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EuroparlTV
Institutionen - 12-09-2008 - 11:13
Am 17. September 2008 startet das Europäische Parlament sein eigenes WebTV-Programm: EuroparlTV
Von diesem Zeitpunkt an kann jeder, der über einen Internetanschluss verfügt, unter
ein regelmäßig wechselndes Angebot von Programmen zur Arbeit des Europäischen Parlaments anschauen.
Die folgenden zehn Punkte sollen einige der möglichen Fragen von Interessenten beantworten.
REF: 20080901BKG35904
Warum ein parlamentseigener Sender?
Das Europäische Parlament will seine Arbeit für die Bürger so transparent und verständlich wie möglich gestalten. Die Bürger haben ein Recht darauf zu wissen und zu verstehen, was in ihrem Parlament passiert. Ein parlamentseigener Sender bietet die Möglichkeit, den Bürgern die Arbeit des EP auf moderne und kreative Weise näher zu bringen.
Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat die Zahl parlamentarischer Sender deutlich zugenommen. Einige dieser Sender werden von nationalen Fernsehsendern betrieben (so etwa BBC Parliament), andere hingegen wurden von den nationalen Parlamenten selbst ins Leben gerufen (z. B. in Frankreich und Griechenland).
Das Europäische Parlament hat sich für letzteres Modell entschieden.
Warum das Internet?
Ein Web-TV-Sender:
- ist sehr viel kosteneffektiver als ein traditioneller Fernsehsender;
- passt besser zur aktuellen Entwicklung der Technik, insbesondere der Konvergenz von Computer- und Fernsehtechnologie sowie der rasanten Verbreitung der Breitbandtechnologie;
- orientiert sich an der Nutzerfreundlichkeit statt am Komfort für den Sender, indem er dem Zuschauer eine große Auswahl an Material bietet, das er zu einem Zeitpunkt und an einem Ort seiner Wahl gucken kann (eine Art von "Demokratie auf Anfrage");
- trägt einem geändertem Sozialverhalten Rechnung, demzufolge viele Europäer, insbesondere junge Menschen, zunehmend das Internet als Nachrichten- und Informationsquelle nutzen;
- ist erheblich besser dazu geeignet, verschiedene Sprachversionen zu liefern;
- ist der einzig effektive Weg, um Menschen außerhalb der EU zu erreichen.
Die Gründe für die Entscheidung, einen Internet-Fernsehsender einzurichten, werden in einer vom EP im Sommer 2005 in Auftrag gegebenen Studie ausführlich dargelegt.
Was wird zu sehen sein?
EuroparlTV besteht nicht aus einem, sondern aus vier verschiedenen Sendern, die sich alle an eine andere Zielgruppe wenden:
- Ihr Parlament wendet sich an Zuschauer mit einem speziellen Interesse an Politik auf EU-Ebene, z. b. sachkundige Bürger, Verbände, Sozialpartner, Lobbyisten, Akademiker sowie Mitarbeiter der EU-Institutionen.
- Ihre Stimme ist auf die Bedürfnisse der allgemeinen Öffentlichkeit zugeschnitten und bietet die Möglichkeit der Veröffentlichung von Zuschauerbeiträgen.
- Junges Europa richtet sich vorrangig an Kinder im schulpflichtigen Alter, sprich an Vielnutzer des Internets und die europäischen Wähler der Zukunft.
- Parlament LIVE bietet durchgehende Berichterstattung über Live-Veranstaltungen des Parlaments, insbesondere Plenartagungen, mit einem Link zu den audiovisuellen Archiven vorangegangener Tagungen sowie der Arbeit der Ausschüsse in den kommenden Monaten.
Schließlich wurde eine Sektion mit dem Titel "Das Europäische Parlament entdecken" entworfen, die Hintergrundinformationen zum EP und seiner Geschichte und Arbeitsweise, einschließlich Profile der Abgeordneten und der EP-Präsidenten sowie Programme der Fraktionen und Ausschüsse, bieten soll.
Wie hat das Parlament den Sender aufgebaut?
Das Europäische Parlament hat beschlossen, den Sender mit Hilfe externer Ressourcen aufzubauen. Es wurde eine Ausschreibung durchgeführt, um zwei Unternehmen zu identifizieren, eins zum Aufbau der Web-Plattform und für das Hosting, und ein weiteres zur Produktion der Inhalte.
Im Dezember 2006 und Juli 2007 schloss das Parlament Verträge mit dem britischen Unternehmen TwoFour Digital für die Plattform und mit dem in Brüssel ansässigen Unternehmen Mostra für die Inhalte ab.
Die zwei Unternehmen haben für das Parlament gemeinsam einen ersten Prototyp des Senders aufgebaut, der im November 2007 vorgestellt wurde, sowie jetzt die Online-Version mit einer Sendezeit von schätzungsweise mindestens 300 Stunden pro Jahr (mit Ausnahme von Live-Übertragungen).
Wie ist der Sender getestet geworden?
Ein interner Prototyp des Senders wurde im November 2007 erstellt und allen Mitarbeitern des Parlaments zugänglich gemacht. Zusätzlich wurden im Dezember desselben Jahres alle EP-Informationsbüros aufgefordert, in ihren jeweiligen Ländern Schwerpunktgruppen einzurichten. Auf diese Weise erhielten insgesamt etwa 300 Personen die Möglichkeit, den Prototyp zu testen und einen kurzen Fragebogen dazu auszufüllen. Die Antworten zeigen, dass:
- 81 % gerne EuroparlTV geguckt haben;
- 78 % der Ansicht waren, die Webseite sei einfach zu bedienen; und
- 80 % der Meinung waren, dass die Inhalte für sie relevant waren.
Auf der Grundlage dieser Reaktionen sowie derjenigen aus dem Parlament selbst wurde die Entscheidung zum Aufbau der Online-Version getroffen.
Wer kann gucken?
Jeder, der einen Internetanschluss hat, wird EuroparlTV gucken können. Die Benutzer können zwischen Windows Media und Flash 9 wählen.
Um die Reichweite der Programme zu maximieren und die Zuschauerzahlen zu erhöhen werden die Zuschauer in der Lage sein, eingebettete Codes und URLs zu benutzen, um Videos auch anderen Internetnutzern zugänglich machen zu können.
Wie viele Sprachen?
Alle Programme werden in mehr als 20 Sprachen übersetzt, wodurch EuroparlTV einmalig in der Welt sein wird. Einige Programme werden im Off-Ton-Modus übertragen, andere mit Untertiteln versehen. Alle EU-Sprachen werden berücksichtigt, allerdings mit einem geringeren Angebot von Beiträgen in Gälisch, dem Beispiel der EP-Homepage folgend.
Wie viel Interaktivität?
Dem EP ist daran gelegen, die Interaktivität des Senders zu gewährleisten. Die Redaktions-Charta legt fest, dass der Sender so zu entwickeln ist, dass die Interaktivität zwischen dem Parlament und den europäischen Bürgern verstärkt wird. Der Sender muss den Bürgern die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu den Inhalten des Senders kundzutun und zu diesen Inhalten beizutragen.
Programme, die diesen Erfordernissen gerecht werden, sind derzeit in Entwicklung.
Wer kontrolliert den Sender?
Der Sender unterliegt den Bestimmungen der Redaktions-Charta, die folgende Punkte hervorhebt:
- "Der Sender richtet sich nach den Grundsätzen der öffentlichen Dienstleistung, um der Information und der Bildung zu dienen. Der Sender soll gewährleisten, dass alle Aspekte des parlamentarischen Alltags attraktiv, glaubwürdig und professionell vorgestellt werden."
-
"Der Sender gewährleistet, dass unter angemessener Beachtung der jeweiligen Stärke der Fraktionen und nach Maßgabe einer neutralen und unparteiischen Redaktionspolitik die Meinungsvielfalt im Europäischen Parlament widergespiegelt wird."
Das Präsidium des Europäischen Parlaments (bestehend aus dem EP-Präsidenten, den Vize-Präsidenten und den Quästoren) hat ein aus einem Abgeordneten pro Fraktion und unter Vorsitz des für Information und Kommunikation zuständigen Vize-Präsidenten stehendes Beratungsgremium aufgefordert, es dabei zu unterstützen, die Einhaltung der Bestimmungen der Charta sowie die zügige Bearbeitung interner und externer Beschwerden sicherzustellen.
