Europäisches Parlament

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Verfahren : 2006/2552(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B6-0232/2006

Eingereichte Texte :

B6-0232/2006

Aussprachen :

PV 05/04/2006 - 15
CRE 05/04/2006 - 15

Abstimmungen :

PV 06/04/2006 - 6.10

Angenommene Texte :

P6_TA(2006)0139

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 94kDOC 39k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B6-0228/2006
29. März 2006
PE 371.672v01-00
 
B6‑0232/2006
eingereicht im Anschluss an Erklärungen des Rates und der Kommission
gemäß Artikel 103 Absatz 2 der Geschäftsordnung
von Marie-Hélène Aubert, Margrete Auken, Frithjof Schmidt und Carl Schlyter
im Namen der Verts/ALE-Fraktion
zum Weltgesundheitstag

Entschließung des Europäischen Parlaments zum Weltgesundheitstag 
B6‑0232/2006

Das Europäische Parlament,

–  unter Hinweis auf den Weltgesundheitstag am 7. April 2006, der den Fachkräften im Gesundheitswesen gewidmet sein wird,

–  unter Hinweis auf das Jahrzehnt der Fachkräfte im Gesundheitswesen (2006-2015), das am Weltgesundheitstag beginnen wird,

–  in Kenntnis der am 12. Dezember 2005 angenommenen Mitteilung der Kommission über die EU-Strategie über Maßnahmen zur Bekämpfung des akuten Fachkräftemangels im Gesundheitswesen der Entwicklungsländer,

–  in Kenntnis der im Dezember 2005 von der Kommission, vom Rat und vom Parlament unterzeichneten Erklärung zur Entwicklungspolitik,

–  unter Hinweis auf den am 7. Dezember 2005 veröffentlichten Bericht der Weltbank über die Gesundheitsversorgung mit dem Titel „Reaching the Poor: What Works, What Doesn't and Why“,

–  in Kenntnis der im Juni 2001 auf der Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS) angenommenen Verpflichtungserklärung zu HIV/Aids und des bevorstehenden hochrangigen Treffens zu deren umfangreicher Überarbeitung im Juni 2006,

–  gestützt auf Artikel 103 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.  in der Erwägung, dass es in vielen Teilen der Entwicklungsländer einen gravierenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen gibt, wobei eine Migration sowohl aus ärmeren Regionen als auch innerhalb ärmerer Regionen stattfindet,

B.  in der Erwägung, dass die medizinische Versorgung in den Entwicklungsländern in hohem Maße unter der starken Betonung makroökonomischer Reformen wie beispielsweise Strukturanpassungsprogrammen gelitten hat, die drastische Haushaltskürzungen im Sozialbereich wie etwa im Gesundheitswesen nach sich gezogen haben,

C.  in der Erwägung, dass der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ein akutes Problem darstellt, das nicht nur die Entwicklungsländer betrifft, sondern auch für Europa und alle anderen Staaten der Welt ein Besorgnis erregender Zustand ist,

D.  in der Erwägung, dass sich dieser chronische Fachkräftemangel zu einem schwerwiegenden Problem entwickeln könnte, das insbesondere im Falle potenzieller Pandemien eine globale Gefahr in sich birgt,

E.  in der Erwägung, dass dieser chronische Mangel durch zu geringe Investitionen in den Gesundheitssektor und in die Ausbildung von wichtigen Fachkräften im Gesundheitswesen sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern hervorgerufen worden ist,

F.  in der Erwägung, dass die Milleniums-Entwicklungsziele die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheit der Mütter und die Bekämpfung von HIV/Aids und anderer Krankheiten beinhalten,

G.  in der Erwägung, dass HIV/Aids verheerende Konsequenzen für das Gesundheitswesen gehabt hat, insofern es zu drastischen Verlusten von Fachkräften durch Infektionen sowie zu einer allgemeinen Abnahme des medizinischen Personals gekommen ist,

1.  bekräftigt, dass der akute Personalmangel im Gesundheitswesen ein Problem von grundlegender Bedeutung ist, das mit der entsprechenden Dringlichkeit, insbesondere in den Entwicklungsländern, angegangen werden muss;

2.  in der Erwägung, dass dieser chronische Mangel durch zu geringe Investitionen in den Gesundheitssektor und in die Ausbildung von wichtigen Fachkräften im Gesundheitswesen sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern hervorgerufen worden ist;

3.  anerkennt, dass eine der Hauptursachen dieser problematischen Lage in den Entwicklungsländern die Migration von Fachkräften im Gesundheitswesen ist, die von reicheren Ländern (insbesondere in der EU und in den USA) angeworben werden, und fordert die EU auf, auf die Einführung eines globalen Verhaltenskodexes für die an ethischen Grundsätzen orientierte Rekrutierung zu drängen;

4.  erinnert daran, dass der Schuldendienst bis zu 40% des jährlichen BIP in den am wenigsten entwickelten Entwicklungsländern ausmacht, während die Haushaltsmittel für die Gesundheitsfürsorge nach wie vor erschreckend gering sind;

5.  fordert die Industrieländer auf, ihre Politik der aktiven Anwerbung von Fachkräften im Gesundheitswesen aus unter extrem unter Personalmangel leidenden Entwicklungsländern zu überdenken, da dies negative Auswirkungen auf diese Länder hat;

6.  fordert internationale Finanzorganisationen wie den IWF und die Weltbank auf, ihre Politik zu überdenken, die makroökonomische Reformen wie beispielsweise die Privatisierung des öffentlichen Sektors in den Entwicklungsländern, der im Gesundheitswesen eine Strukturkrise nach sich gezogen hat, in den Mittelpunkt stellt;

7.  fordert die Entwicklungsländer auf, ihre öffentlichen Systeme und Dienstleistungen der medizinischen Grundversorgung wiederherzustellen, und fordert die EU auf, diesen Prozess mittels einer Starthilfe für die Stärkung der personellen und institutionellen Ressourcen und Infrastrukturen zu unterstützen, einschließlich der Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals, der Bereitstellung der geeigneten medizinischen Ausrüstung und des Technologietransfers;

8.  drängt darauf, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um zu gewährleisten, dass die für die Gesundheitsfürsorge bereitgestellten Mittel die Ärmsten in den Entwicklungsländern erreichen; betont, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung in ländlichen und entlegenen Gebieten dringend notwendig ist;

9.  drängt die EU-Mitgliedstaaten, die globale Gesundheit und Medikamente zu einem strategischen Bereich zu erklären und entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um die Prioritäten in Forschung und Entwicklung zu betonen, um den Bedürfnissen von Patienten, insbesondere von solchen, die über geringe Mittel verfügen, gerecht zu werden;

10.  drängt die EU dazu sicherzustellen, dass die Fortschritte in der Grundlagenwissenschaft und der Biomedizin für eine verbesserte, sichere und erschwingliche Gesundheitsfürsorge nutzbar gemacht werden, einschließlich des Zugangs zu medizinischer Grundversorgung, damit sie allen Patienten zuteil wird, insbesondere den Menschen, die in Armut leben;

11.  fordert, dass in allen EU-Mitgliedstaaten eine effiziente Personalbedarfsplanung in Bezug auf die Fachkräfte im Gesundheitswesen durchgeführt wird, damit die Binnennachfrage gedeckt wird und die negativen Auswirkungen für ihre Nachbarn, die afrikanischen Staaten und andere betroffene Länder, minimiert werden;

12.  ist davon überzeugt, dass die EU zur Behebung des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen in verschiedenen Mitgliedstaaten in erster Linie die Zahl ihrer Fachkräfte aufrechterhalten und erhöhen muss, indem sie eine Reihe von Maßnahmen ergreift, wie etwa die Einführung besserer Arbeitsbedingungen;

13.  beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, den Regierungschefs der Mitgliedstaaten, den Regierungschefs aller Entwicklungsländer und der Weltgesundheitsorganisation zu übermitteln.

Letzte Aktualisierung: 31. März 2006Rechtlicher Hinweis