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Organspenden über Grenzen hinweg sollen einfacher werden

Gesundheitswesen - 22-03-2010 - 17:34
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Ein Chirurg entnimmt eine Leber aus der gekühlten Salzlösung in der sich ein Spenderorgan rund 8 Stunden aufbewahren lässt. ©BELGA_SCIENCE

Ein Chirurg entnimmt eine Leber aus der gekühlten Salzlösung in der sich ein Spenderorgan rund 8 Stunden aufbewahren lässt. ©BELGA_SCIENCE

EU-weit warten rund 60.000 Menschen auf eine Organspende, jeden Tag sterben im Schnitt 12 von ihnen, weil das benötigte Organ nicht verfügbar ist. Einheitlichere Vorschriften für Transplantationen und bessere Zusammenarbeit innerhalb der EU sowie die Überbrückung von Engpässen sollen die Situation verbessern und die Überlebenschancen der Patienten verbessern.

Bisher gibt es in Europa zwei Verbundsystem, in deren Rahmen grenzüberschreitend Transplantate bereitgestellt werden können. Deutschland, Österreich, die Beneluxstaaten sowie Kroatien und Slowenien arbeiten im Rahmen von Eurotransplant zusammen, die skandinavischen Staaten kooperieren im Scandiatransplant-Verbund zusammen.
 
Im Gebiet von Eurotransplant werden immerhin 20% der transplantierten Organe außerhalb des Ursprungslandes eingesetzt, aber nur 2% aller dort gespendeten Organe verlassen die Verbundstaaten.
 
Aktionsplan und Richtlinie stehen zur Entscheidung an
 
Der für die Gesundheitspolitik zuständige Umweltausschuss des Europaparlament hat sich in den letzten Wochen ausführlich mit grenzüberschreitenden Organspenden auseinandergesetzt.
 
Ein Aktionsplan und eine Richtlinie stehen im Europaparlament zur Debatte. Dabei ist u.a. auch zutage getreten, dass die Bereitschaft Organe zu spenden, in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich ausgeprägt ist:  In Spanien kommen fast 35 Organspenden auf 1 Millionen Menschen, in Rumänien sind es gerade mal 0,5 Spenden pro Millionen Einwohner.
 
Positiv ist, dass 81% aller Europäer Organspender-Ausweise befürworten. Aber nur 12% besitzen tatsächlich auch einen solchen.
 
Für den slowakischen Europa-Abgeordneten Mirolsav Mikolášik (Europäische Volkspartei) geht es deshalb vor allem darum, mehr Organe für mehr Patienten zu haben” und dafür die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten zu verstärken und alle Staaten in die grenzüberschreitenden Zusammenarbeit einzubeziehen.
 
Spenderpässe sollten automatisch angeboten werden
 
Der Umweltausschuss schlägt in seiner vom spanischen Abgeordneten Andres Perello Rodriguez (Sozialisten & Demokraten) abgefassten Stellungnahme zum Aktionsplan der EU außerdem vor, dass die EU-Staaten den Spenderpass systematischer anbieten sollten. Dies könnte beispielsweise bei der Ausgabe von Führerscheinen oder Reisepässen geschehne.
 
„Wir versuchen zu gewährleisten, dass Personen, die eine Organspende zum Überleben benötigen, weiterleben können“, so Perello Rodriguez.
 
Die vorgeschlagenen EU-Richtlinie, mit der sich das Plenum auf der Grundlage des Berichts von Mirolsav Mikolášik beschäftigen wird, soll harmonisierte Qualitätsstandards für Organtransplantationen schaffen, Vorschriften und Verfahren angleichen, um eine effiziente Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten zu ermöglichen.
 
Die EU-Staaten sollen dazu außerdem Behörden bestimmen, die für die Transplantationen und die internationalen Zusammenarbeit bzw. den Organaustausch zuständig sind. Die beiden Berichte kommen Mitte Mai ins Plenum.
 
REF: 20100312STO70510