Artikel
 

Exzessive Bankerboni im Augenmerk der Europa-Abgeordneten

Wirtschaft und Währung - 23-07-2010 - 10:38
Empfehlen
Die Europa-Abgeordnete Arlene McCarthy

Bonuszahlungen an Bankmanager haben zur Entstehung der Krise beigetragen, indem sie risikoreiche Geschäfte mit viel Geld belohnen: Das wurde vom Europa-Parlament in der Juli-Plenartagung bestätigt. Die Abgeordneten treten deshalb dafür ein, Managergehälter und Bonuszahlungen stärker zu regulieren.

In der Juli-Plenartagung beschäftigten sich die Abgeordneten mit dem System der Bonuszahlungen: Manager des Finanzsektors bekommen einen großen Teil ihres Einkommens nicht als reguläres Gehalt, sondern in Form von Boni.
 
„Vor der Krise haben die Banken Boni gezahlt, die vom potentiellen Gewinn der Geschäfte abhingen. Je höher das Risiko, desto höher war die Bonuszahlung“, erklärt die britische Europa-Abgeordnete Arlene Mc Carthy, deren Vorschläge zu Bankerboni am 7. Juli vom EU-Parlament angenommen wurden.
 
„Die Krise hat gezeigt, dass in vielen Fällen diese Geschäfte den Banken verheerende Verluste eingebracht hatten, doch zu diesem Zeitpunkt hatten die Bankmanager bereits ihre Bonuszahlungen erhalten. Indem man gleichzeitig im Voraus zu zahlende Boni streng begrenzt und die Zahlungen verschiebt, um sie eventuell zurückhalten zu können, stellt man sicher, dass sich Leistungsanreize mit der Stabilität und dem längerfristigen Erfolg einer Bank vereinbaren lassen.“ führt Mc Carthy aus.
 

Citation

Mit dem bisherigen System von Bonuszahlungen an Bankern weiterzumachen wäre obszön
Die Europa-Abgeordnete Arlene Mc Carthy
 
Neue Regeln für Bonuszahlungen
 
Die neuen Regelungen werden weitgehend als die strengsten der Welt gesehen. Falls die europäischen Regierungen den Vorschlägen des Parlaments zustimmen, werden Banker nur ein Maximum von 30% der Bonus-Zahlungen bar und im Voraus bekommen, bei besonders großen Boni sogar bis zu 20 %.
 
Zwischen 40 % und 60 % jeder Bonuszahlung müssten mindestens 3 Jahre lang zurückgestellt werden - wenn sich Investitionen nicht erwartungsgemäß entwickeln, könnten sie wieder eingezogen werden. Darüber hinaus müsste zumindest die Hälfte der gesamten Bonuszahlung als „bedingtes Kapital“ (Fonds, auf die die Bank im Falle von finanziellen Schwierigkeiten als erstes zurückgreift) oder Aktien ausbezahlt werden.
 
„Es wäre die erste wichtige EU-Gesetzgebung in Folge der Finanzkrise. Wir haben strenge Regeln vorgeschlagen mit dem Ziel, das System der Bonuszahlungen zu ändern - in einer Zeit, in der Regierungen den Steuerzahlern Sparmaßnahmen auferlegt (oder sogar, wie bei Beamten, ihre Gehälter kürzt), wäre es obszön, mit dem bisherigen System von Bonuszahlungen an Bankern weiterzumachen“, meint Mc Carthy.
 
REF: 20100709STO78534