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Der Obama-Effekt: Ein Modell für Europa?
Außenbeziehungen - 22-01-2009 - 16:44
Die Lebensgeschichte Barack Obamas macht ihn zum personifizierten „amerikanischen Traum“. Seine Botschaft von Hoffnung und Veränderung begeistert seine Landsleute und fasziniert die Welt. Doch wie steht es um Europa? Wir haben bei jungen Europa-Abgeordneten nachgefragt: Ist solch eine Begeisterung auch auf dem alten Kontinent möglich? Gibt es einen „europäischen Traum“?
Antonio López-Istúriz White (38), spanisches Mitglied der Fraktion Europäischen Volkspartei und Europäischen Demokraten (EVP-ED) und Sohn einer Amerikanerin, meint: „Es fällt uns leicht, die USA zu kritisieren. Doch der Mythos Obama hat einige der falschen Vorstellungen über Amerika gebrochen, die in den letzten Jahren aufkamen“. In Amerika habe jeder Bürger eine Chance zum Aufstieg. Europa solle – auch aufgrund der wachsenden Zahl an Einwanderern – Lehren aus dem Modell Obama ziehen, so Lopez-Istúriz.
Sophie in 't Veld (45), niederländische Abgeordnete der Allianz der Liberalen und Demokraten (ALDE) betont jedoch die unterschiedlichen Kulturen beider Kontinente: „In Europa geht es nicht so sehr darum, sich nach oben zu kämpfen. Europa ist eher auf Gemeinschaft, Gleichheit, Freiheit und Sicherheit ausgelegt“.
Der dänische Sozialdemokrat Dan Jørgensen (33) weist auf Europas Errungenschaften hin: „Wir haben einen wichtigen europäischen Traum bereits realisiert: Wir leben auf einem friedlichen Kontinent und teilen gemeinsame Werte was Menschenrechte, Nachhaltigkeit, Demokratie und die Unterstützung der ärmsten Länder angeht“.
Wird es je einen gemeinsam gewählten „EU-Präsidenten“ geben?
López-Istúriz: „Es wäre phantastisch, wenn die Europäer eines Tages einen Präsidenten direkt wählen könnten. Wir hoffen, dass diese Vorstellung in Zukunft zur Realität wird“.
Jørgensen: „Eine charismatische und beliebte Führungspersönlichkeit, die mit dieser neuen Rolle umgehen kann, würde dabei helfen, eine europäische Identität zu schaffen“.
Sophie in 't Veld ist hingegen überzeugt, es werde „keine direkten Wahlen für das Amt des Präsidenten geben“.
Könnte das Modell Obama in Europa funktionieren?
Jørgensen: „Die USA sind eine Nation – die EU ist das nicht. Ich bezweifle, dass ein Einzelner ein solches Gefühl des Dazugehörens unter Europäern erzeugen könnte.“
in 't Veld: „Diese Tradition, Führung an einer Person festzumachen, haben wir in Europa nicht. Sich um eine einzelne Person zu scharen, ist einfach, doch in Europa arbeiten wir weitaus weniger glamourös. Hier geht es darum, zusammenzuarbeiten.“
Jørgensen: „Viele junge europäische Politiker haben erkannt, dass ihnen die europäische Politik die Bühne bietet, Dinge zu verändern. Viele der wichtigen Themen wie Klimawandel und Finanzkrise können wir nicht auf nationaler Ebene angehen. Wer etwas ändern will, sollte auf die politische Bühne der EU treten“.
López-Istúriz: „Europa gibt denjenigen eine Stimme, die in ihren Ländern ungehört bleiben – das ist der europäische Traum“.
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