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Interview: „Heute sind die meisten Hedge-Fonds-Manager prinzipiell für Regulierung"

Wirtschaft und Währung - 09-12-2009 - 16:34
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Der Europa-Abgeordnete Jean-Paul Gauzès (Europäische Volkspartei, EVP)

Der Europa-Abgeordnete Jean-Paul Gauzès (Europäische Volkspartei, EVP)

Die Finanzkrise hat deutlich gemacht, dass bestimmte Verhaltensweisen und Finanz-Instrumente Risiken nicht nur für Anleger mit sich bringen, sondern für die Stabilität des Finanzsystems insgesamt. Besonders in die Kritik geraten sind dabei sogenannte Alternative Investmentfonds, wozu auch „Hedge Fonds“ zählen. Das Europaparlament befasst sich derzeit mit einer Richtlinie zur Regulierung des Managements solcher Fonds. Wir sprachen mit dem parlamentarischen Berichterstatter, Jean-Paul Gauzès.

Herr Gauzès, es gibt viele Menschen, die von der Thematik nur eine vage Vorstellung haben. Worum geht es in der Richtlinie über alternative Fonds, zu denen die Hedge Fonds gehören?
 
In der Richtlinie geht es um das Management von Fonds, der sogenannten Alternativen Investmentfonds: Hedge Fonds, Immobilienfonds und Risikokapital. Es sind dies Finanzinstrumente, die der Finanzierung der Wirtschaft dienen und die den Investoren Profite bringen, wenn die Dinge gut laufen.
 
Es ist eine Kategorie von Investmentfonds, die im Prinzip nur institutionellen Anlegern offen stehen. Anders ausgedrückt: diese Finanzinstrumente stehen Otto-Normalverbrauchern – wie Sie und ich es sind – nicht offen.
 
Warum sollen sie reguliert werden? Weil wir die Lehren aus der Finanzkrise ziehen und die Notwendigkeit erkannt haben, dass die Finanzmärkte reguliert und beaufsichtigt werden.
 
Daher zielt diese Richtlinie darauf ab, ein Zulassungssystem für die Fonds-Manager zu schaffen und auch eine Beaufsichtigung, eine Kontrolle durch nationale Finanzmarkt-Regulierungsstellen und durch eine europäische Regulierungsbehörde, die gemeinsam dafür sorgen, dass keine Risikopositionen entstehen, die aufgrund ihres Umfangs ein Risiko für das gesamte Finanzsystem darstellen.
 
Welche Rolle spielen Hedge Fonds für die europäische Wirtschaft?
 
Die Richtlinie reguliert nicht nur Hedge Fonds. Alle diese Fonds sind Finanzierungsinstrumente für die Wirtschat. Sie stellen Unternehmen, die es benötigen und verdienen, Kapital zur Verfügung.
 
Im Bereich der regulierten Fonds gibt es solche, die ziemlich spekulativ sind, solche die so angelegt werden, dass man hohe Erträge erwarten kann und solche, die langfristig in die Wirtschaft investieren.
 
Aber wenn man von Hedge Fonds spricht, dann geht es um eine ganz spezielle Kategorie, nämlich Investmentfonds, die auf kurzfristige Operationen und Profite ausgelegt sind und in denen die angelegten Mittel schnell wieder abgezogen werden können. Das ist nicht vollkommen unnütz für die Volkswirtschaft, aber es sind schon größtenteils sehr spekulative, risikobehaftete Vorgänge.
 
Kann man die Hedge Fonds reglementieren, ohne der europäischen Wirtschaft insgesamt zu schaden?
 
Zunächst einmal waren es nicht die Hedge Fonds selbst, welche die Krise ausgelöst haben, aber die Art der Anlagen, die Funktionsweise kann zu einem systemischen Risiko beitragen. Dies ist der Grund, warum man sie regulieren will.
 
Es kann sein, dass es einigen nicht mehr möglich sein wird, bestimmten in der Vergangenheit hoch profitablen Aktivitäten nachzugehen, die allerdings für die  Wirtschaft insgesamt ein zu hohes Risiko bedeutet haben.
Ansonsten ist es nicht das Ziel der Regulierung, die Finanzindustrie zu zerstören oder sie dazu zu bewegen ihre Aktivitäten zu verlagern.
 
Heute sind die meisten Hedge-Fonds-Manager prinzipiell für eine Regulierung. Aber sie setzen sich dafür ein, dass es eine sehr weiche Regulierung wird. Man muss pragmatisch sein.
 
REF: 20091207STO66063