Es ist sehr viel Kritik bezüglich der Rolle der Ratingagenturen in der derzeitigen Krise laut geworden. Die Ratingagenturen haben das Kreditrisiko im Zusammenhang mit strukturierten Kreditprodukten unterschätzt und waren häufig nicht in der Lage, ihre Ratings rasch genug den sich verschlechternden Marktbedingungen anzupassen. Die Krise hat ernsthafte Zweifel am System der Ratingagenturen aufkommen lassen. Einige der damit verbundenen Fragen werden in der Verordnung (EG) Nr. 1060/2009(1) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. September 2009 über Ratingagenturen angegangen.
In der Verordnung werden zwar Aspekte der Überwachung, die Frage der Transparenz sowie die Frage der Interessenkonflikte behandelt, jedoch folgende wichtige Punkte außer Acht gelassen:
1. Die Bewertung staatlicher Schuldtitel. Hält es die Kommission für angemessen, dass Ratingagenturen einen derart starken Einfluss auf die Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten haben, ohne jedoch notwendigerweise transparent zu sein oder Verantwortung zu tragen? Wie beabsichtigt die Kommission, dieses Problem anzugehen? Wird die Kommission die Frage der fehlenden Haftung von Ratingagenturen in Bezug auf die von ihnen vorgenommenen Ratings angehen?
2. Die oligopolistische Struktur des Marktes für Ratingagenturen. Ist die Kommission nicht der Auffassung, dass es erforderlich ist, den Wettbewerb auf dem Markt für Ratingagenturen zu verstärken? Wie könnten die bestehenden europäischen Ratingagenturen gestärkt werden oder wie könnte die Entstehung neuer Agenturen gefördert werden?