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EU-Korrespondenten über die journalistische Herausforderung EU-Berichterstattung

Kultur - 05-03-2010 - 18:43
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Alljährlich vergibt das Parlament einen Journalistenpreis in den Kategorien Print, Radio, TV und Internet

Alljährlich vergibt das Parlament einen Journalistenpreis in den Kategorien Print, Radio, TV und Internet

Rund 1.200 Journalisten sind bei den EU-Organen in Brüssel akkreditiert. Einen größeren Press-Corps gibt es höchstens noch in Washington. Seit einigen Jahren vergibt das Europaparlament einen Journalistenpreis für hervorragende journalistische Arbeiten über EU und europäische Einigung. Dieses Jahr können noch bis zum 31. März Vorschläge eingereicht werden. Wir wollten von EU-Korrespondenten wissen, wie sie ihre Arbeit erleben.

Für Anna Cahill vom Irish Examiner  ist es ein Privileg aus Brüssel zu berichten und dort „die Entwicklung von Ideen nachzuvollziehen und wie sie sich im machtpolitischen Gefüge von Regierungen, Wirtschaft, Zivilgesellschaft EU-Institutionen“ durchsetzen (oder nicht).
 
Zuviel passiert gleichzeitig
 
Für Maria Laura Franciosi, ehemalige stellvertretende Bürochefin der italienischen Presseagentur ANSA, bedeutet die Arbeit in Brüssel die ständige „Bewegung zwischen den vielen Institutionen und Quellen“, wobei man viel Schuhsole ablaufe, bevor man sich dann „hinsetzt und versucht, dies alles in kohärenter Weise den Lesern zu vermitteln“.
 
„Die Quantität an Material und das Volumen an Kommunikation, welches die Institutionen hervorbringen, ist enorm. Die Schwierigkeit besteht daher darin, wichtiges herauszufiltern und von reinem Klatsch zu trennen“, so die Italienerin weiter.
 
Für den Korrespondenten der zyprischen Nachrichtenagentur Nikos Bellos ist der schwierigste Teil der Arbeit, das Geschehen zeitnah und akkurat zu berichten: „Es geschehen so viele Dinge gleichzeitig. Dies führt zu Situationen, in denen man über etwas berichten muss, ohne tatsächlich anwesend gewesen zu sein. Dann helfen Technologie, etwa die Übertragung im Internet und gute Kontakte mit den Pressestellen der Institutionen und Kollegen".
 
Der Niederländer Fran Boogaard, Korrespondent für das Algemeen Dagblad, erzählt, dass die Journalisten die EU-Organe wiederholt aufgefordert hätten, die Terminierung ihrer Sitzungen besser abzustimmen, damit nicht gleichzeitig ein wichtiger Ministerrat in Luxemburg oder Brüssel und eine Plenartagung des Parlaments in Straßburg stattfinden.
 
Herausforderung, die EU zu vermitteln
 
Fran Boogaard findet es zunehmend schwieriger, der Öffentlichkeit zu erklären, was jeweils auf dem Spiel steht, denn die EU werde zunehmend komplizierter.
 
Für Anna Cahill kommt es darauf an, so zu berichten, dass die Menschen verstehen, „dass es relevant für sie ist, selbst wenn sie nicht das Geringste über die EU wissen“.
 
Für Michael Stabenow von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „sollte Europa-Berichterstattung nicht zuletzt dazu beitragen, eine Wechselwirkung zu veranschaulichen. Europa- und Innenpolitik sind zwei Seiten einer Medaille. Insofern benötigt eine angemessene Berichterstattung über Europa beides: die Sicht aus Brüssel wie aus den Mitgliedsländern.“ 
 
Allerdings, so der FAZ-Journalist weiter, täten sich EU-Korrespondenten „im Dunstkreis“ der EU-Organe „häufiger schwer damit, die Auswirkungen europäischer Entscheidungen auf den Alltag der Bürger in ebenso verständlicher wie für Leser, Zuhörer oder Zuschauer interessanter Weise darzulegen." 
 
Hinzu komme, dass das in „vielen Heimatredaktionen nicht nur geografisch fern erscheinende Brüssel mit seinem komplexen Geflecht von Institutionen und Interessengruppen oft für Berührungsängste“ sorge. „Manche Journalisten schrecken deshalb davor zurück, sich eingehender mit EU-Themen zu befassen.“
 
REF: 20100226STO69653