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"Managergehälter sollten sich stärker am langfristigen Erfolg orientieren"

Wirtschaft und Währung - 02-06-2010 - 18:17
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Die Vergütung von Manager in der Finanzwirtschaft führt zu überhöhter Risikobereitschaft, glauben viele Europa-Abgeordnete  ©BELGA_imagebroker_Harry Hart

Ein Bank-Mitarbeiter mit Laptop©BELGA_imagebroker_Harry Hart

Die Vergütungssysteme für Bank-Manager haben ursächlich zur Finanzkrise beigetragen. Das übermäßige Risiko, das viele Banken und Investmentfonds eingegangen sind, rühre nicht zuletzt von der persönlichen Motivation der Manger her, möglichst schnell reich zu werden – so jedenfalls die Überzeugung des belgischen EU-Abgeordneten Saïd El Khadraoui. Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des Parlaments erörtert derzeit Möglichkeiten, die Managervergütung strikter zu regeln.

Parlamentsberichterstatter Saïd El Khadraoui (Sozialisten & Demokraten) meint, dass das Parlament sehr deutlich Stellung beziehen sollte, da zu hohe Boni und Gehälter zu gefährlichem Verhalten führen können. Im Bericht heißt es, führende Bankmanager seien exzessive Risiken eingegangen, weil kurzfristige Gewinne sich schnell auch persönlich auf ihren Bankkonten widerspiegelten.
 
Um dem Abhilfe zu schaffen, wird im Bericht u.a. vorgeschlagen, dass alle Finanzinstitute und börsennotierte Unternehmen einen Vergütungsausschuss haben sollten, der die Vergütung der Manager unabhängig überwacht bzw. festlegt.
 
Außerdem sollten Aktionäre Zugang zu allen Informationen und Mitspracherecht über Managergehälter haben, und variable Zuschläge zum Grundgehalt sollten nicht mehr als 50 % der Gesamtvergütung der Manger ausmachen.
 
„Exzessive Risiken für exzessive Profite“
 
Die britische Europa-Abgeordnete Arlene McCarthy (Sozialisten & Demokraten) betonte während der Diskussion im Wirtschaftsausschuss am 1. Juni, das exzessive Risiken eingegangen seien, um exzessive Profite zu machen. Aus einer Studie des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht zitierend, fügte sie hinzu, dass die Banken über genug Eigenkapital verfügen würden, wenn sie nicht so große Summen für Boni ausgezahlt hätten.
 
Auch der polnische Abgeordnete Sławomir Witold Nitras (Europäische Volkspartei) sprach sich dafür aus, die Vergütung der Manager stärker am langfristigen Unternehmensinteresse und am langfristigen Unternehmenserfolg auszurichten.
 
Warnung vor Aktionismus
 
Der FDP-Europaabgeordnete Wolf Klinz (Liberale und Demokraten) warnte davor, nur aufgrund des öffentlichen Drucks hin in die Vergütungssystem einzugreifen.  Auch greife man zu kurz, wenn man nur die Gehälter der Vorstandsmitglieder ins Blickfeld nehmen, denn viele Investment-Broker verdienten mehr als das Management von Finanzinstituten. Er fügte hinzu, dass es schwierig sei zu erklären, "warum ein Banker im Jahr eine Million verdient, während ein Arzt nur 80 000 € bekommt.“
 
Vicky Ford von den britischen Konservativen warnte davor, kleine Firmen etwa durch die vorgeschriebenen Vergütungsausschüsse übermäßig bürokratisch zu belasten.
 
Der finnische Liberale Carl Haglund mahnte, dass jegliche EU-Gesetzgebung auf diesem Gebiet international – etwa im Rahmen der G20 – abgestimmt werden müsse.
 
Über den nicht-gesetzgberischen Bericht wird am 22. Juni im Wirtschaftsauschuss und im Juli im Plenum abgestimmt.
 
REF: 20100528STO75183