Verfahren : 2006/2004(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0216/2006

Eingereichte Texte :

A6-0216/2006

Aussprachen :

PV 28/09/2006 - 4
CRE 28/09/2006 - 4

Abstimmungen :

PV 28/09/2006 - 7.11
CRE 28/09/2006 - 7.11
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2006)0392

BERICHT     
PDF 209kDOC 149k
22. Juni 2006
PE 369.838v02-00 A6-0216/2006

über Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005-2009

(2006/2004(INI))

Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie

Berichterstatter: Miloslav Ransdorf

ERRATA/ADDENDA
ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit
 STELLUNGNAHME des Rechtsausschusses
 VERFAHREN

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005-2009

(2006/2004(INI))

Das Europäische Parlament,

–   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament und den Wirtschafts- und Sozialausschuss „Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005-2009“ (KOM(2005)0243),

–   unter Hinweis auf den gemeinsamen Bericht der Royal Society und der Royal Academy of Engineering vom 29. Juli 2004 mit dem Titel „Nanoscience and Nanotechnologies: Opportunities and Uncertainties“,

–   in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Rates „Wettbewerbsfähigkeit“ vom 24. September 2004,

–   in Kenntnis der Stellungnahmen des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses(1),

–   gestützt auf Artikel 45 seiner Geschäftsordnung,

–   in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie und der Stellungnahmen des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Rechtsausschusses (A6-0216/2006),

A. in der Erwägung, dass die Kommission einen Aktionsplan für die sofortige Durchführung einer sicheren, integrierten und verantwortungsvollen Strategie für Nanowissenschaften und Nanotechnologien vorgelegt hat,

B.  in der Erwägung, dass Nanowissenschaften und Nanotechnologien als multidisziplinäre Bereiche das Potenzial besitzen, große Vorteile für die Gesellschaft durch die Entwicklung neuer Produkte, Werkstoffe, Anwendungen und Dienstleistungen zu erbringen, wodurch sich die Produktivität und die Lebensqualität in der EU insgesamt erhöhen,

C. in der Erwägung, dass der Rat die große Bedeutung der Nanotechnologien für zahlreiche Gebiete erkannt hat und betont, dass die Anstrengungen fortgesetzt werden müssen, um wissenschaftliche und technologische Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu gewinnen und die Nutzung dieses Wissens in industriellen Anwendungen zu fördern,

D. in der Erwägung, dass die Europäische Union nach Ansicht des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses mit Hilfe der Nanotechnologien dem Erreichen der vom Europäischen Rat in Lissabon festgelegten Ziele einen entscheidenden Schritt näher kommen kann,

1.  begrüßt den Aktionsplan der Kommission, in dem eine Reihe konkreter und miteinander verknüpfter Maßnahmen für die sofortige Umsetzung der Strategie für Nanowissenschaften und Nanotechnologien definiert sind, und zwar gestützt auf vorrangige Bereiche, die entsprechend den künftigen Bedürfnissen festgelegt sind;

2.  nimmt die wichtige Rolle zur Kenntnis, die Nanowissenschaften und Nanotechnologien als grundlegende Technologien dabei spielen können, das Erreichen der wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Ziele der EU zu fördern; stellt fest, dass die Nanotechnologien zur Deckung der Bedürfnisse der Bürger (Gesundheit der Bevölkerung, Energie, Transport, nachhaltige Entwicklung usw.) und zum Erreichen der Ziele der EU im Bereich Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung beitragen können;

3.  stellt fest, dass Technologieplattformen, beratende Sachverständigengruppen und Aktionspläne nützliche Instrumente sind, um gemeinsam vereinbarte Forschungspläne und Anwendungsstrategien im Bereich Nanotechnologie und Nanowissenschaft zu entwickeln und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen und das Wirtschaftswachstum zu stärken;

4.  unterstützt die in der Mitteilung der Kommission genannten Ziele und Initiativen; begrüßt die klare Ausrichtung der Mitteilung und des Aktionsplans;

5.  betont gleichzeitig die Notwendigkeit, öffentlich finanzierte Investitionen in FuE zu stärken; ist sich der Tatsache bewusst, dass die Zersplitterung der europäischen Forschungslandschaft die leichte Verfügbarkeit und den vergleichsweise geringen Aufwand für nanowissenschaftliche Forschung aufzeigt, dass aber für den Aufbau und den Unterhalt der erforderlichen großen Einrichtungen, bei denen beispielsweise Reinräume, lithografische Verfahren oder besonders aufwändige Analyseverfahren im Vordergrund stehen, die entsprechenden Mittel bereit stehen müssen; äußert in diesem Zusammenhang seine Besorgnis über die gegenwärtige Größenordnung öffentlicher Investitionen in die Nanowissenschaften und Nanotechnologien in Europa; empfiehlt, dass für die im Aktionsplan genannten ehrgeizigen Ziele auch die entsprechenden finanziellen Mittel bereitgestellt werden und unterstützt die Bereitschaft der Kommission, die Mittel für die Forschung auf diesem für die künftige Entwicklung Europas bedeutenden Gebiet beträchtlich zu erhöhen;

6.  ist der Ansicht, dass Europa ein kohärentes System international konkurrenzfähiger FuE-Infrastruktur braucht, damit die EU auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien wettbewerbsfähig bleibt; weist darauf hin, dass die Infrastruktur für FuE auf dem Gebiet der Nanowissenschaften, um mögliche Größenvorteile nutzen zu können und wegen ihres disziplinübergreifenden und komplexen Charakters, eine kritische Masse an Ressourcen erfordert, die die Möglichkeiten nationaler Regierungen und der Industrie übersteigen; erkennt auf der anderen Seite an, dass nationale FuE-Maßnahmen in kleinerem Maßstab in vielen Fällen möglicherweise besser geeignet sind, um auf sich verändernde Möglichkeiten und Marktentwicklungen angemessen zu reagieren; fordert deshalb die Kommission und die Mitgliedstaaten eindringlich auf, ihre FuE-Anstrengungen in diesem Bereich zu verstärken und zu koordinieren; empfiehlt in diesem Zusammenhang, in jedem Mitgliedstaat und auf der Grundlage der spezifischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern eine kritische Mindestmasse an Infrastrukturen und Wissenschaftlern zu schaffen, die auf Nanowissenschaften und Nanotechnologien spezialisiert sind, was letztlich zur Schaffung spezialisierter Hochleistungseinrichtungen in einigen Ländern führt, die auf Unionsebene koordiniert werden;

7.  verweist insbesondere auf die Nanomedizin als einen viel versprechenden interdisziplinären Bereich mit bahnbrechenden Technologien wie der molekularen Bildgebung und Diagnostik, die beeindruckende Vorteile für die Früherkennung bieten und eine intelligente und kosteneffiziente Behandlung von Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Alzheimer und Parkinson ermöglichen; fordert die Kommission und die zuständigen nationalen und regionalen Behörden eindringlich auf, ihre FuE-Investitionen in diesem Bereich zu erhöhen und ihre Anstrengungen mithilfe der im siebten Forschungsrahmenprogramm vorgeschlagenen Europäischen Technologieplattform für Nanomedizin und anderer Instrumente, einschließlich der im Rahmenprogramm vorgeschlagenen Initiative „Wissensorientierte Regionen“, aufeinander abzustimmen, um eine kritische Masse in diesem Bereich zu erreichen;

8.  betont, wie wichtig Nanowissenschaften und Nanotechnologien für die Entwicklung der Molekularbiologie sind;

9.  ist davon überzeugt, dass multidisziplinäre Nanowissenschaften und Nanotechnologien auf die Entwicklung der Energiegewinnung aus Wasserstoff ausgerichtet sein müssen, darunter die Entwicklung moderner und effizienter Methoden der Speicherung von Wasserstoff sowie leistungsfähiger Brennstoffzellen, sowie auf die Technologie von Datenträgern mit einer erheblich höheren Speicherkapazität als heute;

10. betont, welch erhebliche Fortschritte Europa auf der Grundlage des Top-down-Ansatzes im Bereich der Nanotechnologien erzielt hat, vor allem in Bereichen wie Nanoverbundwerkstoffe, verschleiß- und korrosionsbeständige Beschichtungen sowie die Herstellung von Katalysatoren, Fotodioden, darunter des sogenannten blauen Lasers, und im Bereich der Nanomedikamente, Nanokosmetika und Nanodiagnose von Krankheiten;

11. ist der Auffassung, dass der Stand der Grundlagenforschung in Europa es ermöglicht, technische Instrumente zu entwickeln, die die Umsetzung des Bottom-up-Ansatzes ermöglichen, vor allem in der Nanoelektronik;

12. ist der Ansicht, dass Maßnahmen zur Beschleunigung der technologischen Entwicklung durch politische Maßnahmen ergänzt werden müssen, um die Marktdurchdringung durch bestehende Technologien sicherzustellen; stellt fest, dass Normen gleiche Bedingungen für Märkte und internationalen Handel schaffen können und eine Voraussetzung für fairen Wettbewerb, vergleichende Risikobewertungen und Regulierungsmaßnahmen darstellen; fordert deshalb die Kommission und den Rat auf, hemmende Faktoren in Form fehlender Normen und unklarer Rechtsvorschriften, die die Anwendung von Nanotechnologien und Nanowissenschaften in Europa unnötig behindern, zu beseitigen, wobei dies keine neuen bürokratischen Anforderungen nach sich ziehen darf;

13. betont die Bedeutung, das „Dreieck des Wissens“ zu schaffen, das für den europäischen Forschungsraum benötigt wird; ist der Ansicht, dass es zum Erreichen der erforderlichen Synergie zwischen Forschung, Bildung und Innovation notwendig ist, ein umfassendes Konzept für den Wissenstransfer und die Entwicklung sektorübergreifender Humanressourcen festzulegen; fordert deshalb die Mitgliedstaaten auf, Strategien zur Verbesserung des Wissenstransfers zu entwickeln und dem Problem des Mangels an Fähigkeiten durch stärkere Ausrichtung auf die Bildung im Bereich der Naturwissenschaften und durch die Weckung des Interesses von mehr Studenten für wissenschaftsbezogene, multidisziplinäre Themen der Nanowissenschaften zu begegnen; begrüßt die Anstrengungen der Kommission zur Förderung von Forschungsausbildungsnetzen im Bereich der Nanotechnologien und fordert die Mitgliedstaaten auf, sowohl einzeln als auch in enger Zusammenarbeit multisektorale Netze zu schaffen, durch die die Nanotechnologien mit dem Ziel, neue Hybridtechnologien zu entwickeln, mit einem breiten Spektrum an Forschungsbereichen verknüpft werden;

14. ist der Ansicht, dass Industrie, Forschungseinrichtungen und Finanzinstitutionen zusammenarbeiten sollten, um sicherzustellen, dass hervorragende FuE auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien in neue Produkte und Verfahren umgesetzt wird; weist darauf hin, dass die Mitgliedstaaten diesen Prozess beschleunigen und fördern sollten, indem das unternehmerische Klima für Firmen im Nanotechnologiebereich in ihrem Land, insbesondere für neu gegründete Unternehmen, KMU und innovative Unternehmen, verbessert wird; vertritt in diesem Zusammenhang die Auffassung, dass der Schutz von Rechten an geistigem Eigentum für die Innovation von entscheidender Bedeutung ist, und zwar sowohl für die Gewinnung von Startkapital als auch für die Sicherstellung künftiger Einnahmen; fordert die Kommission auf, Normen für den Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und Muster für Lizenzvereinbarungen auszuarbeiten;

15. bedauert, dass die Patentierung von Erfindungen auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien in Europa nur schleppend voranschreitet; fordert die EU auf, ein Patentüberwachungssystem für Nanowissenschaften und Nanotechnologien zu schaffen, das vom Europäischen Patentamt verwaltet wird;

16. befürwortet allgemeine Reformen im Bereich des europäischen Patentsystems, um die Kosten von Patentierungen zu senken und den Zugang von KMU zu Patenten zu verbessern; betont die Notwendigkeit erhöhter Transparenz und klarer Grenzen für den Geltungsbereich des Patentschutzes;

17. ist davon überzeugt, dass die Chancen Europas, seine führende Rolle in diesem Bereich zu verteidigen, von seiner Fähigkeit zur Koordination abhängen; bekräftigt die Notwendigkeit einer einzigen zentralen Koordinierungsstelle auf Gemeinschaftsebene und die Notwendigkeit, dass Europa auf internationaler Ebene, gerade im Hinblick auf die Herausforderungen für den Patentschutz in China, mit einer Stimme spricht; fordert deshalb die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Verfahren auszuarbeiten, um die Maßnahmen in diesem Bereich wirksam zu koordinieren; fordert die Kommission auf, bei der Konzeption ihrer Politik alle Aktivitäten im Rahmen der OECD (z.B. Definitionen, Nomenklatur, Risikobewältigung) und der UNESCO (Ethik) zu berücksichtigen;

18. erkennt an, dass die Integration sozialer, gesundheitlicher und sicherheitsmäßiger Aspekte in die technologische Entwicklung der Nanowissenschaften und Nanotechnologien ein wesentliches Element einer verantwortungsvollen Strategie ist; fordert die Kommission, die Mitgliedstaaten und die europäische Industrie in dieser Hinsicht eindringlich auf, einen fruchtbaren Dialog mit allen beteiligten Kreisen zu führen, um die Entwicklungen nachhaltig zu gestalten;

19. fordert, dass während des gesamten Lebenszyklus auf der Grundlage von Nanowissenschaften und Nanotechnologie hergestellter Produkte ihre technologischen Risiken für die menschliche Gesundheit, die Verbraucher, die Arbeitnehmer und die Umwelt (von der Konzeption bis zur Entsorgung oder Verwertung) bewertet werden;

20. empfiehlt, in den Auflistungen der Inhaltsstoffe von Verbrauchsgütern den Zusatz von technisch hergestellten Nanopartikeln zu vermerken;

21. betont die Notwendigkeit, hohe ethische Grundsätze zu achten, und begrüßt die geplanten Analysen zu Themen wie zum Beispiel nicht-therapeutische Eingriffe zur Verbesserung menschlicher Fähigkeiten oder Verbindungen zwischen Nanowissenschaften und Nanotechnologien und Privatsphäre; erwartet, dass die Analysen öffentlich zugänglich sein werden und auch eine eingehende Analyse der Nanomedizin umfassen;

22. unterstützt die Einsetzung von Ethik-Ausschüssen, die durch unabhängige wissenschaftliche Gutachten zu einer angemessenen Information der Öffentlichkeit und zur Schaffung eines Klimas des Vertrauens in Bezug auf mögliche Gefahren als Folge der Umsetzung neuer Erkenntnisse im Bereich Nanotechnologie bzw. auf Vorteile beitragen können;

23. begrüßt die im Zusammenhang mit diesem Vorschlag durchgeführte Konsultation und ermutigt die Kommission, ihre Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Arbeit fortzusetzen, um den zunehmenden Forderungen nach einer besseren Regulierung gerecht zu werden;

24. begrüßt die Absicht der Kommission, geeignetes mehrsprachiges Informationsmaterial für unterschiedliche Altersgruppen zu erstellen, um die Menschen stärker für die Fortschritte und erwarteten Vorteile der Nanowissenschaften und Nanotechnologien zu sensibilisieren; fordert die Kommission auf, dabei in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten vorzugehen; fordert die Kommission eindringlich auf, eine Kommunikationsstrategie zu erarbeiten, um der Bevölkerung die enormen Chancen der Nanotechnologie zu verdeutlichen und ihr Ängste zu nehmen; ist der Ansicht, dass die Kommission im Rahmen dieser Kommunikationsstrategie auch Ideen wie den „NanoScience-Truck“ im Rahmen einer „Roadshow“ aufgreifen sollte;

25. fordert die Industrie auf, an den gemeinsamen Anstrengungen mitzuwirken und ermutigt sie, sich an der Entwicklung von Nanotechnologien zu beteiligen und dabei deren weiterreichenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, gesundheitlichen, sicherheitsbezogenen und ökologischen Auswirkungen gemäß dem Konzept der sozialen Verantwortung der Unternehmen zu berücksichtigen; betont in diesem Zusammenhang, dass Unternehmen zur Verbreitung objektiver Informationen über wissenschaftliche Entdeckungen im Bereich Nanowissenschaften und Nanotechnologien, deren beabsichtigte Verwendungszwecke und deren Risiken und Vorteile für die Gesellschaft beitragen sollten;

26. weist darauf hin, dass in sämtlichen Anwendungsbereichen von Nanowissenschaften und Nanotechnologien das durch die Europäische Union vorgeschriebene hohe Niveau des Schutzes der menschlichen Gesundheit, der Verbraucher, der Arbeitnehmer und der Umwelt einzuhalten ist und betont, dass Nanomaterialien kodifiziert werden müssen, was zur Ausarbeitung von Spezifikationen und somit wiederum zu einer Intensivierung der Anstrengungen im Hinblick auf die Feststellung von Risiken führen wird; fordert die Kommission auf, die notwendigen Initiativen dafür zu ergreifen;

27. betont, dass die Miniaturisierung von Produkten wichtig ist, um zur Reduktion der Abfallmengen und zu einer besseren Nutzung von Energie beizutragen;

28. betont, dass das Wissen über eine mögliche Gesundheits- oder Umweltschädlichkeit neuer, synthetischer Nanopartikel noch gering ist und demzufolge die Auswirkungen schlecht löslicher und schwer abbaubarer Nanopartikel entsprechend dem Vorsorgeprinzip untersucht werden müssen, bevor diese Partikel produziert und in den Verkehr gebracht werden;

29. ist der Auffassung, dass im Rahmen der neuen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) die Nanoformen bestehender Stoffe wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften als neue Stoffe behandelt werden müssen; ist der Auffassung, dass insbesondere untersucht werden muss, ob die Schwellenwerte für die Produktion und die Einfuhr, die in diesem Rahmen festgelegt werden, auch im Hinblick auf Nanopartikel hinreichend sind;

30. fordert die Kommission auf, der Entwicklung der Nanowissenschaften und Nanotechnologien in den neuen Mitgliedstaaten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, indem ihnen Hilfsmittel an die Hand gegeben werden, um eigene Forschungsprofile zu definieren und gleichzeitig die Spitzenposition der führenden europäischen Standorte im Hinblick auf eine weltweite Führungsrolle der Europäischen Union weiter auszubauen;

31. betont die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien; fordert die Kommission auf, die hervorragenden Beziehungen insbesondere zu russischen Wissenschaftlern weiter zu intensivieren und die Möglichkeiten und Grenzen einer Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit den USA, Japan, China und Indien zu prüfen; fordert die Kommission auf, die internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf die Harmonisierung der Bearbeitung von Patentanmeldungen auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien zwischen der EU, den USA und Japan zu verbessern; betont, dass der Dialog im Einklang mit den WTO-Verpflichtungen intensiviert werden sollte;

32. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. C 157 vom 28.6.2005


BEGRÜNDUNG

Einleitung

Nanotechnologie ist die Manipulation oder Selbstzusammensetzung einzelner Atome, Moleküle oder Makromoleküle zu Strukturen, um Werkstoffe und Instrumente mit neuen und neuartigen Eigenschaften zu schaffen. Der Präfix „Nano“ leitet sich von dem griechischen Wort für „Zwerg“ ab. Technisch ausgedrückt ist Nano ein milliardster Teil, ein Nanometer ist daher der milliardste Teil eines Meters. Zur Verdeutlichung: Ein Nanometer entspricht etwa 1/80.000 eines menschlichen Haares, ein Virus hat etwa eine Größe von 100 Nanometer und ein Blatt Papier eine Dicke von 100.000 Nanometer.

In dieser winzigen Größenordnung weisen Bauteile und Strukturen revolutionär neue physikalische, chemische und biologische Merkmale auf. So sind beispielsweise Werkstoffe aus Kohlenstoff-Nanoröhren 100 Mal stärker als Stahl, aber um das Sechsfache leichter; Silber-Nanopartikel auf den Oberflächen von Kühlschränken, Klimaanlagen und Waschmaschinen wirken gegen Bakterien und Pilze; im biomedizinischen Bereich werden künstliche Knochen-Verbundstoffe hergestellt, die stärker als Edelstahl sind. Als weitere neuartige Produkte auf der Grundlage der Nanowissenschaften sind zu nennen: Anti-Graffiti-Farben, Batterien mit langer Lebensdauer, selbstreinigende Textilien, fortschrittliche Beschichtungen und flexible Anzeigensysteme. Nanowissenschaftler untersuchen auch Möglichkeiten für die Ermittlung und Verabreichung neuer Medikamente und wie neue Sicherheitstechniken zur Verbrechensprävention beitragen können.

Nanotechnologien führen verschiedene technologische Disziplinen (Mikroelektronik, Mikrosystem-Technologie, Chemie, Physik und Biotechnologie) in einem multidisziplinären Bereich zusammen. Deshalb lassen sich bestehende technologische Hindernisse dort, wo diese Technologien zusammengeführt werden, unter verschiedenen Aspekten angehen und ein breites Spektrum neuer Möglichkeiten entwickeln. Nanotechnologie ist deshalb ein herausragender multidisziplinärer Bereich und öffnet eine neue Welt von Möglichkeiten und Lösungen für unterschiedlichste Bereiche und Industrien.

Es wird damit gerechnet, dass Nanowissenschaften und Nanotechnologien Auswirkungen auf nahezu jeden Industriezweig haben werden, sie gelten deshalb als eine der Schlüsseltechnologien für das 21. Jahrhundert. Ihr Marktpotential wird bereits auf mehrere Hundert Milliarden Euro geschätzt, und die National Science Foundation der USA geht sogar davon aus, dass der globale Markt für Nanotechnologien im Verlauf von 10-15 Jahren eine Größenordnung von einer Billion Dollar erreicht(1).

Die Mitteilung der Kommission

Der am 7. Juni 2005 angenommene Aktionsplan der Kommission ist die konkrete Umsetzung der Strategie für Nanotechnologie, die die Kommission im Jahr 2004 vorlegte(2). Im Aktionsplan werden eine Reihe miteinander verknüpfter Aktionen für die sofortige Umsetzung einer sicheren, integrierten und verantwortungsvollen Strategie für Nanowissenschaften und Nanotechnologien auf EU-Ebene festgelegt. Die Kommission sieht Folgendes vor:

· Erhöhung der Mittel für Nanotechnologien im Siebten Rahmenprogramm;

· Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Infrastruktur für eine Forschung auf höchstem Niveau und von Spitzenleistungszentren;

· Schaffung günstiger Bedingungen für die EU-Industrie, um von der Forschung zu nützlichen Produkten und Dienstleistungen zu kommen;

· Gewährleistung, dass ethische Grundsätze stets beachtet und die Besorgnisse und Erwartungen der Bürger berücksichtigt werden;

· frühstmögliche Berücksichtigung der Risiken für die Gesundheit der Bevölkerung, die Sicherheit und die Umwelt;

· Überprüfung geltender EU-Vorschriften;

· Unterstützung für die Einrichtung eines offenen Archivs für wissenschaftliche Veröffentlichungen auf diesem Gebiet;

· Förderung der interdisziplinären allgemeinen und beruflichen Bildung von Wissenschaftlern und Ingenieuren;

· Stärkung des internationalen Dialogs über Fragen von gemeinsamem Interesse.

Stärkung der Anstrengungen

Der Berichterstatter unterstützt die Ziele und Aktionen, wie sie im Aktionsplan dargestellt sind. Nanowissenschaften und Nanotechnologien sind ein Bereich, der für die Zukunft außerordentlich vielversprechend ist. Erfolgreiche Innovationen in diesem Sektor öffnen die Tür für Anwendungen, die auf die Bedürfnisse der Bürger ausgerichtet sind und dazu beitragen, die Ziele der Union auf den Gebieten Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Gleichzeitig betont der Berichterstatter die Notwendigkeit entscheidender Fortschritte bei (der Koordinierung von) Investitionen in Forschung und Innovation. Bedingt durch ihre interdisziplinäre, komplexe und kostenaufwändige Ausprägung erfordert die Infrastruktur für FuE und Innovation auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien eine kritische Masse an Ressourcen, die die Möglichkeiten regionaler und oft sogar nationaler Regierungen und der Industrie übersteigt. Gleichzeitig jedoch sollten die Mitgliedstaaten dafür Sorge tragen, dass auf nationaler Ebene FuE-Maßnahmen auf dem Gebiet der Nanotechnologie festgelegt sind, die es ermöglichen, rascher als durch Programme auf europäischer Ebene auf sich verändernde Möglichkeiten zu reagieren. Die Forschung im Bereich der Nanowissenschaften ist gegenwärtig in der EU zu stark aufgesplittert und es gibt keine klare Koordinierung der Ressourcen. FuE in Nanowissenschaften und Nanotechnologien, sowohl auf Ebene der Gemeinschaft als auch auf der Ebene der Mitgliedstaaten, sollte somit gestärkt und koordiniert werden, um die notwendigen Größenvorteile zu erreichen ohne die notwendige Flexibilität zu verlieren.

Nach Schätzungen belaufen sich die Gesamtaufwendungen für FuE im Bereich der Nanowissenschaften und Nanotechnologien weltweit auf etwa 8 Milliarden Euro jährlich, davon entfallen ca. 37% auf die USA, 28% auf Japan und 24% auf Europa. Die öffentlichen Investitionen pro Kopf der Bevölkerung beliefen sich in der EU-25 im Jahr 2004 auf 3 €, verglichen mit 4,5 € in den USA und 6 € in Japan. Im Bereich der privaten Investitionen ist der Rückstand Europas mit etwa eineinhalb Euro pro Kopf noch größer, im Vergleich dazu liegen die privaten Investitionen in den USA bei nahezu 6 € und in Japan bei mehr als 12 €(3).

Dieses Bild wird sich durch die künftigen Aufwendungen nicht grundlegend ändern. Im Siebten Rahmenprogramm sind für „Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien“ für einen Zeitraum von sieben Jahren 4270 Millionen Euro vorgesehen (also 610 Millionen Euro pro Jahr). Als Vergleich: die Regierung der USA beabsichtigt, allein im Jahr 2006 mehr als eine Milliarde Dollar für Forschung und Entwicklung im Bereich der Nanotechnologien aufzuwenden. Weitere Kürzungen bei den FuE-Mitteln der EU werden es noch weiter erschweren, die Lissabon-Ziele zu erreichen.

Nach Auffassung des Berichterstatters sind eine FuE-Infrastruktur von Weltklassequalität und Spitzenleistungszentren grundlegende Voraussetzungen, damit die EU in diesem äußerst vielversprechenden Sektor wettbewerbsfähig bleibt. Aber dies allein ist nicht ausreichend. Die europäische Industrie, FuE-Organisationen, Universitäten und Finanzinstitutionen sollten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Spitzenforschung zu wirtschaftlich tragfähigen und in sich sicheren Produkten und Verfahren führt. Ohne diese „Kommerzialisierung des Wissens“ wird Europa nicht den vollen Nutzen aus der Synergie zwischen Bildung, Forschung und Innovation ziehen, dem „Dreieck des Wissens“, das für den europäischen Forschungsraum so dringend notwendig ist. Ein ungenügender Wissenstransfer hat negative Auswirkungen sowohl auf die Finanzierung wissenschaftlicher Forschung durch Unternehmen als auch auf Neugründungen von Unternehmen(4).

Um diese Synergie zwischen Bildung, Forschung und Innovation im vollem Umfang ausschöpfen zu können, ist es notwendig, dem Mangel an Fähigkeiten und dem Mangel an ausgebildetem Personal durch einen stärkeren Schwerpunkt auf Bildung im Bereich der Naturwissenschaften und durch das Wecken des Interesses von mehr Studenten für wissenschaftsbezogene und multidisziplinäre Fächer zu begegnen. Außerdem ist es wichtig, das Geschäftsklima für Nanotechnologieunternehmen weiter zu verbessern, indem der Markt für Risikokapital gestärkt wird und indem Märkte unter den Aspekten eines klaren Regelungsrahmens und eines ausreichenden Schutzes von Rechten an geistigem Eigentum definiert werden(5).

Normen schaffen gleiche Voraussetzungen auf den Märkten und beim internationalen Handel und sind Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb, vergleichende Risikobewertungen und Regulierungsmaßnahmen. Der Schutz der Rechte an geistigem Eigentum ist für die Innovation von entscheidender Bedeutung, und zwar sowohl für das Anziehen von Startkapital als auch zur Gewährleistung späterer Einnahmen. Zur Stärkung der Innovation bedarf es auch der Klarheit, was die Vorschriften angeht. Alle Anwendungen und Nutzungen von Nanowissenschaften und Nanotechnologien müssen selbstverständlich dem hohen Niveau der Schutzvorschriften in den Bereichen Gesundheit der Bevölkerung, Sicherheit, Verbraucher- und Arbeitsschutz sowie Umweltschutz entsprechen. Unklare Vorschriften im Bereich Toxikologie und Haftung jedoch führen zu unnötigen Verzögerungen dabei, dass Nanotechnologien in Europa Fuß fassen.

Schließlich bedarf es internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien, sowohl mit wirtschaftlich und industriell fortgeschrittenen Ländern als auch mit den weniger fortgeschrittenen Ländern, um ihnen den Zugang zum Wissen zu sichern und eine „Nano-Kluft“ oder „Apartheid des Wissens“ zu vermeiden. Besondere Aufmerksamkeit muss der Zusammenarbeit mit Ländern gelten, die unter die europäische Nachbarschaftspolitik fallen, und mit Ländern, mit denen W&T-Kooperationsabkommen abgeschlossen wurden.

Besorgnisse der Öffentlichkeit

Die Nanotechnologie bewältigt technische Hürden, aber ihr Erfolg wird letztlich davon abhängen, dass sie sich bei den Verbrauchern durchsetzt. Genau die Aspekte, die die Nanowissenschaften so attraktiv machen, also die neuartigen Eigenschaften, die sich in diesem Maßstab ergeben, und die Fähigkeit, diese Eigenschaften so zielgerichtet und genau zu verändern, werfen Fragen auf, wie sich diese neuen Stoffe in der Umwelt, einschließlich des menschlichen Körpers, verhalten werden. Unsicherheit in der Bevölkerung mit Blick auf Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltauswirkungen können Hemmnisse für das verfügbare Kapital darstellen und Unternehmen daran hindern, Produkte, die Nanotechnologie enthalten, auf den Markt zu bringen. Die kommenden Jahre werden deshalb von entscheidender Bedeutung sein, um zu demonstrieren, dass Forschung und Industrie diese Besorgnisse ernst nehmen.

Ein wesentliches Element einer verantwortungsvollen Strategie für Nanowissenschaften und Nanotechnologien besteht in der Berücksichtigung nicht nur der wirtschaftlichen und umweltbezogenen Elemente, sondern auch der sozialen, gesundheitsmäßigen und sicherheitsmäßigen Aspekte in Verbindung mit der technologischen Entwicklung von Nanotechnologien. Die Industrie sollte dazu angehalten werden, die umfassenderen Auswirkungen ihrer kommerziellen Tätigkeiten im Bereich der Nanotechnologien in Übereinstimmung mit den Konzepten der sozialen Verantwortung der Unternehmen und der „Triple-Bottom-Line“-Berichterstattung der Global Reporting Initiative zu berücksichtigen. Es sollte ein fruchtbarer Dialog mit allen beteiligten Kreisen eingerichtet werden, um über Fortschritte und erwarteten Nutzen zu informieren, und um Erwartungen und Besorgnisse, sowohl konkreter Art als auch vermuteter Art, zu berücksichtigen, um die Entwicklungen so zu lenken, dass negative Auswirkungen auf die Gesellschaft vermieden werden.

Es ist notwendig, geeignetes mehrsprachiges Informationsmaterial für unterschiedliche Altersgruppen zur Sensibilisierung für die Nanowissenschaften und Nanotechnologien auszuarbeiten und den Dialog mit der Bevölkerung auf geeigneter Ebene weiter zu entwickeln, insbesondere über die Medien.

Internationale Aspekte

Die USA sind international führend im Bereich der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Nanotechnologien mit öffentlichen und privaten Investitionen in Höhe von drei Milliarden Dollar jährlich, was mehr als einem Drittel der international aufgewendeten Mittel entspricht. Die USA stehen auch an erster Stelle, was die Zahl der Unternehmensgründungen, Veröffentlichungen und Patente angeht. In den fünf Jahren seit Ende des Jahres 2000 bis heute hat die US-Regierung mehr als vier Milliarden Dollar in die Nanotechnologie investiert, im Jahr 2006 werden die Aufwendungen mehr als eine Milliarde Dollar betragen.

Die jährlichen Aufwendungen in Japan beliefen sich 2003 auf etwa 630 Millionen Euro, 73% davon wurden vom Bildungsministerium und 21% vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie bereitgestellt. Die Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf Nano-Werkstoffe, beispielsweise Anwendungen von Nano-Kohlenstoffwerkstoffen in den Bereichen Energie, Umwelt, IT und Biomedizin. Das Unternehmen Mitsui hat beschlossen, in den nächsten vier Jahren nahezu 700 Millionen Euro an Risikokapital für Nanotechnologien bereitzustellen, der Fonds für kritische Technologie wird etwa 30 Milliarden Euro für Forschung auf dem Gebiet der Nanowissenschaften und Nanotechnologien zur Verfügung stellen.

Die rasche Entwicklung der Nanotechnologieindustrie in China in den vergangenen 5-10 Jahren ist zum größten Teil auf die Intervention der chinesischen Zentralregierung zurückzuführen. Nanotechnologie wurde Ende der 90er Jahre auf die Liste der vorrangigen Technologien gesetzt und seitdem durch einen nationalen Plan für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Nanotechnologien finanziert, wodurch erhebliche Investitionen seitens der Zentralregierung und der lokalen Regierungen für Nanotechnologieprojekte erfolgen, hauptsächlich auf dem Gebiet der Nanowerkstoffe. Zu den laufenden Projekten gehört die Massenherstellung von Nano-Diamant-Beschichtungsmaterialien, Kohlenstoff-Nanoröhren und Nano-Drähten, vernetzten Sensorsystemen für die Sicherheitsüberwachung, Nanowerkstoffen für Energieeinsparung, Selbstreinigung, chemische und biologische Sensorsysteme und Netze für die Umweltüberwachung und die Krankheitsdiagnose. Nach Angaben der chinesischen Behörden(6) nimmt das Land eine führende Position auf internationaler Ebene bei Unternehmensgründungen, Veröffentlichungen und Patenten auf dem Gebiet der neuen Nanotechnologie ein, wobei der inländische Markt für Nanotechnologie-Produkte und

-Systeme auf mehr als 4,5 Milliarden Euro geschätzt wird, was sich bis zum Jahr 2015 auf mehr als 120 Milliarden Euro steigern soll. Die Industrie befindet sich jedoch noch in einer frühen Phase und sieht sich erheblichen Herausforderungen im Bereich der kommerziellen Nutzung der Forschung, der Infrastruktur und der Humanressourcen gegenüber.

(1)

Roco, C. and Sims Bainbridge, W. (ed.), Societal implications of nanoscience and nanotechnology, National Science Foundation, 2001.

(2)

Auf dem Weg zu einer europäischen Strategie für Nanotechnologie (KOM(2004)338).

(3)

„Some figures about Nanotechnology F&D in Europe and beyond“, Arbeitsdokument der Dienststellen der Europäischen Kommisison, Dezember 2005.

(4)

It’s ours to lose: An analysis of EU Nanotechnology funding and the sixth Framework Programmes, European Nanobusiness Association, 2002.

(5)

The 2005 European NanoBusiness Survey, European Nanobusiness Association, 2005.

(6)

Beijing Report 2005 on Nanotech Development to 2010-2015.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (30.5.2006)

für den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie

zu Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005–2009

(2006/2004(INI))

Verfasser der Stellungnahme: Philippe Busquin

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit ersucht den federführenden Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

1.   betont, dass die Fortentwicklung der Nanowissenschaften und Nanotechnologien (NuN) Fortschritte in vielen Bereichen der Politik ermöglichen kann, die unmittelbar die Bürgerinnen und Bürger betreffen (öffentliche Gesundheit, Energie, Transport, nachhaltige Entwicklung usw.);

2.   unterstützt die Bereitschaft der Kommission, die Mittel für die Forschung auf dem für die künftige Entwicklung Europas bedeutenden Gebiet der NuN beträchtlich zu erhöhen;

3.   betont die Notwendigkeit, die Voraussetzungen für einen echten Dialog zwischen allen mit NuN in Zusammenhang stehenden Interessengruppen sowie zwischen diesen Interessengruppen und der Öffentlichkeit zu schaffen;

4.   betont nachdrücklich die Notwendigkeit weit reichender und ausgewogener Informationskampagnen zur Erhöhung des Wissensstandes der Öffentlichkeit, durch die sich besser vermitteln lässt, worum es bei NuN geht und welche Konsequenzen damit verbunden sind;

5.   unterstützt die Einsetzung von Ethik-Ausschüssen, die durch unabhängige wissenschaftliche Gutachten zu einer angemessenen Information der Öffentlichkeit und zur Schaffung eines Klimas des Vertrauens in Bezug auf mögliche Gefahren als Folge der Umsetzung neuer Erkenntnisse im Bereich NuN bzw. auf Vorteile beitragen können;

6.   betont nachdrücklich die soziale Verantwortung von Unternehmen, die objektive Informationen über wissenschaftliche Entdeckungen im Bereich NuN, deren beabsichtigte Verwendungszwecke und deren Risiken und Vorteile für die Gesellschaft fördern müssen;

7.   weist darauf hin, dass in sämtlichen Anwendungsbereichen der NuN das durch die Europäische Union festgelegte hohe Niveau des Schutzes der menschlichen Gesundheit, der Verbraucher, der Arbeitnehmer und der Umwelt einzuhalten ist und betont, dass Nanomaterialien kodifiziert werden müssen, was zur Ausarbeitung von Spezifikationen und somit wiederum zu einer Intensivierung der Anstrengungen im Hinblick auf die Feststellung von Risiken führen wird; fordert die Kommission auf, diesbezüglich die notwendigen Initiativen zu ergreifen;

8.   betont, dass das Wissen über eine mögliche Gesundheits- oder Umweltschädlichkeit neuer, synthetischer Nanopartikel noch gering ist und demzufolge die Auswirkungen schlecht löslicher und schwer abbaubarer Nanopartikel entsprechend dem Vorsorgeprinzip untersucht werden müssen, bevor diese Partikel produziert und in den Verkehr gebracht werden;

9.   fordert, dass während des gesamten Lebenszyklus der NuN-Produkte ihre technologischen Risiken für die menschliche Gesundheit, die Verbraucher, die Arbeitnehmer und die Umwelt (von der Konzeption bis zur Entsorgung oder Verwertung) bewertet werden;

10. ist der Auffassung, dass im Rahmen der neuen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), die Nanoformen bestehender Stoffe wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften als neue Stoffe behandelt werden müssen; ist der Auffassung, dass insbesondere untersucht werden muss, ob die Schwellenwerte für die Produktion und die Einfuhr, die in diesem Rahmen festgelegt werden, auch im Hinblick auf Nanopartikel hinreichend sind;

11. betont, dass die Miniaturisierung von Produkten wichtig ist, um zur Reduktion der Abfallmengen und zu einer besseren Nutzung von Energie beizutragen;

12. unterstützt das Bestreben der Kommission, Probleme im Hinblick auf die Fortentwicklung dieser zukunftsträchtigen Technologien bereits im Frühstadium zu erkennen;

13. unterstützt die Bemühungen der Kommission, in der Diskussion auf internationaler Ebene mitzuwirken und mit einer Stimme zu sprechen und dadurch eine ausgewogene Debatte über NuN sicherzustellen.

VERFAHREN

Titel

Nanowissenschaften und Nonotechnologien: Ein Akionsplan für Europa 2005–2009

Verfahrensnummer

2006/2004(INI)

Federführender Ausschuss

ITRE

Stellungnahme von
  Datum der Bekanntgabe im Plenum

ENVI
19.1.2006

Verstärkte Zusammenarbeit –Datum der Bekanntgabe im Plenum

 

Verfasser der Stellungnahme
  Datum der Benennung

Philippe Busquin
7.2.2006

Ersetzte(r) Verfasser(in) der Stellungnahme

 

Prüfung im Ausschuss

3.5.2006

30.5.2006

 

 

 

Datum der Annahme

30.5.2006

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

41

5

2

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Adamos Adamou, Georgs Andrejevs, Johannes Blokland, John Bowis, Frieda Brepoels, Dorette Corbey, Chris Davies, Avril Doyle, Mojca Drčar Murko, Matthias Groote, Françoise Grossetête, Satu Hassi, Gyula Hegyi, Marie Anne Isler Béguin, Caroline Jackson, Dan Jørgensen, Christa Klaß, Eija-Riitta Korhola, Holger Krahmer, Urszula Krupa, Aldis Kušķis, Marie-Noëlle Lienemann, Caroline Lucas, Jules Maaten, Linda McAvan, Roberto Musacchio, Riitta Myller, Péter Olajos, Miroslav Ouzký, Vittorio Prodi, Frédérique Ries, Guido Sacconi, Karin Scheele, Carl Schlyter, Horst Schnellhardt, Richard Seeber, Jonas Sjöstedt, Antonios Trakatellis, Evangelia Tzampazi, Thomas Ulmer, Anja Weisgerber, Åsa Westlund

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Dariusz Maciej Grabowski, Jiří Maštálka, Miroslav Mikolášik, Ria Oomen-Ruijten, Alojz Peterle, Bart Staes

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

 

Anmerkungen (Angaben nur in einer Sprache verfügbar)

...


STELLUNGNAHME des Rechtsausschusses (31.5.2006)

für den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie

zu dem Thema „Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005–2009“

(2006/2004(INI))

Verfasserin der Stellungnahme: Piia-Noora Kauppi

VORSCHLÄGE

Der Rechtsausschuss ersucht den federführenden Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

1.  begrüßt die Mitteilung der Kommission und betont, dass neue Ansätze in Forschung und Entwicklung im Bereich Nanowissenschaften und Nanotechnologien (NuN) erforderlich sind;

2.  unterstreicht die Bedeutung von NuN für die Lissabon-Strategie und weist darauf hin, dass dieser Bereich zu den Zielen der EU in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung beitragen kann;

3.  betont die Notwendigkeit, in der Bevölkerung das Wissen über NuN zu vertiefen, und zwar insbesondere bei Schülern, damit sich mehr junge Menschen in der EU für wissenschaftliche Berufe entscheiden;

4.  begrüßt die im Zusammenhang mit diesem Vorschlag durchgeführte Konsultation und ermutigt die Kommission, mit der Verbesserung ihrer Arbeit fortzufahren, um den zunehmenden Forderungen nach einer besseren Regulierung gerecht zu werden;

5.  betont die Notwendigkeit, hohe ethische Grundsätze zu achten, und begrüßt die geplanten Analysen zu Themen wie zum Beispiel nicht-therapeutische Eingriffe zur Verbesserung menschlicher Fähigkeiten oder Verbindungen zwischen NuN und Privatsphäre; erwartet, dass die Analysen öffentlich zugänglich sein werden und auch eine eingehende Analyse der Nanomedizin umfassen;

6.  teilt die Ansicht der Kommission, dass der Schutz von Rechten an geistigem Eigentum im Bereich der NuN für Innovationen von entscheidender Bedeutung ist, und zwar sowohl für die Beschaffung von Startkapital als auch für die Sicherstellung künftiger Einnahmen; fordert die Kommission auf, Normen für den Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und Muster für Lizenzvereinbarungen auszuarbeiten;

7.  bedauert, dass die Patentierung von NuN-Erfindungen in Europa nur schleppend voranschreitet; fordert die EU auf, ein Patentüberwachungssystem für NuN zu schaffen, das vom Europäischen Patentamt verwaltet wird;

8.  befürwortet allgemeine Reformen im Bereich des europäischen Patentsystems, um die Kosten von Patentierungen zu senken und den Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen zu Patenten zu verbessern; betont die Notwendigkeit erhöhter Transparenz und klarer Grenzen für den Geltungsbereich des Patentschutzes;

9.  fordert die Kommission auf, die internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf die Harmonisierung der Bearbeitung von NuN-Patentanmeldungen zwischen der EU, den USA und Japan zu verbessern; betont, dass der Dialog im Einklang mit den WTO-Verpflichtungen intensiviert werden sollte;

VERFAHREN

Titel

Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2006–2010

Verfahrensnummer

2003/2002(INI)

Federführender Ausschuss

ITRE

Stellungnahme von
  Datum der Bekanntgabe im Plenum

JURI

20.1.2006

Verfasserin der Stellungnahme
  Datum der Benennung

Piia-Noora Kauppi
30.1.2006

Prüfung im Ausschuss

21.3.2006

19.4.2006

 

 

 

Datum der Annahme

30.5.2006

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

20

2

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Maria Berger, Rosa Díez González, Monica Frassoni, Piia-Noora Kauppi, Kurt Lechner, Klaus-Heiner Lehne, Katalin Lévai, Antonio López-Istúriz White, Hans-Peter Mayer, Aloyzas Sakalas, Francesco Enrico Speroni, Gabriele Stauner, Diana Wallis, Rainer Wieland, Nicola Zingaretti, Jaroslav Zvěřina, Tadeusz Zwiefka

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Alexander Alvaro, Hiltrud Breyer, Brian Crowley, Janelly Fourtou, Manuel Medina Ortega, Michel Rocard


VERFAHREN

Titel

Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005-2009

Verfahrensnummer

2006/2004(INI)

Federführender Ausschuss
  Datum der Bekanntgabe der Genehmigung im Plenum

ITRE
19.1.2006

Mitberatende(r) Ausschuss/Ausschüsse
  Datum der Bekanntgabe im Plenum

ENVI
19.1.2006

IMCO
19.1.2006

JURI
19.1.2006

 

 

Nicht abgegebene Stellungnahme(n)
  Datum des Beschlusses

IMCO
21.2.2006

 

 

 

 

Verstärkte Zusammenarbeit
  Datum der Bekanntgabe im Plenum

Nein

 

 

 

 

Berichterstatter(in/innen)
  Datum der Benennung

Miloslav Ransdorf
23.11.2005

 

Ersetzte(r) Berichterstatter(in/innen)

 

 

Prüfung im Ausschuss

20.2.2006

20.3.2006

18.4.2006

20.6.2006

 

Datum der Annahme

20.6.2006

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

40

2

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Šarūnas Birutis, Jan Březina, Renato Brunetta, Jerzy Buzek, Joan Calabuig Rull, Pilar del Castillo Vera, Jorgo Chatzimarkakis, Giles Chichester, Den Dover, Lena Ek, Nicole Fontaine, Adam Gierek, Norbert Glante, András Gyürk, Rebecca Harms, Erna Hennicot-Schoepges, Ján Hudacký, Romana Jordan Cizelj, Anne Laperrouze, Vincenzo Lavarra, Eugenijus Maldeikis, Eluned Morgan, Angelika Niebler, Umberto Pirilli, Miloslav Ransdorf, Vladimír Remek, Herbert Reul, Teresa Riera Madurell, Mechtild Rothe, Andres Tarand, Britta Thomsen, Patrizia Toia, Catherine Trautmann, Claude Turmes, Nikolaos Vakalis, Alejo Vidal-Quadras Roca, Dominique Vlasto

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende(r) Stellvertreter(in/innen)

María del Pilar Ayuso González, Peter Liese, Vittorio Prodi, John Purvis, Esko Seppänen

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende(r) Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

 

Datum der Einreichung

22.6.2006

Anmerkungen (Angaben nur in einer Sprache verfügbar)

...

Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2006Rechtlicher Hinweis