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August 1989: Baltische Menschenkette und Wandel in Polen

Institutionen - 20-08-2009 - 09:02
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Menschenkette für Freiheit und Unabhängigkeit im Baltikum am 23. August '89 ©BELGA_AFP_ANDREY SOLOVYOV

Menschenkette für Freiheit und Unabhängigkeit im Baltikum am 23. August '89 ©BELGA_AFP_ANDREY SOLOVYOV

Während Ungarn und Polen im Sommer vor 20 Jahren immer deutlicher Kurs auf die Demokratie nahmen, formierte sich auch im Baltikum, damals noch Teil der UdSSR, zunehmend eine demokratische Opposition und der Wille zur Unabhängigkeit. Am 23. August 1989 begingen zwei Millionen Menschen im Baltikum mit einer Menschenkette von der estnischen Hauptstadt Tallin im Norden bis in die über 600 Kilometer entfernte litauische Hauptstadt Vilnius den 50. Jahrestages des Hitler-Stalin-Paktes.

Im Hitler-Stalin-Pakt, nach den Unterhändlern auch Molotow-Ribbentrop-Pakt genannt, hatten Nazi-Deutschland und die Sowjetunion die Länder Estland, Lettland und Litauen dem Einflussgebiet der Sowjetunion zugeschlagen.
 
Die Annexion durch die UdSSR ließ nicht lange auf sich warten. Nach dem Bruch des Geheimpaketes folgte die Besetzung durch deutsche Truppen und nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden die drei baltischen Republiken abermals in die UdSSR einverleibt.
 
Friedlicher Protest gegen Annexion
 
Die Menschenkette war jedoch mehr als ein einfaches Gedenken des Hitler-Stalin-Pakts. Sie war auch ein deutlicher Protest gegen die erzwungene Zugehörigkeit zur Sowjetunion und brachte den Willen der baltischen Völker nach Unabhängigkeit zum Ausdruck und war somit ein Vorbote des Zerfalls der Sowjetunion..
 
„In Litauen wurde seit 1987 mit einer Schwarzen Schleife des schändlichen Molotow-Ribbentrop-Pakets gedacht“, erinnert sich der Europa-Abgeordnete Vytautas Landsbergis heute.
 
Landsbergis (77) war Ende der 1980er Jahre einer der führenden Persönlichkeiten der litauischen Unabhängigkeitsbewegung Sajudis und wurde 1990 erstes Staatsoberhaupt des unabhängigen Litauens.
 
Friedlicher Weg zur Freiheit
 
„Der Baltische Weg“, wie die Menschenkette des 23. Augusts auch bezeichnet wurde, „war eine Botschaft an die Welt: 'Wir wollen Freiheit und werden sie friedlich erringen; Gewalt und Unrecht müssen ein Ende haben'“, so Landsbergis rückblickend.
 
„Die Sowjetunion wagte es nicht Gewalt einzusetzen, und im Dezember nahm der Volksdeputiertenkongress eine Resolution an, die den Molotow-Ribbentrop-Pakt verurteilte und widerrief.“
 
„Im Geschichtsbuch der unterdrückten Völker“
 
Für den heutigen estnischen Europa-Abgeordneten Tunne Kelam – damals Vorsitzender der Estnischen Nationalen Unabhängigkeitspartei – hat die Menschenkette ein Kapitel „im Geschichtsbuch der unterdrückten Völker“ verdient.
 
„1989 waren die baltischen Staaten durch hunderttausende Sowjetsoldaten besetzt. Unter diesen Umständen war die Initiative, eine Kette aus 2 Millionen Menschen zu formen, einmalig.“
 
24. August 1989: Mazowiecki wird Regierungschef in Polen
 
Ein Tag nachdem die Menschen im Baltikum gegen Fremdbestimmung und für Freiheit demonstrierten, schrieb am 24. August 1989 das Nachbarland Polen Geschichte. Dort wird Tadeusz Mazowiecki von der oppositionellen Solidarnosc Premierminister – der erste nicht-kommunistische Regierungschef in einem Land des damaligen Ostblocks.
 
Im Juni, am Tag als in Peking die Panzer auf dem Platz des Himmlischen Friedens rollten, hatte die Soldarnosc alle frei wählbaren Sitze in der Sejm gewonnen (gut zwei Drittel waren noch der KP vorbehalten worden).
 
Das überraschende Wahlergebnis „beschleunigte die Erosion des Systems“, erzählt Janusz Onyszkiewicz, der dem Europaparlament in der vergangenen Legislaturperiode angehörte und einst Pressesprecher der Solidarnosc war.
 
Fall der Mauer wirft seine Schatten voraus
 
Die Niederlage der Kommunisten in Polen habe bereits vorgezeichnet, „dass der Status der DDR in Frage gestellt werden“ würde und dass die Mauer keinen Bestand haben werde, so Onyszkiewicz.
 
„Wir haben darüber mit Bundeskanzler Helmut Kohl geredet, während seines Polenbesuchs im November. Kohl glaubte es nicht, aber am nächsten Tag brach er seine Reise ab, um nach Deutschland zurückzukehren, weil die Mauer geöffnet worden war.“
 
REF: 20090708STO57793