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Rezeptur gegen Fettsucht

Gesundheitswesen - 11-02-2007 - 20:11
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Jugendlicher isst Pommes Frites mit Ketchup an einem Stehimbiss

Eine Frage des Geschmacks – aber auch der Gesundheit

„Die Zahlen für Europa sind alarmierend: 27 Prozent der Männer, 38 Prozent der Frauen und fast 5 Millionen Kinder sind fettsüchtig. Durchschnittlich 6 Prozent der Gesundheitsausgaben werden für Krankheiten aufgewandt, die von der Fettsucht ausgelöst werden“, so die belgische Europa-Abgeordnete Frédérique Ries. Gesunde Ernährung und mehr Bewegung schon in der Schule sind nach Meinung der Europa-Abgeordneten Teil des Rezepts mit der Europa gewichtsbedingte Gesundheitsprobleme angehen muss.

Parlamentsberichterstatterin Frédérique Ries (Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa, ALDE) deren Bericht das Europaparlament während der letzten Plenarsitzung Anfang des Monats mit breiter Mehrheit angenommen hatte, zitiert die Weltgesundheitsorganisation, die Adipositas (wie Fettsucht wissenschaftlich genannt wird) als das „wichtigste Gesundheitsproblem des Westens" bezeichnet hat. In einigen EU-Ländern ist bereits die Hälfte der Bevölkerung übergewichtig und jedes fünfte Kind gilt als fettsüchtig.
 
Ernährung und Lebensführung betreffen Entscheidungen, die letztlich jeder individuell treffen kann und muss. Aber die Politik kann zur gesunden Ernährung und zur sportlichen Betätigung ermutigen, sie erleichtern und sie für jedermann zugänglich machen.
 
Um der Fettleibigkeit in Europa zu Leibe zu rücken, ist eine Kombination von Maßnahmen notwendig. Aufklärung, Informationen über gesunde Ernährung, sportliche Betätigung in allen Lebensphasen können durch die Gesundheitspolitik der Mitgliedsstaaten, aber auch durch Forschung und gesetzgeberische Maßnamen auf EU-Ebene unterstützt werden.
 
Die Rezeptur, die das Europaparlament empfiehlt, besteht im Wesentlichen aus zehn Zutaten:
  1. Die Adipositas muss als chronische Krankheit anerkannt werden, damit die Stigmatisierung der Betroffenen vermieden werden kann und ihnen medizinische Hilfe zuteilwird.
  2. Die für Gesundheit zuständigen Stellen sollten Partnerschaften mit der Nahrungsmittel-Industrie eingehen, mit dem Ziel, dass die Aufklärung der Betroffenen verstärkt und die Auswahl der für sie gesunden Lebensmittel erleichtert wird.
  3. Verhütung und Überwachung von Fettleibigkeit beginnt mit der Schwangerschaft und sollte in allen Lebensphasen fortgesetzt werden, wobei der Kindheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist, weil in ihr die Ernährungsgewohnheiten nachhaltig geprägt werden.
  4. Der Erziehung zur gesunden Ernährung muss eine größere Priorität beigemessen werden.
  5. Die Schule als Ort, an dem Kinder einen großen Teil des Tages verbringen, hat eine besondere Verantwortung und sollte dazu beitragen, dass Kinder Geschmack an guten, gesunden Lebensmitteln finden.
  6. Schulen müssen mit Mitteln ausgestattet werden, frisch zubereitete  Gerichte anbieten zu können.
  7. Kinder sollten ausreichend Gelegenheit gegeben werden, sich in der Schule sportlich und körperlich zu betätigen und Schulen sollten so angesiedelt werden, dass sie zu Fuß oder mit dem Rad erreicht werden können.
  8. Auf Kinder abzielende Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt sollte unterbunden werden, entweder durch freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller oder gesetzlich. Dabei muss auch Werbung im Internet, per SMS oder das Sponsoring (etwa von Spielplätzen) berücksichtigt werden.
  9. Die EU-Richtlinie Fernsehen ohne Grenzen sollte Nahrungsmittel-Fernsehwerbung, die sich speziell an Kinder wendet, regulieren.
  10. Die neuerdings zu beobachtende „Neuausrichtung des Angebots für Kinder"  und die Nährwertangaben auf Lebensmitteln und Getränken für Kinder sind ein „Schritt in die richtige Richtung“.
 
Nächste Schritte
 
Voraussichtlich im April wird die Europäische Kommission ein Weißbuch zur Ernährung verabschieden. Weißbücher sind Dokumente, mit denen die Kommission konkrete politische und rechtliche Schritte anregt und begründet.
 
Außerdem soll bis Ende des Jahres ein Vorschlag zur Novellierung der EU-Vorschriften über die Etikettierung von Lebensmitteln auf den Tisch kommen.
 
Verbraucherverbände verbinden damit die Hoffnung, dass es den Konsumenten in Zukunft leichter gemacht wird schon beim Einkauf zu erkennen, welche Nahrungsmittel sie ihrer Gesundheit zuliebe den Vorzug geben sollten.
 
Denn wer weiß schon, was der Unterschied zwischen Salz und Natrium ist, ob ungesättigte Fette satt machen oder dass ein „Light“-Produkt unter Umständen zwar fettfrei aber stark gezuckert sein kann?
 
REF: 20070206STO02781