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Europaparlament sucht nach Wegen zur Gleichberechtigung
Institutionen - 08-02-2010 - 17:10

Werbung mit der amerikanischen Schauspielerin Lena Horne American (1943)©BELGA/akg-images/Van Parys Media
In der vergangenen Woche befasste sich eine Anhörung im Frauenausschuss mit der anhaltenden Diskriminierung von Frauen. Im Parlamentsplenum steht am Montag eine Debatte zur Gleichstellungsstrategie der EU auf der Tagesordnung. Berichterstatter Marc Tarabella ist überzeugt, dass sowohl Frauen als auch Männer zu den Gewinnern gehören, wenn sexistische Klischees überwunden und mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern erreicht wird.
Gewalt gegen Frauen
Der Bericht des Frauenausschusses unterstreicht, dass Gewalt gegen Frauen ein „ernstes Problem in der Union” sei und dass 20 bis 25% der Frauen physische Gewalt erlebten und 10% Opfer im Laufe ihres Lebens sexueller Gewalt würden.
Die Kommission fordert Berichterstatter Tarabella auf, einen Europäischen Tag zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen zu schaffen.
Während der Anhörung im Ausschuss kritisierte die niederländische Grünen-Abgeordnete Marije Cornelissen, dass bei diesem Thema „die Strategie Europas unter vielen schönen Worten und nicht sehr vielen konkreten Taten leidet”.
Rollenbilder und Klischees
Um sexistische Rollen-Klischees abzubauen, sollten nach Ansicht von Berichterstatter Tarabella in Schulen und am Arbeitsplatz Sensibilisierungskampagnen durchgeführt werden. Dies könne dazu beitragen, „dass niemand mehr erstaunt ist, wenn Frauen Busse fahren oder Männer Wäsche waschen”.
Der Bericht unterstützt außerdem Bestrebungen, ein Recht auf Vaterschaftsurlaub einzuführen.
Während der Anhörung plädierte die Direktorin der spanischen Fundación Mujeres (Frauenstiftung) dafür, dass „Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub gleich lang sind. Seit Jahrzehnten haben wir gefordert, dass Männer auch Hausarbeit übernehmen sollten, es ist an der Zeit auch rechtlich etwas dafür zu tun.”
Unterschiedliche Bezahlung von Männer und Frauen
Tarabellas Bericht fordert die Mitgliedsstaaten auf, mehr für die Umsetzung des Prinzips „gleicher Lohn für gleiche Arbeit" zu tun. Im Schnitt verdienen Frauen mit gleicher Verantwortung und Qualifikation rund 15% weniger als ihre männlichen Kollegen.
Außerdem weist der Berichterstatter darauf hin, dass nahezu 60% der Hochschulabsolventen Frauen sind, aber die Führungspositionen in Politik und Wirtschaft immer noch eine weitgehend männliche Domäne sind.
Sylvia Walby, Gender-Forscherin bei der UNESCO, forderte in diesem Zusammenhang eine „umfassende Beteiligung von Frauen“ in Entscheidungsprozessen.
Wirtschaftskrise
Der Bericht sieht in der gegenwärtigen Krise für Frauen zwar spezifische Probleme sowohl im Berufs- wie auch im Privatleben, aber erkennt auch ein Chance, die darin bestünde, dass die Krise zu einer umfassenden Überprüfung aller politischer Konzepte führen müsse.
Während der Anhörung wurde auch darauf hingewiesen, dass die ursächlich verantwortlichen Finanzinstitute eine von Männern dominierte Welt seien.
Die Plenardebatte zum Thema findet am späten Montagabend statt. Die Abstimmung über den Bericht von Marc Tarbella findet am Mittwochmittag statt.
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