Hintergrund-Dossier
 

Die Welt ringt ums Klima

Umwelt - 09-12-2009 - 18:49
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Wind oder Kohle: in welche Richtung geht es in Kopenhagen? ©BELGA_AFP_DDP_MICHAEL URBAN

Windturbine vor Braunkohlekraftwerk Jänschwalde (Brandenburg) ©BELGA_AFP_DDP_MICHAEL URBAN

Am 7. Dezember beginnt in Kopenhagen die UN-Klimaschutzkonferenz, bei der die Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen in der Nachfolge des Kyoto-Protokolls abgeschlossen werden soll. Die EU hat Vorleistungen erbracht. Aber muss sie noch weiter gehen, um die anderen, allen voran die USA und China, zum Mitmachen zu bewegen? Unser Blickpunktdossier erläutert die EU-Positionen und worum es geht. Es wird bis zum Abschluss der Konferenz laufend aktualisiert.

Finanzfragen und Technologie-Transfers, Emissionshandelssysteme und CO2-Gutschriften, Treibhausgase und wohl auch einiges an heiβer Luft werden in Kopenhagen die Verhandlungen bestimmen.
 
Werden die Industriestaaten ihre löblichen Ankündigungen zum Klimaschutz tatsächlich verbindlich machen und werden auch die Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Indonesien klare Zusagen machen?
 
Das Europa-Parlament ist in Kopenhagen mit einer eigenen Delegation vor Ort um genau dies zu verfolgen und wo nötig den Druck auf die Verhandlungsführer zu erhöhen. Für die EU insgesamt verhandelt in Kopenhagen die Kommission.
 
EU-Klimaschutzpaket: 3x20 bis 2020
 
Vor einem Jahr, im Dezember 2008 hat das Europäische Parlament dem EU-Klimapaket zugestimmt, das die Klimaschutzziele und ihre Umsetzung rechtlich verbindlich festschreiben. Die EU hat sich damit verpflichtet, den Treibhausgas-Ausstoβ bis zum Jahr 2020 um 20% zu reduzieren, mit Energie 20% sparsamer umzugehen und den Anteil der erneuerbaren Energiequellen am Gesamtverbrauch auf 20% zu steigern.
 
In einer Resolution hat das Plenum in der vergangenen Woche nochmals unterstrichen, dass die EU unbedingt ihre Führungsrolle beim Klimaschutz beibehalten und sich weiterhin für ein ehrgeiziges und rechtlich verbindlich Welt-Klimaschutz-Abkommen einsetzen sollte.  Das Abkommen müsse auch finanzielle Zusagen der Industriestaaten an die Entwicklungsländer enthalten und Sanktionen vorsehen, wenn Reduktionsziele nicht eingehalten werden, so die Europa-Abgeordneten.
 
EU-Führungsrolle und weitergehende Ziele
 
Die EU hat sich dazu verpflichtet, bei entsprechenden Zusagen anderer Industriestaaten die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 sogar um 30% zu senken. Das Europaparlament hat betont, dass nach neuern Erkenntnissen wohl eine Reduktion zwischen 25 und 40% notwendig ist, um die Klimaveränderung im erträglichen Maβ zu halten. 2050 müssten diese Länder sogar 80% unter den Emissionswerten von 1990 (dem allgemeinen Basisjahr) liegen.
 
Die Schwellenländer sollten sich nach Auffassung der EU-Volksvertretung zu deutlichen Anstrengungen verpflichten, die dazu führen, dass sie im kommenden Jahrzehnt 15 bis 30% unter der Fortschreibung des aktuellen Trends bleiben.   
 
Aktuell: Wir werden dieses Blickpunkt-Dossier in den kommenden Tagen laufend aktualisieren. In den nachfolgenden Abschnitten finden sie weitergehende Informationen über die EU-Klimapolitik und die Positionen des Europaparlaments.
 
 
REF: 20091130FCS65642

Klimakonferenz in Kopenhagen: EU muss Führungsrolle einnehmen

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Die EU-Regierungschefs müssen eine Führungsrolle einnehmen, um die internationalen Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen im Dezember zum Erfolg zu führen. In einer Resolution fordert das EP ein ambitioniertes und rechtsverbindliches Übereinkommen, das Ziele zur Verringerung der Emissionen in Industrie- und Entwicklungsländern, Finanzierungsverpflichtungen und Strafen bei Nichteinhaltung festschreibt.
 
Kurz vor Beginn der internationalen Verhandlungen über ein neues, umfassendes Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012, die ab dem 7. Dezember in Kopenhagen stattfinden, ersucht das Europäische Parlament die Staats- und Regierungschefs aller beteiligten Staaten, der Bekämpfung des Klimawandels höchstmögliche Priorität einzuräumen. Die EU müsse eine Klimaaußenpolitik entwickeln und geschlossen auftreten und ehrgeizige Ziele anstreben.

"Die EU hat die Führerschaft übernommen, und wir wollen auch, dass das in Kopenhagen so bleibt. Deshalb müssen wir zu unserem Angebot – 30 % Reduzierung der CO2-Gase im Jahr 2020 – stehen", sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses Jo Leinen (SPD).

Kernelemente eines internationalen Klimaschutzabkommens

In einer mit 516 Stimmen gegenüber 92 Gegenstimmen und 70 Enthaltungen verabschiedeten Resolution fordern die Abgeordneten ein internationales Abkommen, das dafür sorgt, dass:

- die Industriestaaten kollektiv eine Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen erreichen - und zwar bis 2020 eine Verringerung "am oberen Ende der (...) empfohlenen Spannweite von 25 bis 40%" und langfristig ein Reduktionsziel von mindestens 80% bis 2050 gegenüber dem Stand von 1990

- die Entwicklungsländer als Gruppe die Steigerung ihrer Emissionen auf 15 bis 30% unterhalb dessen begrenzen, was als Steigerung zu erwarten ist, wenn keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden

- der kollektive Beitrag der EU zur Konzipierung von Eindämmungsbemühungen und Anpassungserfordernissen in den Entwicklungsländern bis zum Jahr 2020 mindestens 30 Milliarden Euro jährlich beträgt

- Emissionsreduktionsziele und Finanzierungsverpflichtungen einem strengeren Überwachungssystem unterliegen, das Frühwarnmechanismen und Strafen einschließt

- für den internationalen Luft- und Seeverkehr die gleichen verbindlichen Ziele wie für andere Wirtschaftsbereiche festgelegt werden und dass auf internationaler Ebene mindestens 50% der Emissionszertifikate in diesem Bereich versteigert werden

- die Entwicklungsländer finanzielle Unterstützung in bedeutender Höhe erhalten, um die Bruttoverluste an Tropenwaldflächen bis spätestens 2020 zu stoppen und ein globaler Waldkohlenstoffmechanismus (GFCM) innerhalb des UN-Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen geschaffen wird

USA muss im Wahlkampf gesetzte Ziele verbindlich festlegen

Die Abgeordneten fordern die USA auf, "die im Wahlkampf gesetzten Ziele verbindlich festzulegen und auf diese Weise ein starkes Signal zu setzen, dass die führenden Industriestaaten entschlossen sind, im Kampf gegen den Klimawandel voranzugehen". Das Parlament begrüßt die Zusage Japans, seine Emissionen bis 2020 um 25 % zu reduzieren.

China, Indien und Brasilien sollten sich angesichts ihres wirtschaftlichen Gewichts zu ähnlichen Zielen wie die Industriestaaten verpflichten, so die Parlamentarier.

Kernenergie

Das Parlament betont, "dass für einen internationalen Umstieg auf ein Wirtschaftssystem mit geringen CO2-Emissionen die Kernenergie mittelfristig großen Anteil am Energiemix haben muss". Daher müsse man die Sicherheitsprobleme des Kernbrennstoffkreislaufs auf internationaler Ebene angemessen in Angriff nehmen, um ein höchstmögliches Maß an Sicherheit zu erreichen.

Schnellstarthilfe als Anreiz für internationales Übereinkommen

Eine "Schnellstarthilfe aus internationalen öffentlichen Mitteln" sei notwendig, um ein ambitioniertes Übereinkommen von Kopenhagen zu erreichen, so die Abgeordneten. Sie fordern die EU auf, "sich mindestens auf den von der Kommission geschätzten Gesamtfinanzrahmen von jährlich 5-7 Mrd. Euro im Zeitraum 2010–2012 festzulegen.
 
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Jo Leinen: Europa muss bei Klimaschutz-Finanzierung noch nachlegen

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Der Vorsitzende des Umweltausschusses Jo Leinen (SPD) wird die Delegation des Europaparlaments in Kopenhagen anführen.

Der Vorsitzende des Umweltausschusses Jo Leinen. Er wird die Delegation des Europaparlaments in Kopenhagen anführen.

Einen Mentalitätswandel in Politik und Wirtschaft in Sachen Klimawandel konstatierte Jo Leinen (SPD), Vorsitzender des Umwelt-Ausschusses des Europaparlaments, bei seinem jüngsten Besuch in Washington. Aber aufgrund des Rückstands der USA beim Klimaschutz gebe es für die Kopenhagener UNO-Konferenz im Dezember noch viele Fragezeichen. Auch was die Europäer bisher zur Finanzierung des Klimaschutzes vorgelegt haben, sei unzureichend, befindet der EU-Umweltpolitiker in unserem Interview.
 
Erstveröffentlichung: 5. November 2009
 
Herr Leinen, Sie sind gerade aus Washington zurückgekommen, wo sie Kongress-Abgeordnete getroffen haben, um über Kopenhagen und den Klimaschutz zu sprechen. Welche Signale haben sie dort aufgenommen?
 
Die Regierung Obama ist sehr ehrgeizig, was den Klimaschutz angeht. Aber die Amerikaner sind spät dran. Sie liegen weit hinter der EU zurück und ich höre, dass der Kongress die Klima-Gesetzgebung nicht rechtzeitig für Kopenhagen verabschieden wird. Es gibt also – kurzfristig gesehen – viele offenen Fragen im Hinblick darauf, auf was sie sich in Kopenhagen verpflichten wollen und können.
 
Ich bin aber sicher, dass wir es mit einem mittel- und langfristig wirksamen Mentalitätswechsel der amerikanischen Politik und auch der technologisch ausgerichteten Wirtschaft der USA zu tun haben. Wenn sie das Thema annehmen, dann wollen sie an der Spitze stehen, die Nummer 1 sein. Sie stehen technologisch in einem Wettbewerb mit Europa.
 
Bei der Konferenz in Kopenhagen werden eine ganze Reihe von Themen verhandelt werden: Emissionsverminderung, die Finanzierung des Klimaschutzes, der Transfer von Technologien. Welche Themen sind besonders „harte Nüsse“?
 
Zwei Verhandlungsgegenstände sind besonders problematisch. Zum einen die konkreten und verpflichtenden Zielvorgaben für die Industriestaaten, ihre Emissionen zu verringern. Ich denke die Entwicklungs- und Schwellenländer wollen von den Industriestaaten, die das Klima bereits seit 200 Jahren mit Treibhausgasen belasten,  konkrete und verbindliche Ziele.
 
Das zweite ist die Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen und des Klimaschutzes in den Entwicklungsländern. Europa, die USA und Japan müssen also konkrete Vorschläge auf den Tisch legen, wie viel sie bereit sind dafür zu geben.
 
In der vergangenen Woche haben die Staats- und Regierungschefs ein konditioniertes Angebot gemacht, das hinter den Forderungen des Umweltausschusses im Parlament zurück bleibt. Verhandelt die EU dennoch aus einer klaren Position?
 
Die EU ist bisher der einzige Akteur weltweit, der konkrete Reduktionsziele für CO2 vorgelegt und einen finanziellen Rahmen vorgeschlagen hat. Aber das Ergebnis des Europäischen Rates ist nicht genug, es ist zu schwach und zu schüchtern. Es bedarf also eines zusätzlichen Engagements noch vor Kopenhagen für einen echten Akt der Solidarität zwischen den reichen und den armen Staaten.
 
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Klimaratschef Pachauri fordert Mut zu groβen Veränderungen

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Der Vorsitzende des Weltklimarates der UN Rajendra Kumar Pachaur im Europaparlament

Der Vorsitzende des Weltklimarates der UN Rajendra Kumar Pachaur im Europaparlament

Kopenhagen werde nicht das letzte Wort in Sachen Klimaschutz, gleichwohl sei er optimistisch, dass die Konferenz ein Erfolg wird. So Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des Weltklimarates, der diese Woche ins EU-Parlament gekommen war, um an einer Konferenz über Nahrungsgewohnheiten und deren Einfluss auf das Weltklima teilzunehmen. Wir hatten Nutzer der Facebook-Seite des Europaparlaments zuvor eingeladen, Fragen an ihn zu richten, von denen er einige am Rande der Konferenz beantwortete.
 
Erstveröffentlichung: 4. Dezember 2009
 
Herr Pachauri, Joseph Caruana wollte wissen, wie Sie die Rollen von Entwicklungsstaaten und Industriestaaten beurteilen?
 
Ich denke, dass wir gemeinsame Interessen haben. Jedes Entwicklungsland  und jedes entwickelte Land wird unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben. Wir müssen verstehen, dass wir in einem Boot sitzen. Es gibt das Prinzip geteilter aber unterschiedlicher Verantwortung. Danach muss es unterschiedliche Verpflichtungen geben, abhängig von der Lage, in der sich ein Land befindet.
 
Einige Länder, insbesondere in Teilen Afrikas, Asiens und auch in Lateinamerika, haben nicht die Möglichkeit, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Ich denke, dass die entwickelte Welt ihnen zur Hilfe kommen muss, dies ist eine moralische und ethnische Frage.
 
Ich bin optimistisch, was Kopenhagen angeht, denn ich habe einen groβen Meinungswandel in den letzten zwei Jahren beobachtet. Insbesondere seit dem vierten Bericht des Weltklimarates. Also ich glaube, dass die verschiedenen Elemente zu einer Lösung zusammenkommen werden.
 
Philip Strohmann glaubt, dass die jüngsten Ankündigungen der USA und Chinas nicht genug sein werden, um den Temperaturanstieg auf ein Plus von 2° C zu begrenzen. Hat er Recht?
 
Wenn wir nicht handeln, werden wir die Marke von 2 Grad plus auf jeden Fall überschreiten, daran besteht kein Zweifel.
 
Worauf immer wir uns in Kopenhagen einigen werden, es wird sicher nicht das letzte Wort sein. Die Politik muss sich auf diesem Gebiet auf den Stand der Wissenschaft stützten. Der fünfte Bericht des Weltklimarates, der 2013 oder 2014 herauskommen soll, wird neue Informationen bringen.
 
Isaak Magerman hat die technologische Frage angesprochen, eine neue industrielle Revolution. Glauben Sie, dass grüne Technologien tatsächlich die existierenden ersetzen können?
 
Ohne Zweifel. Ich war gestern in Deutschland und habe Kanzlerin Angela Merkel getroffen. Die deutsche Regierung betreibt in dieser Hinsicht eine sehr aktive Politik. Es gibt dort jetzt eine Solarstrom-Kapazität von 5,5 Gigawatt.
 
In Indien treiben wir einen sehr ambitionierten Plan voran, die Sonnenenergie zu nutzen. Es gibt auch ein sehr groβes Potenzial, die Energieeffizienz zu verbessern, zum Beispiel im Wohnungsbau und in der Industrie.
 
Wenn man all die verschiedenen Maβnahmen kombiniert, dann ist es vollkommen realistisch davon auszugehen, dass wir Emissionen substanziell reduzieren können, ohne an Produktion oder Jobs einzubüβen.
 
Es ist eine Tatsache, dass eine ganze Reihe der Maβnahmen Beschäftigung schaffen können. Wir brauchen politischen Willen, aber wie mein Freund Al Gore sagt: politischer Wille ist ein erneuerbarer Rohstoff.
 
Paul van Rompaye fragt, ob das Ziel der CO2-Verminderung nicht auch eine Gelegenheit sei, das – in seinen Worten – „amerikanische Modell der Konsumgesellschaft“ zu überwinden?
 
Die Welt hat schon einige radikale und technische Veränderungen erlebt. Wir haben als Jäger und Sammler angefangen und dann kamen der Ackerbau und die Entwicklung der Landwirtschaft.
 
Ich sehe also nicht, warum wir uns vor den groβen Veränderungen, die heute stattfinden, fürchten sollten. Sie sorgen dafür, dass wir in einer Weise wachsen, konsumieren, die mit dem Umweltschutz in Einklang steht. Wir müssen Umweltschutz und Klima endlich in den Mittelpunkt stellen.
 
Andres Galindo befürchtet für die Zukunft Trinkwasserknappheit. Ist die Befürchtung berechtigt?
 
Ich würde sagen, er sollte keine Frucht haben, aber er sollte sich sicherlich bewusst sein, dass in einigen Teilen der Welt der „Wasser-Stress“ dramatisch zunehmen wird. Wir brauchen eine Entwicklung, in der Regierungen, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft im Hinblick auf Wasser erkennen, dass es keine Ressource ohne Wert gibt.
 
Ercan Acar würde gerne wissen, ob es ihrer Meinung nach wirklich möglich sein wird, fossile Brennstoff durch erneuerbare zu ersetzen…
 
Ich haben keinerlei Zweifel, dass erneuerbare Energiequellen die fossilen Brennstoffe – und möglicherweise auch die Kernkraft – ersetzen können. Ich denke, es gibt mehrere Gegenden der Welt, darunter Europa, die wenn sie ihre Vorstellungskraft und ihre Innovationsfähigkeit nutzen, dazu in der Lage sein sollten, erneuerbare Energien in groβem Maβstab zu nutzen.
 
Eine Möglichkeit, die Sie hier bisher nicht wirklich ernsthaft ins Auge gefasst haben, ist es, Nordafrika als Standort und Quelle für Solarenergie zu nutzen –  Energie, die unterirdisch durch das Mittelmeer nach Europa gelangen könnte. Wind ist ein weiteres Beispiel.
 
Wir können erneuerbare Energie einsetzen und wir müssen zugleich dafür sorgen, dass wir Energie effizienter nutzen. Beides muss Hand in Hand gehen.
 
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10 Punkte: Was die EU für den Klimaschutz tut

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1.  Emissionen vermindern: Im Rahmen des Europäischen Emissionshandelssystems will die EU die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 20% (Vergleichsjahr ist 1990). Sollten sich andere EU-Staaten zu vergleichbaren Reduktionen verpflichten, will die EU ihre Emissionen sogar um 30% reduzieren. Das Parlament setzt sich dafür ein, dass die Industriestaaten eine 40prozentige Verminderung anstreben und bis 2050 eine Verminderung um 80% erreicht wird.
 
2. Lastenteilung: die EU hat sich verbindlich darauf verständigt, welche Emissionsverminderungen jeder EU-Staat in jenen Bereichen erreicht werden sollen, die nicht vom Emissionshandelssystem erfasst werden (beispielsweise die Bereiche Gebäudeheizung und Kühlung, Landwirtschaft, kleine Industrieanlagen, Verkehr). Diese Bereiche machen zusammen 60% aller Treibhausgas-Emissionen aus.
 
3. Deponierung von CO2: Die EU hat einen Rechtsrahmen für die Zulassung von Lagerstätten für CO2 geschaffen. Damit bekommt die neue Technologie der Kohlenstoffabscheidung und Lagerung (Carbon Capture and Storage) eien EU-weit einheitliche Rechtsgrundlage. Außerdem sollen Testprojekte von der EU gefördert werden. Groβe Industrie-Anlagen und Stromkraftwerke sind für 40% aller Emissionen verantwortlich.
 
4. Klimafreundliche Autos: Die Auto-Industrie wird verpflichtet ihre in Europa verkauften Autos sparsamer und damit klimafreundlicher zu machen. Die Flotten der Automobilhersteller dürfen im Jahr 2015 nicht mehr mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dieses Ziel muss durch Verbesserungen an den Motoren erreicht werden, weitere 10 Gramm Einsparungen sollen durch andere Verbesserungen an den Fahrzeugen erreicht werden.
 
5. Erneuerbare Energie: Energie aus Biomasse, Wind, Sonne und Wasser, Erdwärme und andere erneuerbare Quellen sollen im Jahr 2020 mindestens 20% des Energieverbrauchs der Europäer decken. Zum Vergleich: 2005 waren es nur 7%. Die Ende 2008 verabschiedete Richtlinie legt fest, wie viel jeder EU-Staat zum Gesamtziel beitragen muss, und wie die erneuerbaren Energiequellen gefördert werden sollten.
 
6. Weniger Emissionen durch Kraftstoffe: Anbieter von Kraftstoffen wie Benzin, Diesel, Biokraftstoffen und anderen Kraftstoffen, die im Straßenverkehr zum Einsatz kommen müssen die Treibhausgasemissionen, die während Herstellung, Transport und Nutzung entstehen, bis 2020 um bis zu 10 % senken müssen. So sieht es die Richtlinie zur Qualität von Kraftstoffen vor, die das Parlament im Dezember 2008 verabschiedet hat.
 
7. Sparsame Auto-Reifen: Es wird ab 2012 eine Kennzeichnung von Auto-Reifen eingeführt, die es dem Käufer leichter macht, auf den ersten Blick zu erkennen, welche Reifen besonders Kraftstoff sparend sind – ähnlich wie heute beispielsweise schon besonders energiesparende Haushaltsgeräte gekennzeichnet sind.
 
8. Gebäude: Ab Ende 2020 dürfen Neubauten nicht wesentlich mehr Energie verbrauchen als sie selbst erzeugen. Für öffentliche Gebäude, gilt dies schon für das Jahr 2018. Die Mitgliedsstaaten müssen außerdem Aktionspläne aufstellen, um Passivhäuser zu fördern, deren Anzahl zu erhöhen und bei Renovierungen Energiesparmaßnahmen fördern.
 
9. Haushaltsgeräte: Das Parlament und der Rat haben neue Regeln für die Kennzeichnung der Energieeffizienz von Haushaltsgeräten verabschiedet. Es wird eine neue Effizienzklasse A+++ für die sparsamsten Geräte einer Klasse eingeführt. Werbung für Haushaltsgeräte muss zukünftig stets auch die Energie-Effienzklasse angeben.
 
10. Parlament: Auch das Europaparlament selbst will an seinen Standpunkten zum Umwelt- und Klimaschutzbeitragen und hat sich von EMAS, dem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Betriebsprüfung, zertifizieren lassen und sich verpflichtet den CO2-Ausstoß bis 2020 um mindestens 30% zu verringern.  
 
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Kopenhagen und die Klimakonferenz

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"Cool Globes," in Kopenhagen. Die Konferenz bestimt das Straßenbild ©BELGA_AFP PHOTO_Adrian Dennis

"Cool Globes," in Kopenhagen. Die Konferenz bestimt das Straßenbild ©BELGA_AFP PHOTO_Adrian Dennis

Kopenhagen zeigt sich (nicht nur) während des Klimagipfels von seiner grünen Seite. Ein paar interessante Fakten über Konferenz und Konferenz-Ort:
 
  • Im Stadtzentrum Kopenhagens werden alle Busse mit Elektromotoren angetrieben.
 
  • Kopenhagen hat 350 Kilometer Radwege. Jeder Dritte in Kopenhagen fährt mit dem Fahrrad zu Arbeit, Uni oder Schule.
  • Fast 20% der Stroms aus dänischen Steckdosen wurde durch Windkraft produziert.
 
  • Die dänische Klima- und Energieministerin Connie Hedegaard soll nach dem Willen von Kommissionschef Barroso die erste EU-Kommissarin für Klimaschutz werden.
  • Kurz vor Weihnachten und doch gibt es für die Konferenzteilnehmer in Kopenhagen nichts geschenkt. Die üblichen Konferenz-Give-Aways wurden zugunsten von Stipendien für Studenten aus aller Welt gekürzt, die in Dänemark zu Energiefragen und Klimaschutz studieren werden.
  • Der Fuhrpark für Minister und Regierungschefs, die an der Konferenz teilnehmen, wird mit Bio-Ethanol betrieben. Konferenzteilnehmern können kostenlos Leihfahrräder oder den öffentlichen Personennahverkehr der dänischen Hauptstadt benuten.
  • Wasser bekommen die Konferenzteilnehmer nicht Flaschen, sondern aus dem Wasserhahn und getrunken wird es aus kompostierbaren Bechern.
  • Die Organisatoren versprechen, dass 65% des gereichten Essens aus Biolandbau kommt.
  • Stark ausgebaut wurden die Möglichkeiten per Video-Streaming oder Telefon an der Konferenz teilzunehmen.
  • Der Klimagipfel ist die erste große internationale Konferenz, bei der hauptsächlich LED-Lampen zum Einsatz kommen, deren Stromverbrauch 80 bis 90% niedriger ist als der klassischer Glühbirnen.
  • Mehr als die Hälfte aller Hotels in Kopenhagen sind als Betriebe mit Umweltmanagement zertifiziert.
 
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