Artikel
 

Umweltausschuss des Europaparlaments besteht auf Handelsverbot für illegales Holz

Umwelt - 11-05-2010 - 13:11
Empfehlen
  • Kommende Woche könnten Verhandlungen zwischen EU-Abgeordneten und Ministerrat beginnen
  • USA haben Handel mit illegalem Holz bereits 2008 verboten
  • Plenarabstimmung für Juli vorgesehen

Europarltv-Video zum Thema illegales Holz

Bis zu 40% der weltweit gehandelten Hölzer, v.a. aus den Tropen, stammen aus illegalen Fällungen. Der Kommissionsvorschlag für eine EU-Verordnung über Holzimporte ging den Europa-Abgeordneten nicht weit genug. In der ersten Lesung im April 2009 stimmten sie für ein striktes Einfuhrverbot für illegales Holz. Bisher wollen jedoch die EU-Staaten nicht mitziehen. Vor der zweiten Lesung hat der Umweltausschuss des Parlaments die Forderung nach einem Handelsverbot bekräftigt.

Caroline Lucas, britische Grünen-Abgeordnete und Berichterstatterin des Europaparlaments, zeigt sich nach der Abstimmung im Umweltausschuss am vergangenen Dienstag (4. Mai) zufrieden. „Parteiübergreifende“ habe der Ausschuss erneut für ein klares Verbot votiert, wonach sich strafbar machen würde, wer illegales Holz in die EU einführt, damit handelt oder Produkte aus illegalem Holz auf den Markt bringt.
 
Außerdem hat sich der Ausschuss dafür ausgesprochen, weitere Änderungen aus der ersten Lesung zur Grundlage der Verhandlungen mit dem Ministerrat in Hinblick auf die zweite Lesung zu machen. Dazu gehören Vorschriften über die Rückverfolgbarkeit, die Etikettierung von Holz sowie von strafrechtlichen Mindeststandards bei schweren Verstößen. Lucas ist zufrieden, dass der Ausschuss die Forderungen aus der ersten Lesung, „trotz erheblichen Drucks“, bekräftigt hat.
 
Worum es geht: Regenwälder und Gartenmöbel
 
Tropenhölzer sind beliebt, denn viele Arten sehen elegant aus und sind vergleichsweise preiswert. Aber auch die Witterungsfestigkeit und Härte vieler Tropenhölzer werden geschätzt. Sei es im Fall von Teak für Garten- und Badmöbeln oder von Meranti für Fensterrahmen und anderen Anwendungen im Hausbau. Auch in Brückenteilen, Häfenpfosten und Holzfußböden werden oft Tropenhölzer verwendet.
 
Als Alternative bietet sich europäische Eiche an. Allerdings ist Eichenholz für gewöhnlich erheblich teurer als Tropenhölzer – nicht zuletzt, weil die Tropenwaldbäume vielfach in einer Art Raubbau ohne Genehmigung gefällt werden.
 
 
Holzeinschlag im Tanjung Puting Nationalpark auf Borneo (Indonesien) ©GREENPEACE/Natalie Behring-Chisholm

Holzeinschlag im Tanjung Puting Nationalpark auf Borneo (Indonesien) ©GREENPEACE/Natalie Behring-Chisholm

Urwälder in Gefahr
 
Nur ein verschwindend geringer Teil von Tropenhölzern kommt aus Plantagen oder nachhaltiger Forstwirtschaft. Der überwiegende Teil kommt aus Urwäldern, die für immer verloren sind, wenn die Bäume erst einmal gefällt sind.
 
Die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung FAO geht davon aus, dass weniger als 5% der Tropenwälder nachhaltig bewirtschaftet werden. Dabei spielen diese Wälder als Kohlenstoff-Senken und Sauerstoffquellen, aber auch wegen ihrer Artenvielfalt, eine herausragende Rolle für das Ökosystem und das Klima weltweit. Der Raubbau an den Regenwäldern entspricht rund 20% der Belastung des Klimas durch Treibhausgase. Jedes Jahr wird weltweit eine Fläche nahezu halb so groß wie Deutschland gerodet.  
 
Zertifiziertes Holz
 
Es gibt eine Reihe von Standards und Zertifikaten, die eine nachhaltige und schonende Holzproduktion garantieren und belegen. Zu den bekanntesten zählt das Zertifizierungssystem der Organisation Forest Stewardship Council. Da der öffentlichen Beschaffung gerade beim Bau eine wichtige Rolle zukommt, verwendet das Europäische Parlament bei Um- und Neubauten seit 2007 nur zertifiziertes Holz.
 
Nächste Schritte:
 
Berichterstatterin Lucas dringt darauf, dass die EU dem Beispiel der USA folgt und sich für ein klares Verbot entscheidet. Man könne sich nicht damit begnügen „gegen illegales Holz zu predigen, aber weiterhin den größten Markt für solches Holz zu bieten – zu Lasten der Artenvielfalt und der Bevölkerung in den Regenwäldern“, so Lucas.
 
Die Abstimmung im Plenum ist für Juli vorgesehen, Verhandlungen mit dem Ministerrat über einen möglichen Kompromiss könnten bereits in der kommenden Woche beginnen. Caroline Lucas wird jedoch nicht mehr dabei sein, wenn ihr Bericht in die letzte Runde geht – sie wurde vergangene Woche als erste und einzige Grüne überhaupt ins britische Unterhaus gewählt.
 
REF: 20100507STO74261