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Jugendkriminalität in Europa: Warum werden Kinder kriminell?
Jugend - 22-03-2007 - 12:55
Etwa 15 Prozent aller Straftaten gehen auf das Konto von Jugendlichen. In einigen Mitgliedsstaaten liegt die Rate sogar bei 22 Prozent. Armut, Vernachlässigung, kaputte Familienstrukturen, aber auch brutale Videospiele können Kinder zu Straftätern machen, erklärten Experten in der öffentlichen Anhörung zum Thema Jugendkriminalität im Europaparlament. Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter fordert eine europaweite Debatte zu dem sensiblen Thema.
Eine steigende Anzahl von jungen Menschen sind von Jugendkriminalität – als Täter oder Opfer – betroffen. Die Zahlen über das Ausmaß der Jugendkriminalität schwanken allerdings zwischen den Mitgliedsstaaten der EU:
In Frankreich zum Beispiel steigt die Jugendkriminalität an, insbesondere Übergriffe auf Personen kommen immer häufiger vor. In zehn Jahren stieg die Anzahl dieser Delikte um 190 Prozent.
In Deutschland hingegen lässt sich insgesamt eine sinkende Tendenz beobachten. Bandendelikte nehmen jedoch zu.
Warum wird mein Kind kriminell?
Mögliche Ursachen dafür, warum Jugendliche gewalttätig oder kriminell werden, sahen einige Experten, die zu der Anhörung eingeladen waren, im exzessiven Konsum von gewaltverherrlichenden Computerspielen und Videospielen, Filme oder Internetseiten; ließen die Hemmschwellen für Gewalt auch im realen Leben sinken.
Doch auch ärmliche Wohnverhältnisse, Vernachlässigung und kaputte Familienstrukturen begründen oft den Start in eine kriminelle Karriere. Kinder von Immigranten haben zusätzliche Schwierigkeiten, den Spagat zwischen zwei Kulturen zu schaffen und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
Keine einheitlichen Präventionsprogramme in der EU
Wie verhindert man, dass ein Kind oder Jugendlicher auf die schiefe Bahn gerät? Wie gliedert man jugendliche Straftäter wieder in die Gesellschaft ein?
In den europäischen Mitgliedsstaaten gibt es eine Vielzahl von Programmen zur Prävention und Wiedereingliederung von jugendlichen Straftätern. Doch einheitliche Standards, Erfahrungsaustausch und wissenschaftlich fundierte Vergleichsdaten fehlen bisher. Die Gesetzgebung variiert von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat.
Mit der Anhörung diese Woche will der Frauenausschuss eine Debatte über dieses sensible Thema in Europa anregen und den Weg für einen europäischen Ansatz im Bereich der Prävention von Jugendkriminalität bereiten.
Soziologen und Psychologen aus ganz Europa und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen stellten ihre Lösungsvorschläge vor. Auf der Grundlage der Anhörung wird die griechische Europa-Abgeordnete Katerina Batzeli (SPE) vom Frauenausschuss einen Parlamentsbericht verfassen.
Prävention statt Strafe
Die Experten waren sich einig, dass die konventionellen, rechtlichen Maßnahmen meist nicht ausreichen, um Jugendkriminalität einzudämmen. Auf Prävention statt auf Strafe zu setzen – darin bestand ein breiter Konsens.
Nur mit einem Bündel von Maßnahmen könne man der Jugendkriminalität beikommen: Die sozialen Ursachen sollen vermehrt in den Blickpunkt gerückt werden. Eltern und Lehrer müssten besser aufgeklärt und vorbereitet werden, damit sie Warnzeichen frühzeitig erkennen und handeln können.
Auch Kinder sollen schon eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen und sich engagieren können, damit sie lernen, soziale Verantwortung zu übernehmen. Experten hoben insbesondere die Wichtigkeit von positiven Rollenvorbildern hervor. Vereine und lokale Behörden müssen gemeinsam gegen das Phänomen Jugendkriminalität vorgehen.
Der Bericht soll ein erster Schritt sein, um gemeinsame Maßnahmen in den Mitgliedsstaaten zu entwickeln.
REF: 20070314STO04228

