Blickpunkt
Energy Globe Awards 2007: Der Gewinner ist…Planet Erde
Energie - 13-04-2007 - 17:04
Kleine, innovative Umweltprojekte standen im Mittelpunkt der feierlichen Verleihung der Energy Globe Awards 2007, die das Europaparlament am Abend des 11. Aprils in eine glitzernde Showbühne verwandelte. Die Gewinner des begehrten Preises wurden unter 732 Bewerbungen aus 96 Ländern ermittelt. Internationale Stars wie der US-Schauspieler Martin Sheen, der Bee Gee-Sänger Robin Gibb sowie der Energieexperte Jeremy Rifkin waren unter den Gästen.
In unserem Blickpunkt können Sie mehr über die Preisträger und deren Projekte erfahren. Lesen Sie darüber hinaus in exklusiven Interviews mit Martin Sheen, Maneka Gandhi, der Vorsitzenden der Energy Awards Jury, und Robin Gibb, wie sich Prominente für den Klima- und Umweltschutz einsetzen.
Sommaire du dossier :
REF: 20070329FCS04907
Energy Globe Award 2007 geht nach Kenia
Ungewöhnliche Szenen spielten sich am Abend des 11. April im Europaparlament ab: Der Plenarsaal wurde zum Schauplatz einer TV-Gala mit internationalen Stars. Feierlicher Anlass war die Verleihung der Energy Globe Awards 2007. Der Umweltpreis wurde an Menschen verliehen, die sich für innovative Energiespar-Projekte in aller Welt einsetzen. Eingereicht wurden 732 Projekte aus 96 Ländern. Hauptgewinner ist John Maina aus Kenia, der für die Entwicklung von Solaröfen ausgezeichnet wurde.
Zu der Preisverleihung kamen Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, die jeweils einen Kontinent repräsentierten. Die Laudatio auf die besten Projekte hielten Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering, der Schauspieler Martin Sheen, die somalische UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie, die ehemalige indische Umweltministerin Maneka Gandhi und der Musiker der Bee Gees, Robin Gibb. Sie vertraten Europa, Amerika, Afrika, Asien und Australien. Durch den Abend führte die Moderatorin Désirée Nosbusch.
Doch aller Glanz und Glitter lenkte nicht vom ernsten Anliegen des Abends ab. „Es ist fünf vor zwölf und wir müssen jetzt handeln", rief der Gastgeber des Abends Pöttering, auf.
Seit 1999 werden die „Energy Globe Awards” jedes Jahr für innovative Projekte in der ganzen Welt verliehen, die für die sparsame Nutzung von Energiequellen und die Nutzung von erneuerbaren Energien ausgezeichnet werden. Die Umweltpreise wurden in den fünf Kategorien Erde, Feuer, Wasser, Luft und Jugend verliehen.
Kategorie Erde
Hauptgewinner des Abends war der Kenianer John Maina. Unter den fünf Finalisten wurde er vom Publikum mit dem goldenen Energy Globe Award 2007 ausgezeichnet. Seine Idee überzeugte die Zuschauer. Er nutzt Solaröfen, um Gemüse und Früchte zu trocknen. Mit diesem System können kenianische Bauern seither bis zu 50 Prozent höhere Ernten ohne stärkere Umweltverschmutzung verarbeiten. "Diese Technik kann überall hin übertragen werden", unterstreicht der Preisträger.
Kategorie Feuer
Das UNEP Risoe Center und das Risoe National Laboratory Dänemark gewann den Energy Globe Award in der Kategorie Feuer. In einem Vierjahres-Projekt sollen in Indien 16.000 Solarhäuser mit dänischer Unterstützung und Krediten lokaler indischer Banken entstehen. Der Preis wurde von dem US-amerikanische Schauspieler und Umweltaktivisten Martin Sheen überreicht. Beifall erntete er für seinen Kommentar, dass er als Präsident der Vereinigten Staaten sofort das Kyoto-Protokoll unterschreiben würde.
Kategorie Wasser
Jerry M. Brownstein wurde mit dem Umweltpreis in der Kategorie Wasser ausgezeichnet. Er entwickelte ein Verfahren, um verschmutztes Wasser mit einem Filter aus recyceltem Kunststoffabfall wieder trinkbar zu machen. Der Filter nimmt bis zu 100 Prozent Öl aus verseuchtem Wasser auf. Der Geiger Nigel Kennedy übergab den Preis und nutzte die Gelegenheit, auf die ungerechte Verteilung von Wohlstand in der Welt hinzuweisen.
Kategorie Luft
Für seine Biogas-Kleinanlagen in Vietnam wurde Reindert Augustijn mit dem Energy Globe Award in der Kategorie Luft ausgezeichnet, mit deren Hilfe die CO2 Emission jährlich um bis zu 54.000 Tonnen verringert wurden. Diese Technik soll Vorbild für weitere 150.000 Anlagen sein. Der Präsident des Europaparlaments Hans-Gert Pöttering überreichte den Umweltpreis in dieser Kategorie und betonte in seiner Rede, dass die EU und das Europaparlament zwar eine führende Rolle in der Umweltpolitik spielen. Doch ohne weltweite Unterstützung funktioniere es nicht. „Wir müssen insbesondere mit den USA, Indien und China zusammenarbeiten", so Pöttering.
Kategorie Jugend
In der Kategorie Jugend gewann die Kunstuniversität Linz den Energy Globe Award. Der Beegee-Sänger Robert Gibb verlieh an die Studenten, die in Südafrika ein Solarhaus entwickelt haben, das unabhängig von der Außentemperatur durch eine natürliche Klimaanlage gleichmäßig eine Temperatur von ca. 20 Grad hält.
Der nationale Ehrenpreis geht an das Gastgeberland Belgien für ein historisches Bürgerhaus, das durch eine sensible Renovierung zum Energiesparhaus wurde. Der Preis wurde vom ehemaligen EU-Kommissar Franz Fischler übergeben.
Am Ende der Veranstaltung äußerte sich Wolfgang Neumann, der Gründer des Energy Globe Awards, gerührt: "Es war ein großer Erfolg. Ich kann kaum glauben, dass die Verleihung an so einem bedeutenden Ort wie dem Europaparlament stattgefunden hat. Damit geht ein Traum für mich in Erfüllung."
Doch aller Glanz und Glitter lenkte nicht vom ernsten Anliegen des Abends ab. „Es ist fünf vor zwölf und wir müssen jetzt handeln", rief der Gastgeber des Abends Pöttering, auf.
Seit 1999 werden die „Energy Globe Awards” jedes Jahr für innovative Projekte in der ganzen Welt verliehen, die für die sparsame Nutzung von Energiequellen und die Nutzung von erneuerbaren Energien ausgezeichnet werden. Die Umweltpreise wurden in den fünf Kategorien Erde, Feuer, Wasser, Luft und Jugend verliehen.
Kategorie Erde
Hauptgewinner des Abends war der Kenianer John Maina. Unter den fünf Finalisten wurde er vom Publikum mit dem goldenen Energy Globe Award 2007 ausgezeichnet. Seine Idee überzeugte die Zuschauer. Er nutzt Solaröfen, um Gemüse und Früchte zu trocknen. Mit diesem System können kenianische Bauern seither bis zu 50 Prozent höhere Ernten ohne stärkere Umweltverschmutzung verarbeiten. "Diese Technik kann überall hin übertragen werden", unterstreicht der Preisträger.
Kategorie Feuer
Das UNEP Risoe Center und das Risoe National Laboratory Dänemark gewann den Energy Globe Award in der Kategorie Feuer. In einem Vierjahres-Projekt sollen in Indien 16.000 Solarhäuser mit dänischer Unterstützung und Krediten lokaler indischer Banken entstehen. Der Preis wurde von dem US-amerikanische Schauspieler und Umweltaktivisten Martin Sheen überreicht. Beifall erntete er für seinen Kommentar, dass er als Präsident der Vereinigten Staaten sofort das Kyoto-Protokoll unterschreiben würde.
Kategorie Wasser
Jerry M. Brownstein wurde mit dem Umweltpreis in der Kategorie Wasser ausgezeichnet. Er entwickelte ein Verfahren, um verschmutztes Wasser mit einem Filter aus recyceltem Kunststoffabfall wieder trinkbar zu machen. Der Filter nimmt bis zu 100 Prozent Öl aus verseuchtem Wasser auf. Der Geiger Nigel Kennedy übergab den Preis und nutzte die Gelegenheit, auf die ungerechte Verteilung von Wohlstand in der Welt hinzuweisen.
Kategorie Luft
Für seine Biogas-Kleinanlagen in Vietnam wurde Reindert Augustijn mit dem Energy Globe Award in der Kategorie Luft ausgezeichnet, mit deren Hilfe die CO2 Emission jährlich um bis zu 54.000 Tonnen verringert wurden. Diese Technik soll Vorbild für weitere 150.000 Anlagen sein. Der Präsident des Europaparlaments Hans-Gert Pöttering überreichte den Umweltpreis in dieser Kategorie und betonte in seiner Rede, dass die EU und das Europaparlament zwar eine führende Rolle in der Umweltpolitik spielen. Doch ohne weltweite Unterstützung funktioniere es nicht. „Wir müssen insbesondere mit den USA, Indien und China zusammenarbeiten", so Pöttering.
Kategorie Jugend
In der Kategorie Jugend gewann die Kunstuniversität Linz den Energy Globe Award. Der Beegee-Sänger Robert Gibb verlieh an die Studenten, die in Südafrika ein Solarhaus entwickelt haben, das unabhängig von der Außentemperatur durch eine natürliche Klimaanlage gleichmäßig eine Temperatur von ca. 20 Grad hält.
Der nationale Ehrenpreis geht an das Gastgeberland Belgien für ein historisches Bürgerhaus, das durch eine sensible Renovierung zum Energiesparhaus wurde. Der Preis wurde vom ehemaligen EU-Kommissar Franz Fischler übergeben.
Am Ende der Veranstaltung äußerte sich Wolfgang Neumann, der Gründer des Energy Globe Awards, gerührt: "Es war ein großer Erfolg. Ich kann kaum glauben, dass die Verleihung an so einem bedeutenden Ort wie dem Europaparlament stattgefunden hat. Damit geht ein Traum für mich in Erfüllung."
Martin Sheen im Europaparlament: „Wir müssen aufwachen!"
Als Schauspieler ist der Amerikaner Martin Sheen international bekannt. Doch auch als Umweltschützer ist er seit Jahren aktiv. Gestern, am 11. April, verlieh Sheen im Europaparlament einen der Energy Globe Awards 2007 an die Initiatoren eines Solarprojekts aus Indien. Der besonders aus „Apocalypse now" bekannte Schauspieler nahm sich vor der Preisverleihung die Zeit, uns ein paar Fragen zu seinem Umweltengagement zu beantworten. Die eigene Regierung verschonte er dabei nicht mit Kritik.
Was hat Sie veranlasst, zu den Energy Globe Awards ins Europaparlament zu kommen?
Dieser Preis gibt den normalen Bürgern und den NGOs, die normalerweise keinen Zugang zu dieser Art von Medienaufmerksamkeit haben, eine Chance zu zeigen, dass Umweltschutz für uns alle wichtig ist. Es ist faszinierend, dass die Dritte-Welt-Länder hier den größten Beitrag leisten, da gerade sie am meisten unter dem Mangel an sauberer Luft und Wasser leiden. Diese Veranstaltung richtet sich wirklich an die kleinen Akteure und gerade das macht dieses Ereignis so wichtig.
Warum setzen Sie sich für die Umwelt ein?
Ich bin ein engagierter Bürger und ich denke, dass unser Nachwuchs uns zu Geiseln der Zukunft macht. Meine Kinder, meine Kindeskinder und deren Kinder werden erben, was wir ihnen überlassen. Was wir ihnen momentan zu bieten haben, ist nicht sehr gut. Als Mitverwalter des Planeten Erde muss ich die Verantwortung annehmen, alles zu tun, was in meiner Macht steht, und es so lange zu tun, wie ich kann, um anderen die Augen zu öffnen und sie zu anzuregen, sich am Kampf für eine gesunde Umwelt zu beteiligen.
Welche Position nimmt Amerika gegenüber dem Klimawandel ein?
Wir müssen endlich aufwachen! Das einzige, was uns in Amerika fehlt, ist politische Führung in Sachen Umweltschutz. Wir haben genügend Leute, die aktiv sind und sich engagieren, aber uns fehlt die Unterstützung seitens der Regierung. Diese Regierung hat uns im Stich gelassen: Das ist wirklich enttäuschend und sehr demotivierend. Wir können nur hoffen, dass wir aufwachen, bevor es zu spät ist. Von dieser Regierung erwarten wir nichts mehr, aber vielleicht gelingt es mit der nächsten Regierung. Die öffentliche Meinung in Amerika wacht jedenfalls auf. Das haben wir allerdings nicht der Regierung zu verdanken, sondern den Umweltschützern Amerikas, die die Führung übernommen haben.
Können Europa und die USA gemeinsam den Klimawandel kontrollieren?
Das müssen sie unbedingt! Wir sind Teil derselben Welt, wir müssen das Problem gemeinsam angehen. Die Europäer sind sich darüber sehr viel bewusster als wir; Europa engagiert sich sehr viel mehr im Umweltschutz als wir. Deshalb hoffe ich, dass wir sehr bald aufschließen werden. Aber wir brauchen unbedingt eine neue Regierung, um das zu erreichen!
Prognosen über den Klimawandel zeichnen ein düsteres Bild. Der Schaden ist bereits immens: Ist es schon zu spät?
Auf keinen Fall! Natürlich behaupten Leute, auch aus der Wissenschaft, dass es schon zu spät sei und dass wir den Abgrund schon überschritten haben. Ich persönlich glaube daran nicht. Ich denke, dass wir noch in der Lage sind, die Welt zu verbessern und zu reparieren, was wir schon zerstört haben.
Europäer bezeichnen Amerikaner häufig als Energieverschwender, als Fahrer von Benzinschluckern: Ist das gerecht?
Ja, absolut. Ich denke, wir sind überprivilegiert: Wir haben viel, wir verbrauchen und verschwenden viel, und darüber hinaus machen wir uns keine Gedanken um die Bedürfnisse und Sorgen von anderen. Wir müssen jetzt anfangen, uns auf die Bedürfnisse der Dritten Welt zu konzentrieren. Wir tun so, als sei die Dritte Welt weniger wichtig, als hätten wir nichts mit diesen Ländern zu tun. Aber wir müssen aufwachen und verstehen, dass wir alle dieselbe Luft atmen und dass unsere Kinder dieselbe Zukunft erben werden.
Wenn Sie einen Zauberstab besitzen würden, mit dem Sie eine praktische Maßnahme gegen den Klimawandel ergreifen könnten: Was würden Sie sich wünschen?
Ich denke, dass das Thema Trinkwasser am wichtigsten ist: Der Mangel an sauberem Wasser ist eine der größten Umweltgefahren, denen wir uns heute gegenüber sehen. Verseuchtes Wasser ist für die meisten Gesundheitsprobleme in der Dritten Welt verantwortlich. Es verursacht viele Krankheiten und zerstört die Hoffnungen von so vielen Kindern dieser Länder. Wasser ist die Energie der Zukunft.
Dieser Preis gibt den normalen Bürgern und den NGOs, die normalerweise keinen Zugang zu dieser Art von Medienaufmerksamkeit haben, eine Chance zu zeigen, dass Umweltschutz für uns alle wichtig ist. Es ist faszinierend, dass die Dritte-Welt-Länder hier den größten Beitrag leisten, da gerade sie am meisten unter dem Mangel an sauberer Luft und Wasser leiden. Diese Veranstaltung richtet sich wirklich an die kleinen Akteure und gerade das macht dieses Ereignis so wichtig.
Warum setzen Sie sich für die Umwelt ein?
Ich bin ein engagierter Bürger und ich denke, dass unser Nachwuchs uns zu Geiseln der Zukunft macht. Meine Kinder, meine Kindeskinder und deren Kinder werden erben, was wir ihnen überlassen. Was wir ihnen momentan zu bieten haben, ist nicht sehr gut. Als Mitverwalter des Planeten Erde muss ich die Verantwortung annehmen, alles zu tun, was in meiner Macht steht, und es so lange zu tun, wie ich kann, um anderen die Augen zu öffnen und sie zu anzuregen, sich am Kampf für eine gesunde Umwelt zu beteiligen.
Welche Position nimmt Amerika gegenüber dem Klimawandel ein?
Wir müssen endlich aufwachen! Das einzige, was uns in Amerika fehlt, ist politische Führung in Sachen Umweltschutz. Wir haben genügend Leute, die aktiv sind und sich engagieren, aber uns fehlt die Unterstützung seitens der Regierung. Diese Regierung hat uns im Stich gelassen: Das ist wirklich enttäuschend und sehr demotivierend. Wir können nur hoffen, dass wir aufwachen, bevor es zu spät ist. Von dieser Regierung erwarten wir nichts mehr, aber vielleicht gelingt es mit der nächsten Regierung. Die öffentliche Meinung in Amerika wacht jedenfalls auf. Das haben wir allerdings nicht der Regierung zu verdanken, sondern den Umweltschützern Amerikas, die die Führung übernommen haben.
Können Europa und die USA gemeinsam den Klimawandel kontrollieren?
Das müssen sie unbedingt! Wir sind Teil derselben Welt, wir müssen das Problem gemeinsam angehen. Die Europäer sind sich darüber sehr viel bewusster als wir; Europa engagiert sich sehr viel mehr im Umweltschutz als wir. Deshalb hoffe ich, dass wir sehr bald aufschließen werden. Aber wir brauchen unbedingt eine neue Regierung, um das zu erreichen!
Prognosen über den Klimawandel zeichnen ein düsteres Bild. Der Schaden ist bereits immens: Ist es schon zu spät?
Auf keinen Fall! Natürlich behaupten Leute, auch aus der Wissenschaft, dass es schon zu spät sei und dass wir den Abgrund schon überschritten haben. Ich persönlich glaube daran nicht. Ich denke, dass wir noch in der Lage sind, die Welt zu verbessern und zu reparieren, was wir schon zerstört haben.
Europäer bezeichnen Amerikaner häufig als Energieverschwender, als Fahrer von Benzinschluckern: Ist das gerecht?
Ja, absolut. Ich denke, wir sind überprivilegiert: Wir haben viel, wir verbrauchen und verschwenden viel, und darüber hinaus machen wir uns keine Gedanken um die Bedürfnisse und Sorgen von anderen. Wir müssen jetzt anfangen, uns auf die Bedürfnisse der Dritten Welt zu konzentrieren. Wir tun so, als sei die Dritte Welt weniger wichtig, als hätten wir nichts mit diesen Ländern zu tun. Aber wir müssen aufwachen und verstehen, dass wir alle dieselbe Luft atmen und dass unsere Kinder dieselbe Zukunft erben werden.
Wenn Sie einen Zauberstab besitzen würden, mit dem Sie eine praktische Maßnahme gegen den Klimawandel ergreifen könnten: Was würden Sie sich wünschen?
Ich denke, dass das Thema Trinkwasser am wichtigsten ist: Der Mangel an sauberem Wasser ist eine der größten Umweltgefahren, denen wir uns heute gegenüber sehen. Verseuchtes Wasser ist für die meisten Gesundheitsprobleme in der Dritten Welt verantwortlich. Es verursacht viele Krankheiten und zerstört die Hoffnungen von so vielen Kindern dieser Länder. Wasser ist die Energie der Zukunft.
Maneka Gandhi: „Indien muss sich auf alternative Energien konzentrieren“
Die ehemalige indische Umweltministerin Maneka Gandhi kämpft weltweit für den Schutz der Umwelt und für die Rechte von Tieren. Auch als Autorin und Journalistin hat die Umweltaktivistin gearbeitet. Sie hat viele Bücher zu rechtlichen, etymologischen und zu Tierschutz-Fragen veröffentlicht.
Die Vorsitzende der Energy Globe Jury betonte, wie wichtig die Preisverleihung sei: „Der Umweltpreis wird manchen Ländern helfen, den eingeschlagenen Weg zu überdenken.“ Als Stellvertreterin für den Kontinent Asien drückt Maneka Gandhi die dortige „Verzweiflung“ aus: „Insbesondere kleinere asiatische Länder werden die ersten Opfer des Klimawandels sein, den sie selbst nicht verursacht haben.“
Ist es zu spät, um noch zu handeln?
„Ich glaube nicht, dass wir schon am Ende der Welt angelangt sind, aber wir sind recht nahe dran. Die Leute ignorieren den Klimawandel, wenn sie über die Welt in den nächsten 25 bis 40 Jahren sprechen. Aber er verändert die Erde Tag für Tag. Die indischen Sundarban Inseln sind schon untergegangen.“
„Der Klimawandel ist nicht mehr nur durch Amerikaner oder Europäer verschuldet, auch Indien trägt seine Verantwortung. Doch die USA kann nicht Indien als Entschuldigung nehmen, sich nicht weiter vorwärts zu bewegen. Jegliche Bedingungen von den USA in Bezug auf Indien und China wird diese Länder dazu veranlassen, sich weiter gegen Umweltpolitik zu sperren.“
Was kann Indien tun?
„Indien kann nicht in Kategorien wie der Reduktion von Emissionen denken“, erklärt Gandhi. Sie zitiert Statistiken, nach denen der indische Pro-Kopf-Energieverbrauch im Jahr 2005 bei 520 Kilogramm Öl liegt. Der Weltdurchschnitt beträgt 1731 Kilogramm, Europäer verbrauchen sogar 4842 Kilogramm Öl im Jahr. „In Indien haben 57 Prozent der ländlichen Haushalte und 12 Prozent der Haushalte in der Stadt, zusammen 84 Millionen Menschen, überhaupt keinen Strom! Es geht aber aufwärts“, so Gandhi. Das Ziel sei es, den Bedarf an umweltschädlich gewonnener Energie einzudämmen.
Was kann das Europaparlament beitragen?
„Asien und insbesondere Indien beobachten genau, was in der EU passiert und schauen sich europäische Gesetze ab. Das hat einen großen psychologischen Effekt. Wenn das Parlament die richtigen Gesetze verabschiedet, werden wir sie früher oder später auch einführen. Das soll allerdings keine Entschuldigung sein...“
Was halten Sie von Nuklearenergie?
Nuklearenergie lehnt die Politikerin für Indien entschieden ab. „Wir werden einfach nicht die Sicherheitsstandards einhalten können. Nuklearenergie ist zu kompliziert für Indien, wir können damit nicht umgehen. Es ist nicht reif dafür. Unsere Hauptsorge muss zunächst allerdings darin bestehen, unsere 800.000 Dörfer mit Strom zu versorgen.“
Indien solle sich stattdessen auf alternative, dezentral einsetzbare Energiequellen wie Solar- oder Windkraft zu konzentrieren. Damit könne man den Ausstoß von Schadstoffen wie CO2 deutlich verringern. Sie mahnt an, dass „erst zwei Prozent des globalen Energiehaushaltes aus erneuerbaren Energien besteht.“ Nicht nur die Industrieländer, auch die Entwicklungsländer sollen ihrer Meinung nach einen Beitrag dazu leisten, den Anteil der alternativen Energien zu erhöhen.
Ein großes Problem sieht sie zudem darin, dass allein 40 Prozent der Elektrizität schon während der Zuteilungsphase verloren gehen. „Deswegen ist es wichtig, die Effizienz der Energie-Systeme zu verbessern“, unterstreicht sie. Ein Anreiz dazu könne durch eine entsprechende Besteuerung geschaffen werden.
Sie kritisiert, den Ursachen des Klimawandels und die Herausforderung eines gesteigerten Energiebedarfs nicht mit einem vermehrten Ruf nach Kohle zu begegnen. „In asiatischen Ländern haben Umweltministerien nur beschränkte Befugnisse und Budgets. Sie werden eher als Behinderung der Industrialisierung angesehen.“
Sie sagten, dass Menschen in Indien nicht verstehen, dass der Klimawandel schon jetzt stattfindet. Was tut die Regierung, um mehr Bewusstsein dafür zu schaffen?
Die Regierung tut überhaupt nichts, um darüber aufzuklären. Sie überlässt das komplett den Nichtregierungsorganisationen. Unsere Regierung hat noch nicht einmal eine Wissenschaftsabteilung. Die NGOs geben ihr Bestes, aber das reicht noch nicht. Umweltschutz muss Aufgabe der Regierung sein. In Indien sind es nicht so sehr die Bürger, sondern die Politiker, die Stolpersteine darstellen. Den Menschen wird noch nicht mal die Gelegenheit gegeben, eine Ausbildung zu bekommen. Der politische Wille fehlt bisher“, beklagt Gandhi.
Was tun Sie in ihrem täglichen Leben, um zum Umweltschutz beizutragen?
„Ich versuche mein Bestes, aber das ist nicht genug“, sagt die Umweltpolitikerin, die 25 Krankenhäuser und fünf Waisenhäuser eröffnet hat, Umweltkampagnen in der ganzen Welt organisiert und Beiträge für 25 Zeitungen schreibt. Nicht zuletzt hat sie alle heute bestehenden Umweltgesetze Indiens auf den Weg gebracht.
Jeremy Rifkin: "Die Eisbären ertrinken bereits"
Der internationale Energie-Guru Jeremy Rifkin, Autor des Buches "Der Europäische Traum", warnte im Europaparlament eindringlich vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels. Vor der Verleihung der Energy Globe Awards sprach er von der globalen „Echtzeit"-Erwärmung mit schmelzenden arktischen Eisbergen und Hurrikanen in Mexiko. Ereignisse, die eigentlich erst für das 22. Jahrhundert vorhergesagt waren.
Eine Erderwärmung um drei Grad Celsius kann fatale Folgen haben, so Rifkin. Ein Drittel aller Arten auf der Erde könnten dadurch aussterben und die Erdkugel in einen Zustand zurückversetzen, der 3000 Jahre in der Vergangenheit liegt. „Wir können nicht davor fliehen. Wir haben nichts anderes als unseren Planeten“, warnt der Energie-Experte.
Gibt es einen Weg zu einem erneuerbaren Kraftstoff?
„Wasserstoff ist entscheidend, wenn es um die Speicherung erneuerbarer Energien geht. Die Sonne scheint nicht immer, der Wind bläst nicht immer und das Wasser an den Staudämmen kann auf einen Tiefstand sinken. Also nutzt man die Zeit, in der die Sonne scheint und der Wind bläst, entnimmt die Energie und lagert sie in Form von Wasserstoff. Man elektrolysiert Wasser mit Elektrizität und schnappt sich den Wasserstoff. So kann man erneuerbare Energien speichern und man bekommt Energie auf Abruf für das Stromnetz und den Verkehr. Wir müssen an die erneuerbaren Energien herankommen und die alten Energieträger wie Kohle, Öl, Gas und Uran loswerden. Alternative Energieträger sind die Zukunft.“
Was weiß der Durchschnittsamerikaner über globale Erderwärmung?
„Ich würde sagen, dass der Durchschnittsamerikaner so große Schritte macht, dass das niemand vorher absehen konnte. Hier in Europa sind sich die Bürger aller 27 Mitgliedsstaaten sehr bewusst darüber, was der Klimawandel bedeutet. Die Menschen in Europa sind zudem auch bereit, Opfer zu bringen und neue Ideen auszuprobieren, um an erneuerbare Energie zu kommen. Europa ist uns weit voraus; es ist ein Labor für eine neue Ära der Energie.
In den Vereinigten Staaten haben sich die Menschen die geringsten Sorgen um den Klimawandel gemacht, aber nach den jüngsten Hurrikanen „Katrina“ und „Rita“ hat sich das geändert. Die Effekte der Erderwärmung sind schon heute erkennbar. Skigebiete haben keinen Schnee mehr, das „Central Valley“ in Kalifornien sieht einer Dürreperiode entgegen. Den Menschen wird klar, dass der Klimawandel in ihre Gemeinden und in ihr Leben eingreift.“
Was tragen Sie persönlich dazu bei, die Umwelt zu schützen?
„Ich habe ein sieben Jahre altes Auto und es hat erst 24.000 Meilen auf dem Tacho. Ich versuche, nicht so viel zu fahren – aber ich bin auch nicht Mutter Theresa, ich könnte noch viel mehr machen. Ansonsten essen wir zu Hause vegetarisch. Die UN hat gerade einen Bericht über Nahrung und Landwirtschaft herausgebracht, der von der Öffentlichkeit ignoriert wurde. Die Untersuchungen ergaben, dass die Hauptursache, wie Menschen den Klimawandel beeinflussen, nicht im Verkehr liegt – sondern in der Viehzucht.
Bee Gee-Sänger Robin Gibb: „Die Jugend dazu bringen, sich zu engagieren“
Einer der Stars der Energy Globe Verleihung war Robin Gibb, Mitglied der legendären Popband Bee Gees. Bevor er den Umweltpreis in der Kategorie Jugend überreichte, sang er im Europaparlament seinen Hit „How deep is your love?“ Am Ende der Show trat er gemeinsam mit dem Geiger Nigel Kennedy auf. Danach stellte er sich den Fragen unserer Redakteure.
Was kann ein einzelner Mensch tun, um die Welt zu ändern?
Eine einzelne Person kann die Einstellung der Leute ändern. Manchmal kann eine Stimme ausreichen, um andere aus ihrer Denkweise zu befreien, sie könnten sowieso nichts ausrichten.
Sie haben heute das beste Jugendprojekt vorgestellt. Wie wichtig ist es, junge Menschen die Energie-Problematik näher zu bringen?
Es ist sehr wichtig, dass sich junge Menschen engagieren, sie sind schließlich das Rückgrat der Gesellschaft von Morgen. Was zählt, ist, sie so früh wie möglich zu kriegen. Das ist meine Aufgabe: junge Leute dazu bringen, sich zu engagieren.
Sehen Sie sich selbst als Vorbild?
Ich sehe mich gerne als Rollenmodell. Ich will ein Fixpunkt sein, Ausgangspunkt für den Wandel, eine Quelle der Inspiration.
Kann Musik helfen, um eine industrielle Revolution hin zu sauberer Energie in Gang zu bringen?
Musik kann viel bewegen, aber das reicht nicht. Die Leute müssen sich die Botschaft merken und dann damit leben. Aber sie sollten sich auch daran halten. Ich richte mich damit besonders an junge Menschen. Sie sind unsere Zukunft.
Sind Sie schon einmal in einem Parlament aufgetreten?
Ja, in Moskau.
Wie hat Ihnen der Auftritt im Europaparlament gefallen?
Es war sehr schön! Mir hat die Veranstaltung gefallen. Sie hat eine positive Stimmung vermittelt und ich bin stolz, daran teilzuhaben.












