Blickpunkt
Plenartagung 19. - 21. April 2010
Institutionen - 19-04-2010 - 12:15
Viele Abgeordnete haben trotzt annullierter Flüge den Weg nach Straßburg gefunden. Mit Rücksicht auf jene Parlamentarier, denen die Teilnahme nicht möglich ist, finden diese Woche jedoch keine Abstimmungen statt. Auf der Tagesordnung bleiben Aussprachen u.a. zum Arbeitsprogramm der Kommission, zur Haushaltsentlastung für 2008. Zusätzlich auf die Tagesordnung gesetzt wurde eine Aussprache über die Sperrung des Luftraums aufgrund der Aschewolke aus dem Vulkan Eyjafjallajökull.
Dieses Dossier berichtet im Laufe der Woche jeweils aktuell über die behandelten Themen.
Änderungen der Tagesordnung: Am Montag haben die anwesenden Abgeordneten auf Empfehlung von Parlamentspräsident Buzek und den Fraktionschef beschlossen, die vorgesehenen Abstimmungen zu verschieben, da es einer bedeutenden Zahl von Abgeordneten aufgrund der Sperrung des europäischen Luftraums nicht möglich war, nach Straßburg zu kommen.
Eine Debatte über die Situation im europäischen Luftverkehr wurde zusätzlich auf die Tagesordnung gesetzt. Aufgrund der schwierigen Verkehrssituation wurde außerdem entschieden, die Plenartagung am Mittwochabend zu beenden.
Sommaire du dossier :
Schwerpunkte der Plenartagung vom 19. bis 21. April 2010 
Tierschutz und Tiergesundheit sind im Interesse der Menschen 
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen: Mitgliedsstaaten sollen Kosten tragen 
Digitale Bibliothek Europeana: EU-Parlamentarier für besseren Zugang zum europäischen Kulturerbe 
Plenartagung findet statt: Debatte zu aktuellen Behinderungen im Flugverkehr 
Aschewolke: Europaparlament debattiert Lockerung des Flugverbots 
Flugpassagier- und Bankdatenaustausch: Abgeordnete erörtern Bedingungen für Weitergabe 
EU-Verbot für Blausäure-Einsatz in Goldminen? 
Kirgistan: Lage bleibt gespannt 
SWIFT und PNR: Datenschutzbedenken im Vorfeld neuer Verhandlungen 
Regionalfonds: Einfacher und schneller in Zeiten der Krise 
Rückblick aufs Plenum: Stichpunkte und Foto-Impressionen
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Schwerpunkte der Plenartagung vom 19. bis 21. April 2010
Europarltv-Wochenvorschau
Energieeffizienz: Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs
Das Europäische Parlament wird in Straßburg über neue Vorschriften zur Energieeffizienz von Gebäuden sowie über ein neues Design für das EU-Energieeffizienzlabel beraten. Zu beiden, das EU-Klimapaket von 2008 ergänzenden, Maßnahmen hatten Parlament und Rat bereits im letzten Jahr Einigungen erlangt; diesen muss nun am Montag der Industrieausschuss, am Mittwoch und Donnerstag dann das gesamte Plenum formell zustimmen.
Flughafengebühren: EU-Staaten sollen Sicherheitskosten tragen
Für Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, die über die in der EU allgemein geltenden Anforderungen hinausgehen, sollen nach dem Willen des EP-Verkehrsausschusses nicht die Passagiere, sondern die Mitgliedstaaten aufkommen.
Bessere Überwachung der Flugsicherheit außerhalb der EU
EU-Bürger, die in außereuropäische Länder fliegen, müssen besser darüber informiert werden, welche nicht-europäischen Fluggesellschaften von der EU als unsicher eingestuft worden sind, fordert der Verkehrsausschuss des EP.
Parlament entscheidet über Haushaltsentlastung 2008
Am Mittwoch wird das Parlament über die Ausgaben der EU im Jahr 2008 debattieren und anschließend entscheiden, ob es sich mit der Haushaltsführung der EU-Institutionen und -Agenturen einverstanden erklärt und ihnen somit Haushaltsentlastung für 2008 gewährt.
Einhaltung des Tierschutzes durch schärfere Kontrollen und Strafen garantieren
Mehr Kontrollen und effektivere Strafen sollen eine bessere Umsetzung des nächsten EU-Aktionsplans für Tierschutz gewährleisten, empfiehlt ein Entschließungsentwurf, über den das EP in Straßburg abstimmen wird. Der derzeitige Aktionsplan für den Zeitraum 2006-2010 sei zufriedenstellend umgesetzt worden, allerdings könnte die Durchsetzung der Vorschriften noch verbessert werden, meint der Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung.
Barroso präsentiert Arbeitsprogramm der Kommission für 2010
Die politischen Fraktionen im EP werden mit Kommissionspräsident Barroso ihre jeweiligen Themenschwerpunkte für dieses Jahr diskutieren. Zuvor wird Barroso das Arbeitsprogramm der Kommission für 2010 mit den Kernbereichen "Bewältigung der Krise und Bewahrung der sozialen Marktwirtschaft in Europa", "Agenda für Bürgernähe: der Mensch im Mittelpunkt der EU-Maßnahmen", "externe Agenda: Eine einflussreiche EU" sowie "Modernisierung der Instrumente und der Arbeitsweise der Union" vorstellen.
SWIFT und PNR: Datenaustausch mit den USA und Australien
Nach Debatten mit Rat und Kommission zum Thema Datenaustausch werden die Abgeordneten in Straßburg voraussichtlich über zwei Entschließungsentwürfe abstimmen, deren einer ihre Bedingungen für eine Zustimmung zur Übermittlung von Bankdaten mittels SWIFT an die Vereinigten Staaten bekräftigt, während der andere die Ausarbeitung eines Standardmodells für PNR-Einträge vorschlägt.
Zukunft der EU-Seeverkehrspolitik
Ein nachhaltiger, offener, wettbewerbsfähiger, integrierter und sicherer Seeverkehrssektor: das ist das Ziel, dessen Erreichung der EP-Verkehrsausschuss mit seinen Empfehlungen an die EU-Kommission für die EU-Seeverkehrspolitik bis 2018 fördern will.
Landwirten das Leben erleichtern
Jegliche Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik muss auf einfacheren, transparenteren Vorschriften basieren, verlangt ein Entschließungsentwurf, über den das während der April-Tagung abstimmen wird.
Tierschutz und Tiergesundheit sind im Interesse der Menschen
Am Montagabend steht der Bericht der schwedischen Abgeordneten Marit Paulsen (Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa) zum Tierschutz in der EU auf der Tagesordnung. Ein besonderes Augenmerk legt Paulsen auf die unterschiedliche Auslegung und Umsetzung der Tierschutzbestimmungen in der EU, wie sie im Interview darlegt.
Frau Paulsen, wenn EU-Staaten Tierschutzvorschriften unterschiedlich auslegen und anwenden, kann dies auch zur Verzerrung der Konkurrenz von Unternehmen im Binnenmarkt führen, weil weniger Tierschutz niedrigere Produktionskosten bedeuten kann. In welchen Bereich gibt es die größten Unterschiede?
Es gibt beispielsweise große Unterschiede, wie die EU-Vorschriften zu Schweinen, zum Tiertransport und für Legehennen umgesetzt und eingehalten werden. Ich schlage in meinem Bericht daher vor, ein allgemeines europäisches Tierschutz-Gesetz zu schaffen, dass gleiche Verhältnisse im Binnenmarkt schafft – auch für Importe. Wir müssen aber auch daran denken, dass man nicht höhere Standards und niedrigere Preise erwarten kann.
In ihrem Bericht weisen Sie darauf hin, dass Mensch und Tier verschiedene Eigenschaften gemein haben und auch Krankheiten von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Sind Tierschutz-Standards in diesem Sinne auch ein Beitrag zur Gesundheitspolitik?
Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Tierschutz, Tiergesundheit und der Gesundheit der Menschen. Tiergerechte Landwirtschaft und hohe Tierschutzstandards sorgen für gesunde und glücklichere Tiere, die weniger Antibiotika und andere Medikamente benötigen. Verminderter Einsatz von Antibiotika vermindert die Gefahr der Resistenz gegen Antibiothika beim Menschen (die resistenten Bakterienstämme können auf den Menschen übertragen werden).
Wenn wir die Instrumente verlieren, Krankheiten effektiv zu behandeln, riskieren wir hundert Jahre zurückgeworfen zu werden, in eine Zeit, als nur jedes vierte Kind in Europa überlebte. Mein Bericht unterstreicht daher, wie wichtige es ist, dass die Kommission und die EU-Staaten den Einsatz von Antibiotika bei Tieren genau überwachen.
Sie betonten auch, dass auch Tiere Furcht und Schmerz empfinden, Freude und sogar Freundschaft. Es gibt ja auch Landwirte, die ihren Kühen Musik vorspielen, damit diese sich wohl fühlen und mehr Milch geben. Was halten Sie davon?
Warum nicht? Man sollte allerdings eine „Disneyfizierung“ der Tiere vermeiden. Wir hatten auf unserem Bauernhof mal ein Schwein, dass gerne Fernsehen sah und am liebsten mit uns auf dem Sofa saß – aber natürlich war es ihm vollkommen egal, wer das Fußballspiel, das im Fernsehen gezeigt wurde, gewann.
Alle Tier haben Anspruch auf ein anständiges Leben und sie sind in gewisser Weise unsere Verwandten, aber es gibt einen Unterschied zwischen der Würde eines Schweins und der Menschenwürde.
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Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen: Mitgliedsstaaten sollen Kosten tragen
Neue Sicherheitsmaßnahmen wie etwa Körperscanner einführen kostet Geld. Woher es kommen soll, darüber wird das Plenum am Montagabend diskutierten. Die Ansicht des Verkehrsausschusses ist klar: Die Kosten für neue Maßnahmen sollten von den Mitgliedsstaaten und nicht von den Passagieren getragen werden.
Der Verkehrsausschuss des Europaparlaments schlägt vor, dass die Kosten für Flugsicherheitsmaßnahmen, die über die EU-Anforderungen hinausgehen von den jeweiligen Mitgliedsstaaten übernommen werden sollten und nicht den Passagieren auferlegt werden sollten.
Die Mitgliedsstaaten könnten jedoch weiterhin frei über die Aufteilung der Kosten für bereits von EU-Vorgaben erfasste Maßnahmen (Metall- und Sprengstoffdetektoren, Spürhunde, manuelle Durchsuchungen und das Herausfiltern von Flüssigkeiten) entscheiden.
Die EU-Staaten müssten jedoch für weitergehende Maßnahmen wie etwa Körperscanner bezahlen, die noch nicht zu den gemeinschaftlichen Flugsicherheitsmaßnahmen zählen.
Der Berichterstatter des Verkehrsausschusses, der Österreicher Jörg Leichtfried (SPÖ), sagte dazu: „Wir sind mehr oder weniger mit dem Rat auf einer Linie, außer in der Frage, wer zahlen soll. Wir werden sehen, wie unser Vorschlag aufgenommen wird.“
Die Kosten senken?
EU-Parlamentarier fordern auch eine transparentere Preisberechnung. Die Passagiere sollten sich genau informieren können, welcher Prozentsatz des Flugpreises für Flughafensicherheit ausgegeben wird.
Leichtfried führt aus, dass es „momentan ein System gibt, das es einigen Flughäfen erlaubt, mehr zu berechnen. Wie die Flughafengebühren und die Ausgaben für Passagiere berechnet werden, ist nicht transparent. Wenn die Sicherheitskosten für Passagiere ersichtlicher werden, werden sie sinken“, glaubt der EU-Parlamentarier.
Asche und Schwarze Liste
Auf der Tagesordnung des Plenums steht am Montag noch weiteres Flugthema: EU-Abgeordnete werden die Kommission in einer Mündlichen Anfrage zum Thema "Schwarze Listen" unsicherer Fluggesellschaften befragen.
Konkret geht es darum, in wie vielen anderen Ländern es Regelungen gibt, die, vergleichbar den geltenden EU-Vorschriften, die Erstellung einer "Schwarzen Liste" vorschreiben, und wie die Kommission sicherstellen will, dass die Einhaltung der internationalen Sicherheitsnormen überwacht wird.
Für Dienstagvormittag um 9:00 Uhr wurde außerdem zusätzlich eine Aussprache über die Folgen der Sperrung des europäischen Luftraums wegen der Wolke aus Vulkanasche auf die Tagesordnung gesetzt.
Digitale Bibliothek Europeana: EU-Parlamentarier für besseren Zugang zum europäischen Kulturerbe
„Google Books“ macht von sich reden. Nicht zuletzt durch Klagen von Autoren, die sich durch den Internet-Giganten in ihren Urheberrechten verletzt sehen. Wie kann die europäische Alternative, die im November 2008 an den Start gegangene digitale Bibliothek „Europeana“, ähnliche Probleme vermeiden und erreichen, dass sie von Autoren und Nutzern angenommen wird? Am Montagabend stellt die Bremer Grünen-Abgeordnete Helga Trüpel ihren Bericht zum Thema im Straßburger Plenum vor.
Ziel der EU müsse es sein, so Trüpel, „einen Ausgleich zu finden zwischen der Vergütung der Autoren und dem Interesse an der Verfügbarkeit ihrer Werke. Google hat viele Bücher gescannt, die dem Urheberrecht unterliegen und dann haben sich die Autoren beschwert und sind vor Gericht gezogen.“
Die Urheberrechtsfrage ist daher für das Projekt von größter Bedeutung, sind sich alle Experten einig. Wichtig sei auch, mehr Finanzmittel für die Digitalisierung zur Verfügung zu stellen, meint Trüpel.
Ein öffentliches Projekt für kulturelle Vielfalt
Für die Berichterstatterin ist das Europeana-Projekt auch deshalb wichtig, „um zu zeigen, dass so etwas auch mit öffentlichen Mitteln und nicht mit Werbung finanziert werden kann. Wenn wir unser europäisches Gesellschaftsmodell und unsere kulturelle Vielfalt verteidigen wollen, dann brauchen wir Europeana“.
Europeana umfasst momentan 6 Millionen digitalisierte Werke, darunter Bücher, Zeitungen, Filme und Fernsehsendungen, aber auch Gemälde, Fotos und Karten sowie Musik.
Es wird von der EU und den Mitgliedsstaaten finanziert und von der niederländischen Nationalbibliothek in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Bibliotheken Europas betrieben.
Eine neue Version der Online-Bibliothek mit dann 10 Millionen Werken soll noch im Laufe dieses Jahres online gehen.
Plenartagung findet statt: Debatte zu aktuellen Behinderungen im Flugverkehr
Die Plenartagung des EP findet trotz der aktuellen Behinderungen im Flugverkehr statt, jedoch mit geänderter Tagesordnung. Alle Abstimmungen wurden auf die nächste Tagung vom 5.-6. Mai verschoben, die meisten Debatten hingegen finden wie geplant statt. Das Parlament wird die Einschränkungen im Flugverkehr und deren Auswirkungen am Dienstag mit Kommissionspräsident Barroso diskutieren.
Zu Beginn der Sitzung am Montag erklärte Parlamentspräsident Jerzy Buzek, das Parlament habe beschlossen, "dass wegen der Reiseeinschränkungen keine Abstimmungen stattfinden werden". Da es vielen Abgeordneten schlicht unmöglich gewesen sei, nach Straßburg zu reisen, werde es einige Änderungen der Tagesordnung geben.
Auswirkungen der vulkanischen Aschewolke
"Die Abgeordneten sind sich der dramatischen Auswirkungen der Aschewolke voll bewusst", sagte Buzek. Tausende EU-Bürger seien betroffen. Die Fluggesellschaften stünden vor massiven wirtschaftlichen Verlusten. "Europaweit stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel", fügte der Präsident hinzu. Aus diesem Grunde habe das Parlament beschlossen, das Thema mit oberster Priorität zum frühstmöglichen Zeitpunkt, am Dienstagmorgen, zu diskutieren. An der Aussprache wird auch Kommissionspräsident Barroso teilnehmen.
Änderungen der Tagesordnung
Alle Abstimmungen werden auf die nächste Plenarsitzung in Brüssel vom 5.-6. Mai verschoben.
Am Dienstag stehen folgende Punkte auf der Tagesordnung:
- 9 Uhr: Luftverkehr in Europa - Erklärungen des Rates und der Kommission, mit anschließender Aussprache
- 11-13 Uhr:
- Arbeitsprogramm der Kommission für 2010 - Erklärung von Kommissionspräsident Barroso, mit anschließender Aussprache
- Koordination der humanitären Hilfe und Wiederaufbau in Haiti - Erklärung der Kommission, mit anschließender Aussprache
Die Plenartagung endet bereits vorzeitig am Mittwoch um 19 Uhr; am Donnerstag finden jedoch noch einige Ausschusssitzungen statt.
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Aschewolke: Europaparlament debattiert Lockerung des Flugverbots

Oben: Diego LÓPEZ GARRIDO, Corien WORTMANN-KOOL, Martin SCHULZ; Mitte: Gesine MEISSNER, Michael CRAMER, Peter VAN DALEN, Unten: Lothar BISKY, Francesco SPERONI, Siim KALLAS
Die politischen Fraktionen im EP begrüßten am Dienstag die Entscheidung der EU-Mitgliedstaaten, den Luftraum teilweise wieder für den Flugverkehr zu öffnen. Während einer Debatte über die Auswirkungen der Vulkanstaub-Wolke betonten die EVP-Abgeordneten vor allem die negativen wirtschaftlichen Folgen, wohingegen Sozialisten, Liberale und Grüne übereinstimmend hervorhoben, die Krise zeige, dass das Schienennetzwerk als alternatives Transportmittel EU-weit ausgebaut werden müsse.
Für den Rat erklärte der spanische Europaminister Diego LÓPEZ GARRIDO, die Störungen im Flugverkehr seien zu einer "unerwarteten und ernsten Krise" für Europa geworden. Er unterstrich, dass, obwohl die Handlungsmöglichkeiten der EU auf diesem Gebiet beschränkt seien, es den Mitgliedstaaten gelungen sei, "koordiniert" und "dynamisch" zu reagieren. Die EU-Verkehrsminister hatten am Montagabend per Video-Konferenz beschlossen, dem Vorschlag von Eurocontrol zu folgen, die Luftqualität alle sechs Stunden zu messen und von Dienstag an den Mitgliedstaaten verlässliche Informationen über die Öffnung sicherer Flugkorridore zu liefern. Drei Flugzonen werden eingerichtet: in der ersten gilt ein absolutes Flugverbot, in der "Zwischenzone" mit geringer Aschekonzentration können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und in der dritten Zone ohne Asche-Gefahr ist das Fliegen uneingeschränkt erlaubt. Trotz der Lockerung des Flugverbots müssten die Mitgliedstaaten "größtmögliche Anstrengungen unternehmen, um die Bürger dazu zu bewegen, alternative Transportmittel zu benutzen", schloss López Garrido.
Verkehrskommissar Siim KALLAS begrüßte die Entscheidung von Eurocontrol, den Luftraum teilweise wieder zu öffnen und unterstrich, dass eine abgestimmte europäische Reaktion auf das Problem notwendig sei. "Die Sicherheit geht vor, in diesem Punkt kann es keine Kompromisse geben", fügte er hinzu. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Entscheidungsbefugnisse der Kommission auf diesem Gebiet beschränkt seien, da die Entscheidung über die Schließung des Luftraums auf der Grundlage der Einschätzung unabhängiger Experten auf zwischenstaatlicher Ebene getroffen werden müsse. Kallas forderte eine konsequente Umsetzung des Einheitlichen Europäischen Luftraums sowie eine bessere Durchsetzung der Flugpassieren gemäß geltenden EU-Vorschriften zustehenden Rechte.
Für die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament erklärte Corien WORTMANN-KOOL (Niederlande), die jüngsten Ereignisse bewiesen, dass "ohne Flugverkehr die Bevölkerung Europas und die europäische Wirtschaft in ihrer Gesamtheit in Schwierigkeiten" steckten. "Sicherheit geht vor", sei der richtige Ansatz, doch wichtig sei auch "den Luftraum so bald wie möglich wieder zu nutzen". Die Fluggesellschaften hätten massive wirtschaftliche Verluste erlitten. "Ist es richtig, dass die gesamten Kosten von den Fluggesellschaften geschultert werden müssen?", fragte Wortmann-Kool und schloss die Frage an, ob "nicht Mittel aus dem EU-Haushalt bereitgestellt werden müssten".
Die "menschliche Dimension der Krise" betonte Martin SCHULZ (SPD), Vorsitzender der S&D-Fraktion, der von "tausenden gestrandeter Passagiere" weltweit sprach. Schulz verwies zudem auf die Kosten für Fluggesellschaften, die "höher als die nach dem 11. September erlittenen" seien. "Luftfahrt ist Teil eines verletzbaren Netzes Europas. Ich unterstütze die Idee eines Ausbaus der transeuropäischen Verkehrsnetze als wichtige Alternative, damit es nicht so weit hätte kommen müssen", fuhr Schulz fort.
"Wir in Europa sind noch nicht so weit wie wir sein sollten", erklärte Gesine MEISSNER (FDP) für die ALDE-Fraktion. "Nach 20 Jahren Diskussion über einen Verkehrsbinnenmarkt und einen Einheitlichen Europäischen Luftraum" sei nicht genug erreicht worden. "Es ist nicht möglich, eine Zugfahrkarte von Nord- nach Südeuropa zu buchen", so Meissner. In den Augen der Öffentlichkeit sei "die Reaktion nicht zufriedenstellend gewesen."
Michael CRAMER (Bündnis 90/Die Grünen) dankte Eurocontrol im Namen der Grünen Fraktion im EP für die Entscheidung, den europäischen Luftraum zu schließen und übte Kritik an den Fluggesellschaften, die sich zuvorderst am Gewinn orientierten. "Sicherheit, nicht Profit, muss immer vorgehen", erklärte Cramer. Die aktuelle Situation beweise, dass es notwendig sei, stärker in "das sicherste und umweltfreundlichste" aller Verkehrsmittel, die Eisenbahn, zu investieren.
Peter VAN DALEN aus den Niederlanden kritisierte im Namen der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR) die europäischen Behörden. Bei der raschen Schließung des Luftraums seien sie zu unnachgiebig vorgegangen. Er begrüßte die Entscheidung zur partiellen Wiederöffnung des Luftraums und verwies darauf, dass Testflüge gezeigt hätten, dass die Wiederaufnahme des Luftverkehrs sicher sei.
Für die Fraktion der Europäischen Linken erklärte Lothar BISKY (Die Linke): "Wettbewerb und Gewinnstreben dürfen nicht die Oberhand über die Sicherheit von Menschen gewinnen." Er lobte "die Entscheidung der Sicherheitsbehörden, nicht mit Menschenleben zu spielen" und forderte ein "verbindliches Abkommen" mit den Fluggesellschaften um Jobverluste und Lohnkürzungen auszuschließen.
Francesco SPERONI (Italien) erklärte für die EFD-Fraktion, die Behörden hätten zu langsam reagiert. Flughafen seien geschlossen geworden, als die Aschewolke sich bereits wieder aus ihrem Luftraum entfernt hätte. "Wir müssen Block-Verbote von Flügen vermeiden und uns darauf konzentrieren, geeignete und spezifische Maßnahmen zu ergreifen."
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Flugpassagier- und Bankdatenaustausch: Abgeordnete erörtern Bedingungen für Weitergabe
- Im Februar hatte das Parlament SWIFT-Bankdaten-Abkommen mit den USA verworfen
- EU-Abgeordnete fordern auch klarere Regeln über Passagierdaten-Weitergabe
- Plenardebatte Mittwochnachmittag ab 15:00 Uhr
Seit den Terroranschlägen vom 11. September kooperiert die EU mit den USA durch die Weitergabe von Bank- und Flugpassagier-Daten. Für die entsprechenden Abkommen ist seit dem Lissabon-Vertrag die Zustimmung des EU-Parlaments notwendig – eine Zustimmung, die die Abgeordneten im Falle des sogenannten SWIFT-Abkommens zuletzt verweigert hatten. Am Mittwoch befassen sich die EU-Abgeordneten erneut mit den Bedingungen, unter denen sie die Weitergabe von Bank- und Passagier-Daten gutheißen könnte.
Der Rat wird voraussichtlich am 22. April einem neuen Verhandlungsmandat zustimmen, das die Kommission ermächtigt, mit den US-Behörden über die Übermittlung von Bankdaten zur Terrorbekämpfung zu verhandeln. Ziel der Kommission ist es, bis Ende Juni ein neues Abkommen auszuhandeln, das die belgische Firma SWIFT ermächtigen würde, Daten über Auslandsüberweisungen europäischer Firmen und Bürger an die USA weiterzugeben. SWIFT wickelt rund 80% aller Auslandsüberweisungen ab.
Im Februar hatten die Europa-Abgeordneten dem zuvor ausgehandelten Abkommen ihre Zustimmung verweigert, weil es die Rechte von EU-Bürgern ihrer Ansicht nach nicht hinreichend schützte. Die Abgeordneten werden voraussichtlich während der nächsten Plenartagung Anfang Mai in einer Resolution darlegen, unter welchen Bedingungen sei einem neuen Abkommen zustimmen würden.
Standards für Weitergabe von Flugpassagier-Daten
Ebenfalls debattieren werden die Europa-Abgeordneten am Mittwochnachmittag den Austausch von Flugpassagier-Daten mit den USA und Australien. Konkret geht es um Abkommen über die Weitergabe der Daten, die im sogenannten “Passagiernamensregister“ (PNR) rund um eine Flugbuchung aufgezeichnet und in den Computerreservierungssystemen gespeichert werden. Die USA verlangen die Weitergabe dieser ursprünglich rein kommerziell genutzten Daten seit den Terroranschlägen vom 11. September für alle Transatlantik-Flugpassagiere.
Ein erstes Abkommen aus dem Jahr 2004 wurde auf Antrag des Europaparlaments vom Europäischen Gerichtshof annulliert, ein neues Interim-Abkommen wurde 2006 ausgehandelt und im Juli 2007 vom Rat – vorbehaltlich der endgültigen Ratifizierung – unterzeichnet und provisorisch in Kraft gesetzt. Die durch den Lissabon-Vertrag notwendig gewordene Ratifizierung durch das Europaparlament steht noch aus.
Der zuständige Innenausschuss des Parlaments tritt dafür ein, ein Standardmodell für die Passagiernamensregister zu erstellen, das den Datenschutzanforderungen in Europa gerecht wird und festlegt, welche Daten erfasst und an Behörden außerhalb der EU weitergegeben werden dürfen.
Der Ausschuss wird daher während der kommenden Plenarsitzung im Mai empfehlen, die Zustimmung des Parlaments zu verschieben. Parlamentsberichterstatterin Sophie In’t Veld hält es nicht für angebracht, bereits abschließend über die Annahme zu entscheiden, weil bei einer auch möglichen Ablehnung das Abkommen annulliert würde und der Datenaustausch komplett eingestellt werden müsste, was aus ihrer Sicht „viel ernsthaftere Folgen“ als bei SWIFT hätte.
Weitere Informationen :
- Live-Übertragung (Debatte Mittwoch 15:00 Uhr)
- Neuverhandlungen über SWIFT: EU-Abgeordnete warnen vor ungeprüftem Massentransfer von Bankdaten
- Abkommen über Fluggastdatensätze (PDF)
- Pressemitteilung: MEPs want rules on PNR data transfers to non-EU states
- Background: Parliament's rejection of the SWIFT agreement
EU-Verbot für Blausäure-Einsatz in Goldminen?
Die Kriminalliteratur wäre ohne sie um einige Tote ärmer, aber auch in Goldminen kommen sie zum Einsatz: Blausäureverdingungen (oder Cyanide). In einer Anfrage, die heute Mittwoch in der Plenarsitzung diskutiert wird, fordern EU-Abgeordnete, zehn Jahre nach einem größeren Unfall, bei dem die Donau verseucht wurde, nun ein EU-weites Verbot des Cyanid-Einsatzes im Bergbau.
Im Januar 2000 traten in der Nähe der nord-rumänischen Stadt Baia Mare mehr als 100.000 Kubikmeter durch Natrium-Cyanid verschmutztes Wasser aus dem Auffangbeckenbecken einer Goldmine aus und flossen in den Fluß Somesch, die Theiß und schließlich ins Donau-System und verursachten eine der größten ökologischen Katastrophen in Mittelost-Europa.
Goldminen weltweit
- Europas Minen tragen nur mit ca. 1% zur weltweiten Goldgewinnung bei
- Russland ist Europas wichtigster Gold-Produzent
- Gold wird u.a. auch in Schweden, Finnland, Spanien und der Türkei gefördert
Das Zyanidwasser strömte dabei schnell von einem Fluss zum nächsten und vergiftete Fische, andere Tier- und Pflanzenarten sowie Trinkwasser in Rumänien, Ungarn, Serbien und Bulgarien.
Während einige Mitgliedsstaaten den Cyanid-Einsatz verboten haben, wird es in einer Reihe von EU-Staaten nach wie vor legal benutzt. Auch wird die Extrahierung mittels Cyanid momentan noch als die effektivste Verfahren angesehen, um Gold aus Erzgestein zu lösen.
Die beiden EU-Abgeordneten János Áder (Ungarn) and László Tőkés (Rumänien), beide gehören der Europäischen Volkspartei an, wollen am Mittwochabend in einer mündlichen Anfrage, die Kommission auffordern, einen Vorschlag für ein EU-weites Verbot des Cyanid-Einsatz in Goldminen zu unterbreiten.
Kirgistan: Lage bleibt gespannt
Anfang April schien die zentralasiatische Republik Krigistan im Chaos zu versinken, dann kam es zur Ablösung des bisherigen Präsidenten Bakijew und die Opposition rief die frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa zur neuen Regierungschefin aus. Mittlerweile hat Bakijew offiziell seinen Rücktritt erklärt und das Land verlassen. Am 20. April erörterten die EU-Abgeordneten mit der Hohen Vertreterin der EU Catherine Ashton die Lage in dem strategisch bedeutsamen Land in Zentralasien, in dem sowohl USA als auch Russland Militärbasen unterhalten.
Für den CDU-Abgeordneten und Außenpolitikexperten Elmar Brok ist die „gesamte Region für uns von großer strategischer Bedeutung“. Brok nannte in diesem Zusammenhang nicht nur die Energieversorgung der EU, sondern auch, dass eine Entwicklung in Richtung islamischer Fundamentalismus „katastrophale Auswirkungen für uns“ hätte. In diesem Sinne sei Hilfe für Kirgisien auch im eigenen Interesse der Europäer.
Kirgistan
- Unabhängigkeit von der UdSSR 1991
- Bevölkerung: 5,5 Mio. - 30% unter 14 Jahren - Alterdurchschnitt 24 Jahre
- Religion: 75% Muslimisch, 20% Christlich-orthodox
- Wirtschaftskraft: BIP/Kopf 2.100 US-Dollar (Rang 143)
- Grenzen zu China, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan
- Militärbasen sowohl Russlands als auch der US im Land
Swoboda forderte, dass Ashton die unter „der deutschen Präsidentschaft entwickelte Zentralasien-Strategie wieder aufgreifen" müsse, „um aus dieser Strategie wirklich eine Stabilitätsstrategie für diese Region zu machen.“
Catherine Ashton selbst sprach von einer Situation, die „im Fluss“ und „angespannt“ sei. Der nunmehr offiziell erfolgte Rücktritt des bisherigen Präsidenten und sein Gang ins Exil könnten helfen, Spannungen abzubauen, so Ashton. Dennoch sei die Lage im Lande nicht stabil und es komme weiterhin zum Aufflammen von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Deshalb müssten alle Seiten Provokationen vermeiden.
Der italienische Abgeordnete Niccolo Rinaldi warnte für die liberale Fraktion davor, dass das Land in die „erdrückende Umarmung“ Russlands geraten könnte. Die EU müsse von der Übergangsregierung Reformen und einen klaren Fahrplan zur Wiederherstellung der Demokratie verlangen.
Die französische EU-Parlamentarierin Marie-Christine Vergiat (Vereinigte Linke) beklagte, dass die EU „trotz vieler guter Worte" in der Region nicht wirklich präsent sei. Man müsse die bisherige Zentralasien-Strategie überprüfen.
SWIFT und PNR: Datenschutzbedenken im Vorfeld neuer Verhandlungen
Punkte wie die Übertragung von Massendaten und Rechtsbehelfe in Fällen von Datenmissbrauch müssen noch geklärt werden, bevor das Europaparlament einem neuen Abkommen zwischen der EU und den USA über die Übertragung von Bankdaten mittels SWIFT zustimmen kann, so zahlreiche Abgeordnete während der Debatte am Mittwoch. Die Entscheidung über die Übermittlung von Flugpassagierdaten soll nach dem Willen von EVP, S&D und ALDE vertagt werden, bis die Kommission ihr angekündigtes "PNR-Paket" vorgelegt hat.
SWIFT: Übermittlung von Finanzdaten
Das Europäische Parlament hatte das letzte SWIFT-Abkommen im Februar abgelehnt, weshalb nun ein neues Abkommen ausgehandelt werden muss. Die Kommission möchte, dass das Abkommen bis Ende Juni unterzeichnet wird. Das Parlament lehnte das letzte Abkommen ab, weil es nicht nur die Übermittlung der Daten bestimmter verdächtiger Personen, sondern die Übermittlung von Massendaten großer Personengruppen erlaubte. Zudem waren nach Ansicht des EP auch die Rechte der Bürger an ihren persönlichen Daten - insbesondere Zugangsrechte, Berichtigungs-, und Schadenersatzrechte sowie Rechtsbehelfe - nicht hinreichend bestimmt.
Im Rat "wird es eine Abstimmung zugunsten des von der Kommission vorgelegten Mandatsentwurfs geben", erklärte Diego LÓPEZ GARRIDO für die spanische Präsidentschaft. Das Abkommen "wird ausreichende Garantien und Sicherheitsklauseln enthalten müssen", fügte er hinzu. Die betreffenden Garantien würden ohne Unterschied sowohl für EU- als auch für US-Bürger gelten. Das Abkommen werde voraussichtlich für fünf Jahre gelten. Das Prinzip der Massendaten-Übermittlung "wird aus technischen und Effizienzgründen beibehalten werden müssen", erklärte Garrido. Er bekräftigte das Bekenntnis des Rats zu einer interinstitutionellen Vereinbarung über den Zugang zu Verhandlungsdokumenten.
Kommissarin Cecilia MALMSTRÖM, betonte, die Kommission habe "versucht, den Bedenken, denen das EP in seinen Resolutionen Ausdruck verliehen hat, zu berücksichtigen": Anfragen zur Datenübermittlung müssten von den Justizbehörden eingereicht werden, und in Fällen von Datenmissbrauch müssten Rechtsbehelfe garantiert sein. Zur Massendaten-Übermittlung sagte sie: "Ich weiß, dass dies ein wichtiges Anliegen für das Europäische Parlament ist, aber ohne sie würde es kein TFTP (Terrorism Finance Tracking Program, Anm. d. Red.) geben". Malmström fügte hinzu: "Sollte die EU etwas Gleichartiges wie das TFTP entwickeln, werden die US-Behörden uns bereitwillig helfen".
"Das Europäische Parlament will ein Abkommen, aber nicht zu jedem Preis", erklärte Simon BUSUTTIL (Malta) im Namen der Fraktion. der Europäischen Volkspartei. Er begrüßte "die Schnelligkeit, mit der die Kommission ein Mandat vorgelegt" habe, dem, so hoffe er "so schnell wie möglich" zugestimmt werde. Das Parlament werde seine Befugnisse "konstruktiv und verantwortlich" wahrnehmen, sagte Busuttil mit Blick auf die Übermittlung von Massendaten. "Was wir wollen, wird nicht nur ein Umdenken auf Seiten der Vereinigten Staaten, sondern auch unsererseits erfordern. Wollen wir ein europäisches TFTP?" Nächste Woche, so Busuttil, werde eine Delegation des EP in die USA reisen, um diese Fragen mit Kongressabgeordneten zu diskutieren.
Im Gegensatz zu ihrem Vorredner erklärte Birgit SIPPEL (SPD) die Fraktion der Sozialisten favorisiere "ein Abkommen, nicht so schnell wie möglich, sondern so gut wie möglich". Der Rat solle keine Entscheidung treffen, bevor das Parlament am 6. Mai über seinen Resolutionsentwurf abgestimmt habe. Sie kritisierte die Massendaten-Übermittlung als "unverhältnismäßig" und sagte, nötig sei eine Justizbehörde in Europa, die die Extraktion von Daten prüfe. "Wie wollen Rat und Kommission sicherstellen, dass nur angefragte Daten extrahiert werden", fragte Sippel.
Demgegenüber erklärte für die Liberalen Jeanine HENNIS-PLASSCHAERT aus den Niederlanden, die Tatsache, dass das Parlament in dieser Woche nicht über seinen Resolutionsentwurf abstimmt, solle "den Rat nicht daran hindern, mit der Verabschiedung wie geplant fortzufahren". Allerdings seien "die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und Notwendigkeit für das vorgesehene Abkommen entscheidend ". Sie fügte hinzu: "Europäische Rechtsbedingungen für die faire, verhältnismäßige und rechtmäßige Verwendung persönlicher Daten sind von äußerster Wichtigkeit." "Rat und Kommission sind dafür zuständig", schloss Hennis-Plasschaert, "dies in konkrete Handlungen umzusetzen und ein Abkommen auszuhandeln, dass sämtliche Erwartungen der EU und der USA erfüllt".
Für die Grünen erklärte Jan-Philipp ALBRECHT, "Wir sprechen über fundamentale Verfassungsgrundsätze wie den Schutz der Privatsphäre, Rechtsschutz und Verhältnismäßigkeit". Zur Massendaten-Übermittlung fragte er: "Ist dies überhaupt verhältnismäßig?" Seiner Meinung nach verstoße die Übermittlung von Massendaten gegen EU-Recht; "weniger intrusive Maßnahmen" seien deshalb zu bevorzugen.
Charles TANNOCK (Großbritannien) erklärte für die Europäischen Konservativen (EKR), obgleich seine Fraktion bereits das vorherige, vom Parlament abgelehnte, Abkommen unterstützt habe, reiche der neue Vorschlag der Kommission "letztlich vielleicht doch zum Vorteil" angesichts der "Geringschätzung", die amerikanische Diplomaten gegenüber den neuen Befugnissen des Europäischen Parlaments zeigten.
Im Namen der Linken (GUE/NGL) sagte die Französin Marie-Christine VERGIAT, die Leitlinien der Kommission hätten einige Forderungen des Parlaments betreffend Datenspeicherung und Rechtsbehelfen berücksichtigt. Allerdings seien diese Fortschritte "unzureichend", weil "die Grundsätze der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt" würden. "Ich vertraue den US-Behörden auf diesem Gebiet nicht", fügt sie hinzu.
Mario BORGHEZIO (Italien) erklärte für die EFD-Fraktion, die neuen Kommissionsleitlinien seien nicht zu beanstanden, denn sie garantierten eine "notwendige und effektive Zusammenarbeit mit den US-Behörden". Er fuhr fort: "Europa sollte nicht vergessen, sich gegen Terrorismus zu verteidigen". Das neue Mandat garantiere die Rechte der Bürger auf Datenschutz und Rechtsbehelfe.
PNR: Übermittlung von Flugpassagierdaten an die USA und Australien
Auch ein neues Abkommen über die Übermittlung von Passagiernamensregistern (PNR) an die USA und Australien. soll das Parlament genehmigen oder ablehnen. Am 6. Mai werden die Abgeordneten über einen Resolutionsentwurf abstimmen, der vorschlägt, die Entscheidung über das PNR-Abkommen solange zu vertagen, bis ein Standardmodell für Einträge in Passagiernamensregistern (PNR) erarbeitet worden ist, das den Datenschutz-Anforderungen der Parlamentarier genügt. Fluggastdaten wurden ursprünglich für kommerzielle Zwecke gesammelt, werden nun aber zunehmend zur Verbrechensbekämpfung genutzt.
Während der Plenardebatte zu PNR am Mittwoch kündigte Kommissarin Cecilia MALMSTRÖM an, sie werde ein "PNR-Paket" vorlegen, das eine "globale externe PNR-Strategie" beinhalte, die Grundbedingungen für Abkommen mit Drittländern sowie Vorschläge für die Neuverhandlung von Abkommen mit den USA, Australien und Kanada formulieren werde. Darüber hinaus werde das Paket Vorschläge für ein neues europäisches PNR-System enthalten.
EP-Berichterstatterin Sophia IN 'T VELD (ALDE, Niederlande) sagte, obwohl das Parlament der Nutzung und Übermittlung von PNR-Daten immer sehr kritisch gegenüber gestanden habe, würde die Ablehnung gleich zweier Abkommen Rechtsunsicherheit und praktische Schwierigkeiten für Bürger und - im Falle von PNR - Fluggesellschaften verursachen. Statt das PNR-Abkommen abzulehen, so 't Veld, sei es deshalb besser, die Abstimmung zu verschieben. Sie forderte die Kommission auf, ihr PNR-Paket noch vor der Sommerpause vorzulegen.
Auch Axel VOSS (CDU) sprach sich im Namen der EVP für die Verschiebung der Abstimmung aus, "um unsere Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes zu berücksichtigen".
Ebenso sprach sich Birgit SIPPEL (SPD) im Namen der Sozialisten für die Klärung offener Fragen noch vor der Sommerpause aus. Insbesondere eine klare Definition des Begriffs "ernstes Verbrechen" sei notwendig angesichts der Tatsache, dass PNR-Daten nicht mehr nur zur Terrorbekämpfung, sondern auch zur Bekämpfung "ernster Verbrechen" genutzt werden sollten.
Für die Grüne Fraktion erklärte Jan-Philipp ALBRECHT (Bündnis 90/Die Grünen), "unkontrollierter Zugriff" auf PNR-Daten "zum Zwecke des Profiling" finde bereits "seit dem 11. September in den USA statt". Dies widerspreche fundamentalen Rechten wie der Unschuldsvermutung, dem Recht auf ein faires Verfahren und dem Willkürverbot.
Dem pflichtete Ryszard CZARNECKI (Polen) bei, und fügte im Namen der EKR-Fraktion hinzu: "Selbst diejenigen im Europäischen Parlament, die für den Datenaustausch sind, haben sich darüber beschwert, wie der Rat sie behandelt hat".
Eva-Britt SVENSSON (GUE/NGL, Schweden) schließlich erklärte, die Nutzung von PNR-Daten entscheide ein einigen Fällen darüber, wer fliegen dürfe und wer nicht. Dies könne fundamentale Menschenrechte beeinträchtigen, fügte sie hinzu.
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Regionalfonds: Einfacher und schneller in Zeiten der Krise
Mit rund 350 Mrd. Euro machen die Strukturfonds rund ein Drittel der für den Zeitraum 2007-2013 in der langfristigen Finanzplanung vorgesehenen EU-Mitteln aus. In Zeiten der Krise könnten sie in strukturschwachen Regionen besonders sinnvoll eingesetzt werden und in anderen Regionen die Nachfrage unterstützen.
Der Regionalausschuss des Europaparlaments hat sich daher bereits im März nicht nur für Vereinfachungen ausgesprochen, sondern auch dafür, bisher nicht eingesetzt Mittel über die normale Frist hinaus bereitzustellen und weitere (für Ungarn, Rumänien und die drei baltischen Staaten vorgesehene Mittel) vorzuziehen. Auch soll die Vorschuss-Finanzierung der jeweiligen Projekte erhöht werden.
Abgelehnt hatte der Ausschuss allerdings – wie auch der Ministerrat – den Vorschlag der Kommission, strukturpolitische Projekte für eine gewisse Zeit mit bis zu 100% aus dem EU-Haushalt zu finanzieren. Die anteilige Gegenfinanzierung durch die Empfänger-Staaten gehört aus Sicht der Abgeordneten zu den Grundsätzen der EU-Regionalförderung, die nicht verletzt werden dürften.
Berichterstatter Eugeni Kirilov (Sozialisten & Demokraten), EU-Abgeordneter aus Bulgarien, ist überzeugt, dass die gutgeheißenen Änderungen „dazu beitragen, dass die Mitgliedsstaaten in dieser schwierigen Zeit von der Kohäsionspolitik der EU profitieren“ können.
Für die französische Europa-Abgeordnete Sophie Auconie (Europäische Volkspartei - EVP) sind die vorgesehenen Maßnahmen ein Zeichen „größerer Flexibilität und erhöhter Solidarität in Europa in Zeiten der Krise“.
Die rumänische Liberale Ramona Nicole Manescu hofft, dass die Mittel entsprechend der geänderten Regeln möglichst bald zur Verfügung gestellt werden können – sie würden jetzt mehr den je gebraucht.
Auch die deutsche Abgeordnete Cornelia Ernst sagte für die Vereinigte Linke, sie begrüße die „Vereinfachung beim Umgang mit den Strukturfonds ausdrücklich“. Sie forderte, dass diese „dringend und bald umgesetzt“ werden.
Kritisch äußerte sich hingegen die Grünen-Abgeordnete Elisabeth Schroedter. Sie monierte vor allem, dass die EU-Staaten künftig Projekte im Wert von bis zu 50 Millionen Euro auch ohne Zustimmung der Kommission genehmigen können, was dazu führe, dass die Kommission keine Kosten-Nutzen-Analyse mehr durchführen werden und „auch nicht mehr überprüft, ob solche Projekte der EU-Gesetzgebung im Umweltbereich entsprechen“.
Die Abstimmung ist für die erste Plenartagung im Mai vorgesehen.
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- Der spanische EU-Minister(l.o.), Abgeordnete und Verkehrskommissar Kallas (r.u.) erörterten, welche Lehren aus der Einstellung des Flugverkehrs in Europa zu ziehen sind.
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- In der Fragestunde mit Kommissionschef Barroso ging es u.a. um das Rettungspaket für Griechenland.
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- Kommissarin Malmström und der spanische Europa-Staatssekretär Diego Lopez Garrido: Wer ist der schwierigere Verhandlungspartner - die USA oder das Europaparlament?
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- Die Sicht vom Fluss aus
Eyjafjallajökull - kaum jemand kann es aussprechen, aber alle reden über den Vulkan in Island, so auch in Straßburg. Zumindest jene, die es per Bus, Privatauto oder Zug bis ins Elsass schafften. Es waren immerhin rund 444 (von 736) Europa-Parlamentariern, die Wege und Möglichkeiten gefunden hatten. Aber jene mit den kürzeren (Land-) Wegen waren deutlich überrepräsentiert. Ein Grund, die Abstimmungen auf die nächste Plenarsitzung Anfang Mai zu verschieben.
Bank- und Flugpassagierdaten: In der Debatte zu Abkommen mit den USA über die Weitergabe von persönlichen Daten von Flugpassagieren und internationalen Bankgeschäften machten die Abgeordneten deutlich, welche Bedingungen sie für ihre Zustimmung stellen. Besonders skeptisch sehen die EU-Parlamentarier, dass Daten massenhaft weitergeben werden sollen, und die Betroffenen möglicherweise keine Rechtsmittel gegen die Verwendung ihrer Daten hätten.
Schneller und einfacher: In einer Debatte am Dienstag begrüßten Abgeordnete mehrerer Fraktionen geplante Vereinfachungen der Vorschriften für die Regionalförderung der EU sowie das Vorziehen von Mitteln, um in Zeiten der Krise strukturschwache Regionen besser zu unterstützen. Die Abstimmung über die entsprechenden Änderungen ist für Mai vorgesehen.
Gold & Blausäure: Ein EU-weites Verbot des Cyanid-Einsatzes bei der Goldförderung forderten eine Reihe von EU-Abgeordnete am Mittwoch in einer mündlichen Anfrage an die Kommission. In Rumänien kam es vor zehn Jahren zum Austritt von Cyanid in einem Goldbergwerk, wodurch die Donau und Trinkwasser in mehreren Ländern verseucht wurden.
Krise, Bürgerrecht & Sicherheit, Auswärtiger Dienst: Kommissionspräsident José Manuel Barroso, dessen Team im Februar vom Europa-Parlament bestätigt worden war, stellte im Plenum das Arbeitsprogramm der EU-Exekutive für das laufende Jahr vor. Die Überwindung der Wirtschaftskrise und der Aufbau des im Lissabon-Vertrag vorgesehenen gemeinsamen Auswärtigen Dienstes der EU gehörten zu den Schwerpunkten, die Barroso nannte. Auch die Umsetzung des sogenannten Stockholm-Programms in der Innen- und Justizpolitik gehören dazu.










