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Aids: Steigende Ansteckungsraten in Europa

Gesundheitswesen - 12-04-2007 - 18:51
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Rote Aids-Schleife

Der Kampf gegen Aids muss weitergehen

Die Zahl der HIV-Infektionen steigt weltweit weiter an. Der Virus ist in vielen Teilen der Erde außer Kontrolle geraten. Zwar können moderne Medikamente die Krankheit inzwischen über Jahre in Schach halten. Die Folgen sind jedoch zum Teil fatal: Trotz breiter Aufklärungskampagnen scheint in Europa die Angst vor der Ansteckung insbesondere in Risikogruppen abgenommen zu haben. Ein Parlamentsbericht unterstützt die Forderung der Kommission, den Kampf gegen AIDS wieder verstärkt aufzunehmen.

Anfang der 1980er Jahre entdeckten kalifornische Ärzte zum ersten Mal die heimtückische und tödliche Immunkrankheit, die in den folgenden Jahrzehnten zu einer der Hauptseuchen auf dem ganzen Globus wurde. Diagnose AIDS: Die Patienten starben schnell, Heilung war nicht in Sicht. Erst später unterschieden Forscher zwischen dem Virus HIV und dem Ausbruch der Krankheit AIDS.
 
Neue Infektionswelle rollt auf Europa zu
 
Medikamente und Aufklärungskampagnen haben entscheidend dazu beigetragen, die Ausbreitung der Epidemie in Westeuropa und den Vereinigten Staaten zu verlangsamen. In den letzten Jahren hat die Zahl der HIV-Infektionen jedoch wieder zugenommen. Da Aids nicht mehr wie früher als Todesurteil betrachtet wird, zeigen viele Menschen ein Risikoverhalten und lassen das Infektionsrisiko außer Acht.
 
Ein UN-Bericht aus dem Jahr 2006 schätzt die Zahl der HIV-Infizierten auf 40 Millionen Menschen. 25 Millionen Menschen starben bisher daran, allein im Jahr 2005 wurden 2,8 Millionen Aids-Tote gezählt.
 
HIV-Infektion durch einen Kuss auf den Mund?
 
Übertragen wird der Virus durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Vaginalsekret sowie auch durch Muttermilch. Ansteckung droht bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder im Drogenmilieu beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen. Im alltäglichen Umgang mit HIV-Infizierten wie zum Beispiel am Arbeitsplatz, beim gemeinsamen Essen, in öffentlichen Schwimmbädern, in der Sauna oder in Krankenhäusern wird der Virus hingegen nicht übertragen.
 
Über die HIV-Übertragungswege scheint es in Europa immer noch einige Unklarheiten zu geben. In einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2006 halten es mehr als die Hälfte der Befragten fälschlicherweise für möglich, dass der Virus auch durch einen Kuss auf den Mund übertragen werden kann. Immerhin 45 Prozent glauben, dass man sich infizieren kann, wenn man mit einem HIV-Infizierten aus einem Glas trinkt.
 
EU und Nachbarländer: Gemeinsamer Kampf gegen Aids
 
Dass die Ansteckungsraten auch in Europa steigen, ist neben leichtsinnigem Verhalten von Risikogruppen auch vielfach ein Migrationsproblem. Deswegen sieht der Aktionsplan, den das Europaparlament diskutiert hat, eine gemeinsame Strategie nicht nur für die Mitgliedsstaaten sondern auch für die Nachbarländer der EU vor.
 
Nach einer Studie aus dem Jahr 2006 finden sich drei Viertel der heterosexuellen Infizierten in der EU unter Immigranten.
 
Nahezu zwei Drittel aller HIV-infizierten Menschen leben in Afrika. Nur ein Prozent dieser Infizierten haben sich jedoch einem Bluttest unterzogen: Somit hat die große Mehrheit keine Ahnung, dass sie den gefährlichen Virus in sich trägt, darunter auch viele, die nach Europa auswandern.
 
Ein anderes Problem stellen wachsende HIV-Raten an den Ostgrenzen der EU dar. Der illegale Handel mit Prostituierten aus Ländern wie Russland oder der Ukraine ist einen großer Risikofaktor.
 
Nach einem Bericht von EuroHIV haben sich im Jahr 2005 innerhalb der EU etwa 50 von einer Million Menschen mit dem HIV-Virus angesteckt, während es in Russland und der Ukraine zusammen 280 von einer Million Menschen waren. Es wird geschätzt, dass die aktuelle Zahl der Infizierten drei Mal höher liegt, als die offiziellen Zahlen es vermuten lassen.
 
Besonderen Schutz für Frauen fordert der Parlamentsbericht
 
Die EU-Kommission stieß Ende 2005 an, den Kampf gegen Aids verstärkt aufzunehmen und dabei insbesondere auch die Nachbarländer einzubeziehen.
 
Der Initiativbericht des liberalen EU-Abgeordneten Georgs Andrejevs (Lettland) unterstützt diese Forderung und wurde im Gesundheitsausschuss verabschiedet. Ende April soll darüber im Plenum abgestimmt werden.
 
Dem Bericht zu Folge zählen injizierende Drogenkonsumenten, Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, Prostituierte, Migranten, Häftlinge und junge Menschen unter 25 Jahren zur Gruppe mit dem höchsten HIV-Risiko.
 
50 Prozent aller HIV-Infizierten bzw. Aidskranken weltweit sind demnach Frauen. Der Bericht betont deswegen auch die besonderen Bedürfnisse hinsichtlich der Familienplanung, sicherer Geburten und sicherem Stillen zu berücksichtigen.
 
Insbesondere diese Risikogruppen sollen durch gezielte Kampagnen innerhalb der EU und in den Nachbarländern aufgeklärt werden. Maßnahmen zur Prävention und zur Schadensbegrenzung sollen unter anderem die Verwendung von Kondomen, Drogenersatztherapie, Zugang zu freiwilligen Tests, Tausch alter gegen neue sterile Nadeln und Spritzen sowie Beratung von Gruppen, die als gefährdet oder mit HIV infiziert gelten, fördern.
 
REF: 20070329STO04905