Hintergrund-Dossier
 

LUX-Preis 2010

Kultur - 12-11-2010 - 11:23
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Lux Prize 2010

Lux Prize 2010

Am 24. November hat das Europäische Parlament in Straßburg den diesjährigen LUX-Filmpreis vergeben. In die engere Auswahl der Finalisten sind drei Filme vorgerückt: "Akadimia Platonos", "Die Fremde" und "Illégal". Der Preis ging letztendlich an die in Wien geborene Feo Aladag für ihren Film "Die Fremde".

Der LUX-Filmpreis (im Lateinischen bedeutet lux Licht) wurde 2007 eingeführt. Als "greifbares" Symbol soll er das Bekenntnis des Europäischen Parlaments zur europäischen Filmindustrie und ihrer Kreativität widerspiegeln. Jeder einzelne Filmbeitrag bietet, unabhängig von den darin dargestellten persönlichen, historischen oder sozialen Themen, einen Einblick auf die Europäer und ihr Leben, ihre Überzeugungen, ihre Zweifel und ihre Suche nach Identität.
 
Gewinner der letzten Jahre waren die Filme Auf der anderen Seite (2007), Le silence de Lorna (2008) und Welcome (2009). Der Filmpreis LUX finanziert deshalb die Untertitelung in alle 23 Amtssprachen der EU und die Überarbeitung des Films in eine Fassung für hör- und sehbehinderte Menschen. Zudem wird für jedes Mitgliedsland der EU eine 35mm-Kopie erstellt beziehungsweise die Verbreitung auf DVD gefördert.
 
 
REF: 20101025FCS89975

Zehn Filme für den LUX-Filmpreis 2010 des Europäischen Parlaments nominiert

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Das Europäische Parlament engagiert sich für Kultur

Das Europäische Parlament engagiert sich für Kultur

Mit "Die Fremde" und "Lourdes" gehen ein deutscher bzw. österreichischer Film in das Rennen um den LUX-Filmpreis 2010. Das Europäische Parlament hat heute die Vorauswahl für die zehn Filme getroffen, die nun im Wettbewerb um den diesjährigen LUX-Filmpreis stehen. Der Filmpreis des Europäischen Parlaments wird im Rahmen des Europäischen Filmfestival Brüssel verliehen. Nominiert wurden auch Filme aus Belgien, Frankreich, Dänemark, Griechenland, Großbritannien Ungarn, Italien, Litauen und Rumänien.
 
Die nominierten Produktionen stehen alle für die kreative Spitzenleistung des Europäischen Kinos, die das Europäische Parlament mit Freude unterstützt.
Die nachfolgenden zehn Filme wurden für den LUX-Filmpreis des Europäischen Parlaments 2010 nominiert:
 
  • Akadimia Platonos (Platons Akademie) von Filippos Tsitos, Griechenland, Deutschland
  • Bibliothèque Pascal (Bibliothek Pascal) von Szabolcs Hajdu, Ungarn, Deutschland, Großbritannien, Rumänien
  • Die Fremde von Feo Aladag, Deutschland
  • Illégal (Illegal) von Olivier Masset-Depasse, Belgien
  • Indigène d’Eurasie (Östliche Strömung) von Sharunas Bartas, Litauen, Frankreich, Großbritannien
  • Io sono l'amore (Ich bin Liebe) von Luca Guadagnino, Italien
  • La bocca del lupo (Das Maul des Wolfes) von Pietro Marcello, Italien
  • Lourdes von Jessica Hausner, Österreich, Frankreich, Deutschland
  • Medalia de onoare (Ehrenmedaille) von Calin Peter Netzer, Deutschland, Rumänien
  • R von Tobias Lindholm und Michael Noer, Dänemark
 
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen dem LUX-Filmpreis und der "Venedig-Tage"-Sektion der Internationalen Filmfestspiele Venedig werden mindestens drei Favoriten um den LUX-Filmpreis auf der Pressekonferenz der "Venedig-Tage" am 27. Juli 2010 bekannt gegeben. Die Wettbewerbsbeiträge werden das erste Mal in Venedig vorgeführt. Im Anschluss daran werden sie vom 26. Oktober bis zum 19. November im Europäischen Parlament in Brüssel zu sehen sein. Die Europaabgeordneten werden dann den Gewinnerfilm wählen. Die Preisverleihung unter dem Vorsitz von Parlamentspräsident Jerzy Buzek wird am 24. November in Straßburg stattfinden.
 
Mit dem LUX-Filmpreis bekennt sich das Europäische Parlament zum europäischen Kino
 
Der LUX-Filmpreis (im Lateinischen bedeutet lux Licht) wurde 2007 eingeführt. Als "greifbares" Symbol soll er das Bekenntnis des Europäischen Parlaments zur europäischen Filmindustrie und ihrer Kreativität widerspiegeln. Jeder einzelne Filmbeitrag bietet, unabhängig von den darin dargestellten persönlichen, historischen oder sozialen Themen, einen Einblick auf die Europäer und ihr Leben, ihre Überzeugungen, ihre Zweifel und ihre Suche nach Identität.
 
Gewinner der letzten Jahre waren die Filme Auf der anderen Seite (2007), Le silence de Lorna (2008) und Welcome (2009). Der Filmpreis LUX finanziert deshalb die Untertitelung in alle 23 Amtssprachen der EU und die Überarbeitung des Films in eine Fassung für hör- und sehbehinderte Menschen. Zudem wird für jedes Mitgliedsland der EU eine 35mm-Kopie erstellt beziehungsweise die Verbreitung auf DVD gefördert
 
Teilnahmekriterien und Auswahlverfahren
 
Um an der offiziellen Auswahl des LUX-Filmpreises 2010 teilzunehmen, müssen die Filme folgende Kriterien erfüllen: Science Fiction, Animationsfilme oder kreative Dokumentationen, Mindestlaufspielzeit von 60 Minuten, Veranschaulichung oder Hinterfragung der Gründungswerte der europäischen Identität, die kulturelle Vielfalt Europas oder das Zusammenwachsen Europas im Hinblick auf den europäischen Integrationsprozess; Produktionen oder Ko-Produktionen, die für die Teilnahme am MEDIA Programme (Europäische Union, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) geeignet sind; Uraufführung in den Kinos zwischen 1. Juni 2009 und 31. Mai 2010.
 
Ein Gremium entscheidet jedes Jahr über die offizielle Auswahl für den LUX-Filmpreis. Dieses setzt sich zusammen aus Produzenten, Vertriebspartnern, Ausstellern, Leitern von Festivals oder Filmkritikern. Ein Drittel des Auswahlgremiums wird jährlich neu eingesetzt, deren Mitglieder vom Ausschuss für Kultur und Bildung des Europäischen Parlaments ernannt werden. Zur Jury gehört auch der ehemalige Gewinner des LUX-Filmpreises. Als Beobachter sind die Europäische Kommission (MEDIA) und der Europarat (EURIMAGES) vertreten.
 

Weitere Informationen :

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Interview: Wim Wenders

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Wim Wenders

Wim Wenders

Der legendäre Filmemacher Wim Wenders was am Mittwoch im Europäischen Parlament, um der Vorstellung der Finalisten für den diesjährigen Filmpreis LUX beizuwohnen. Wenders fordert, dass Filmkunst zu einem festen Bestandteil der Lehrpläne europäischer Schulen werden soll, so dass Kinder und Jugendliche nicht Opfer des "Fast-Food" Syndroms werden. Wir haben ihn gefragt, wie er die unterschiede zwischen dem Kino in Europa und Amerika sieht.
 
Gibt es das europäische Kino, oder haben wir in Europa mehrere?
 
Zum Glück ist das europäische Kino nicht ein einziges, sondern es besteht aus vielen Stimmen und diese Stimmen haben etwas gemeinsam, was wir stolz europäisches Kino nennen.
 
Viele Leute haben über die Jahre hinweg gefragt, ob es denn existiert, oder ob es sich um die Summe aller nationalen Kinos handelt. Es ist mehr als die Summe. Die Summe an sich ist ja schon ganz viel, aber das europäische Kino ist viel mehr mit seiner eigenen Stimme, seinen eigenen Regeln und seiner eigenen Geschichte. Und einer eigenen Sprache ... von der Hollywood mit der Zeit viel gelernt hat.
 
Wie kann man nationale Filme aus einem Land in einem anderen Land bekannt machen?
 
Es gibt da draußen einen unglaublichen Reichtum an Filmen, und wir sehen wie wenig sie auf Reise gehen. Jedes Jahr wird es weniger. Und das hängt nicht damit zusammen, dass etwa die Leute die Filme nicht mögen würden. Wenn Sie einmal den Leuten diese Filme zeigen, dann sind sie begeistert, überwältigt, aber sie kommen nicht dazu sie zu sehen.
 
das Publikum ist da, nur die Möglichkeiten diese Filme zu sehen sind beschränkt.
 
Der LUX Filmpreis des Europäischen Parlaments ist eine von vielen guten Initiativen. Wenn sie in die einzelnen Länder schauen, dann sehen sie viele Programme, viele Aktivitäten und viele verschieden Ideen.
 
Ist die Sprache ein Hindernis?
 
Sprache ist immer ein Problem. Ich hasse es von Sprache als Problem zu sprechen, denn ich sehe es als großes Privileg an, dass wir Filme in verschiedenen Sprachen machen können. Sprache ist sowohl der Reichtum, als auch das Handicap des europäischen Kinos. Aber wir müssen es als Handicap ansehen, dass wir überwinden müssen, und als ein Handicap, dass so viel wert ist, dass es schließlich mehr wert ist als das Problem.
 
Wie kann man das Wissen über Filmkunst und Filmschulen fördern?
 
Wir verpassen die Chance Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass es da eine ganz andere Sprache gibt, die sie lernen können um nicht zu Opfern von Fastfood zu werden.
 
Wenn Kinder mit einer Sorte Essen beginnen und sie mögen sie, dann bleiben sie auch bei ihr. Wir müssen ihnen beibringen, dass es da draußen auch andere Essenssorten gibt. Wir drängen sie zu nichts, sie können ja später gehen und sich jeden Film, den sie wollen, anschauen. Wir sind die Letzten, die irgendwelche Quoten einführen wollen. Alles ist da draußen und sie werden es ja schließlich selber sehen. Aber es wäre schade, wenn sie komplett den Appetit verlieren würden und lernen würden dass es da Filme über ihre Nachbarn gibt, dass es da ein anderes Kino gibt, dass sehr verschieden ist und auf eine andere Art und Weise viel mehr Spaß macht.
 
Kinder sind mehr als alles andere mit der audiovisuellen Sprache konfrontiert, und es ist die einzige, für die sie vollkommen unvorbereitet sind. Es ist ja nicht nur Kino, es sind ja auch Spiele, das Fernsehen, das Internet und es ist eine Sprache, die erlernt werden kann.
 
Skandinavien ist dabei in einer Führungsrolle, Dänemark ist weit voraus. Und es zeigt, wie erfolgreich es sein kann. Der Anteil am Publikum für europäische Filme in Skandinavien ist viel größer als irgendwo anders, weil sie eben begonnen haben, Kindern beizubringen, dass es da draußen was gibt.
 
Was ist der Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Filmen?
 
Europäische Filme haben die Tradition, sehr spezifisch zu sein, sie finden nur sehr wenige europäische Filme die irgendwo oder nirgendwo stattfinden. Sie spielen an konkreten Schauplätzen, haben eine bestimmte Sprache und sind an einem bestimmten Ort gebunden. Viele amerikanische Filme spielen an einem beliebigen Ort und sprechen ein Publikum an, dem es egal ist wo die Handlung spielt. Und ich denke es ist gut für Kinder zu lernen, das Filme sehr konkret sein können und über echte Dinge handeln und nicht nur an Phantasieorten spielen.  
 
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LUX-Preis Finalisten in Venedig

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Filmfestspiele in Venedig: 10. und 11. September 2010

Filmfestspiele in Venedig: 10. und 11. September 2010

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen dem LUX-Filmpreis und der "Venedig-Tage"-Sektion der Internationalen Filmfestspiele Venedig wurden drei Favoriten für den LUX-Filmpreis auf der Pressekonferenz der "Venedig-Tage" am 27. Juli 2010 bekannt gegeben.
 
Die nominierten Filme wurden danach am 10. und 11. September im Beisein einer Gruppe von Jugendlichen, die sich qualifiziert haben, in Venedig uraufgeführt.
 
Im Anschluss daran werden sie vom 26. Oktober bis zum 19. November im Europäischen Parlament in Brüssel zu sehen sein. Die Europaabgeordneten werden dann den Gewinnerfilm wählen. Die Preisverleihung unter dem Vorsitz von Parlamentspräsident Jerzy Buzek wird am 24. November in Straßburg stattfinden.
 
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LUX-Preis Finalisten

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Am 26. Oktober begann die Vorführung der drei Finalisten des LUX-Preises. Die Europaabgeordneten haben die Möglichkeit, die Filme anzusehen und zu bewerten. Der siegreiche Film bekommt als Hauptpreis eine Untertitelung in 23 Amtssprachen der EU.
 
Der Gewinner wird am Mittwoch, den 24. November bekannt gegeben.  
 
Alle drei Filme wurden bereits auf die eine oder andere Weise ausgezeichnet. Zwei der drei Filme wurden von ihrem Ursprungsland für die Oscar-Auszeichnung vorgeschlagen. 
 
Akadimia Platonos - "Kleine Wunder in Athen" , Film von Filippos Tsitos
 
"Kleine Wunder in Athen" oder Akadimia Platonos (griechisch Ακαδημία Πλάτωνος) ist der Titel eines 2009 in Deutschland und Griechenland gedrehten Films von Filippos Tsitos. Der ursprünglich vorgesehene Titel lautete: De tha ginis ellinas pote, Alvane... (griechisch Δεν θα γίνεις Ελληνας ποτέ, Αλβανέ... , „Du wirst nie ein Grieche sein, Albaner...“). Der Film wurde als Koproduktion von ZDF und ARTE in griechischer und albanischer Sprache gedreht. Er wird in deutschen Kinos seit 14. Juli 2010 aufgeführt.
 
Handlung: Der Film spielt an einer ruhigen Kreuzung im Athener Stadtviertel Akadimia Platonos. Wie viele zentrumsnahe Viertel, ist dieses durch sehr kleinteilige Appartmenthäuser der Nachkriegszeit geprägt, die nach Wegzug der alten Bewohner hauptsächlich von Ausländern bewohnt werden und verfallen. Die verbliebenen zumeist armen Einwohner fühlen sich als Verlierer der Gesellschaft.
 
er Ladenbesitzer Stavros verbringt die Tage, indem er mit seinen Freunden untätig vor seinem heruntergekommenen Laden im Athener Stadtviertel Akadimia Platonos herumsitzt. Als albanische Bauarbeiter im Auftrag der Stadt beginnen, ein Denkmal für „interkulturelle Solidarität“ zu errichten, stößt das auf den Widerstand der fremdenfeindlichen Freunde. Auch die Chinesen, die gegenüber von Stavros’ Laden mit beängstigendem Fleiß ein Geschäft für italienische Designermode aufmachen und immer zahlreicher zu werden scheinen, machen den Griechen Angst. Diese lästern über die Albaner und die Chinesen und haben ihren Spaß an dem Hund „Patriot“, den einer von ihnen dazu abgerichtet hat, alle Albaner anzubellen.
 
Stavros’ halb demente Mutter glaubt in dem Albaner Marengelen ihren verlorenen Sohn zu erkennen. Dass seine Mutter plötzlich fließend albanisch spricht, irritiert Stavros ebenso sehr wie der nun auch ihn verbellende Patriot. Die Frage, wie viel Albaner in ihm selbst steckt, bringt sein Leben aus dem Gleichgewicht und auch die Weltsicht seiner Freunde ins Wanken.
 
Die Fremde, Film von Feo Aladağ
 
Die Fremde ist ein für das Kino produzierter Spielfilm von Feo Aladağ mit Sibel Kekilli in der Titelrolle. Der Film feierte am 13. Februar 2010 seine Welturaufführung im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin und wurde dann international ausgezeichnet. Der Film behandelt auf höchst dramatische und subtile Weise den Kampf einer jungen deutsch-türkischen Mutter um ihre Selbstbestimmung in zwei Wertesystemen.
 
Handlung: Die in Berlin geborene fünfundzwanzigjährige Umay verlässt ihren Mann in Istanbul, um mit ihrem kleinen Sohn Cem wieder ein gewaltfreies Leben in Deutschland zu führen. Auf die Unterstützung der dort lebenden Familie hoffend, muss sie jedoch bald erkennen, dass diese zwischen tradierten Konventionen und Ehrvorstellungen und der Liebe zu ihr hin und her gerissen ist. Als sie durch Zufall den Plan des älteren Bruders Mehmet mitbekommt, Cem allein nach Istanbul zu schicken, flieht Umay daraufhin in ein Frauenhaus. So schafft sich Umay unabhängig von der Familie ein eigenständiges Leben für sich und ihr Kind. Sie versucht nebenbei ihren Schulabschluss nachzuholen und arbeitet als Küchenhilfe. Dort verliebt sie sich in ihren Kollegen Stipe. Dass sie dabei nicht in der Lage ist, sich von der Familie ganz zu lösen, führt letztlich zum missglückten Ehrenmord, bei dem Cem ums Leben kommt.
 
Illegal, Film von Olivier Masset-Depasse
 
Illégal ist eine französisch-belgisch-luxemburgische Co-Produktion vom in Belgien geborenen Regisseur Olivier Masset-Depasse. Der Film kam am 13. Oktober in die französischen Kinos.
 
Handlung: Tanja (39) und ihr Sohn Iwan (14) sind illegale Einwanderer in Belgien, wo sie bereits sein etwa zehn Jahren leben. Trotz der Weigerung der Behörden ihnen Asyl zu gewähren schafft sie es eine Arbeit zu finden und ihre Sohn in die Schule zu schicken. Nach einer Polizeikontrolle wird sie festgenommen und in ein Auffanglager gesteckt. Tanja will alles tun, um ihren Sohn zu schützen, der bei einer Freundin untergekommen ist  und ihn vor Ausweisung zu bewahren. Eine Geschichte einer Mutter, die gegen den Staat angeht.
 
 
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Ich habe ganz wenig geschlafen - Gespräch mit Feo Aladag.

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Die in Wien geborene Filmemacherin Feo Aladag

Die in Wien geborene Filmemacherin Feo Aladag

Feo Aladag (geboren in Wien, 1972) startete ihre Karriere als Schauspielerin und studierte unter anderem auch Psychologie und Publizistik. Im Jahr 2000 erhielt sie ihren Doktorrat. Der Film "Fremde" ist ihr Debüt als Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin. Feo Aladag ist die erste Frau die sich für die Auszeichnung "LUX Prize" bewirbt. Ihr Film ist auch für den Oscar in der Kategorie "Best Foreign Language Film" nominiert.
 
Bitte beschreiben Sie Ihren Film in ein paar Worten.
Realistisch, emotional, tiefgründig
 
Wieso haben Sie sich entschieden diesen Film zu drehen?
Ich arbeitete für Amnesty International, für ein Projekt "Gewalt gegen Frauen". Ich fing an über Ehren-Morde zu lesen und wollte verstehen was sich in solchen Familien abspielt und welche Gefühle stärker sein können, als die Liebe zu deinem eigenen Kind.
 
Eine gute Erfahrung und eine schlechte Erfahrung während der Realisierung des Films?
Schlechte Seiten sind zu wenig Schlaf während der letzten sieben Jahre. Gute Seiten sind, dass ich meinen Film, den ich so lange verwirklichen wollte, auf dem großen Bildschirm sehen konnte und auch ganz viele tolle Leute kennen lernen durfte.
 
Welche Reaktionen haben Sie bis jetzt zur Kenntnis genommen?
Sehr emotionell. Die Leute fangen an sich zu öffnen, erzählen Geschichten über ihre Familien und diskutieren über ihre schwierigen Beziehungen die wir in dem Film aufzeigen.
 
Welchen Film in der Kino-Geschichte hätten Sie gerne produziert?
Da gibt es so viele!
 
Wenn Sie nicht Regisseurin wären, was würden Sie gerne machen?
Wenn ich kein Regisseurin wäre dann würde ich das machen, was ich vorher schon machte: Schauspielerin sein und ganz einfach schreiben. Oder vielleicht wäre ich Journalistin.
 
Welche Bedeutung hat der LUX Preis für Sie?
Erstens, ist es eine sehr große Ehre gemeinsam mit zwei anderen Filmen nominiert zu sein. Diese Nominierung bedeutet auch, dass dieser Film ebenfalls auf einer anderen, einer politischen Ebene, reflektiert wird.

Die Fremde

  • Deutsche Produktion, 2009, 119 Minuten
  • In den Titelrollen: Sibel Kekilli (Umay), Settar Tanriöðen (Kader).
Was ist Ihr nächstes Projekt?
Ich habe ein Projekt für welches ich bereits Kapital erhalten habe, aber ich will nicht viel dazu sagen. Ich glaube, dass dieses Projekt etwas Besonderes ist.
 

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Interview mit Feo Aladag nach der Preisverleihung

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Feo Aladag bekam den Lux Preis 2010 für ihren Film "Die Fremde"

Feo Aladag bekam den Lux Preis 2010 für ihren Film "Die Fremde"

Der Film handelt von Ehrenmorden. Warum denken Sie ist es wichtig über dieses Thema in Europa zu reden?
 
Erstens, schauen Sie sich die Zahlen an: 5000 Fälle von Frauen, die aktenkundig geworden sind, die UNO schätzt, dass sich die Zahlen eher im Bereich 10,000 bis zu 100,000 bewegen. Wir reden hier über sehr hohe Zahlen und das ohne abgehackte Nasen oder Ohren. Ganz klare Morde.
 
Die tiefste und wichtigste Ebene ist für mich die allgemeine menschliche Frage, wie Liebe in der Familie zu solchen pathologischen Zuständen führen kann. Es handelt sich manchmal einfach um die Wahl eines falschen Berufs, eines falschen Partners oder eine Eheschließung mit dem falschen Typen. Es kommt zum Entzug von Liebe und Loyalität. Es hat damit zu tun, sich zu akzeptieren, wie man ist, seine Kinder mit der Zeit leben zu lassen und mit ihnen zu wachsen.
 
Wie komme es dazu, dass Tradition über die Liebe siegt?
 
Das ist es eben, was so schwer zu begreifen ist! Wenn man als Mann sein Selbstwertgefühl und seine Werte aus der sexuellen Unschuld seiner Töchter, Frauen und Schwestern bezieht, was passiert dann psychologisch, wenn man die Notwendigkeit verspürt diese sexuelle Unschuld zu erhalten? Man fürchtet, dass etwas passieren kann, wenn es nicht erhalten bleibt. Und Angst schürt immer Aggression.
 
 
Haben Sie denn Mitgefühl für den Vater, der im Film bereit ist die Tötung seines eigenen Kindes anzuordnen?
 
Na ja, es macht für mich einfach keinen Sinn. Wie jemand Kinder auf die Welt bringen kann - Mütter, Väter - oder Brüder und Schwestern und nichts dabei verspürt wenn er ein Familienmitglied, oder einen anderen Menschen, töten oder verstümmeln soll.
 
Natürlich habe ich ein Gefühl für sie, denn sie sind ja Menschen, die in einem furchtbaren Konflikt zerrissen sind. Unfähig Strukturen zu überwinden. nicht fähig ihre Liebe über die Kräfte zu stellen, die sie dazu führen so zu handeln. Und das ist sehr, sehr tragisch. Daher wollte ich eine Geschichte erzählen, bei der man mit allen Beteiligten mitfühlen kann. Denn es hilft nicht diese Leute zu verteufeln und sie als Monster darzustellen. So können wir nicht mit diesen Dingen umgehen.
 
Ist es das was Sie wollen, dass die Zuschauer aus ihrem Film lernen?
 
Ja, das Mitgefühl, die Anteilnahme. Wenn wir und mit jemandem identifizieren können, dann fällt es und leichter sie so zu akzeptieren, wie sie sind, mit ihnen zu arbeiten und Interesse an ihnen zu haben. Man muss ein Interesse schaffen um zu fragen: Gut, was ist denn hier eigentlich los? Was läuft falsch? Was können wir als Gesellschaft tun? Was für Mittel brauchen wir? Was ist das globale Problem? Wo ist die feministische Herausforderung? Was können wir tun? Wie würde ich reagieren, wenn in meinem Mikrokosmos meiner Familie und Freunde etwas passieren würde, wie reagiere ich wenn ich mich nicht so verhalte wie es von mir erwartet wird?
 
Haben Sie keine Angst, dass der Film als politisches Instrument verwendet werden könnte? Sehen Sie eine mögliche Gefahr?
 
Ich bin mit dem Film in der ganzen Welt herumgereist und ich habe den sehr starken Eindruck, dass der universelle Sinn überall verstanden wird. Menschen von den beiden extremen Seiten, rechts und links, werden immer Filme und Musik zu ihrem eigenem Guten instrumentalisieren. Genauso wie andere Menschen Religionen instrumentalisieren. Man kann eigentlich nicht wirklich was dagegen tun. Aber es war sehr wichtig für mich das zu kommunizieren und ganz einfach meinen Standpunkt darzulegen.
 

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