen. Fluor ist eines der fünf Halogene im Periodensystem. Bei einer Verbindung dieser Elemente mit Kohlenstoff entstehen persistente Moleküle, die in vielen Fällen auch stärker bioakkumulierbar und giftiger sind. Die Verbindung von Fluor und Kohlenstoff gilt als eine der stabilsten und bestimmte perfluorierte Verbindungen, wie PFOS, sind daher nahezu unzerstörbar.
PFOS wurden weltweit in einer Vielzahl von Tierarten nachgewiesen – von Eisbären bis Albatrossen. Sie belasten auch den Menschen: In jedem menschlichen Körper sind höchstwahrscheinlich PFOS enthalten. Bei einer Blutuntersuchung, die der WWF im Jahre 2004 durchgeführt hat, wurden PFOS in allen Körpern der 47 getesteten Personen aus 17 Ländern festgestellt
REF: 20061020IPR11883
