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Prinz Charles fordert breite Allianz für Klimaschutz

Umwelt - 16-02-2008 - 11:40
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Prinz Charles am Donnerstag im Europaparlament

Prinz Charles am Donnerstag im Europaparlament

Prinz Charles hat Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu einer umfassenden Partnerschaft zum Klimaschutz und dem Erhalt der Tropenwälder aufgefordert. Im Hinblick auf die EU-Klimaschutzpolitik sagte der britische Thronfolger am Donnerstag im Europaparlament, die Verantwortung jedes einzelnen EU-Abgeordneten sei enorm: „Die Leben von Milliarden von Menschen hängen von Ihrer Antwort ab und unsere Kinder und Enkel werden keinem von uns verzeihen, sollten wir zögern und versagen“.

In seiner Begrüßung rief Hans-Gert Pöttering, der Präsident des Europaparlaments, in Erinnerung, dass sich die Europa-Abgeordneten in Kürze mit „wichtigen Vorschlägen zur Verminderung der Treibhausgasemissionen und zur Förderung erneuerbarer Energiequellen“ befassen werden und das entsprechende Gesetzespaket möglichst noch vor den Europawahlen im Juni 2009 verabschieden wolle.
 
Pöttering erwähnte, dass Prinz Charles „einer der ersten internationalen Meinungsführer“ gewesen sei, „der die Aufmerksamkeit der Welt auf die Bedrohung durch die Erderwärmung gelenkt hat“.
 
Prinz Charles betonte in seiner Rede, dass der Klimawandel kein Zukunftsszenario mehr sei, sondern sich bereits vollziehe und die Auswirkungen sich schneller zeigten als vorhergesagt. Vor wenigen Monaten „haben wir erfahren, dass die Nordpolarkappen so schnell abschmelzen, dass manche Wissenschaftler vorhersagen, dass sie schon in sieben Jahren im Sommer vollkommen verschwinden“.
 
Er erinnerte daran, dass der Weltklimarat prognostiziert habe, dass aufgrund des Klimawandels „bis zu zwei Milliarden Menschen weltweit von Wasserknappheit“ und „bis zu 30 Prozent der Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht“ seien, selbst wenn es gelingen sollte den Temperaturanstieg bei +1,5 bis +2,5 Grad zu stabilisieren.
 
Wälder sind das Thermostat der Erde
 
Als besonders drängende Herausforderung bezeichnete der Prinz von Wales die Zerstörung der tropischen Regenwälder, die als „natürliches Thermostat unser Klima regulieren“. „Jedes Jahr werden 20 Millionen Hektar“ Regenwald zerstört, eine Fläche von der Größe Großbritanniens. Den damit verbundenen Artenverlust verglich er mit dem Niederbrennen einer „Bibliothek gefüllt mit wertvollstem Wissen, ohne dass man vorher die Bücher gelesen hat“.
 
„Wir müssen einen Weg finden, um für [den Erhalt] dieses lebensnotwendige System, von dem wir abhängen, zu zahlen und zwar schnell. Wir müssen einen Weg finden, damit die Wälder lebendig mehr wert sind als tot,“ so der Prinz weiter. Er hoffe, dass es gelingt auch den Kapitalmarkt für Klima- und Regenwaldschutz zu mobilisieren. Er setzt dabei insbesondere auf Versicherungen und Pensionsfonds, aber auch private Kreditinstitute.
 
Prinz Charles fordert: „Größte Partnerschaft aller Zeiten“
 
Angesichts der immensen Gefahr und der ebenso enormen Anstrengungen, die notwendig seien, um die Regenwälder zu retten und der Klimaveränderung zu begegnen, sei eine Partnerschaft von Firmen, Regierungen und Nichtregierungsorganisationen in einer bisher nicht da gewesenen Dimension notwendig.
 
„Der Klimawandel ist eine derartige Herausforderung, dass er Anstrengungen aller Nationen, jeder Person verlangt, um Lösungen zu finden und sie umzusetzen bevor es zu spät ist“. „Wir müssen mutig und revolutionär sein. Wenn wir es nicht sind, wird das Ergebnis katastrophal für uns alle sein" so der britische Thron-Anwärter weiter.
 
Prinz Charles betonte, dass er Hoffnung aus der Tatsache schöpfe, dass viele führende Persönlichkeiten in Industrie und Wirtschaft die Notwendigkeit zu handeln sähen und in mancher Hinsicht schon weiter seien als die Politik.
 
Kurz vor dem Klimagipfel von Bali hätten sich 170 internationale Unternehmen für einen rechtlich verbindlichen Rahmen mit dem Ziel einer Halbierung des Treibhausgasausstoßes bis 2050 ausgesprochen. „Wofür sie eintreten, geht weit über das hinaus, was in Bali vereinbart worden ist“, unterstrich Prinz Charles.
 
EU-Abgeordnete erfreut über Unterstützung
 
Die Abgeordneten reagierten auf die rund halbstündige Rede mit Standing Ovations. Gegenüber der Europarl-Redaktion sagte der dänische Vizevorsitzende des Umweltausschusses Dan Jørgensen (SPE), die „sehr gute Rede" habe „sehr stark mit dem übereingestimmt, was die EU und das Europarlament in Sachen Klimawandel beschlossen haben. Wir müssen uns ambitionierte Ziele setzen und sowohl den öffentlichen als auch den privaten Sektor involvieren. Er hat dies sehr elegant formuliert und wir können uns über solche Unterstützung nur freuen.“
 
Der britische Parlamentsvizepräsident Edward McMillan-Scott (Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED) nannte den Besuch des „zukünftigen Königs von England“ und seine Rede über „Dinge, die er über Jahre en Detail studiert hat“, „sehr bemerkenswert“. Die Rolle von Prinz Charles als Meinungsführer zu diesem Thema sei von herausragender Bedeutung, so McMillan-Scott.
 
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Links: Lesen Sie die Rede von Prinz Charles oder hören Sie sich die Tonaufnahme im Original an!
 
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