Blickpunkt
 

Rückblick: Höhepunkte der Plenartagung 4.-7. Mai

Institutionen - 11-05-2009 - 19:10
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Abstimmung mit ungewöhnlichen Werkzeugen

Ein Abgeordneter hebt während der Abstimmung einen Spielzeug-Krickett -Schläger hoch

Ein Verbot des Handels mit Produkten, für die Robbenbabys getötet werden, Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Telekommunikationsgesetzgebung und der Zugang zum Internet sowie Sozialpolitik im Zeichen der Wirtschaftskrise gehörten zu den herausragenden Themen der letzten Plenartagung des Europaparlaments.

Lesen Sie mehr zu diesen und anderen Themen in den Tageszusammenfassungen und finden Sie weiterführende Informationen über die jeweiligen Links.
 
 
REF: 20090504FCS54883

Der Montag im Plenum: Erweiterung, Grippe, Robben, Schwangerschaftsurlaub

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Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering eröffnete am Montag (4. Mai) die letzte Tagung der sechsten Wahlperiode

Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering eröffnete am Montag (4. Mai) die letzte Tagung der sechsten Wahlperiode

Die EU-Erweiterung vor fünf Jahren und aktuelle Ereignisse prägten den Auftakt der letzten Sitzung des Europaparlaments vor den Wahlen am 7. Juni. Debattenthemen waren u.a. eine Verlängerung des Mindestanspruchs auf Schwangerschaftsurlaub, die Mexikanische Grippe sowie ein EU-Import- und Handelsverbot, das dem Schutz der Robben dienen soll.
 
Zu Beginn der Sitzung erinnerte Parlamentspräsiden Hans-Gert Pöttering an den fünften Jahrestag der EU-Erweiterung um acht mittelosteuropäische Staaten sowie Malta und Zypern. Die Aufnahme dieser Staaten in die EU habe „nach der Unfreiheit des Kommunismus dazu beigetragen, die Demokratie zu verwirklichen und die Stabilität auf unserem Kontinent zu stärken“.
 
Außerdem sei der „Lebensstandard in den neuen Mitgliedstaaten verbessert“ worden. Auch die alten Mitgliedstaaten hätten „aus den neuen Export- und Investitionsmöglichkeiten sowie aus einem größeren Markt Vorteile ziehen“ können, so der Parlamentspräsident.
 
Im Anschluss sprach Pöttering die Verurteilung der iranisch-amerikanischen Journalistin Roxana Saberi an und verurteilte diese als „offenbar politisch motivierten Schachzug“, der die dramatische Gesamtsituation der Menschenrechte im Iran widerspiegelte. Pöttering forderte die iranischen Behörden im Namen des Europaparlaments auf, Saberi unverzüglich auf freien Fuß zu setzen.
 
Außerdem drückte Pöttering den Opfern der Amokfahrt im niederländischen Apeldoorn und der Königsfamilie sein Mitgefühl aus.
 
Mexikanische Grippe
 
Im Anschluss an die traditionellen 60-Sekunden-Reden, in denen Europa-Abgeordnete kurze Statements zu einem aktuellen Thema ihrer Wahl abgeben können, stand die Mexikanische Grippe auf der Tagesordnung. Gesundheitskommissarin Androula Vassilou informierte über den Stand der Dinge.
 
Die Europäische Kommission hoffe, dass ab 11. März Muster eines Impfstoffs zur Verfügung stünden, welche dann die industrielle Impfstoff-Produktion in den darauf folgenden Wochen ermöglichen werde. Die Kommissarin warnte vor Panik. Damit sei niemand geholfen.
 
Verschiedene Europaabgeordnete wiesen darauf hin, dass die Menge der Vorräte an Medikamenten für die Grippebehandlung von einem EU-Land zum anderen sehr unterschiedlich ausfallen und sie appellierten an die Solidarität der EU-Länder im Fall einer Epidemie.
 
Gleichberechtigung und Schutz von Schwangeren
 
In der Debatte über eine Richtlinien-Novelle über Schwangerschaftsschutz und Schwangerschaftsurlaub unterstützten eine Reihe von Abgeordneten Berichterstatterin Edite Estrela (SPE) und den Frauen-Ausschuss in dem Ansinnen, die Mindestdauer des Schwangerschaftsurlaubs von 14 auf 20 Wochen zu erhöhen. Andere Parlamentarier warnten davor, dass dies vor der Einstellung junger Frauen abschrecken könne. Die Abstimmung findet Mittwochmittag statt.
 
Weiteres Thema war die Gleichstellung von Mann und Frau im Rahmen der selbständigen Arbeit. Mehrere Parlamentarier betonten die Notwendigkeit, für die Sozialversicherung von Ehepartnern zu sorgen, die ihren selbständigen Partner bei dessen Arbeit unterstützen.
 
Tierversuche und kommerzielle Robbenjagd
 
Ebenfalls debattiert wurden ein Handelsverbot für Robbenprodukte sowie Tierversuche insbesondere in der medizinischen Forschung.
 
Die britische Liberale Diana Wallis sprach deutlich bewegt von dem Dilemma, vor dem sie als Berichterstatterin für das Robbenhandelsverbot bei dem Versuch gestanden habe, die Wünsche ihrer Parlamentskollegen und von Tierschützern einerseits mit den Interessen von Fischern und Ureinwohnern der Arktis andererseits zu versöhnen. Lesen Sie dazu auch die gesonderten Artikel unter den Links.
 
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Der Dienstag im Plenum: Telekom, Sozial-Agenda, Globalisierungsfonds, Rosé-Wein

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Abstimmung über Robbeimporte am Dienstag

Abstimmung über Robbeimporte am Dienstag

Dienstag stand die Debatte zum Telekom-Paket auf der Tagesordnung. Die europäische Sozial- und Beschäftigungspolitik angesichts der Wirtschaftskrise stand im Mittelpunkt der Aussprache zur sogenannten Sozial-Agenda der EU. Das Plenum stimmte für ein weitgehendes Handelsverbot für Produkte für die Robben getötet werden.
 
In der Debatte zum Telekom-Paket verteidigten die Parlamentsberichterstatter das Gesetzespaket gegen Kritik und betonten die grundsätzliche Zielsetzung. Es gehe darum „Verbraucher zu stärken und ihnen mehr Macht zu geben“, so der britische Konservative Malcolm Harbour.
 
Das Paket werde „bessere Angebote zu günstigeren Preisen“ bringen, so auch die französische Sozialistin Catherine Trautmann. Es gehe nicht darum, neue Restriktionen einzuführen, sagte Harbour.
 
Telekommunikationsbranche Hoffnungsträger in der Krise
 
Die spanische Abgeordnete Pilar del Castillo (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED) und ihre spanische Kollegin Francisca Pleguezuelos (SPE) verwiesen in der Debatte auf die wirtschaftliche Bedeutung der Telekommunikationsindustrie hin.
 
Pilar de Castillo sagte: „Wenn es eine Branche gibt, die uns helfen kann die Wirtschaftskrise zu überwinden, dann ist es jene der Informations- und Kommunikationstechnologien“ Pleguezuelos wies darauf hin das die Branche mit einem Umsatz von 300 Milliarden Euro zum europäischen Bruttosozialprodukt beitrage.
 
Die CSU-Abgeordnete Gabriele Stauner erläuterte in der Debatte vorgesehene Anpassungen der Förderkriterien für den EU-Globalisierungsfonds (s.a. Video oben rechts).
 
Stauner begründete die Änderungen insbesondere mit der Wirtschafts- und Finanzkrise, die über die globalisierte Wirtschaft geradezu hinweggerollt sei.
 
Viele Abgeordnete zeigten sich hoch besorgt über den vorhergesagten Anstieg der Arbeitslosigkeit. José Albino Silva Peneda (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED), portugiesischer Berichterstatter für die Soziale Agenda der EU, bezeichnete Arbeitslosigkeit als das „sichtbare Gesicht der Krise“. Er warnte davor, die Krise zum Vorwand zu nehmen, sozialstaatliche Standards abzubauen.
 
Abgeordnete fordern Rückkehr zum traditionellen Rosé
 
Am späten Abend standen außerdem die jüngst veränderten EU-Vorschriften für die Herstellung von Rosé-Wein zur Debatte. Die Europa-Abgeordneten appellierten an die Europäische Kommission, zu den bisher geltenden Regeln zurückzukehren.
 
Nach den neuen Regeln soll Rosé auch durch das Mischen von Rot- und Weißwein hergestellt werden dürfen. Traditionell wird Rosé aus roten Trauben hergestellt, wobei die Haut – anders als bei Rotwein – nicht mit vergärt wird. Verschiedene Parlamentarier meinten die Neuregelung benachteilige die traditionelle Produktionsweise.
 
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Der Mittwoch im Plenum: Bilanz, Banken, Internet

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Standing Ovations zum Ende der Amtszeit von Hans-Gert Pöttering

Standing Ovations zum Ende der Amtszeit von Hans-Gert Pöttering

Am Mittwochmittag zog Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering eine Bilanz seiner Amtszeit an der Spitze der europäischen Volksvertretung und der Arbeit des Europaparlaments in den zurückliegenden fünf Jahren insgesamt. Das Plenum nahm eine novellierte Richtlinie zu Eigenkapitalbestimmungen und Bankenaufsicht an und beharrte in der Abstimmung über das Telekom-Paket auf dem Grundsatz, dass zur Sperrung des Internetzugangs ein richterlicher Beschluss notwendig ist.
 
Pöttering erwähnte in seiner Rede insbesondere Reformen des Parlaments selbst und seiner Finanzregeln sowie die Gesetzgebung etwa im Bereich Umwelt- und Klimaschutz.
 
Er kam auch auf das leitmotivische Thema seiner Präsidentschaft – den Dialog der Kulturen und Religionen – zurück und sprach von den Herausforderungen in der nächsten Legislaturperiode.
 
Weitere Aspekte waren der Nahe Osten und die Bereicherung der Union durch die große Erweiterung um zwölf neue Länder in den vergangenen fünf Jahren.
 
Pöttering appellierte an seine Kollegen den Europawahlkampf zu nutzen, um „mit den Bürgerinnen und Bürger darüber zu sprechen, warum die Europäische Union notwendig ist“.
 
Strengere Eigenkapital-Anforderungen
 
Das Plenum verabschiedete am Mittag eine novellierte EU-Richtlinie, die strengere Eigenkapitalvorschriften für Banken bedeutet.
 
Mit der Neufassung der Richtlinie soll die Stabilität des Finanzsystems erhöht, die Risiken verringert und die Überwachung von EU-weit tätigen Banken verbessert werden.
 
Berichterstatter Othmar Karas (ÖVP) sagte: „Wir sind mit der Antwort auf die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht fertig! Aber wir haben einen neuen Schritt, einen Durchbruch in Richtung Neugestaltung des Finanzmarktrahmens gesetzt, der zu einer Vereinfachung der Finanzmarktregulierung und zu einer Europäisierung führt“.
 
Telekom-Kompromiss scheitert im Plenum
 
In der mit Spannung erwarteten Abstimmung zum Telekom-Paket lehnte das Plenum in einem entscheidenden Punkt den zuvor mit dem Ministerrat informell ausgehandelten Kompromiss ab.
 
Das Plenum bestand auf einer bereits in erster Lesung verabschiedeten Änderung, die der Ministerrat nicht mittragen wollte: Nach Auffassung des Europaparlaments ist der Zugang zum Internet ein Grundrecht, in das nur aufgrund einer richterlichen Entscheidung eingegriffen werden darf.
 
Sollte der Ministerrat diese Änderung des Parlaments abermals ablehnen, muss formell ein Vermittlungsausschuss zwischen den beiden EU-Gesetzgebungsorganen einberufen werden, um noch eine Verständigung auf einen Gesetzestext zu ermöglichen.
 
Gleichberechtigung
 
Verabschiedet wurden am Mittag außerdem Schlacht-Vorschriften sowie einen Bericht zur Gleichstellung von selbstständig arbeitenden Männern und Frauen durch eine sozialversicherungsrechtliche Absicherung von im Betrieb mitarbeitenden Ehepartnern.
 
Ein Richtlinien-Entwurf, in dem es u.a. um die Mindestdauer des gesetzlichen Schwangerschaftsurlaubs ging, wurde auf Antrag der EVP-ED-Fraktion in den zuständigen Frauen-Ausschuss zurück verwiesen.
 
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Der Donnerstag im Plenum: Roxana Saberi, Menschenrechte, Media-Mundus-Programm

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Kameramann filmt die Plenarsitzung

Kameramann filmt die Plenarsitzung

Das Europäische Parlament befasste sich am Donnerstag u.a. mit der Menschenrechtslage im Iran und forderte die unverzügliche Freilassung der Journalistin Roxana Saberi. Am letzten Sitzungstag der Legislaturperiode nahm das Plenum außerdem seinen jährlichen Bericht zur Menschenrechtslage und ein Programm an, mit dem die Zusammenarbeit der europäischen Film- und Medienindustrie über die Grenzen der EU hinaus gefördert werden soll.
 
Das Europaparlament bringt in der Resolution zur Menschenrechtssituation im Iran neben dem Fall Saberi eine Reihe von anderen Menschenrechtsverletzungen und die Inhaftierung verschiedener Oppositioneller zur Sprache.
 
Die Resolution spricht von Entsetzen über die „anhaltenden Hinrichtungen jugendlicher Straftäter unter Missachtung des Völkerrechts“ und dringt auf darauf, dass die iranischen Staatsorgane die vom Iran ratifizierten Menschenrechtsübereinkommen einhalten und insbesondere die Steinigung abschaffen.
 
Das Europäische Parlament fordert die iranische Berufungsgerichtsbarkeit  „eindringlich auf Roxana Saberi unverzüglich und bedingungslos freizulassen und die Anklage gegen sie in allen Punkten fallen zu lassen“.
 
Jahresbericht Menschenrechte
 
Am Mittag nahm das Plenum den Jahresbericht über die Menschenrechtslage 2008 an. Darin vermerkt das Europaparlament Fortschritte hinsichtlich der Achtung der Rechte von Frauen und Kindern und dass die Todesstrafe in immer mehr Ländern abgeschafft oder nicht mehr vollzogen wird.
 
Das Europäische Parlament kritisiert, dass die EU-Staaten ihren eigenen Prinzipien sowohl im Innern als auch in der Außenpolitik nicht immer gerecht werden.
 
Türkei: Zum Menschrechtsdialog mit der Türkei vermerkt das Europaparlament positiv dass Fernsehsendungen in kurdischer Sprache zugelassen wurden, kritisiert jedoch dass die Sprache etwa im Parlament nach wie vor verboten ist.
 
Weitere Reformen seien notwendig, um einen umfassende Respektierung internationaler Verpflichtungen hinsichtlich der Rechte von Minderheiten in der Türkei gerecht zu werden.
 
Programm MEDIA Mundus angenommen
 
Das Plenum nahm außerdem den Vorschlag für das EU-Programm MEDIA Mundus an. Das Förderprogramm hat für die Jahre 2011 bis 2013 ein Budget von 15 Mio. Euro.
 
Das EU-Programm soll die Zusammenarbeit mit und die Ausstrahlung der europäischen Film- und Medienindustrie in Drittstaaten verbessern.
 
Im Vorfeld der Plenarabstimmung hatten sich Unterhändler des Parlaments unter Federführung der CDU-Abgeordneten Ruth Hieronymi mit Ministerrat und Kommission auf die rechtliche Grundlage für das Programm verständigt.
 
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