Hintergrund-Dossier
Die leichtere Seite des Parlaments
Kultur - 10-08-2010 - 08:01
- Jugendkarlspreis 2010
- Hilfe für den Sport
Ein Tag der offenen Tür gehört bereits zu den traditionellen Veranstaltungen im Europäischen Parlament. Sowohl für die Besucher, als auch für die Abgeordneten ist dies eine willkommene Abwechslung zum Marathon an Besprechungen, Abstimmungen und Verhandlungen.
Auch die Jugend, oder die Filmindustrie haben im Parlament Fürsprecher, in beiden fällen organisiert das Parlament einen jährliche Preisverleihung. Eine weiteres interessantes Themengebiet ist der Sport.
Sommaire du dossier :
REF: 20100630FCS77236
"Es lebe der Sport, er ist gesund und…" trägt zum sozialen Frieden bei
- Eine Eurobarometer-Umfrage zeigt, wo die eifrigsten Sportler leben
- Schweden, Finnen und Iren an der Spitze
- EU-Abgeordnete warnen vor Kürzungen der Breitensportförderung in Zeiten der Krise

22% der Iren treiben fünf Mal pro Woche Sport: Hurling ist eine typisch irische Sportart ©BELGA_ICONSPORT
Ein „gesunder Geist in einem gesunden Körper“, hieß es in der Antike. Doch laut einer vor kurzem veröffentlichten Umfrage der Kommission treiben nur 40% der Europäer regelmäßig Sport. Außerdem gibt es starke Unterschiede zwischen den EU-Ländern. Ist der Norden Europas sportlicher als der Süden? Und was kann man tun, um die Europäer zu mehr Sport zu bewegen? Wir haben vier Europa-Parlamentarier zum Thema befragt.
Eine neue Umfrage von der Europäischen Kommission zeigt, dass nur 40% der Europäer zumindest einmal die Woche Sport treiben, während 25% überhaupt keinen Sport machen. Was sind die sozioökonomischen Konsequenzen einer weniger sportlichen Bevölkerung?
Sean Kelly (Europäische Volkspartei, Irland): „Die wichtigste sozioökonomische Konsequenz einer weniger Sport betreibenden Bevölkerung sind höhere Fettleibigkeitsraten und damit verwandte Krankheiten. Das bringt eine zusätzliche Belastung unsere Gesundheitssysteme, die mit den schädlichen Auswirkungen einer sitzenden Arbeits- und Lebensweise zu kämpfen haben.
Eingehender betrachtet, führen körperliche Aktivitäten und Sport, Teamsport im Besonderen, zu einem stärkeren sozialen Zusammenhalt. Sich im Sport zu engagieren bedeutet auch, in die Gemeinschaft engagiert zu sein. Das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 wird eine gute Möglichkeit sein, den gesellschaftlichen Nutzen von Sport zu bewerben.“
Mitro Repo (Sozialisten & Demokraten, Finnland): „Regelmäßiger Sport ist ein integraler Bestandteil für Wohlbefinden und Lebensqualität. Eine gute körperliche Verfassung harmonisiert den Geist, und das mentale Wohlbefinden stärkt wiederum den Körper. Leider zeigt die Erfahrung aber, dass wirtschaftliches Wohlergehen Trägheit begünstigt – man wird nicht nur mental, sondern auch körperlich faul. Experten stimmen darin überein, dass körperliche Aktivitäten und Training die Vorbeugung gegen Wohlstandskrankheiten sind.“
Chrysoula Paliadeli (Sozialisten & Demokraten, Griechenland): „Sport hängt direkt mit Gesundheit zusammen, deshalb sollte es als absolute Priorität behandelt werden – die Wirtschaftskrise sollte für keinen Mitgliedsstaat oder für die EU als Entschuldigung dafür dienen, die Förderungsmittel für Sport und Sportinfrastruktur zu kürzen. Denn auf lange Sicht würde dies zu den schwereren wirtschaftlichen Konsequenzen einer weniger sportlichen Gesellschaft führen."
Iva Zanicchi (Europäische Volkspartei, Italien): „ Sport ist wichtig für die Zivilgesellschaft. Er fördert und vermittelt Werte. Leider mussten viele Familien, die von der Wirtschaftskrise getroffen wurden, bei einigen ‚unnötigen’ Ausgaben sparen, und in vielen Fällen war das vielleicht das Abo fürs Fitnessstudio oder für die Schwimmhalle.“
Die Umfrage zeigt, dass Nord-Europäer wesentlich mehr Sport betreiben als Südeuropäer. Warum, glauben Sie, ist das so?
Sean Kelly: „ Ich kann nur über mein Land sprechen, das ich am besten kenne. Irland hat die höchste Beteiligungsrate an sportlichen Aktivitäten in der EU. Sport ist in Irland stark mit ehrenamtlichem Engagement verbunden und wird von den Menschen selbst organisiert. Die Kommunen, die Dorfgemeinschaft warten in Irland nicht darauf, dass der Staat ihnen Dienstleistungen zur Verfügung stellt, sondern haben ihre eigenen Einrichtungen organisiert und finanziert. Der „Gälische Sportverband“, die größte Sport- und Freiwilligenorganisation in Irland, stellt hierfür ein gutes Beispiel dar. Ich war selbst Präsident dieser Organisation.“
Mitro Repo: „Erklärungen für die „skandinavische Sportlichkeit“ können sowohl in der Geschichte als auch in der Bevölkerungsverteilung gefunden werden. Nordeuropa ist sehr dünn bevölkert und die Distanzen sind lang. Im Lauf der Geschichte mussten die Leute immer wieder weiterziehen, um überleben zu können. Dennoch sollten die Ergebnisse der Umfrage der Kommission kritisch betrachtet werden. Die Finnen sind etwa auch beim Übergewicht unter den ersten in der EU…"
Chrysoula Paliadeli: „ Ich glaube, dass Sport als Luxus angesehen wird, deshalb machen auch Leute mit besserem Einkommen eher Sport. Gebildete Menschen sind besser informiert über de Bedeutung von Sport für die körperliche und mentale Gesundheit. So gesehen erscheinen die Ergebnisse der Umfrage ziemlich logisch.
Nichtsdestotrotz sollten auch die Unterschiede in den Sportarten, die im Norden und Süden Europas praktiziert werden, sowie das unterschiedliche Klima berücksichtigt werden, da dies auch die Ergebnisse beeinflussen kann.“
Iva Zanicchi: „ Vielleicht sind Südeuropäer ein bisschen faul...Spaß beiseite: Es ist klar, dass die nordeuropäischen Länder Sport stärker fördern. Dort beginnen Kinder schon in der Volksschule damit, Sport zu machen, und in den Universitäten wird Sport dann ernsthaft praktiziert. Die „Sportkultur“ ist in diesen Ländern viel stärker verwurzelt als in Südeuropa.“
Was kann das Parlament (und die EU) tun, um die Europäer zu mehr Sport zu ermutigen?
Sean Kelly: „Das Europäische Parlament, mit seinen aufgrund von Lissabon erweiterten Kompetenzen in diesem Bereich, sollte den Sport voranstellen und als Kernbereich nutzen, um auf die Bürgern einzugehen und die Arbeit des Parlaments für den durchschnittlichen Sportler relevant zu machen.
Das Parlament sollte Beziehungen zu Organisationen an der Basis aufbauen und sich nicht nur auf den Elitesport konzentrieren. Schließlich, um einen konkreten Vorschlag zu nennen, sollten wir darüber nachdenken, Sport auch in den Namen des Bildungs- und Kulturausschusses einzufügen - das wäre eine wertvolle Bestätigung dafür, dass das Europäische Parlament Sport ernst nimmt."
Mitro Repo: „ Ich hoffe aufrichtig, dass der Kulturausschuss neue Ideen dazu hervorbringt, konkret dazu, wie man die Leute dazu animiert, mehr regelmäßigen Sport zu machen. Die EU-Abgeordneten sollten es vorzeigen und als Vorbilder dienen. Mehr Sport anstatt leerer Worte und Erklärungen!“
Chrysoula Paliadeli: „ Die EU sollte die Sportpolitik der Mitgliedsstaaten fördern, unterstützen und ergänzen, und das EU-Parlament sollte die Bürger dazu ermutigen, sich regelmäßiger sportlich zu betätigen und eine bessere Infrastrukturen fördern.“
Iva Zanicchi: „ Ich glaube, dass das Europäische Parlament und die EU weiterhin Sport fördern sollten. Sport spielt heutzutage eine Schlüsselrolle beim Kampf gegen soziale Probleme wie etwa Rassismus. Sport lehrt auch Respekt vor Regeln, vor Mitspielern und speziell vor Gegnern - Sport ist oft ein Motor für Frieden.“
Weitere Informationen :
Filmfestival Cannes
Der europäische Film feierte Erfolge beim Festival in Cannes, einige der preisgekrönten Filme sind mit Unterstützung des europäischen Filmfonds MEDIA entstanden. Seit dem Jahre 2000 haben acht Filme die begehrte Goldene Palme bekommen, die mit der Unterstützung von MEDIA entstanden sind.
Die Vorsitzende des Kulturausschusses des Europaparlaments, Doris Pack, sagte "die Ergebnisse von Cannes sind sehr erfreulich, aber keine Überraschung, denn viele der Filme werden vom MEDIA Programm unterstützt und dadurch wird ihre Produktion ermöglicht."
Großer Preis von Cannes
Der "Grand Prix" - der Grosse Preis - von Cannes ist die zweitwichtigste Auszeichnung nach der Goldenen Palme. Er ging dieses Jahr an den Film "Of Gods and men" ("Von Göttern und Menschen") des französischen Filmemachers Xavier Beauvois. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte aus dem Jahre 1996, als eine Gruppe christlicher Mönche in Algerien verschleppt und umgebracht wurde.
Den Preis für die beste Regie erhielt der Franzose Mathieu Amaric für den Film "Tournée".
Als beste Schauspielerin wurde die Französin Juliette Binoche ausgezeichnet. Sie spielt im Film "Copie conforme" des iranischen Filmemachers Abbas Kiarostami die Hauptrolle.
Europatag in Straßburg: Offene Türen und gelebte Demokratie
Der Plenarsaal des Europaparlaments war voll mit jugendlichen Freizeitparlamentariern - Schüler aus allen 27 EU-Ländern, die am „Euroscola-Projekt“ teilgenommen hatten und am Sonntag zu den Tausenden von Besuchern zählten die am Europatag ins Straßburger Parlament gekommen waren. Während die einen die Abgeordneten-Sitz ausprobierten, versuchten sich andere als Dolmetscher.
Parlamentspräsident Jerzy Buzek begrüßte gemeinsam mit dem französischen Staatssekretär für Europa-Angelegenheiten, Pierre Lellouche, die Schüler aus allen 27 Mitgliedstaaten, die am Euroscola-Projekt teilgenommen hatten.
Das Euroscola-Projekt ermöglicht es rund 500 Schülerinnen und Schülern aus sämtlichen EU-Ländern im Europäischen Parlament gemeinsam über die EU zu debattieren.
Ein tschechische Lehrer aus Brno meinte: „Es ist ein Privileg für uns, am Euroscola-Projekt teilzunehmen – sonst wäre es für uns fast unmöglich gewesen, das Europäische Parlament zu besuchen.“
Buzek sagte in seiner Willkommensrede, es sei ein Luxus für die junge Generation, in einer Zeit des Friedens zu leben. „Wir haben Kriege durch europäische Demokratie ersetzt“, betonte er.
Frieden und Liebe?
Die Besucher des Europaparlaments wurden mit einem reichen Angebot aus Ständen und Präsentationen willkommen geheißen. Am Programm standen unter anderem Aufführungen, Aktivitäten für Kinder, Quizspiele und Umfragen.
Ein friedliches Fest, von dem Holger, ein deutscher Besucher, sagte: „Es ist immer gut, als Deutscher nach Frankreich zu kommen und sich willkommen zu fühlen.“
Gerüchten zufolge ging die Nächstenliebe sogar noch einen Schritt weiter, denn Francois, ein französischer Pensionist, fragte uns: „Ich hab’ gehört, es gibt einen Stand, wo man gratis Küsse bekommt?“
Dolmetscher für einen Tag
Lange Schlangen bildeten sich vor dem Dolmetschdienst des Parlaments. Junge Leute konnten ihre Dolmetsch-Fähigkeiten unter fast realen Bedingungen testen: In echten Übersetzerkabinen konnten sie im Parlament gehaltene Reden von Gordon Brown, Angela Merkel, Hillary Clinton und Nicolas Sarkozy simultan in ihre Muttersprache übersetzen. Professionelle Hilfe kam dabei von Parlamentsdolmetschern, die ihnen zur Seite standen und ihre praktische Erfahrung mit ihnen teilten.
Für Anessio, einem jungen Schüler aus Italien, war es ein spannendes Erlebnis: „Am meisten habe ich die Simulation in der Dolmetschkabine genossen. Das ist ein Job, den ich später gerne machen würde, aber ich bin nicht sicher, ob meine Sprachkenntnisse ausreichen.“
Fußball und Kino
Auch außerhalb der Räumlichkeiten des Parlaments war einiges los: Den ganzen Tag über wurde ein Hallenfußballturnier abgehalten, an dem Mannschaften aus den 27 Mitgliedstaaten, der Ukraine und den drei EU-Beitrittsländern Mazedonien, Kroatien und Türkei teilnahmen.
Abends fand das Filmfestival „27 Länder, 27 Filme“ statt. Highlight des Festivals war die Vorführung der griechisch-deutschen Koproduktion „Die Akademie Platons“, in der es um das Thema Fremdenfeindlichkeit geht.
„Ich freue mich für mein Land“
Alena aus der Slowakei war zum ersten Mal in Straßburg und sagte: „Ich bin überwältigt von der großartigen Architektur des Plenarsaales“. Ioana, eine rumänische Schülerin, fand es „toll, dass Rumänien auch Teil dieses Spektakels ist.“
Deutsches Jugendprojekt mit europäischem Jugendkarlspreis ausgezeichnet
Das Jugendprojekt „Zug für Europa“ ist der diesjährige Gewinner des Karlspreises für die Jugend. Das Projekt war für Deutschland in die europäische Endauswahl gegangen. Die Auszeichnung der Karlsstiftung und des Europäischen Parlaments überreichte Parlamentspräsident Jerzy Buzek am 11. Mai in Aachen. Ebenfalls prämiert wurden das Buchprojekt „Du bis hier" aus Irland (2. Preis) und ein Projekt bulgarischer Studenten, die gemeinsam mit junge Ingenieuren aus 11 Ländern einen Roboter bauten.
Das Projekt „Zug für Europa" sei ein hervorragendes Beispiel für den Kern der europäischen Idee: „Zusammenarbeit, Grenzen überwinden, Vielfalt und Potenzial entdecken," sagte Parlamentspräsident Jerzy Buzek in Aachen.
Das Projekt entstand im Rahmen einer Comenius-Schulpartnerschaft und wurde von der Bad Kreuznacher Berufsbildenden Schule Technik, Gewerbe, Hauswirtschaft, Sozialwesen koordiniert. Das Projekt brachte mehr als 1.500 Auszubildende von 24 Berufsschulen zusammen, um eine gemeinsame Lokomotive und Wagons nach dem Airbusprinzip zu bauen.
„Du bist hier" (Irland) ist ein Buchprojekt, in dem 14 junge Menschen eine Gedichtsammlung geschaffen haben, das von Menschen handelt, die nach 1980 geboren wurden, nicht in ihrem Geburtsland leben und an künstlerischen, intellektuellen oder Aktionsprojekten arbeiten.
Der 3. Preis ging an ein bulgarisches Jugendprojekt, bei dem 21 Europäer aus 11 Ländern zusammen einen Roboter konstruierten, der erneuerbare Energiequellen nutzt, um Abfall zu trennen.
Mit dem Karlspreis der Jugend werden seit 2008 alljährlich vorbildliche Jugendprojekte gewürdigt, die zur internationalen Verständigung unter Jugendlichen beitragen, ein Gemeinschaftsgefühl unter jungen Europäern entwickeln und beispielhaft dafür sind, wie Europäer zusammenleben. 5.000 € beträgt das Preisgeld für das beste Projekt, 3.000 € gibt es für den zweiten und 2.000 € für den dritten Platz.









