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Parlamentarische Anfragen
8. November 2011
E-010193/2011
Anfrage zur schriftlichen Beantwortung
an die Kommission
Artikel 117 der Geschäftsordnung
Ádám Kósa (PPE) und Jens Geier (S&D)

 Betrifft: Neunzig Prozent der gehörlosen Kinder haben hörende Eltern, die Frage ist jedoch, wie gut sie mit ihnen kommunizieren können
 Antwort(en) 

Das von der EU im Januar 2011 ratifizierte Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen enthält Verweise auf die Rechte von Menschen, die Gebärdensprachen verwenden, sowie auf die offizielle Anerkennung von Gebärdensprachen (Artikel 21 Buchstabe e, 24 Absatz 3 Buchstabe b und 30 Absatz 4). 1988 und 1998 hat das Parlament zwei Entschließungen zu Zeichensprachen angenommen, in denen die Mitgliedstaaten und die Kommission unter anderem dazu aufgefordert wurden, die Verwendung von Zeichensprachen zu fördern. Darüber hinaus hat es sich die EU zur Aufgabe gemacht, bis 2020 innerhalb der EU eine Beschäftigungsrate von 75 % zu erreichen und dieses Ziel kann ohne die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen, darunter eine Million gehörlose Menschen, von denen der Großteil aufgrund fehlender angemessener Ausbildung in Gebärdensprache schlecht bezahlten Beschäftigungen nachgeht, nicht verwirklicht werden.

Erfreulicherweise sind Gebärdensprachen in einigen Mitgliedstaaten als eigenständige Sprachen anerkannt worden und es sind Dienste für diejenigen, die die Gebärdensprachen verwenden, eingerichtet worden.

Fachlichen Studien zufolge wird die Verwendung von Gebärdensprache in Schulen stärker berücksichtigt, wenn die Eltern mehr mit einbezogen werden. Darauf sollte man unbedingt setzen und es muss damit begonnen werden, das Vorhandensein eines Umfelds, in dem Gebärdensprache verwendet wird, in Schulen und andernorts anzuerkennen. Noch wichtiger ist es, dass Eltern in der Lage sind, besser mit ihren eigenen Kindern zu kommunizieren, damit die gehörlosen Kinder, die in Familien hineingeboren werden, in denen die anderen Familienmitglieder nicht unter Einschränkungen des Hörvermögens leiden, besser akzeptiert werden und ihr Wohlbefinden gesteigert wird.

Experten sind darüber hinaus auch der Auffassung, dass gehörlose Schüler, denen eine gebärdensprachengestützte Ausbildung zuteilwird, wesentlich bessere Chancen im Leben allgemein haben, einschließlich im Hinblick auf Hochschulbildung und den Zugang zum Arbeitsmarkt. Wie auch schon im unlängst vom Parlament angenommenen Initiativbericht von Ádám Kósa über Mobilität und Integration von Menschen mit Behinderungen angesprochen, bedarf es weiterer Anstrengungen, um die Familien über die Bedürfnisse und Fähigkeiten ihrer behinderten oder gehörlosen Kinder aufzuklären (siehe Erwägung L und Artikel 9, 60, 80 und 105 der auf dem Bericht beruhenden Entschließung). Bei der gebärdensprachengestützten Ausbildung sollte außerdem sichergestellt werden, dass die Eltern die Möglichkeit haben, Gebärdensprache/-n ihrer Kinder wegen zu erlernen.

Welche Maßnahmen gedenkt die Kommission zu ergreifen, um die Gebärdensprache bei (hörenden) Eltern gehörloser oder schwerhöriger (SEN) Kinder zu fördern? Auf welche Weise gedenkt sie sicherzustellen, dass Eltern von SEN-Kindern geeignete und zuverlässige Informationen über die Vorteile von Gebärdensprachen erhalten? Welche Maßnahmen gedenkt sie zu ergreifen, um sicherzustellen, dass Eltern von SEN-Kindern nicht davon abgehalten werden, die Gebärdensprache zu erlernen?

Wie gedenkt die Kommission, Mitgliedstaaten, Familien und die Gehörlosengemeinschaft bei der Förderung der Gebärdensprachen in Familien mit gehörlosen oder schwerhörigen Kindern mit einzubeziehen?

Wendet die Kommission bei der Einbeziehung von Familien mit erfolgreichen gehörlosen Kindern und von Gehörlosenverbänden bewährte Verfahren aus bestimmten Mitgliedstaaten an, die möglicherweise zur EU‑weiten Anwendung geeignet sind?

Originalsprache der Anfrage: ENABl. C 168 E vom 14/06/2012
Letzte Aktualisierung: 11. November 2011Rechtlicher Hinweis