Blickpunkt
 

Verständigung in der Vielfalt: Sprachen im Europaparlament

Institutionen - 29-10-2007 - 12:02
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In der eigenen Sprache zuhören

Die EU ist eine Gemeinschaft von 27 Mitgliedstaaten, deren Einheit und Vielfalt in 23 Amtssprachen sowie einer Fülle nationaler, regionaler und lokaler Sprachen zum Ausdruck kommen. Sie ist die Heimat von fast 500 Millionen Menschen mit unterschiedlichem ethnischem und sprachlichem Hintergrund. Die Mehrsprachigkeit trägt zu den europäischen Werten der Demokratie, Gleichberechtigung, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit bei.

Die Erhaltung dieser einmaligen sprachlichen Vielfalt ist eine große Herausforderung. Da die EU seit kurzem in 23 Sprachen arbeitet, lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung der Mehrsprachigkeit, ihren Nutzen und ihre Kosten.
 
Die EU ist eine multikulturelle, mehrsprachige Demokratie und verwendet drei Alphabete: Lateinisch, Griechisch und Kyrillisch.
 
Statistische Fakten
 
Als Hintergrund für die weiteren Teile unseres Artikels hier ein paar Statistiken über die Kosten der Mehrsprachigkeit:
 
Gesamtkosten für Übersetzen und Dolmetschen in allen EU-Institutionen: 1 Prozent des Gesamthaushalts der EU im Jahr 2005 (ca. 1,123 Mrd. Euro, d. h. weniger als 2,30 Euro jährlich je Bürger).
 
Kosten der Übersetzung von Texten für alle EU-Institutionen: geschätzte 800 Millionen Euro (im Jahr 2006)
 
Gesamtkosten der Verdolmetschung: knapp 190 Millionen Euro (2005).
 
Anteil der Kosten für Mehrsprachigkeit an den Gesamtausgaben des Parlaments: gut ein Drittel
 
673 000 Seiten übersetzte das Parlament in der ersten Jahreshälfte 2007 (165.000 davon extern).
 
Seit 2005 hat das Parlament über eine Million Seiten pro Jahr übersetzt.
 
Pro Tag erfordert das EU-System im Schnitt über 2.000 Übersetzer und 80 Dolmetscher.
 
 
REF: 20071017FCS11816

Die EU spricht Ihre Sprache

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Irish, Romanian and Bulgarian dictionaries

The three last new languages at the EP

Die EU – eine wahrhaft mehrsprachige Organisation – wird manchmal als ein komplexer und stetig wachsender Turm zu Babel beschrieben. Aber das geht am Kern vorbei – die sprachliche Vielfalt dient nicht zuletzt der Verständigung zwischen Institutionen und Bürgern. Sie ist sogar eines der demokratischen Grundprinzipien, auf die sich die EU stützt. Beim Beitritt gibt jeder Staat an, welche Landessprachen Amtssprachen der EU werden sollen, und dann wird die vollständige Liste der Amtssprachen von den Regierungen der EU vereinbart. Jede EU-Erweiterung ist also eine sprachliche und kulturelle Erweiterung. Nicht zufällig war die Verordnung, mit der die Amtssprachen festgelegt wurden, die allererste der EU: Verordnung Nr. 1 von 1958.
 
Die Legitimität der EU-Organe beruht auf ihrer Rechenschaftspflicht, Zugänglichkeit und Transparenz. Viele Bürger sprechen nur eine Sprache, also muss die EU dafür sorgen, dass sie Zugang zu Rechtsvorschriften, Verfahren und Informationen in ihrer Landessprache erhalten und sich mit allen Organen in einer beliebigen Amtssprache verständigen können.
 
Jeder gewählte Vertreter und jede gewählte Vertreterin im Europaparlament hat das Recht, in der eigenen Sprache zu sprechen, zu hören, zu lesen und zu schreiben. Dies trägt dazu bei, die uneingeschränkte und gerechte Vertretung aller Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, da es uns ermöglicht, uns nicht von den besten Linguisten, sondern von den Politikerinnen und Politikern unserer Wahl vertreten zu lassen, während die besten europäischen Fachkräfte sie mit Verdolmetschung und Übersetzung unterstützen.
 
Keine andere regionale oder weltweite Körperschaft verwendet so viele Amtssprachen. „Es gibt keine andere internationale Organisation, die auch nur halb so viele Sprachen hätte wie wir“, bemerkt Olga Cosmidou, die Leiterin der Direktion Dolmetschen des Parlaments. „In Europa, wo wir das Modell einer multikulturellen Gesellschaft haben, ist die Verdolmetschung ein Grundbedürfnis.“
 
Keine andere Organisation gibt so viel für Übersetzung und Dolmetschen aus und dennoch bleiben die Kosten relativ gesehen recht gering.
 
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Viele Sprachen, eine Union

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Vier unterschiedliche Lippen und Kinnpartien

Vielfalt in Kultur und Sprache

Die Gleichberechtigung der Sprachen bedeutet, dass keine Sprache „gleicher“ ist als die anderen. Die Charta der Grundrechte der EU garantiert die Achtung der sprachlichen Vielfalt, und unabhängig davon, ob ein Bürger oder eine Bürgerin aus einem kleinen oder einem großen Mitgliedstaat kommt, ist eine Diskriminierung aufgrund der Sprache verboten. Unsere regelmäßig aktualisierte Parlamentswebsite soll einen Zugang zu Informationen in Ihrer Sprache bieten.
 
Gleichberechtigung der Sprachen steht an oberster Stelle
 
Als weltweit größter Arbeitgeber für Dolmetscher und Übersetzer, die ein Drittel (ca. 1.500 Bedienstete) des Personals ausmachen, ist das Europäische Parlament ein Meister der Mehrsprachigkeit, bei dem die Verdolmetschung für Plenartagungen sowie Sitzungen des Leitungsgremiums und der Ausschüsse und Delegationen, soweit möglich, garantiert werden.
 
Natürlich erhöhen die zunehmenden Befugnisse des Europaparlaments und die steigende Zahl der Sprachen die Arbeitsbelastung. Professionelle Dolmetscher, Übersetzer und sonstige hoch qualifizierte Beamte und Bedienstete wie etwa Rechts- und Sprachsachverständige sorgen für höchste sprachliche Qualität und Genauigkeit.
 
Worin liegt das Geheimnis der Bewältigung zusätzlicher Sprachen? Helmut Spindler, der Leiter der Direktion Übersetzung, erklärt dies mit jahrelanger Vorbereitung und Planung, hoch motivierten und erfahrenen Führungskräften und Mitarbeitern – und begeisterten neuen Übersetzern und Führungskräften. Hinzu kommen gründliche Einweisung zu Beginn der Laufbahn und lebenslange berufliche Fortbildung, effizientem Einsatz sprachlicher Hilfsmittel und innovative Ansätze sowie eine Kombination aus internen externen Arbeitskräften.
 
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Gesprochenes und geschriebenes Wort

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Dolmetscher in ihren Kabinen

Dolmetscher in ihren Kabinen

Hohe Qualität und Genauigkeit sind entscheidend, wenn es darum geht, eine transparente Entscheidungsfindung zu gewährleisten, und der Schlüssel dazu sind eindeutige und präzise Originaltexte und Reden. Überprüfung und Kontrolle sichern qualitativ hochwertige Übersetzungen, während Übersetzungsspeicher und Datenbanken mit EU-Terminologie für inhaltliche und rechtliche Kohärenz sorgen.
 
Millionen von Seiten
 
Von den über 2 Millionen Seiten, die die EU-Institutionen Jahr für Jahr übersetzen, entfallen auf das Europaparlament der Löwenanteil. Nach der EU-Erweiterung von 2004 um zehn neue Staaten stieg die Nachfrage nach Übersetzungen auf mehr als das Fünffache.
 
Grundsätzlich werden die Übersetzungen im Europaparlament von Muttersprachlern angefertigt. Dabei wird zunehmend ein System verwendet, in dem eine häufig gesprochene Sprache als Relais dient, d.h. quasi als Zwischenstation. Ein Dokument in einer weniger geläufigen Sprache wird also nicht unbedingt direkt in alle anderen Sprachen übersetzt, sondern wahrscheinlich zuerst in eine der Relaissprachen und dann in weitere Sprachen.
 
Dadurch ist es  nicht notwendig, dass es für jede der 506 möglichen zweisprachigen Kombinationen einen Übersetzer gibt der die Kombination direkt beherrscht.
 
Verdolmetschung aus dem Relais
 
Da das in Parlamentsdebatten abzudeckende Themenspektrum praktisch unbegrenzt ist, muss ein Dolmetscher über gute allgemeine EU-Kenntnisse und Fachwissen in möglichst vielen Bereichen der EU-Tätigkeit verfügen: von heiklen außenpolitischen Themen bis hin zu den verschiedensten Fischarten. Simultandolmetschen ist ein äußerst komplexer Prozess, besonders während der Plenartagungen, da den Abgeordneten nur begrenzte Redezeit eingeräumt wird (und daher mitunter sehr schnell sprechen).
 
Die Verdolmetschung wird an den drei Arbeitsorten des Parlaments (Brüssel, Straßburg und Luxemburg) und andernorts, beispielsweise für interparlamentarische Delegationen, bereitgestellt. Je mehr Sprachen, umso komplizierter wird die Verdolmetschung. Das Parlament verfügt über etwa 400 ständige Dolmetscher, zu denen während der Zeiten mit höchster Arbeitsbelastung die gleiche Zahl an Freiberuflern hinzukommen kann.
 
Ein komplettes Dolmetschteam für eine Sitzung mit 23 aktiven und passiven Sprachen erfordert 69 Dolmetscher, wobei jede mit drei Personen besetzte Dolmetscher-Kabine möglichst viele Sprachkombinationen direkt abdecken sollte.
 
Wenn nicht alle Dolmetscher aus einer der weniger verbreiteten Sprachen arbeiten können, greift das Team auf die Verdolmetschung in die Relaissprachen zurück. In anderen Fällen, besonders bei den Sprachen der neueren Mitgliedstaaten, arbeiten die Dolmetscher zum Teil auch in und aus ihrer Muttersprache, was „Retour-Dolmetschen“ oder „bi-aktives“ Dolmetschen genannt wird.
 
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Lost in Translation? Kontrollierte umfassende Mehrsprachigkeit

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Ein Bericht  in unterschiedlichen Sprachversionen

Dokumente in Ihrer Sprache

Nutzen und Wert der Mehrsprachigkeit überwiegt eindeutig den dabei entstehenden Arbeits- und Finanzaufwand, und dem Parlament ist es eine demokratische Pflicht, möglichst umfassende Mehrsprachigkeit zu erreichen. Um die allerwichtigste Grundlage der EU zu sichern, betreiben die Organe der EU den größten Dolmetsch- und Übersetzungsdienst der Welt. Eine EU mit einer supranationalen lingua franca würde die Bürgerinnen und Bürger von den EU-Organen entfremden. Daher sind die Organe bestrebt, die sprachliche und kulturelle Vielfalt innerhalb und außerhalb ihrer Gebäude zu fördern und versuchen, soweit möglich Euro-Slang zu vermeiden.
 
Insofern können und sollen weder die Kosten noch die praktischen Schwierigkeiten beim Erreichen einer Gleichberechtigung der Sprachen nicht außer Acht gelassen werden. Sie erhöhen sich mit jeder EU-Erweiterung. Nicht nur, weil ausreichend qualifiziertes Sprachpersonal gefunden werden muss, sondern auch hinsichtlich der Infrastruktur – z. B. müssen die Sitzungssäle mit genügend Dolmetscher-Kabinen ausgestattet sein.
 
Somit waren die EU-Erweiterungen auch jeweils Anlass nach Möglichkeiten zu suchen, die Effizienz der Dienste zu verbessern. So erfährt beispielsweise die allgemeine Regel, dass die Übersetzer und Dolmetscher nur in ihre Muttersprache arbeiten, einen allmählichen Wandel. Die Arbeit wird anspruchsvoller und bringt größere Herausforderungen mit sich, und damit verändert sich die gesamte Herangehensweise an das Übersetzen und Dolmetschen.
 
Ein pragmatischer Ansatz
 
Während für Plenartagungen und alle vom Parlament und seinen Organen angenommenen amtlichen Dokumente die vollständige Übersetzung und Verdolmetschung gewährleistet wird, gilt für vorbereitende Dokumente und Sitzungen ein flexiblerer Ansatz, wonach nicht unbedingt alle Dokumente in alle Sprachen übersetzt werden bzw. in Sitzungen nicht in alle Sprachen gedolmetscht wird. Die Ausschüsse beispielsweise erstellen „Sprachenprofile“ ihrer Mitglieder, so dass nur von den Mitgliedern tatsächlich benötigte Sprachen verwendet werden. Bei vielen kleineren Sitzungen können sich die Mitglieder selber aus praktischen Erwägungen darauf einigen, in weniger Sprachen, manchmal sogar nur in einer Sprache zu arbeiten.
 
Dieser pragmatische Ansatz spiegelt sich in jüngeren Rechtsvorschriften des Europaparlaments wider. Laut dem Verhaltenskodex Mehrsprachigkeit des Parlaments von 2006 „erlaubt es lediglich der Lösungsansatz einer ‚umfassenden kontrollierten Mehrsprachigkeit‘ [auf der Grundlage des vorab mitgeteilten Bedarfs und in der Rangfolge nach Benutzern abgestuft], die Kosten der Mehrsprachigkeit in annehmbaren Haushaltsgrenzen zu halten und gleichzeitig die Gleichheit der Abgeordneten und der Bürger zu wahren“.
 
Das Europaparlament nahm auch eine auf einem Bericht des finnischen Abgeordneten Alexander Stubb (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED) beruhende Entschließung zu Ausgaben für Dolmetschleistungen und Wegen zur Verbesserung der Arbeitsmethoden an. Das Europaparlament hält die Mehrsprachigkeit und die Fähigkeit, andere Redner im Europaparlament zu verstehen, für ein entscheidendes Element der europäischen Demokratie, weist aber auch auf Bereiche hin, in denen Einsparungen erzielt werden könnten, indem das Bewusstsein für Dolmetschkosten gesteigert, Absagen in letzter Minute und die Bereitschaftszeit für Dolmetscher verringert und der Bedarf und die Ressourcen optimal gesteuert werden. Im Jahre 2003 entfielen 16% der Dolmetschkosten auf Bereitschaften oder Dienste, die erbracht, aber nicht genutzt wurden.
 
In der Entschließung zum Entwurf des Haushaltsplans für 2007 erkannten die Abgeordneten an, dass die Mehrsprachigkeit „für die Arbeit der Mitglieder und für die Bürger von wesentlicher Bedeutung ist“, forderten aber eine Kontrolle dieses Postens, der nahezu 33 % der Gesamtausgaben des Parlaments ausmacht. In der Entschließung zu den Ausgaben für 2008 wird die Möglichkeit erwogen, den Dolmetschdienst umzustrukturieren, und vorgeschlagen, gegen den den verschwenderischen Umgang mit den Sprachdiensten mit Sanktionen zu belegen.
 
Mehr Effizienz
 
Technische Entwicklungen wie computergestützte Übersetzung, gemeinsam genutzte Übersetzungsspeicher und Spracherkennungssysteme sind hilfreich, doch können Maschinen menschliches Feingefühl nicht ersetzen.
Dass beim Übersetzen und Dolmetschen etwas verloren geht, ist unvermeidlich. Ohne sie ginge noch mehr verloren.
 
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Einheit in Vielfalt: EU-Finanzmittel für Mehrsprachigkeit

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A draw of people walking in the strett ©BELGA/ILLUSTRA/John Telford

Different languages one feeling… being European

Die EU fördert das Erlernen von Sprachen und die sprachliche Vielfalt innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen. In einem Bericht vom 27. April 2006 fordert das Europaparlament, die Beherrschung von mindestens zwei Fremdsprachen als Grundfertigkeit zu betrachten, die alle in der EU lernenden und arbeitenden europäischen Bürger besitzen sollten, und bekräftigt damit die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Barcelona vom März 2002.
 
Die EU will, dass die Mitgliedstaaten in ihre schulischen Lehrpläne vom frühen Kindesalter an mindestens zwei Fremdsprachen einbeziehen, um das Interesse an der Aneignung weiterer Sprachen und die Motivation dazu zu sichern, was das gegenseitige Verstehen und Einfühlungsvermögen überall in Europa stärken würde.
 
Mehrsprachigkeit fördern
 
Von der EU finanzierte allgemeine und berufliche Bildungsprogramme wie Socrates (Lingua und Comenius) und Leonardo da Vinci fördern aktiv lebenslanges Lehren und Lernen von Sprachen und die sprachliche Vielfalt. Aus dem EU-Programm Media werden die Synchronisierung und die Untertitelung europäischer Filme finanziert.
 
Als Teil der Bemühungen, den lebenslangen Sprachenerwerb zu fördern, wurde der 26. September zum Europäischen Tag der Sprachen erklärt. Die EU-Initiative zum Europäischen Sprachensiegel (ein Siegel zur Anerkennung kreativer Initiativen im Sprachenunterricht und im Sprachenlernen) trägt ebenfalls zur Steigerung der Mehrsprachigkeit bei, und 2008 wird das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs sein.
 
Um diese Ziele zu verwirklichen, bedarf es weiterer Anstrengungen, und die Abgeordneten haben die Schaffung des Europäischen Indikators für Sprachenkompetenz begrüßt, der Vergleiche zwischen den Sprachkenntnissen und der diesbezüglichen Politik der Mitgliedstaaten ermöglichen wird. Die Erhebungen beginnen voraussichtlich 2009.
 
Der im Februar 2006 veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage „Die Europäer und ihre Sprachen“ zufolge behaupten 28% der Europäer, zwei Fremdsprachen zu beherrschen, während 56% der EU-Bürger sich in einer Fremdsprache unterhalten können. Fast die Hälfte der Befragten gestand ein, außer ihrer Muttersprache keine weitere Sprache zu sprechen. Etwa jeder fünfte Europäer lernt aktiv eine Fremdsprache.
 
Weitere nationale, regionale und Minderheitensprachen
 
Die sprachliche Vielfalt ist eher ein Trumpf als ein Hindernis für eine geeinte EU, und angesichts von etwa 60 Regional- oder Minderheitensprachen, die von fast 50 Millionen Europäern gesprochen werden, fördert die Union Regional- und Minderheitensprachen mit Sprachlernprogrammen und finanzieller Unterstützung. Das Europaparlament hat sein Engagement für den Schutz weniger verbreiteter Sprachen in einer Reihe von Entschließungen, die bis in die frühen 80er-Jahre zurückgehen, unter Beweis gestellt.
 
Aufgrund spezieller Vorschriften können die Bürgerinnen und Bürger sich seit 2006 in den so genannten „kooffiziellen“ Sprachen Spaniens (andere Sprachen als Spanisch mit einem innerhalb Spaniens verfassungsrechtlich garantierten Status) an das Europäischen Parlament wenden und eine Antwort erhalten. Die spanische Regierung hat sich bereit erklärt, für eventuelle zusätzliche Übersetzungskosten aufzukommen, und sorgt auch für die Übersetzung zahlreicher EU-Texte in diese Sprachen.
 
Das Parlament besitzt eine interfraktionelle Arbeitsgruppe für traditionelle Minderheiten und Regionalsprachen, und Vizepräsident Miguel Ángel Martínez Martínez ist für Mehrsprachigkeit zuständig. Zusammen mit Kommissionsmitglied Leonard Orban machte er am 28. Juni die Datenbank „Inter-Active Terminology for Europe“ (IATE) für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie enthält 8,7 Millionen Termini, 500 000 Abkürzungen und 100 000 idiomatische Wendungen in allen 23 EU-Amtssprachen.
 
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