Verfahren : 2012/2068(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A7-0353/2012

Eingereichte Texte :

A7-0353/2012

Aussprachen :

PV 19/11/2012 - 23
CRE 19/11/2012 - 23

Abstimmungen :

PV 20/11/2012 - 6.17
CRE 20/11/2012 - 6.17
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P7_TA(2012)0428

BERICHT     
PDF 278kWORD 163k
24. Oktober 2012
PE 486.198v02-00 A7-0353/2012

über den Kinderschutz in der digitalen Welt

(2012/2068(INI))

Ausschuss für Kultur und Bildung

Berichterstatterin: Silvia Costa

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 MINDERHEITENANSICHT
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres
 ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zum Kinderschutz in der digitalen Welt

(2012/2068(INI))

Das Europäische Parlament,

–    gestützt auf Artikel 165 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union,

–    unter Hinweis auf die Charta der Grundrechte der Europäischen Union(1),

–    unter Hinweis auf die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten und auf das Übereinkommen des Europarats zum Schutz des Menschen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten,

–    unter Hinweis auf das Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes,

–    unter Hinweis auf die Richtlinie 2011/92/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen sowie der Kinderpornografie, die den Rahmenbeschluss 2004/68/GAI des Rates ersetzt(2),

–    unter Hinweis auf die Richtlinie 2010/13/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. März 2010 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung audiovisueller Mediendienste (Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste)(3),

–    unter Hinweis auf die Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt („Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr“)(4),

–    unter Hinweis auf den Beschluss Nr. 1718/2006/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. November 2006 zur Umsetzung eines Förderprogramms für den europäischen audiovisuellen Sektor (MEDIA 2007)(5),

–    unter Hinweis auf die Empfehlung 2006/952/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über den Schutz Minderjähriger und den Schutz der Menschenwürde und über das Recht auf Gegendarstellung im Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriezweiges der audiovisuellen Dienste und Online-Informationsdienste(6),

–    unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates zum Schutz der Kinder in der digitalen Welt(7),

–    unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 15. Februar 2011 mit dem Titel „Eine EU-Agenda für die Rechte des Kindes“ (KOM(2011)0060),

–    unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 26. August 2010 mit dem Titel „Eine Digitale Agenda für Europa“ (KOM(2010)0245/2),

–    unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament vom 28. März 2012 mit dem Titel „Kriminalitätsbekämpfung im digitalen Zeitalter: Errichtung eines Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität“ (KOM(2012)0140),

–    unter Hinweis auf die Strategie des Europarats für die Rechte des Kindes (2012-2015) vom 15. Februar 2012,

–    unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 2. Mai 2012 mit dem Titel „Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder“ (KOM(2012)0196),

–    unter Hinweis auf den Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 13. September 2011 über die Anwendung der Empfehlung des Rates vom 24. September 1998 zum Jugendschutz und zum Schutz der Menschenwürde und der Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über den Schutz Minderjähriger und den Schutz der Menschenwürde und über das Recht auf Gegendarstellung im Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriezweiges der audiovisuellen Dienste und Online-Informationsdienste – Schutz der Kinder in der digitalen Welt (KOM(2011)0556),

–    unter Hinweis auf das Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch,

–    unter Hinweis auf seine Entschließung vom 6. Juli 2011 zum Gesamtkonzept für den Datenschutz in der Europäischen Union(8),

–    gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–    in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Kultur und Bildung und der Stellungnahme des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (A7-0353/2012),

A.  in der Erwägung, dass der Schutz von Minderjährigen in der digitalen Welt auf normativer Ebene mit dem Einsatz wirksamer Maßnahmen, unter anderem durch Selbstregulierung über die Verpflichtung der Industrie, ihrer gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden, und auf Ebene der Erziehung sowie der Schulbildung durch die Bildung der Kinder, der Eltern und der Lehrkräfte, in Angriff genommen werden muss, so dass der Zugang Minderjähriger zu illegalen Inhalten verhindert wird;

B.   in der Erwägung, dass alle Formen illegalen Online-Inhalts angegangen werden müssen und dass der besondere Charakter von sexuellem Missbrauch von Kindern nicht nur als illegal, sondern auch als eine der verabscheuungswürdigsten Formen verfügbaren Online-Inhalts angesehen werden muss;

C.  in der Erwägung, dass ein Hauptziel einer effektiven Strategie zum Schutz von Kindern darin bestehen sollte, sicherzustellen, dass alle Kinder, jungen Menschen und Eltern/Betreuer über die notwendigen Informationen und Fähigkeiten verfügen, um sich online zu schützen;

D.  in der Erwägung, dass die schnelle Entwicklung der Technologien rechtzeitige Reaktionen im Wege über Selbst- und Ko-Regulierung sowie ständige Organe erforderlich macht, die einen ganzheitlichen Ansatz auf unterschiedlichen Sachgebieten verfolgen können;

E.   in der Erwägung, dass die digitale Welt zahlreiche Möglichkeiten hinsichtlich des Schulbesuchs und Lernens bietet; in der Erwägung, dass die Schule sich an die digitale Welt anpasst, wobei jedoch die Art und Weise und die Geschwindigkeit dieser Anpassung gegenwärtig nicht dem Tempo der Veränderungen der Technologien im Leben der Minderjährigen entsprechen, und dass dies dazu führt, dass Eltern und Ausbilder Schwierigkeiten bei der medialen Erziehung ihrer Kinder haben und damit eher eine Randstellung im virtuellen Leben der Minderjährigen einnehmen;

F.   in der Erwägung, dass die Minderjährigen zwar im Allgemeinen sehr gewandt bei der Nutzung des Internets sind, aber bei einer vernünftigen, verantwortlichen und sicheren Nutzung desselben unterstützt werden müssen;

G.  in der Erwägung, dass es nicht nur wichtig ist, dass Minderjährige die potenziellen Gefahren besser verstehen, denen sie online ausgesetzt sind, sondern auch, dass Familien, Schulen und die Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung tragen, wenn es darum geht, sie entsprechend zu erziehen und sicherzustellen, dass Kinder ausreichend geschützt sind, wenn sie das Internet und andere neue Medien nutzen;

H.  in Erwägung der Bedeutung, die der Medienerziehung und der Erziehung zu den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien bei der Entwicklung von Maßnahmen zum Schutz von Minderjährigen in der digitalen Welt und bei der Gewährleistung einer sicheren, angemessenen und kritischen Nutzung dieser Technologien zukommt;

I.    in der Erwägung, dass die Entwicklung digitaler Technologien eine großartige Chance ist, Kindern und jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, neue Medien und das Internet effektiv so zu nutzen, dass sie befähigt werden, online und offline mit anderen zu kommunizieren und dadurch an der Gesellschaft teilzunehmen und darin eine aktive Rolle spielen zu lernen;

J.    in der Erwägung, dass die Ausübung der Bürgerschaft und der Genuss der sich daraus ergebenden Rechte, zu denen auch die Teilnahme am kulturellen, sozialen und demokratischen Leben gehört, voraussetzen, dass auch Minderjährige Zugang zur Nutzung pluralistischer und sicherer digitaler Werkzeuge, Dienstleistungen und Inhalte haben;

K.  in der Erwägung, dass die Präventiv- und Interventionsmaßnahmen für den Schutz Minderjähriger neben dem Kampf gegen gesetzwidrige und unangemessene Inhalte auch viele andere Bedrohungen wie Belästigung, Diskriminierung und Beschränkung des Zugangs zu Dienstleistungen, Online-Überwachung, Verletzung der Privatsphäre und der freien Meinungsäußerung sowie der Informationsfreiheit und mangelnde Transparenz hinsichtlich des Zwecks der Erhebung personenbezogener Daten berücksichtigen müssen;

L.   in der Erwägung, dass die neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten der digitalen Welt, wie Computer, Fernsehen auf verschiedenen Plattformen, Mobiltelefone, Videospiele, Tablet-PCs und Anwendungen, und der Verbreitungsgrad von verschiedenen Medien, die in einem einzigen digitalen System zusammenlaufen, nicht nur eine Fülle von Möglichkeiten und Chancen für Kinder und Jugendliche, sondern auch Gefahren in Zusammenhang mit dem erleichterten Zugang zu illegalen und für die Entwicklung der Minderjährigen ungeeigneten oder schädlichen Inhalten bergen sowie die Möglichkeit bieten zur Erhebung von Daten mit dem Zweck, aus den Kindern eine Zielgruppe von Verbrauchern zu machen, was schädliche und unabsehbare Auswirkungen hat;

M.  in der Erwägung, dass im freien Verkehr der audiovisuellen Dienste innerhalb des Binnenmarktes das Wohl Minderjähriger und die Menschenwürde besonders schutzwürdige Rechtsgüter sind;

N.  in der Erwägung, dass die von den Mitgliedstaaten ergriffenen Maßnahmen gegen rechtswidrige Online-Inhalte nicht immer effektiv sind und unterschiedliche Konzepte bezüglich von Maßnahmen zur Prävention schädlicher Inhalte haben müssen, und in der Erwägung, dass auf der Basis rechtsstaatlicher Verfahren solche rechtswidrigen Inhalte unverzüglich zu löschen sind;

O.  in der Erwägung, dass der andauernde Verbleib von persönlichen Informationen und Daten, die sich auf Minderjährige beziehen, im Internet dazu führen kann, dass diese in rechtswidriger Weise zur Ausbeutung oder zu Verletzungen der Würde dieser Minderjährigen aufbereitet werden, wodurch deren soziale Identität, seelische Verfassung und gesellschaftliche Eingliederung massiven Schaden nehmen können, insbesondere, weil diese Inhalte in die Hände von böswilligen Personen gelangen können;

P.   in der Erwägung, dass die zunehmende Verbreitung sozialer Medien verschiedene Gefahren für die Sicherheit des Privatlebens, die Daten und die Würde von Minderjährigen birgt;

Q.  in der Erwägung, dass nahezu 15 % der minderjährigen Internet-Surfer zwischen 10 und 17 Jahren sexuelle Angebote in irgendeiner Form erhalten und dass 34 % von ihnen sexuelle Inhalte finden, nach denen sie nicht gesucht haben;

R.   in der Erwägung, dass die verschiedenen, von den Lieferanten von digitalen Inhalten und Diensten benutzten Verfahren für den Verhaltenskodex den Anforderungen europäischer oder einzelstaatlicher Rechtsvorschriften und den Anforderungen an Transparenz, Unabhängigkeit, Vertraulichkeit und Aufbereitung von persönlichen Daten nicht immer Genüge leisten und Risiken hinsichtlich ihrer Profilerstellung zu kommerziellen Zwecken, anderen Nutzungsformen wie sexuellem Missbrauch und sogar Menschenhandel darstellen können;

S.   in der Erwägung, dass auf Kinder abzielende Werbung verantwortlich und gemäßigt sein sollte;

T.   in der Erwägung, dass Minderjährige in der digitalen Welt gemäß ihrem Alter und Entwicklungsstand geschützt werden müssen; in der Erwägung, dass die Mitgliedstaaten auf Schwierigkeiten bei der Koordinierung von Aspekten betreffend die Annahme von Klassifizierungstypen für Inhalte nach bestimmten Altersgruppen und bezüglich des Gefahrenpotenzials dieser Inhalte hinweisen;

U.  in der Erwägung, dass wir trotz der vielen Gefahren, denen Minderjährige in der digitalen Welt ausgesetzt sind, auch weiterhin die vielen Chancen begrüßen sollten, mit der die digitale Welt zur Herausbildung einer Wissensgesellschaft beiträgt;

V.  in der Erwägung, dass die Rolle der Eltern beim Schutz ihrer Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt von grundlegender Bedeutung ist;

Ein Rechts- und Governance-Rahmen

1.   weist darauf hin, dass mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon zusammen mit der von nun an rechtsverbindlichen Charta der Grundrechte der Europäischen Union, in deren Artikel 24 der Schutz der Kinder als ein Grundrecht festgeschrieben und festgelegt ist, dass bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein muss, eine neue Phase für den Schutz der Rechte des Kindes im Rahmen der EU begonnen hat; unterstreicht die Notwendigkeit für die EU, die Standards dieser internationalen Instrumente, bei denen die EU als solche nicht Vertragspartei ist, in vollem Umfang anzuerkennen, wie vom Europäischen Gerichtshof in der Rechtssache C-540/03, Europäisches Parlament gegen Rat der Europäischen Union, gefordert;

2.   fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die Richtlinie 2011/92/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie zügig und fristgerecht umzusetzen; fordert die Mitgliedstaaten auf, die maximale Harmonisierung ihrer Anstrengungen im Bereich des Schutzes von Minderjährigen in der digitalen Welt sicherzustellen;

3.   wiederholt erneut seinen Aufruf an die Mitgliedstaaten, die internationalen Instrumente zum Schutz der Kinder zu unterzeichnen und zu ratifizieren, sofern sie dies noch nicht getan haben, so zum Beispiel das Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch, das Dritte Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes und die Europäische Konvention über die Ausübung der Rechte des Kindes, und diese Instrumente mit der erforderlichen, von der EU-Rechtsordnung geforderten Rechtssicherheit und -klarheit umzusetzen;

4.   fordert die Kommission auf, bestehende interne Mechanismen auszuweiten, um einen kohärenten und koordinierten Ansatz für den Schutz der Rechte von Minderjährigen in der digitalen Welt zu gewährleisten; begrüßt die Europäische Strategie der Kommission für ein besseres Internet für Kinder und fordert die Kommission auf, bestehende interne Mechanismen auszuweiten, um einen kohärenten und koordinierten Ansatz für die Online-Sicherheit von Kindern zu gewährleisten;

5.   betont die Notwendigkeit, die Kinderrechte ausnahmslos in alle Politikbereiche der EU einzubeziehen, indem die Auswirkungen der Maßnahmen zu den Rechten, der Sicherheit und der körperlichen und geistigen Unversehrtheit von Kindern analysiert werden, und dass dies klar formulierte Vorschläge der Kommission bezüglich der digitalen Welt beinhalten muss;

6.   betont, dass nur eine umfassende Kombination aus juristischen, technischen und pädagogischen Maßnahmen, einschließlich Prävention, eine angemessene Bewältigung der Gefahren, mit denen Kinder im Internet konfrontiert sind, und eine Verbesserung des Schutzes von Kindern in der Online-Umgebung bieten kann;

7.   begrüßt die neue Agentur für Cybersicherheit bei Europol und fordert die Kommission auf, sicherzustellen, dass das für Kinderschutz zuständige Team angemessen ausgestattet ist und effektiv mit Interpol zusammenarbeitet;

8.   wünscht die Fortsetzung des Safer Internet Programme mit geeigneten Mitteln zur uneingeschränkten Ausführung der entsprechenden Tätigkeiten und Schutz der Spezifität und fordert die Kommission auf, dem Europäischen Parlament einen Bericht über seine Erfolge und Misserfolge vorzulegen, um zu gewährleisten, dass es mit maximaler Effizienz weitergeführt wird;

9.   fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, zur Verringerung der Gefahr, dass Kinder Opfer des Internet werden, geeignete Maßnahmen, wie Forschungs- und Bildungsprogramme, auch über das Internet und gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einschlägigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Familien, Schulen, audiovisuellen Diensten, der Branche und anderen Beteiligten zu ergreifen;

10. nimmt die auf Initiative der Kommission erfolgte Gründung der CEO-Koalition für die Online-Sicherheit von Kindern zur Kenntnis; ruft in diesem Rahmen zu einer engen Zusammenarbeit mit den Verbänden und Organisationen der Zivilgesellschaft, die unter anderem im Bereich des Schutzes Minderjähriger, des Datenschutzes, der Erziehung tätig sind, mit Elternvertretern und Erziehern, insbesondere auf europäischer Ebene, sowie mit den verschiedenen Generaldirektionen der Kommission, die für Verbraucherschutz und Justiz zuständig sind, auf;

Medien und neue Medien: Zugang und entsprechende Erziehung

11. weist darauf hin, dass das Internet Kindern und Jugendlichen ungemein wertvolle Hilfsmittel bietet, die eingesetzt werden können, um ihre Standpunkte zu äußern und zu vertreten, auf Informationen und Lernstoffe zuzugreifen und ihre Rechte einzufordern, und auch ein vorzügliches Hilfsmittel der Verständigung ist, das Möglichkeiten für die Öffnung gegenüber der Welt und die persönliche Entfaltung bietet;

12. betont allerdings, dass die Online-Umgebung und die Foren sozialer Medien erhebliche potenzielle Risiken für die Privatsphäre und Würde von Kindern, die zu den am stärksten gefährdeten Nutzern gehören, bedeuten;

13. erinnert daran, dass Kinder durch das Internet auch Risiken ausgesetzt werden, zum Beispiel durch Phänomene wie Kinderpornografie, den Austausch von Material über Gewalt, Cyberkriminalität, Einschüchterung, Schikanierung (Bullying), Annäherungsversuche (Grooming), die Möglichkeit des Zugriffs auf oder des Erwerbs von gesetzlich eingeschränkten oder nicht altersgemäßen Waren und Dienstleistungen, die Konfrontation mit nicht altersgerechter, aggressiver oder irreführender Werbung, Scams, Identitätsdiebstahl, Betrug und ähnlichen Risiken finanzieller Art, die traumatische Erfahrungen erzeugen können;

14. unterstützt in diesem Zusammenhang die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Förderung einer systematischen Fortbildung und Schulung für Kinder, Eltern, Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter, mit dem Ziel, sie zu befähigen, die digitale Welt zu verstehen und solche Gefahren zu identifizieren, die die körperliche oder geistige Unversehrtheit von Kindern gefährden könnten, die mit den digitalen Medien verbundenen Risiken einzudämmen und Informationen zu Meldestellen und zum Umgang mit jugendlichen Opfern der genannten Phänomene bereitzustellen; stellt gleichzeitig fest, dass den Kindern bewusst werden muss, dass ihre eigene Nutzung der digitalen Technologie sich als Beeinträchtigung der Rechte Anderer auswirken oder sogar kriminelles Verhalten darstellen kann;

15. misst der möglichst frühzeitig beginnenden Medienkompetenzerziehung, bei der Kinder und Jugendliche lernen, selbstbewusst und kritisch zu entscheiden, welche Wege sie im Internet beschreiten wollen und welche sie lieber meiden, sowie der Vermittlung grundlegender Werte über das Zusammenleben und den respektvollen und toleranten Umgang von Menschen miteinander eine besonders hohe Bedeutung zu;

16. stellt fest, dass die „Media Education“ ein wesentliches Instrument ist, um den Minderjährigen eine kritische Nutzung der Medien und der Möglichkeiten der digitalen Welt zu ermöglichen, und fordert die Mitgliedstaaten auf, sie in die Schulausbildung aufzunehmen; weist darauf hin, dass wegen des kontinuierlich zunehmenden digitalen Marketings auch die Verbrauchererziehung wichtig ist;

17. unterstreicht die Bedeutung der Alphabetisierung und der digitalen und Medienkompetenzen von Minderjährigen sowie ihrer Eltern; betont außerdem, dass eine digitale Kultur, digitale Kompetenzen und eine sichere Nutzung des Internets durch Minderjährige als Priorität in den Mitgliedstaaten und in der Sozial-, Bildungs- und Jugendpolitik der Union sowie als eine entscheidende Komponente der Europa-2020-Strategie anzusehen sind;

18. spricht sich für eine kontinuierliche Weiterbildung im Bereich der digitalen Medien der Pädagogen aus, die in den Schulen ständig mit den Schülern arbeiten;

19. weist auf die Notwendigkeit einer Erziehungsallianz von Familien, Schule, Zivilgesellschaft, Interessengruppen einschließlich der Medien und audiovisuellen Dienste in all ihrer Vielfalt hin, um eine ausgeglichene und proaktive Dynamik zwischen der digitalen Welt und den Minderjährigen zu gewährleisten; empfiehlt der Kommission, Initiativen zur Sensibilisierung der Eltern, Erzieher und Lehrer zu unterstützen, damit sie die Minderjährigen bei der Nutzung der digitalen Instrumente und Dienstleistungen bestens begleiten können;

20. ermutigt die Kommission und die Mitgliedstaaten zur Unterstützung des gleichberechtigten Zugangs von Minderjährigen zu sicheren und hochwertigen pluralistischen digitalen Inhalten in den bestehenden und neuen Programmen und Dienstleistungen, die der Jugend und der Erziehung, der Kultur und der Kunst zugeordnet sind;

21. fordert die Mitgliedstaaten, die öffentlichen Stellen und die Anbieter von Internetzugängen auf, ihre Kommunikationskampagnen zu intensivieren, um Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer für die nicht beherrschbaren Gefahren des digitalen Bereichs zu sensibilisieren;

22. erkennt die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien bei der Förderung eines sicheren und vertrauenswürdigen Online-Raums für Minderjährige an;

23. fordert die Kommission eindringlich auf, den Schutz von Kindern vor aggressiver oder irreführender Fernseh- und Online-Werbung zu den wichtigsten Prioritäten hinzuzufügen;

24. unterstreicht insbesondere die Rolle des Privatsektors und der Branche sowie anderer Beteiligter hinsichtlich ihrer Verantwortung in Bezug auf diese Aspekte sowie einer Kennzeichnung „kindersicher“ für Websites und der Förderung einer „Netiquette“ für Kinder; betont, dass solche Maßnahmen in vollem Umfang mit den rechtsstaatlichen Prinzipien und mit der Rechtssicherheit vereinbar sein, die Rechte der Endnutzer berücksichtigen und im Einklang mit den bestehenden Rechts- und Gerichtsverfahren sowie mit der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und der Rechtsprechung des EuGH und des EGMR stehen sollten; fordert die Branche auf, die bestehenden Verhaltenskodizes und ähnliche Initiativen wie die Zusage der EU und die Erklärung von Barcelona des Konsumgüter-Forums zu achten und vollständig umzusetzen;

25. betont, dass dem Online-Vertrieb schädlicher Substanzen, wie Alkohol, der für junge Menschen zugänglich sein kann, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte; weist darauf hin, dass aufgrund des Charakters und des Ausmaßes des Online-Vertriebs, der beispielsweise über soziale Netzwerke erfolgt, der Online-Vertrieb von Alkohol für die einzelnen Mitgliedstaaten nur schwer zu überwachen ist, weshalb ein Tätigwerden der Kommission in dieser Hinsicht einen zusätzlichen Nutzen erbringen würde;

26. hebt die Effizienz der formalen, nicht formalen und der informellen Erziehung und des kollegialen Lernens bei der Verbreitung von sicheren Praktiken und in Hinsicht auf potenzielle Bedrohungen (über konkrete Beispiele) der Nutzung des Netzes, der sozialen Netzwerke, von Videospielen und des Mobilfunks unter Minderjährigen hervor und ermutigt das „European Schoolnet“ dazu, auf diesem Bereich das Schüler-Mentoring zu fördern; betont die Notwendigkeit, auch die Eltern über sichere Praktiken und Gefahren zu unterrichten;

27. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, Verfahren zu entwickeln, um Kinder und junge Menschen mit angemessenen Fähigkeiten auszurüsten und zu gewährleisten, dass sie informiert sind, wenn sie auf Internet und neue Medien zugreifen, und unterstreicht in diesem Zusammenhang die Bedeutung, digitale Medienkompetenz auf allen Ebenen formeller und nicht formeller Bildung einzubeziehen, inklusive den Ansatz des lebenslangen Lernens vom frühestmöglichen Alter an;

Schutzanspruch

Kampf gegen gesetzwidrige Inhalte

28. hebt die Herausforderungen hervor, mit denen das Strafgesetz hinsichtlich seiner Funktionsweise in der Online-Umgebung in Bezug auf die Prinzipien der Rechtssicherheit und Rechtmäßigkeit, die Unschuldsvermutung, die Rechte des Opfers und die Rechte des Verdächtigen konfrontiert ist; weist in diesem Zusammenhang auf die in der Vergangenheit entstandenen Herausforderungen bezüglich der Bereitstellung einer klaren Definition hin, wie in den Fällen von Online-Grooming und Kinderpornografie, die adäquater mit dem Begriff „Material über sexuellen Kindesmissbrauch“ bezeichnet werden sollte;

29. fordert die Kommission deshalb im Rahmen ihrer Berichtspflicht zur Umsetzung der Richtlinie 2011/92/EU auf, genaue und klare Daten zur Straftat Online-Grooming zu sammeln, dies umfasst auch die präzise Angabe der nationalen Regelungen, mit denen dieses Verhalten unter Strafe gestellt wird; fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, zu dieser Straftat Daten bezüglich der Anzahl durchgeführter Strafverfahren, der Anzahl der Verurteilungen sowie wichtiger nationaler Rechtsprechungen zu sammeln und sich über bewährte Verfahren hinsichtlich der Strafverfolgung und Ahndung dieser Straftat auszutauschen; fordert die Kommission auch auf, die Ausarbeitung und Veröffentlichung statistischer Informationen erheblich zu verbessern, um eine bessere Entwicklung und Überwachung der politischen Maßnahmen zu ermöglichen;

30. erkennt in diesem Zusammenhang das hohe Maß der bestehenden Zusammenarbeit von Polizei und Justizbehörden der Mitgliedstaaten, sowie von ihnen mit Europol und Eurojust an, was Straftaten gegen Kinder betrifft, die mit Hilfe der digitalen Medien durchgeführt werden – ein Beispiel dafür ist die Operation „Icarus“, in deren Rahmen 2011 ein Schlag gegen Internet-Tauschbörsen für Kinderpornografie geführt wurde;

31. betont jedoch, dass, angesichts der vorhandenen Hindernisse für umfassende Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen, in Verbindung mit einer weiteren Harmonisierung des Strafgesetzes und der Strafverfahren der Mitgliedstaaten einschließlich der Verfahrensrechte und Datenschutzrechte der Verdächtigten und der Achtung der auf der EU-Charta basierenden Grundrechte weitere Verbesserungen erreicht werden könnten;

32. begrüßt die Absicht der Kommission, mögliche legislative Maßnahmen zu prüfen, wenn die Selbstregulierung der Industrie nicht erfüllt wird;

33. betont jedoch, dass Vorschläge für ein materielles Strafrecht der EU die Grundsätze der Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit sowie die dem Strafrecht zugrundeliegenden allgemeinen Grundsätze uneingeschränkt achten müssen und klar nachgewiesen werden muss, dass sie einen praktischen Mehrwert durch einen gemeinsamen EU-Ansatz bei der Bekämpfung schwerwiegender Straftaten von grenzüberschreitender Dimension erbringen, wie in der Entschließung des Parlaments vom 22. Mai 2012 zum EU-Ansatz zum Strafrecht gefordert(9);

34. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, keine Bemühungen zu scheuen, um die Zusammenarbeit mit den Drittstaaten hinsichtlich der unverzüglichen Löschung von Webseiten, die von ihrem Hoheitsgebiet aus betrieben werden und illegale Inhalte oder Handlungen verbreiten, sowie den Kampf gegen Computerkriminalität zu verstärken; stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der grenzübergreifende Austausch von Fachkenntnissen und bewährten Verfahrensweisen und Ideen zwischen Regierungen, Vollstreckungsbehörden, auf Computerkriminalität spezialisierten Polizeieinheiten, Meldestellen, Kinderschutzorganisationen und der Internet-Branche gefördert werden sollte;

35. ruft in diesem Zusammenhang zur vollständigen Annahme der Maßnahmen auf, die im „Fahrplan zur Stärkung der Verfahrensrechte von Verdächtigen und Beschuldigten in Strafverfahren“ des Rates von 2009 aufgezeigt sind, sowie zu einem einheitlichen Ansatz für die Zulässigkeit und Beurteilung, um Hindernisse für die Weitergabe von Beweismitteln, die in einem anderen Mitgliedstaat gesammelt wurden, zu beseitigen;

36. unterstützt die Einführung und Stärkung von Hotline-Systemen für die Meldung von Straftaten, illegalen Inhalten und rechtswidrigem Verhalten, wobei unter anderem die Erfahrungen mit der europäischen Hotline für vermisste Kinder sowie mit den einzelstaatlichen Schnellwarnsystemen und dem European Child Alert Automated System zu berücksichtigen sind; betont jedoch, dass jegliches sofortige Strafverfahren, das auf der Grundlage von Meldungen durchgeführt wird, ein Gleichgewicht finden muss zwischen einerseits den Rechten der potenziellen Opfer und der positiven Verpflichtung gemäß den Artikeln 2 und 8 EMRK des reagierenden Mitgliedstaates, wie bereits in der Rechtsprechung des EGMR hervorgehoben wurde, und andererseits den Rechten des Verdächtigen; ruft die Mitgliedstaaten und die Kommission in diesem Zusammenhang auf, einen Austausch über bewährte Verfahren hinsichtlich der Untersuchung und der Verfolgung von Straftaten gegen Kinder in der digitalen Welt vorzunehmen; erinnert daran, dass Artikel 8 des Vorschlags der Kommission für eine Datenschutz-Grundverordnung (KOM(2012)0011) konkrete Schutzbestimmungen für die Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern enthält, wie die obligatorische Zustimmung der Eltern zur Verarbeitung der Daten von Kindern unter 13 Jahren;

37. stellt fest, dass „notice and take down“-Verfahren in einigen Mitgliedstaaten noch zu langsam funktionieren; begrüßt die Initiative der Kommission zur Veröffentlichung einer Bewertung der diesbezüglichen Auswirkungen und empfiehlt, diese Verfahren in ihrer Effizienz zu steigern und im Sinne des best practice in den Mitgliedstaaten fortzuentwickeln;

38. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, die Effizienz der Zusammenarbeit zwischen den Ordnungskräften bei Aktionen zum Schutz von Minderjährigen in Zusammenhang mit Online-Straftaten, bei Hotlines und bestehenden Vereinbarungen mit den Lieferanten von Internetdiensten zu bewerten; fordert die Entwicklung von Synergien mit anderen damit in Zusammenhang stehenden Diensten – einschließlich der Polizeidienste und Justizdienste für Minderjährige – bei Aktionen zum Schutz von Minderjährigen in Zusammenhang mit Online-Straftaten, insbesondere durch die Koordinierung und Vernetzung von Hotlines und Anlaufstellen;

39. ermutigt die Mitgliedstaaten dazu, den Fortbestand der nationalen Hotlines und anderer Anlaufstellen, wie z. B „Safety Buttons“, die den INHOPE-Standards entsprechen, zu gewährleisten, deren Vernetzung untereinander zu verbessern und die erreichten Ergebnisse aufmerksam zu analysieren;

40. unterstreicht die Bedeutung einer allgemeinen Verbreitung von verlässlichen Instrumenten wie Warnseiten oder Ton- und Sichtsignalen, um für Minderjährige den direkten Zugang zu Inhalten einzuschränken, die für sie schädlich sind;

41. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu auf, die Information über die Hotlines und andere Anlaufstellen, wie z. B. „Safety Buttons“, für Minderjährige und deren Familien zu verbessern und es dadurch zu erleichtern, illegale Inhalte zu melden, und fordert die Mitgliedstaaten auf, auf die Hotlines als Kontaktstelle zur Meldung von Bildern hinzuweisen, auf denen sexueller Missbrauch von Kindern zu sehen ist;

42. unterstützt die Bemühungen der Lieferanten von digitalen Inhalten und Diensten darin, dass sie gemäß geltenden Vorschriften Verhaltensvorschriften zur Identifizierung von gesetzwidrigen Inhalten und zur Prävention gegen diese sowie zu deren Beseitigung auf Grundlage von Entscheidungen der Justizbehörden umsetzen; empfiehlt der Kommission und den Mitgliedstaaten, in diesem Bereich Bewertungen vorzunehmen;

43. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, eine neue Initiative auf den Weg zu bringen, die sich an Eltern richtet und ihnen dabei hilft, das digitale Material, mit dem ihre Kinder umgehen, zu verstehen, und ihnen insbesondere aufzeigt, wie sie ihre Kinder vor illegalem, ungeeignetem oder gefährlichem digitalen Material schützen können;

44. bedauert die Nichteinhaltung der am 9. Februar 2009 von der Kommission und 17 sozialen Netzen im Internet, darunter Facebook und Myspace, getroffenen Vereinbarung zur Verbesserung des Schutzes und der Sicherheit Minderjähriger im Internet;

45. weist darauf hin, dass Cyberstraftaten häufig grenzüberschreitenden Charakter haben und dass die zwischenstaatliche Zusammenarbeit bestehender Strafverfolgungsbehörden deshalb ein wesentliches Element zu deren Bekämpfung sein sollte;

46. fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, Sensibilisierungskampagnen für Kinder, Eltern und Erzieher zu unterstützen und zu starten, um die notwendigen Informationen zum Schutz gegen Cyberkriminalität bereitzustellen und sie zu ermutigen, verdächtige Websites und entsprechendes Verhalten im Internet zu melden;

47. ruft die Mitgliedstaaten dazu auf, die bestehenden Verfahrensvorschriften zur Löschung von Websites, die ausbeuterischen, gefährdenden, missbräuchlichen, diskriminierenden oder auf andere Weise böswilligen Inhalt haben, ordnungsgemäß umzusetzen;

Bekämpfung von schädlichen Inhalten

48. fordert die Kommission auf, zu überprüfen, wie wirksam die verschiedenen Systeme der freiwilligen Klassifizierung jugendgefährdender Inhalte in den Mitgliedstaaten funktionieren, und ermutigt die Kommission, die Mitgliedstaaten und die Internetindustrie dazu, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Strategien und Standards zu verstärken, die Minderjährigen verantwortungsbewusstes Handeln im Internet nahebringen und sie über die Online- und Offline-Gefährdung durch für ihr Alter ungeeignete Inhalte aufklären und davor schützen, einschließlich Gewalt und Werbung, die dazu ermutigt, übermäßig viel Geld auszugeben und mit Mobiltelefonen virtuelle Waren oder Guthaben zu kaufen;

49. begrüßt technische Innovationen durch die Wirtschaft hinsichtlich spezieller Online-Angebote, die die kindgerechte Internetnutzung ermöglichen;

50. fordert die Verbände der Lieferanten von audiovisuellen und digitalen Diensten auf, in Zusammenarbeit mit anderen einschlägigen Verbänden den Schutz von Minderjährigen in ihre jeweiligen Satzungen einzubeziehen und die Eignung für bestimmte Altersgruppen anzugeben;

51. ermutigt die Mitgliedstaaten zur Fortsetzung des Dialogs zur Harmonisierung der Klassifizierung von digitalen Inhalten für Minderjährige in Zusammenarbeit mit den einschlägigen Akteuren und Verbänden und mit Drittländern;

52. empfiehlt der Kommission und den Mitgliedstaaten, elektronische Spiele mit deutlich sichtbarer Aufschrift je nach Alterszielgruppe und insbesondere nach Inhalt zu klassifizieren;

53. fordert die Kommission zur Fortsetzung des „European Framework for Safer Mobile Use“, wobei die Optionen aufzuwerten sind, die der Erleichterung der elterlichen Aufsicht dienen;

54. hebt die gute Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen hervor und ermutigt diese zur Zusammenarbeit, zum grenzüberschreitenden Einsatz und zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden, Regierungen, Internetdienstanbietern und der Öffentlichkeit;

Schutz der Privatsphäre

55. unterstreicht erneut die Bedeutung des Datenschutzes für Kinder, insbesondere in Hinblick auf die rasche Zunahme der Medien für soziale Vernetzung und Chatrooms, angesichts der steigenden Zahl und Zugänglichkeit von personenbezogenen Daten durch digitale Medien;

56. begrüßt die neu vorgeschlagene Datenschutzverordnung (KOM(2012)0011) und ihre Sonderbestimmungen zur Zustimmung von Kindern und zum Recht auf Vergessenwerden, die es untersagt, Informationen über persönliche Daten von Minderjährigen online zu halten, die deren Privat- und Berufsleben gefährden können, unter Hinweis darauf, dass der andauernde Verbleib von Informationen und Daten, die sich auf Minderjährige beziehen, im Internet zum Schaden ihrer Würde und gesellschaftlichen Eingliederung missbraucht werden kann;

57. betont, dass diese Bestimmungen klarer definiert und in einer Weise weiterentwickelt werden müssen, damit gewährleistet ist, dass sie klar und voll funktionsfähig sind, sobald die neuen Rechtsvorschriften verabschiedet werden, und die Internetfreiheit nicht einschränken.

58. begrüßt außerdem die Absicht, ein elektronisches System zur Altersbestätigung zu entwickeln;

59. ist der Ansicht, dass die Eigentümer und Administratoren von Webseiten ihre Politik in punkto Datenschutz klar und sichtbar zu erkennen geben sollten und ein System der obligatorischen Zustimmung der Eltern zur Verarbeitung der Daten von Kindern unter 13 Jahren vorsehen sollten; fordert außerdem stärkere Bemühungen, um datenschutzfreundliche Grundeinstellungen („privacy by default“) soweit wie möglich zu verstärken, um einer sekundären Viktimisierung von Kindern vorzubeugen;

60. unterstreicht die Bedeutung der Sensibilisierung der Nutzer hinsichtlich der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten und der Daten verbundener Dritter durch die Anbieter von Diensten oder sozialen Netzwerken sowie hinsichtlich der möglichen Rechtsmittel, über die sie im Fall einer Nutzung ihrer Daten über den rechtmäßigen Zweck hinaus, für den sie von den Anbietern und ihren Partnern erhoben wurden, verfügen, und zwar in einer Sprache und einer Form, die dem Nutzerprofil unter besonderer Berücksichtigung der minderjährigen Nutzer angepasst sind; stellt fest, dass die Anbieter besondere Verantwortung in diesem Bereich tragen, und fordert, dass sie die Nutzer klar und verständlich über ihre redaktionelle Politik informieren;

61. befürwortet nachdrücklich die Förderung nützlicher technologischer Optionen in allen Digitalbereichen, wobei mit diesen Optionen, wenn man sich für sie entscheidet, das Surfen Minderjähriger bei bedingtem Zugang innerhalb von überschaubaren Grenzen gehalten werden kann, was ein wirksames Instrument zur elterlichen Kontrolle darstellt; stellt jedoch fest, dass solche Maßnahmen eine fundierte mediale Ausbildung der Minderjährigen nicht ersetzen können;

62. unterstreicht, dass es wichtig ist, Kinder und Jugendliche sehr früh über ihre Rechte auf Schutz der Privatsphäre im Internet zu informieren und ihnen beizubringen, die manchmal subtilen Methoden zu erkennen, die benutzt werden, um von ihnen Auskünfte zu erhalten;

Rechtsanspruch auf Gegendarstellung in den digitalen Medien

63. fordert die Mitgliedstaaten auf, Systeme in Bezug auf den Rechtsanspruch auf Gegendarstellung in den digitalen Medien zu entwickeln und zu harmonisieren und so auch deren Effizienz zu erhöhen;

Rechtsanspruch auf digitale Staatsbürgerschaft

64. betont, dass die digitale Technologie ein wichtiges Werkzeug für das Erlernen von Staatsbürgerschaft ist und die Teilnahme zahlreicher Bürger, insbesondere junger Menschen, die in abgelegenen Gebieten leben, erleichtert, indem sie es ihnen ermöglicht, die Vorteile der freien Meinungsäußerung und der Freiheit der Online-Kommunikation voll zu nutzen;

65. fordert die Mitgliedstaaten auf, die digitalen Plattformen als Schulungsinstrumente für demokratische Beteiligung für jedes Kind anzusehen und dabei besonders die schwächsten zu berücksichtigen;

66. unterstreicht die Chance, die neue Medien bei der Förderung des Verständnisses und des Dialogs zwischen Generationen, Geschlechtern und unterschiedlichen kulturellen und ethnischen Gruppen auf Ebene der digitalen Dienste und Inhalte darstellen;

67. erinnert daran, dass Information und Staatbürgerschaft im Internet eng miteinander verknüpft sind und dass das, was heute das staatsbürgerliche Engagement der jungen Leute bedroht, ihr Desinteresse ist, das sie gegenüber der Information bekunden;

o

o        o

68. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. C 83 vom 30.3.2010, S. 389.

(2)

ABl. L 335 vom 17.12.2011, S. 1.

(3)

ABl. L 95 vom 15.4.2010, S. 1.

(4)

ABl. L 178 vom 17.7.2000, S. 1.

(5)

ABl. L 327 vom 24.11.2006, S. 12.

(6)

ABl. L 378 vom 27.12.2006, S. 72.

(7)

ABl. C 372 vom 20.12.2011, S. 15.

(8)

Angenommene Texte, P7_TA(2011)0323.

(9)

1 Angenommene Texte, P7_TA-PROV(2012)0208.


BEGRÜNDUNG

Junge Leute in Europa verbringen bis zu 40 Stunden pro Woche mit Fernsehen. Sie sind 88 Minuten pro Tag online (2 Stunden sind es bei den 15 bis 16-Jährigen), wobei sie durchschnittlich mit 9 Jahren anfangen, es aber viel frühreifere Fälle gibt, die dies vor dem Schulalter und der Alphabetisierung tun.

Vorrangig anstehendes Thema ist wiederum das digitale Gefälle, von dem in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage alle weniger geschützten Schichten bedroht werden, und zu diesen gehören die Minderjährigen, was zu negativen Auswirkungen auf deren wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Zukunft führt. Beim Zugang zur digitalen Welt und zur Befähigung in deren Sprache ist Begleitung erforderlich, wie sie nur eine erzieherische Allianz zwischen Familien, Schule und Gesellschaft bieten kann.

Anlass für den vorliegenden Initiativbericht sind die Erwiderungen der Mitgliedstaaten in Zusammenhang mit der in Punkt 6 der Empfehlung 2006/956/EG vorgesehenen Bestandsaufnahme, und im Wege einer Übersicht wird ein Thema in Angriff genommen, durch das sich das Leben der Minderjährigen in der Europäischen Union in wenigen Jahren tiefgreifend verändert hat.

Das Internet ist Spielgefährte der jungen Leute, und zwar oft mehr als Familie, Schule und Freunde. Zwischen 9 und 16 Jahren nutzen junge Leute den Computer für Schularbeiten und Spiele (100 %) und auch zum Anschauen von Videoclips (86 %), um mit anderen zu spielen, um Videos und Musik herunterzuladen und um Dateien über P2P-Systeme auszutauschen (56 %), und schließlich auch für das Filesharing, den Besuch von Chatrooms, Blogs und virtuellen Welten (23 %).

44 % der jungen Nutzer heben die positiven Möglichkeiten hervor, die das Netz bietet, und erklären, hiermit sehr zufrieden zu sein. 38 % der jungen Leute in der Altersgruppe von 9 bis 12 Jahren und 77 % in der Altersgruppe von 15 bis 16 Jahren sind in einem sozialen Netzwerk registriert. In ihrem Profil stellen sich 16 % mit einer fiktiven Identität vor, und 27 % der 9 bis 12-Jährigen erklären, älter zu sein als in Wirklichkeit. Das Surfen wird tendenziell immer individueller, denn 49 % der jungen Leute verbinden sich online von der eigenen Kamera aus, 33 % vom Mobiltelefon oder digitalen Pad aus, 87 % von zuhause aus und 63 % von der Schule aus. 50 % der jungen Leute von 11 bis 16 Jahren erklären sodann, dass sie sich online leichter ausdrücken können als bei einer direkten Gegenüberstellung.

Unerfahrene und naive Surfer, zu denen die Minderjährigen gerechnet werden können, werden dann, wenn das Surfen ohne große Kenntnisse sowie ohne Schutz und Kontrolle erfolgt, zwangsläufig mit Gefahren unterschiedlicher Art konfrontiert, z. B. mit der Verletzung der Privatsphäre, mit der kommerziellen Nutzung oder Instrumentalisierung ihrer Profile, mit gesundheitlichen Gefahren, Abhängigkeitsphänomenen, einem verfälschten Verhältnis zur Wirklichkeit und zur eigenen Identität.

Durch das Online-Angebot an schädlichen Inhalten, mit ausgeprägten Komponenten von Gewalt, Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, mit Eigenschaften also, wie sie für Minderjährige ungeeignet sind, kann beim nicht vorbereiteten Nutzer die Wahrnehmungsfähigkeit für Angriffe auf die Menschenwürde reduziert werden, und die Verbreitung der Nutzung des Netzes unter Minderjährigen wird in mehr oder weniger bewusster Absicht möglicherweise erleichtert, was schädlich für die eigene Würde (Sexting) und für die Würde Anderer (Cyber-Mobbing) ist. 55 % der jungen Leute erklären, dass sie die vom Netz ausgehende Gefahr wahrnehmen, 12 % der 9 bis 12-Jährigen erklären, sich besonders durch Mobbing (40 %), aber auch durch Inhalte und Annäherungsversuche sexueller Art (25 %) gestört gefühlt zu haben. Insbesondere stellt das Mobbing im Netz offenbar eine Erweiterung des Mobbings im wirklichen Leben dar und trägt so zur Ausweitung dieses Phänomens und zur Verursachung von auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhaltensmustern bei.

Eltern und Ausbilder bekunden oft Missbehagen und Schwierigkeiten, wenn sie junge Leute bei der positiven Entdeckung der digitalen Welt begleiten, und sie verharren bezüglich des „virtuellen Lebens“ der jungen Leute im Randbereich, wobei dieses virtuelle Leben Ursache oder Folge von Unzufriedenheit im wirklichen Leben sein kann. Die elterliche Aufsicht, die mit Hilfe von Standard-Signalen oder durch einen von der Benutzung einer Kreditkarte und einer PIN abhängigen Zugang erfolgt, hat sich als nützliches Instrument für die Broadcast- und Broadband-Systeme erwiesen, die mit audiovisuellen Mediendiensten verbunden sind, ist aber im Web und in den elektronischen Kommunikationsnetzen aufgrund der unendlichen Diversifizierung der Dienste, Lieferanten und deren globalen Verteilung ungeeignet und nur teilweise wirksam.

Die Schule ist dabei, sich der digitalen Welt anzupassen, indem sie Hardware, Programme und Arbeitsverfahren verwendet, die in 23 Ländern der Union eingesetzt werden, wobei Rhythmus und Modalitäten jedoch im Allgemeinen unzureichend sind, so dass sie nicht mit den Änderungen Schritt halten können, die die Technologie im Leben der jungen Leute verursacht hat. Die Schule ist aufgerufen, Minderjährige in der praktischen und kritischen Nutzung der digitalen Technologien und des Internets zu unterweisen, und zwar in relationalen Situationen, sowohl mit dem Erwachsenen als auch in der „Peers“-Gruppe, mit Verteidigung der kulturellen Andersartigkeit, die mit der Öffnung zur Welt hin verbunden ist. Mit der Schulung können junge Leute die Beherrschung digitaler Kompetenzen erlernen, die anerkanntermaßen zu den acht „Grundkompetenzen“ gehören, die für Menschen unentbehrlich sind, die in einer wissensbasierten Gesellschaft leben.

Die Gesellschaft teilt diese Verantwortung mit der Schule in dem Bewusstsein der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile, die in einer kritischen, aktiven und sicheren Nutzung der digitalen Medien durch die Minderjährigen bestehen, im Gegensatz zu einer Nutzung, die Abhängigkeit, konformistische und beunruhigende Einstellungen, Passivität und Aggressivität hervorruft.

Die Mitgliedstaaten setzen ihre Förderung der Überwindung des digitalen Gefälles und der Beteiligung von Minderjährigen an der digitalen Welt mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fort, und zwar im Wege einer Politik des Zugangs zum Netz, der Disziplinierung von dessen Inhalten, der Wahrung der Privatsphäre und der digitalen Identität, und der Einbeziehung in die Basis-Unterrichtsprogramme als optionales didaktisches Modul für Primar- und Mittelschulen.

Die jungen Leute selbst, die Familien, die Schule, die Wissenschaftler sowie die Gesellschaft bringen ein wachsendes Bewusstsein für die Qualitätsstandards zum Ausdruck, die für einen für Minderjährige bestimmten Inhalt zu fordern sind, und zwar unabhängig von der Form der Verbreitung dieses Inhalts, sei sie nun analog oder digital, online oder offline, sowie von den verwendeten Systemen (Fernsehen, Computer, Telefon, digitales Pad). Die Hersteller von Hardware und Inhalten und deren Verbände beteiligen sich im Allgemeinen an der gemeinsamen Forschung, und sei es auch zur Verteidigung ihres Geschäfts. Insbesondere in Anwendung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste haben die Radio- und Fernseh- und Multiplattform-Anstalten des öffentlichen Rechts direkt und über die Europäische Union der Radio- und Fernsehaktivitäten schon seit vielen Jahren den Austausch von bewährten Verfahren und Instrumenten für das Monitoring der Programme für Minderjährige vorangetrieben, und trotzdem ist auch dort, wo die redaktionelle Verantwortung klar ist, z. B. bei Fernsehsendungen, das Angebot an hochwertigen Programmen für diese Altersgruppe oft begrenzt.

Die EU und die Mitgliedstaaten haben Normen geschaffen und zur Selbstkontrolle ermutigt, was notwendig war, wenn man bedenkt, wie viele gesellschaftliche Aspekte von diesem Phänomen berührt werden, die nicht ausschließlich unter juristischen Gesichtspunkten angegangen werden können. Auf diese Weise sind mit Kofinanzierung der EU wirksame Instrumente entstanden, v. a. das Safer Internet Programme, das in allen Ländern der Union fest verwurzelt ist, und das bis 2013 eine Koordinierung sicherstellen soll, die im Zwischenbericht positiv bewertet worden ist.

Im Berichtsentwurf werden im Bereich des Schutzes von Minderjährigen im digitalen Zeitalter drei Elemente hervorgehoben:

- der Zugang zu den Medien und den neuen Medien und die entsprechende Erziehung,

- der Schutz, wobei zwischen dem Kampf gegen gesetzwidrige Inhalte und dem Kampf gegen ungeeignete Inhalte und Verhaltensweisen, dem Schutz der Privatsphäre und dem Rechtsanspruch auf Gegendarstellung zu unterscheiden ist,

- die digitale Staatsbürgerschaft.

Zu Beginn wird ein Rechts- und Governance-Rahmen vorgeschlagen, der der Fragmentierung gesetzgeberischer Maßnahmen und Angaben zum Schutz von Minderjährigen in der digitalen Welt ein Ende setzt, wie sie heutzutage im Bereich der Menschenrechte, der Privatsphäre, der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs, der audiovisuellen Mediendienste und des E-Commerce anzutreffen sind. Artikel 24 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union wünscht, dass die Politik für Kinder holistisch sein soll: Benötigt wird deshalb eine orientierende Rahmenrichtlinie, die die gesamte Materie zusammenfasst und regelt, und eine Governance auf mehreren Ebenen, die die Harmonisierung der Ansätze in den Mitgliedstaaten beschleunigt und zu einer stärkeren Koordinierung dieser Ansätze untereinander und mit der EU ermutigt.

In dem Bewusstsein der kulturellen und rechtlichen Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten, die eine Grenzziehung zwischen zu sanktionierenden und „grauen“ Inhalten problematisch machen, schlagen wir eine Unterscheidung zwischen den gesetzwidrigen Inhalten, wie dem Grooming (das im Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch als strafbare Handlung anerkannt ist, welches aber noch nicht von allen Mitgliedstaaten angenommen und ratifiziert wurde), der Kinderpornografie, der Verletzung der Privatsphäre, dem Online-Glücksspiel und dem kommerziellen Betrug, und den Verhaltensweisen, die ernsthafte Folgen nach sich ziehen können, wie dem Cyber-Mobbing und dem Sexting sowie den für das Alter ungeeigneten Inhalten, wie der unangebrachten Werbung, der Gewalt, dem Geschlechtsverkehr u. a., die Angst und Beklemmung verursachen, vor.

Darüber hinaus werden einige Problemstellungen des derzeitigen Rahmens betrachtet:

Die Fortführung des Safer Internet Programme ist sicherzustellen, und auf jeden Fall muss gewährleistet werden, dass die Kontrolle des Schutzes von Minderjährigen vor Cyberstraftaten von den Ordnungskräften übernommen wird, und zwar in immer wirksamerer und kooperativerer Form auf europäischer Ebene. Maßnahmen gegen die Online-Kriminalität zum Schaden von Minderjährigen, wie sie von einigen Mitgliedstaaten mit Erfolg entwickelt worden sind, und die Informationsaustausch-Maßnahmen mit ISP und ESP durchführen, sind zu ermutigen.

Selbstkontrolle hat sich als gangbarer Weg erwiesen, aber sie ist an Grenzen gestoßen, die im Fall von Interessenskonflikten korrigiert werden müssen.

Es ist notwendig, dass sich die Mitgliedstaaten um den Schutz von Minderjährigen in der digitalen Welt auch dadurch bemühen, dass sie jede Form von Beherrschung ihrer Gesetzmäßigkeiten fördern, da diese Beherrschung für eine vollständige und aktive Staatsbürgerschaft unentbehrlich ist, um den Unionsbürgern die Möglichkeit zu bieten, die kulturelle und wirtschaftliche Dimension aller Medientypen, die mit der digitalen Technologie verbunden sind, zu erfassen, und um zur Verwirklichung der Ziele von Lissabon beizutragen, indem die Entstehung einer wissensbasierten Wirtschaft gefördert und die Wettbewerbsfähigkeit stimuliert wird.


MINDERHEITENANSICHT

gemäß Artikel 52 Absatz 3 der Geschäftsordnung

ALDE Minderheitenansicht

Marietje Schaake, Hannu Takkula, Morten Løkkegaard, Nadja Hirsch

Wir sind der Ansicht, dass der Schutz der Kinder und die Bekämpfung der Kriminalität durch Rechtsdurchsetzung erreicht werden sollten. Der Bericht konzentriert sich jedoch in erster Linie auf Regierungskampagnen und die Ausweitung der Durchsetzung auf ISP und andere selbstregulierende Mechanismen, wodurch falsche Prioritäten gesetzt werden und eine Privatisierung von Verantwortlichkeiten, die in den Händen der Länder liegen, herbeigeführt werden könnte, während die Rolle der Eltern in der Erziehung ihrer Kinder geschmälert wird.

Die in dem Bericht enthaltenen Maßnahmen zeigen zudem eine ungerechtfertigte Ausrichtung auf die erkannten Gefahren des Internets, welche die Bildungs- und Innovationsmöglichkeiten einschränkt. Wir ziehen stattdessen eine Stärkung der Belastbarkeit und Unabhängigkeit der Jugendlichen vor. Die Anstrengungen sollten dahin gehen, die Kinder und Jugendlichen mit der Unterstützung ihrer Eltern und Lehrer zu erziehen, Verantwortung für ihre Handlungen im Internet zu übernehmen und elektronische Kompetenzen zu entwickeln.

Wir erkennen an, dass Fortschritte in der IKT Sozialkapital schaffen können, das die Ausübung von Grundrechten wie freie Meinungsäußerung und Zugriff auf Informationen erleichtert. Unserer Auffassung nach stellt die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen an der heutigen digitalen Gesellschaft einen wichtigen Aspekt ihrer Entwicklung dar.

Wir erkennen zwar die Notwendigkeit einer wirksamen Rechtsdurchsetzung an, insbesondere die Notwendigkeit, schweren Verbrechen wie Kinderpornografie ein Ende zu setzen, bedauern jedoch, dass der einschränkende Charakter der vorgeschlagenen Maßnahmen uns davon abhält, sie zu unterstützen.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (25.7.2012)

an den Ausschuss für Kultur und Bildung

zum Kinderschutz in der digitalen Welt

(2012/2068(INI))

Berichterstatterin: Anna Hedh

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres fordert den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung auf, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag aufzunehmen:

1.  weist darauf hin, dass mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon zusammen mit der von nun an rechtsverbindlichen Charta der Grundrechte der Europäischen Union, in deren Artikel 24 der Schutz der Kinder als ein Grundrecht festgeschrieben und festgelegt ist, dass bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher oder privater Einrichtungen das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein muss, eine neue Phase für den Schutz der Rechte des Kindes im Rahmen der EU begonnen hat; unterstreicht die Notwendigkeit für die EU, die Standards dieser internationalen Instrumente, bei denen die EU als solche nicht Vertragspartei ist, in vollem Umfang anzuerkennen, wie vom Europäischen Gerichtshof in der Rechtssache C-540/03, Europäisches Parlament gegen Rat der Europäischen Union, gefordert;

2.  fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die Richtlinie 2011/92/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2011 zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie zügig und fristgerecht umzusetzen; fordert die Mitgliedstaaten auf, die maximale Harmonisierung ihrer Anstrengungen im Bereich des Schutzes von Minderjährigen in der digitalen Welt sicherzustellen;

3.  wiederholt erneut seinen Aufruf an die Mitgliedstaaten, die internationalen Instrumente zum Schutz der Kinder zu unterzeichnen und zu ratifizieren, sofern dies noch nicht geschehen ist, so zum Beispiel das Übereinkommen des Europarats zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch, das Dritte Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes und die Europäische Konvention über die Ausübung der Rechte des Kindes, und diese Instrumente mit der erforderlichen, von der EU-Rechtsordnung geforderten Rechtssicherheit und -klarheit umzusetzen; betont die Notwendigkeit, die Kinderrechte ausnahmslos in alle Politikbereiche der EU einzubeziehen, indem die Auswirkungen der Maßnahmen zu den Rechten, der Sicherheit und der körperlichen und geistigen Unversehrtheit von Kindern analysiert werden, und dass dies klar formulierte Vorschläge der Kommission bezüglich der digitalen Welt beinhalten muss; betont, dass eine digitale Kultur, digitale Kompetenzen und eine sichere Nutzung des Internets weiterhin eine Priorität der europäischen Sozialpolitik sein müssen;

4.  weist darauf hin, dass das Internet Kindern und Jugendlichen ungemein wertvolle Hilfsmittel bietet, die eingesetzt werden können, um ihre Standpunkte zu äußern und zu vertreten, auf Informationen und Lernstoffe zuzugreifen und ihre Rechte einzufordern, und auch ein vorzügliches Hilfsmittel der Verständigung ist, das Möglichkeiten für die Öffnung gegenüber der Welt und die persönliche Entfaltung bietet; betont allerdings, dass die Online-Umgebung und die Foren sozialer Medien erhebliche potenzielle Risiken für die Privatsphäre und Würde von Kindern, die zwar im Allgemeinen sehr gewandt bei der Nutzung des Internets sind, aber auch zu den am stärksten gefährdeten Nutzern gehören, bedeuten; erinnert daran, dass Kinder durch das Internet auch Risiken ausgesetzt werden, zum Beispiel durch Phänomene wie Kinderpornografie, den Austausch von Material über Gewalt, Cyberkriminalität, Einschüchterung, Schikanierung (Bullying), Annäherungsversuche (Grooming), die Möglichkeit des Zugriffs auf oder des Erwerbs von gesetzlich eingeschränkten oder nicht altersgemäßen Waren und Dienstleistungen, die Konfrontation mit nicht altersgerechter, aggressiver oder irreführender Werbung, Scams, Identitätsdiebstahl, Betrug und ähnlichen Risiken finanzieller Art, die traumatische Erfahrungen erzeugen können;

5.  betont, dass nur eine umfassende Kombination aus juristischen, technischen und pädagogischen Maßnahmen, einschließlich Prävention, eine angemessene Bewältigung der Gefahren, mit denen Kinder im Internet konfrontiert sind, und eine Verbesserung des Schutzes von Kindern in der Online-Umgebung bieten kann; fordert in diesem Rahmen die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, zur Schaffung des Bewusstseins und Verringerung der Gefahr, dass Kinder Opfer des Internet werden, geeignete Maßnahmen, wie Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen, Forschungs- und Bildungsprogramme, auch über das Internet und gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit einschlägigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Familien, Schulen, audiovisuellen Diensten, der Branche und anderen Beteiligten zu ergreifen;

6.  unterstützt in diesem Zusammenhang die Anstrengungen der Mitgliedstaaten zur Förderung einer systematischen Fortbildung und Schulung für Kinder, Eltern, Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter, mit dem Ziel, sie zu befähigen, die digitale Welt zu verstehen und solche Gefahren zu identifizieren, die die körperliche oder geistige Unversehrtheit von Kindern gefährden könnten, die mit den digitalen Medien verbundenen Risiken einzudämmen und Informationen zu Meldestellen und zum Umgang mit jugendlichen Opfern der genannten Phänomene bereitzustellen; stellt gleichzeitig fest, dass den Kindern bewusst werden muss, dass ihre eigene Nutzung der digitalen Technologie sich als Beeinträchtigung der Rechte Anderer auswirken oder sogar kriminelles Verhalten darstellen kann;

7.  hebt die Herausforderungen hervor, mit denen das Strafgesetz hinsichtlich seiner Funktionsweise in der Online-Umgebung in Bezug auf die Prinzipien der Rechtssicherheit und Gesetzmäßigkeit, die Unschuldsvermutung, die Rechte des Opfers und die Rechte des Verdächtigen konfrontiert ist; weist in diesem Zusammenhang auf die in der Vergangenheit entstandenen Herausforderungen bezüglich der Bereitstellung einer klaren Definition hin, wie in den Fällen von Online-Grooming und Kinderpornografie, die adäquater mit dem Begriff „Material über sexuellen Kindesmissbrauch“ bezeichnet werden sollte;

8.  betont, dass dem Online-Vertrieb schädlicher Substanzen, wie Alkohol, der für junge Menschen zugänglich ist, besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte; weist darauf hin, dass aufgrund des Charakters und des Ausmaßes des Online-Vertriebs, der beispielsweise über soziale Netzwerke erfolgt, der Online-Vertrieb von Alkohol für die einzelnen Mitgliedstaaten nur schwer zu überwachen ist, weshalb ein Tätigwerden der Kommission in dieser Hinsicht einen zusätzlichen Nutzen erbringen würde;

9.  fordert die Kommission deshalb im Rahmen ihrer Berichtspflicht zur Umsetzung der Richtlinie 2011/92/EU auf, genaue und klare Daten zur Straftat Online-Grooming zu sammeln, dies umfasst auch die präzise Angabe der nationalen Regelungen, mit denen dieses Verhalten unter Strafe gestellt wird; fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, zu dieser Straftat Daten bezüglich der Anzahl durchgeführter Strafverfahren, der Anzahl der Verurteilungen sowie wichtiger nationaler Rechtsprechungen zu sammeln und sich über bewährte Verfahren hinsichtlich der Strafverfolgung und Ahndung dieser Straftat auszutauschen; fordert die Kommission auch auf, die Ausarbeitung und Veröffentlichung statistischer Informationen erheblich zu verbessern, um eine bessere Entwicklung und Überwachung der politischen Maßnahmen zu ermöglichen;

10. erkennt in diesem Zusammenhang das hohe Maß der bestehenden Zusammenarbeit von Polizei und Justizbehörden der Mitgliedstaaten, sowie von ihnen mit Europol und Eurojust an, was Straftaten gegen Kinder betrifft, die mit Hilfe der digitalen Medien durchgeführt werden – ein Beispiel dafür ist die Operation „Icarus“, in deren Rahmen 2011 ein Schlag gegen Internet-Tauschbörsen für Kinderpornografie geführt wurde; betont jedoch, dass, angesichts der vorhandenen Hindernisse für umfassende Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen, in Verbindung mit einer weiteren Harmonisierung des Strafgesetzes und der Strafverfahren der Mitgliedstaaten einschließlich der Verfahrensrechte und Datenschutzrechte der Verdächtigten und der Achtung der auf der EU-Charta basierenden Grundrechte weitere Verbesserungen erreicht werden könnten; betont jedoch, dass Vorschläge für ein materielles Strafrecht der EU die Grundsätze der Subsidiarität und Verhältnismäßigkeit sowie die dem Strafrecht zugrundeliegenden allgemeinen Grundsätze uneingeschränkt achten müssen und klar nachgewiesen werden muss, dass sie einen praktischen Mehrwert durch einen gemeinsamen EU-Ansatz bei der Bekämpfung schwerwiegender Straftaten von grenzüberschreitender Dimension erbringen, wie in der Entschließung des Parlaments vom 22. Mai 2012 zum EU-Ansatz zum Strafrecht gefordert(1);

11. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, keine Bemühungen zu scheuen, um die Zusammenarbeit mit den Drittstaaten hinsichtlich der unverzüglichen Löschung von Webseiten, die von ihrem Hoheitsgebiet aus betrieben werden und illegale Inhalte oder Handlungen verbreiten, sowie den Kampf gegen Computerkriminalität zu verstärken; stellt in diesem Zusammenhang fest, dass der grenzübergreifende Austausch von Fachkenntnissen und bewährten Verfahrensweisen und Ideen zwischen Regierungen, Vollstreckungsbehörden, auf Computerkriminalität spezialisierten Polizeieinheiten, Meldestellen, Kinderschutzorganisationen und der Internet-Branche gefördert werden sollte;

12. ruft in diesem Zusammenhang zur vollständigen Annahme der Maßnahmen auf, die im „Fahrplan zur Stärkung der Verfahrensrechte von Verdächtigen und Beschuldigten in Strafverfahren“ des Rates von 2009 aufgezeigt sind, sowie zu einem einheitlichen Ansatz für die Zulässigkeit und Beurteilung, um Hindernisse für die Weitergabe von Beweismitteln, die in einem anderen Mitgliedstaat gesammelt wurden, zu beseitigen;

13. unterstützt die Einführung und Stärkung von Hotline-Systemen für die Meldung von Straftaten, illegalen Inhalten und rechtswidrigem Verhalten, wobei unter anderem die Erfahrungen mit der europäischen Hotline für vermisste Kinder sowie mit den einzelstaatlichen Schnellwarnsystemen und dem European Child Alert Automated System zu berücksichtigen sind; betont jedoch, dass jegliches sofortige Strafverfahren, das auf der Grundlage von Meldungen durchgeführt wird, ein Gleichgewicht finden muss zwischen einerseits den Rechten der potenziellen Opfer und der positiven Verpflichtung gemäß den Artikeln 2 und 8 EMRK des reagierenden Mitgliedstaates, wie bereits in der Rechtsprechung des EGMR hervorgehoben wurde, und andererseits den Rechten des Verdächtigen; ruft die Mitgliedstaaten und die Kommission in diesem Zusammenhang auf, einen Austausch über bewährte Verfahren hinsichtlich der Untersuchung und der Verfolgung von Straftaten gegen Kinder in der digitalen Welt vorzunehmen; erinnert daran, dass Artikel 8 des Vorschlags der Kommission für eine Datenschutz-Grundverordnung (KOM(2012)0011) konkrete Schutzbestimmungen für die Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern enthält, wie die obligatorische Zustimmung der Eltern zur Verarbeitung der Daten von Kindern unter 13 Jahren;

14. unterstreicht die Rolle des Privatsektors und der Branche neben anderen Beteiligten hinsichtlich ihrer Verantwortung in Bezug auf Aspekte wie an Minderjährige gerichtete aggressive und irreführende Fernseh- und Internetwerbung, einer Kennzeichnung „kindersicher“ für Websites und der Förderung einer „Netiquette“ für Kinder; betont, dass solche Maßnahmen in vollem Umfang mit den rechtsstaatlichen Prinzipien und mit der Rechtssicherheit vereinbar sein, die Rechte der Endnutzer berücksichtigen und im Einklang mit den bestehenden Rechts- und Justizverfahren sowie mit der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten, der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und der Rechtsprechung des EuGH und des EGMR stehen sollten; fordert die Branche auf, die bestehenden Verhaltenskodizes und ähnliche Initiativen wie die Zusage der EU und die Erklärung von Barcelona des Konsumgüter-Forums zu achten und vollständig umzusetzen;

15. unterstreicht erneut die Bedeutung des Datenschutzes für Kinder, insbesondere in Hinblick auf die rasche Zunahme der Medien für soziale Vernetzung und Chatrooms, angesichts der steigenden Zahl und Zugänglichkeit von personenbezogenen Daten durch digitale Medien; begrüßt die neu vorgeschlagene Datenschutzverordnung (KOM(2012)0011) und ihre Sonderbestimmungen zur Zustimmung von Kindern und zum Recht auf Vergessenwerden, unter Hinweis darauf, dass der andauernde Verbleib von Informationen und Daten, die sich auf Minderjährige beziehen, im Internet zum Schaden ihrer Würde und gesellschaftlichen Eingliederung missbraucht werden kann; betont, dass diese Bestimmungen klarer definiert und in einer Weise weiterentwickelt werden müssen, damit gewährleistet ist, dass sie klar und voll funktionsfähig sind, sobald die neuen Rechtsvorschriften verabschiedet werden, und die Internetfreiheit nicht einschränken.

16. ist in diesem Zusammenhang der Ansicht, dass die Eigentümer und Administratoren von Webseiten ihre Politik in punkto Datenschutz klar und sichtbar zu erkennen geben sollten und ein System der obligatorischen Zustimmung der Eltern zur Verarbeitung der Daten von Kindern unter 13 Jahren vorsehen sollten; fordert außerdem stärkere Bemühungen, um datenschutzfreundliche Grundeinstellungen („privacy by default“) soweit wie möglich zu verstärken, um einer sekundären Viktimisierung von Kindern vorzubeugen;

17. begrüßt die Ankündigung der Kommission, ein Europäisches Zentrum zur Bekämpfung der Computerkriminalität einzurichten, um gegen Internetkriminalität vorzugehen, und vertritt die Auffassung, dass der Schutz von Kindern im Rahmen der Tätigkeiten und Aufgaben dieses Zentrums einen Schwerpunkt bilden sollte.

ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

10.7.2012

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

56

0

2

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Jan Philipp Albrecht, Roberta Angelilli, Edit Bauer, Mario Borghezio, Rita Borsellino, Emine Bozkurt, Arkadiusz Tomasz Bratkowski, Simon Busuttil, Philip Claeys, Carlos Coelho, Ioan Enciu, Frank Engel, Cornelia Ernst, Monika Flašíková Beňová, Hélène Flautre, Kinga Gál, Kinga Göncz, Nathalie Griesbeck, Sylvie Guillaume, Anna Hedh, Salvatore Iacolino, Sophia in ‘t Veld, Lívia Járóka, Timothy Kirkhope, Juan Fernando López Aguilar, Baroness Sarah Ludford, Monica Luisa Macovei, Svetoslav Hristov Malinov, Véronique Mathieu, Anthea McIntyre, Anthea McIntyre, Louis Michel, Claude Moraes, Georgios Papanikolaou, Carmen Romero López, Rui Tavares, Nils Torvalds, Kyriacos Triantaphyllides, Wim van de Camp, Axel Voss, Josef Weidenholzer, Cecilia Wikström, Tatjana Ždanoka, Auke Zijlstra

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Elena Oana Antonescu, Anna Maria Corazza Bildt, Leonidas Donskis, Dimitrios Droutsas, Mariya Gabriel, Monika Hohlmeier, Ádám Kósa, Marek Henryk Migalski, Raül Romeva i Rueda, Kārlis Šadurskis, Michèle Striffler

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 187 Abs. 2)

Zita Gurmai, Nadja Hirsch, Elisabeth Jeggle, Petra Kammerevert

(1)

1 Angenommene Texte, P7_TA-PROV(2012)0208.


ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

9.10.2012

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

20

3

5

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Zoltán Bagó, Malika Benarab-Attou, Lothar Bisky, Piotr Borys, Jean-Marie Cavada, Silvia Costa, Santiago Fisas Ayxela, Lorenzo Fontana, Mary Honeyball, Cătălin Sorin Ivan, Petra Kammerevert, Morten Løkkegaard, Emilio Menéndez del Valle, Marek Henryk Migalski, Doris Pack, Chrysoula Paliadeli, Marie-Thérèse Sanchez-Schmid, Marietje Schaake, Marco Scurria, Hannu Takkula, Helga Trüpel, Sabine Verheyen

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter

Nadja Hirsch, Seán Kelly, Iosif Matula, Mitro Repo

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 187 Abs. 2)

Emer Costello, Jacky Hénin

Letzte Aktualisierung: 8. November 2012Rechtlicher Hinweis