Artikel
 

Freihandelsabkommen mit Südkorea: Risiko oder Chance?

Außenhandel/internationaler Handel - 28-06-2010 - 19:42
Empfehlen
Autoindustrie-Arbeiter in Pyeongtaek, etwa 70 km südlich von Seoul ©BELGA_AFP PHOTO_KIM JAE-MYOUNG

Autoindustrie-Arbeiter in Pyeongtaek, etwa 70 km südlich von Seoul ©BELGA_AFP PHOTO_KIM JAE-MYOUNG

Während die Autoindustrie den Verlust von Arbeitsplätzen fürchtet, können es Dienstleistungs- und Chemiebranche kaum erwarten, von den Vorteilen des freien Handels mit Südkorea zu profitieren: Pro- und Kontra prallten in einer vom Handelsausschuss organisierten Anhörung über das Freihandelsabkommen der EU mit Südkorea aufeinander. Bevor das Abkommen in Kraft treten kann, bedarf es noch der Zustimmung des Europäischen Parlaments.

Das Freihandelsabkommen der EU mit Südkorea  wäre das größte Handelsabkommen der letzten 2 Jahrzehnte: Bevor es jedoch in Kraft treten kann, muss das Parlament noch seine Zustimmung erteilen. Vertreter der betroffenen Wirtschaftszweige und internationale Experten kamen am Mittwoch (23. Juni) ins Parlament, um die Abgeordneten von ihren Standpunkten zu überzeugen.
 
Vorteile der Marktöffnung
 
Die EU könnte durch das Abkommen etwa 33 bis 41 Milliarden Euro an zusätzlichen Gewinnen im Export machen, meinte etwa der Wirtschaftswissenschafter Stephen Woolcock während der Anhörung.
 
Vertreter der durch das Abkommen besonders begünstigten Dienstleistungsbranche (etwa Banken und Versicherungen) und der Chemieindustrie sprachen deshalb auch  von „enormen Potentialen“ und einem „exzellenten Geschäft“, das dadurch möglich werde.
 
Arbeitsplatzverluste in der Autoindustrie?
 
Die Automobilindustrie hingegen fürchtet den Wettbewerb mit den Koreanern.  Mehr als 30 000 Jobs könnten durch das Freihandelsabkommen verloren gehen, meinte der Generalsekretär der Europäischen Autoindustrie-Vereinigung (ACEA), Ivan Hodac. Außerdem würde Europa einen Markt von 500 Millionen Menschen öffnen - der koreanische Markt dagegen bestünde nur aus 49 Millionen Menschen.
 
Einer der Knackpunkte im Abkommen ist das System von Rückvergütungen, wonach es koreanischen Herstellern möglich wäre, für Importe gezahlte Abgaben rückerstattet zu bekommen. Die ACEA fürchtet, dass dadurch die Verkaufspreise von koreanischen Autos in Europa um mehrere hundert Euro sinken könnten.
 
Die Abgeordneten des Handelsausschusses unterstützten vergangenen Mittwoch auch einen Bericht des Spaniers Pablo Zalba Bidegain (Europäische Volkspartei), in dem verstärkte Sicherheitsmechanismen gefordert werden, um dieses Risiko abzufedern.
 
Arbeitnehmerrechte fördern
 
Von Gewerkschaftsseite ist man über die Rechte der südkoreanischen Arbeitnehmer besorgt: Roland Schneider von einer die OSZE beratenden Gewerkschaftsorganisation sprach von einer „Unterdrückung der Gewerkschaften durch die Regierung“ und meinte, man solle im Zuge des Abkommens sicherstellen, dass die koreanische Regierung Arbeitsrechte und -Standards ernst nimmt.
 
Für den Chefverhandler der EU mit Südkorea, Ignacio Garcia, überwiegen die Vorteile des Abkommens. Aber er räumt auch ein, dass es aufgrund des Abkommens zu leichten Jobverlusten kommen könne.
 
Die Abgeordneten müssen sich nun ihr eigenes Urteil dazu bilden. Die Abstimmung wird im Herbst erfolgen.
 
REF: 20100625STO76768