Hintergrund-Dossier
LUX-Kinopreis 2008: Filmische Brückenschläge
Institutionen - 22-10-2008 - 20:19
Die europäische Koproduktion „Lornas Schweigen“ der Belgier Jean-Pierre und Luc Dardenne ist der Gewinner des LUX-Filmpreises des Europäischen Parlaments, der diesen Mittwoch in Straβburg zum zweiten Mal verliehen wurde. Der Film wurde von Europa-Abgeordneten unter einer von einer Internationalen Jury getroffenen Vorauswahl ausgewählt. Lesen Sie unser Dossier mit Informationen über die Filme im Wettbewerb, die Regisseure und den Preis.
Der LUX-Preis soll dazu beitragen, europäische Filme einem gröβerem Publikum zugänglich zu machen und das Interesse für das europäische Kino zu steigern. Dazu trägt der Preis auch ganz praktisch bei, indem der ausgezeichnete Filme in allen Amtssprachen der EU untertitelt wird und für jedes EU-Land eine Master-Kopie erstellt wird.
Bevor er den Gewinner des LUX-Preises bekannt gab und an Luc Dardenne übergab, sagte Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering: „Jeder der drei Filme behandelt einen anderen Aspekt“, der es verdiene stärker ins Bewusstsein gerückt zu werden. Die drei Filme ließen sich schwer vergleichen und in Konkurrenz zueinander stellen. Für ihn persönlich „sind alle drei jetzt schon Gewinner, jeder auf seine eigene Weise".
Luc Dardenne betonte die Bedeutung, die die mit dem Preis verbundene Untertitelung habe, denn „wir in Europa sehen nicht genug von den Filmen aus anderen europäischen Ländern“. Er hoffe, dass die Botschaft des LUX-Preises bei den Filmvertrieben und Kinobetreibern ankommt.
Sommaire du dossier :
REF: 20081020FCS39962
Luc Dardenne (Lornas Schweigen)
Der im belgischen Lüttich geborene Filmemacher Luc Dardenne (54), der den ausgezeichneten Film Lornas Schweigen (Le Silence de Lorna) gemeinsam mit seinem Bruder Jean-Pierre (57) als Regisseur und Produzent realisiert hat, nahm den Preis am Mittwochvormittag von Parlamentspräsident Pöttering entgegen. Die Dardenne-Brüder wurden schon mehrfach mit renommierten Preisen wie etwa der Golden Palme von Cannes für ihre Werke ausgezeichnet. Wie auch in Lornas Schweigen stehen in ihren Filmen oft junge Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen im Mittelpunkt. In ihrem jüngsten Film muss die junge Albanerin Lorna entscheiden, ob sie für ihr eigenes Glück über Leichen gehen will.
Nach der Preisverleihung baten wir Luc Dardenne die folgenden Sätze zu vervollständigen:
Ich habe diesen Film gemacht...
… weil es mir ein tiefes Bedürfnis war - gemeinsam mit meinem Bruder.
Der LUX-Preis steht für mich…
… für kulturelle Vielfalt, Austausch zwischen europäischen Ländern, der im Kino nicht ausreichend stattfindet.
Mein nächster Film wird....
... das weiβ ich noch nicht.
Der beste je gemachte Film...
… wurde noch nicht gemacht.
Der europäische Film wäre ohne öffentliche Filmförderung....
… nicht existent oder er würde auf die direkte Rentabilität zielen, und damit immer schlechter werden, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen.
Wenn ich kein Regisseur wäre....
… wäre ich gerne Sänger oder Musiker geworden.
Die Welt des Films wäre ohne Hollywood ....
… ein Waisenkind, ohne einen wichtigen Teil der Filmgeschichte.
Die Persönlichkeit der Filmwelt, die Sie am meisten bewundern....
.... der Vagabund - Charlie Chaplin. Weil er ein Pionier war, das Destillat seiner Epoche und einer wirtschaftlichen und sozialen Realität und gleichzeitig das schönste und stärkste was es im Bereich der Komödie gibt.
Weitere Informationen :
Miroslav Janek (Bürger Havel)
Miroslav Janek (54) begann seine Karriere, in deren Verlauf rund vierzig Filme entstanden, in der Tschechoslowakei, bevor er im Alter von 26 Jahren in die USA emigrierte. Die Passion fürs Filmen hat er von seinem Vater geerbt, einem Amateur-Filmer. Sein für den LUX-Preis nominierter Film Občan Havel (Bürger Havel), porträtiert den Lyriker, Bürgerrechtler und früheren Präsidenten der Tschechoslowakei Vaclav Havel.
Ich habe diesen Film gemacht...
... weil man mich darum gebeten hat. Pavel Koutecký, ein Freund und Kollege, hat diesen Film über dreizehn Jahre lang gedreht. Er ist bei einem tragischen Umfall ums Leben gekommen, als er mit dem Schneiden des Films beginnen wollte. Danach hat mich die Produktionsfirma gebeten, den Film zu Ende zu bringen.
Der LUX-Preis steht für mich ...
... für eine besondere Erfahrung. Ich hätte nie erwartet, einmal ins Europäische Parlament zu kommen, oder sonst irgendein Parlament.
Mein nächster Film wird....
… eine fünfstündige Fernsehfassung von Bürger Havel.
Der beste je gemachte Film...
... nun da ich hier sitze, würde ich sagen Das Kabinett des Doktor Caligari, ein deutscher Stummfilm aus den Zwanzigern. Ein Klassiker mit einem ganz besonderem Design, das mich an dieses [Sofa] hier erinnert.
Der europäische Film wäre ohne öffentliche Filmförderung....
...tot oder krank (lacht).
Wenn ich kein Regisseur wäre....
… wäre ich Tischler.
Film ohne Hollywood wäre ....
... besser (lacht). Nein, nein, das ist nicht wahr. Eine schwierige Frage, denn es gibt unglaublich gute Filme, aber auch sehr viel Scheiβ, der die Kinos überschwemmt. In einem Wort, um den Satz zu vervollständigen: anders.
Ihr bester Film bisher war...
… vielleicht The Unseen (das Ungesehene), ein Film über blinde Kinder, die photographieren.
Die Persönlichkeit der Filmwelt, die Sie am meisten bewundern ....
… keine einzelne. Ich bewundere viele von ihnen. Wenn ich wirklich eine einzige nennen muss, dann würde ich sagen Fellini.
Kornél Mundruczó (Delta)
Der 1975 in Ungarn geborene Kornél Mundruczó wurde schon mit mehreren internationalen Preisen geehrt. Sein für den LUX-Preis nominierter Film Delta wurde als bester ungarischer Film und auch von der internationalen Filmkritikervereinigung FIPRESCI ausgezeichnet. Der Film erzählt von der Rückkehr eines jungen Mannes ins Donau-Delta und der Begegnung mit seiner ihm bis dahin unbekannten Schwester und der Reaktion der Einheimischen auf die sich zwischen beiden entstehende Bezíehung.
Ich habe diesen Film gemacht...
... weil mir die Idee dazu kam, durch den Mangel an Toleranz, den ich in meiner ungarischen Heimat, aber auch überall sonst in Europa, im Alltag erlebe. Darüber wollte ich einen Film drehen.
Der LUX-Preis steht für mich ...
... eine Möglichkeit, Brücken zu schlagen zwischen Ost und West. Ich habe mich seit meiner Kindheit als Europäer gefühlt und wir leben jetzt wie in einem Land. Das ist groβartig. Meine Nominierung zeigt, dass es funktioniert.
Mein nächster Film wird....
... man weiβ nie. Ideen hat man immer zur genüge. Aber Geld dafür aufzutreiben ist die Schwierigkeit.
Der beste je gemachte Film...
...ist einer von Fassbinder. Er ist für mich der Gröβte. Jeder seiner Filme ist herausragend.
Der europäische Film wäre ohne öffentliche Filmförderung....
..das wäre verrückt, sehr schlecht für Europa und insbesondere das Publikum. Das Geld würde bestimmen, die Regeln machen und wir haben Beispiele, wohin das führ... Wir dürfen nicht vergessen, dass Kultur sehr wichtig ist für Europa. Geschichte und Kultur gehören zum Besten was wir haben.
Film ohne Hollywood wäre ....
... das kommt darauf an. Heutzutage ist Hollywood sehr konservativ, aber in den 40er, 50er und 60er Jahren war es sehr mutig. Damals waren sich das europäische und das amerikanische Kino sehr viel näher. Ich hoffe daher auf eine Revolution in Hollywood und dann können wir wieder gemeinsam Filme machen, wie in den 40er und 50er Jahren.
Ihr bester Film ...
… der nächste (lacht).
Weitere Informationen :
Pressemitteilung: "Lornas Schweigen" gewinnt den zweiten LUX-Preis
Zum zweiten Mal hat der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert PÖTTERING, heute den LUX-Preis, den Filmpreis des Europäischen Parlaments, vergeben. Gewonnen hat der Film "Lornas Schweigen" von Jean-Pierre und Luc Dardenne, der die Trophäe in Straßburg entgegennahm. Der Preis, dotiert mit 87 000 Euro, unterstützt u.a. die Untertitelung des prämierten Films in den 23 Amtssprachen der Europäischen Union.
"Das Europäische Parlament hat seit jeher der Kultur einen hohen Stellenwert eingeräumt. Die Verleihung des zweiten LUX-Filmpreises ist Ausdruck hiervon", so EP-Präsident Hans-Gert Pöttering. Eines der Ziele des Preises sei es, kulturelle und sprachliche Vielfalt erfahrbar zu machen. Jeder der drei Filme behandele einen anderen Aspekt, den wir gerne mehr ins Bewusstsein rücken wollen, so der Präsident weiter. "Für mich sind alle drei jetzt schon Gewinner, jeder auf seine eigene Weise".
Luc Dardenne, einer der beiden Regisseure des Siegerfilmes, bedauerte, dass man in Europa leider viel zu wenige Filme aus anderen europäischen Ländern sehen könne. Der LUX-Preis, der ja die Untertitelung des prämierten Films in den 23 Amtssprachen unterstütze, leiste einen Beitrag dazu, dies zu ändern.
An der Verleihung haben neben Dardenne der Regisseur von 'Obcan Havel', Miroslav Janek, der Regisseur von 'Delta', Kornél Mundruczó, sowie die Schauspielerin Orsi Tóth aus 'Delta' teilgenommen.
Der Siegerfilm " Lornas Schweigen"
Um mit einem Freund Eigentümerin einer Snackbar zu werden, wird Lorna, eine junge Albanerin, die in Belgien lebt, Komplizin eines teuflischen Plans, den der Gauner Fabio ersonnen hat. Fabio hat eine Scheinehe zwischen ihr und Claudy arrangiert. Die Ehe ermöglicht es ihr, die belgische Staatsbürgerschaft zu erhalten und später einen russischen Mafioso zu heiraten, der bereit ist, viel Geld zu bezahlen, um diese seinerseits rasch zu erlangen. Damit diese zweite Ehe möglich wird, will Fabio jedoch Claudy ermorden. Wird Lorna dazu schweigen?
Regisseure: Jean-Pierre und Luc Dardenne
Mit: Arta Dobroshi, Olivier Gourmet, Morgan Marinne, Jérémie Renier, Fabrizio Rongione
Land: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und Vereinigtes Königreich
Jahr: 2008
Dauer: 1h45
Originalsprache: Französisch
Preise: Bestes Drehbuch, Cannes 2008
Der Preis
Mit dem LUX-Preis wird ein Werk ausgezeichnet, das in besonderer Weise die Universalität der europäischen Werte, die kulturelle Vielfalt und den Prozess der europäischen Integration veranschaulicht. Der LUX-Preis beinhaltet eine materielle Unterstützung in Form einer Untertitelung und einer Bandaufzeichnung des prämierten Films in den 23 Amtssprachen der Europäischen Union. Die Originalfassung wird zudem für Gehörlose und Menschen mit einer Hörbehinderung bearbeitet. Falls der prämierte Film in einigen Ländern bereits für Saalvorführungen verliehen und dazu schon untertitelt wurde, wird mit dem LUX-Preis die Herstellung einer DVD unterstützt.
Die Jury
Die Jury setzt sich aus den 785 Mitgliedern des Europäischen Parlaments zusammen. Jeder Abgeordnete, der einen oder mehrere Filme gesehen hat, kann abstimmen. Die offizielle Auswahlliste wurde von einer 17-köpfigen Jury erstellt, deren Mitglieder ausnahmslos der Filmbranche angehören: Produzenten, Verleiher, Rechteinhaber, Festivalleiter, Kritiker usw. Im vergangenen Jahr gewann der deutsche Film "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin.
Die visuelle Identität des LUX-Preises
LUX bedeutet Licht (Latein). Das Konzept, das der Erarbeitung der visuellen Identität des LUX-Preises zugrunde liegt, ist der Turmbau zu Babel, jedoch im positiven Sinne, da der Turm, weil sein Fundament der Reichtum der Vielfalt ist, nicht zusammenstürzt. Der Turmbau symbolisiert ebenso wie das Europäische Parlament die Pluralität der Sprachen und die Vielfalt der Kulturen, die sich am gleichen Ort und mit demselben Ziel zusammenfinden.
Luc Dardenne, einer der beiden Regisseure des Siegerfilmes, bedauerte, dass man in Europa leider viel zu wenige Filme aus anderen europäischen Ländern sehen könne. Der LUX-Preis, der ja die Untertitelung des prämierten Films in den 23 Amtssprachen unterstütze, leiste einen Beitrag dazu, dies zu ändern.
An der Verleihung haben neben Dardenne der Regisseur von 'Obcan Havel', Miroslav Janek, der Regisseur von 'Delta', Kornél Mundruczó, sowie die Schauspielerin Orsi Tóth aus 'Delta' teilgenommen.
Der Siegerfilm " Lornas Schweigen"
Um mit einem Freund Eigentümerin einer Snackbar zu werden, wird Lorna, eine junge Albanerin, die in Belgien lebt, Komplizin eines teuflischen Plans, den der Gauner Fabio ersonnen hat. Fabio hat eine Scheinehe zwischen ihr und Claudy arrangiert. Die Ehe ermöglicht es ihr, die belgische Staatsbürgerschaft zu erhalten und später einen russischen Mafioso zu heiraten, der bereit ist, viel Geld zu bezahlen, um diese seinerseits rasch zu erlangen. Damit diese zweite Ehe möglich wird, will Fabio jedoch Claudy ermorden. Wird Lorna dazu schweigen?
Regisseure: Jean-Pierre und Luc Dardenne
Mit: Arta Dobroshi, Olivier Gourmet, Morgan Marinne, Jérémie Renier, Fabrizio Rongione
Land: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien und Vereinigtes Königreich
Jahr: 2008
Dauer: 1h45
Originalsprache: Französisch
Preise: Bestes Drehbuch, Cannes 2008
Der Preis
Mit dem LUX-Preis wird ein Werk ausgezeichnet, das in besonderer Weise die Universalität der europäischen Werte, die kulturelle Vielfalt und den Prozess der europäischen Integration veranschaulicht. Der LUX-Preis beinhaltet eine materielle Unterstützung in Form einer Untertitelung und einer Bandaufzeichnung des prämierten Films in den 23 Amtssprachen der Europäischen Union. Die Originalfassung wird zudem für Gehörlose und Menschen mit einer Hörbehinderung bearbeitet. Falls der prämierte Film in einigen Ländern bereits für Saalvorführungen verliehen und dazu schon untertitelt wurde, wird mit dem LUX-Preis die Herstellung einer DVD unterstützt.
Die Jury
Die Jury setzt sich aus den 785 Mitgliedern des Europäischen Parlaments zusammen. Jeder Abgeordnete, der einen oder mehrere Filme gesehen hat, kann abstimmen. Die offizielle Auswahlliste wurde von einer 17-köpfigen Jury erstellt, deren Mitglieder ausnahmslos der Filmbranche angehören: Produzenten, Verleiher, Rechteinhaber, Festivalleiter, Kritiker usw. Im vergangenen Jahr gewann der deutsche Film "Auf der anderen Seite" von Fatih Akin.
Die visuelle Identität des LUX-Preises
LUX bedeutet Licht (Latein). Das Konzept, das der Erarbeitung der visuellen Identität des LUX-Preises zugrunde liegt, ist der Turmbau zu Babel, jedoch im positiven Sinne, da der Turm, weil sein Fundament der Reichtum der Vielfalt ist, nicht zusammenstürzt. Der Turmbau symbolisiert ebenso wie das Europäische Parlament die Pluralität der Sprachen und die Vielfalt der Kulturen, die sich am gleichen Ort und mit demselben Ziel zusammenfinden.










