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Energieversorgung: Erdgas aus dem kaspischen Meer und Strom aus der Wüste?

Energie - 16-09-2009 - 21:01
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Ein thermisches Solarkraftwerk im spanischen Sanlucar ©BELGA_AFP PHOTO_CRISTINA QUICLER

Ein thermisches Solarkraftwerk im spanischen Sanlucar ©BELGA_AFP PHOTO_CRISTINA QUICLER

Das Plenum debattiert am Donnerstagvormittag (ab ca. 09:45 Uhr) zwei wichtige Projekte, die dazu beitragen sollen, Europas Energieversorgung zu sichern und zu diversifizieren. Zum einen setzt die EU große Hoffnungen auf die geplante Erdgas-Pipeline Nabucco, die zukünftige Versorgungskrisen vermeiden soll. Zum anderen geht es um ein Mega-Projekt, dass Europa einmal mit Solarstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten versorgen soll.

Nabucco: Im Juli haben Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich sowie die Türkei ein Abkommen unterzeichnet, das den Bau einer neuen Erdgas-Pipeline rechtlich absichert.
 
Die neue Gasleitung soll einmal bis zu 30 Mrd. Kubikmeter Erdgas jährlich von der türkischen Ostgrenze bis nach Mitteleuropa, genauer bis nach Baumgarten bei Wien leiten – wo das Gas dann ins existierende Erdgas-Vertriebsnetz eingespeist werden könnte.
 
Die von einem Konsortium von sechs Energieversorgern geplante Erdgasleitung soll 2013 in Betrieb gehen. Bisher existieren allerdings keine verbindlichen Zusagen darüber, welche Gas-Anbieter tatsächlich über Nabucco zuliefern würden.
 
EU ist abhängig von Erdgas-Importen  vor allem aus Russland
 
Nabucco könnte zwischen 5 bis 10% des Bedarfs der EU-Länder decken, die in hohem Maße von Importen abhängig sind. Denn nur die Niederlande und Dänemark verfügen über mehr Erdgas, als sie selbst verbrauchen.
 
Nabbuco wird von der EU unterstützt, weil es die Gasversorgung diversifizieren würde und die Abhängigkeit vom russischen Erdgas vermindern würde, dessen Lieferung in den vergangenen Wintern mehrmals unterbrochen war.
 
Russland liefert aktuell 42 Prozent des in der EU verbrauchten Erdgases. Polen, Finnland und die baltischen Staaten beziehen ihren gesamten Gasbedarf aus Russland und auch Bulgarien und Österreich hängen fast vollständig am russischen Gashahn.
 
Die mengenmäßig größten Abnehmer russischen Gases sind Deutschland, Italien, Frankreich und die Türkei. Außer Russland sind auch Algerien und Norwegen wichtige Gaslieferanten für die EU-Staaten. 
 
Zukunftsvision „Wüstenstrom"
 
Ebenfalls im Juli haben zwölf europäische Unternehmen (darunter zahlreiche deutsche) in München eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der sie erklären, bis Ende Oktober eine gemeinsame Planungsgesellschaft gründen zu wollen und Geschäftspläne für ein großes Solarstrom-Projekt zu entwickeln.
 
Das Projekt DESERTEC soll Europa bis zur Mitte der Jahrhunderts mit Solarstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten versorgen und 15% des Strombedarfs decken.
 
Dafür sollen in dieser Region eine Reihe von solarthermischen Kraftwerken entstehen. In solchen Kraftwerken wird Sonnenlicht gebündelt und kann als Wärme-Energie gespeichert werden.
 
Anschließend kann mit der Wärme je nach Bedarf heißer Dampf produziert werden, der Turbinen in einem konventionellen Stromkraftwerk antreibt.
 
Der so produzierte „Solarstrom aus der Wüste“ könnte über Hochspannungsgleichstrom-Leitungen mit wenig Verlust Tausende von Kilometern übertragen werden.
 
Der weltweite Wüstengürtel rund um die Tropen wird von der Sonne in rund sechs Stunden mit einer Energiemenge bestrahlt, die den Energiebedarf der gesamten Menschheit für ein Jahr deckt, rechnen die DESERTEC-Initiatoren vor.
 
REF: 20090915STO60688