Verfahren : 2007/2153(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0063/2008

Eingereichte Texte :

A6-0063/2008

Aussprachen :

PV 09/04/2008 - 25
CRE 09/04/2008 - 25

Abstimmungen :

PV 10/04/2008 - 11.3
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2008)0123

BERICHT     
PDF 212kWORD 136k
4. März 2008
PE 393.988v02-00 A6-0063/2008

über die Kulturwirtschaft in Europa

(2007/2153(INI))

Ausschuss für Kultur und Bildung

Berichterstatter: Guy Bono

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter
 ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu der Kulturwirtschaft in Europa

(2007/2153(INI))

Das Europäische Parlament,

–   gestützt auf Artikel 151 des EG-Vertrags,

–   unter Hinweis auf das Übereinkommen der Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen aus dem Jahr 2005,

–   unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates vom 13. und 14. November 2006 und vom 24. und 25. Mai 2007 insbesondere in Bezug auf den Beitrag der kulturellen und kreativen Sektoren zur Erreichung der Lissabon-Ziele und die Entschließung des Rates vom 16. November 2007 zu einer europäischen Kulturagenda,

–   unter Hinweis auf die Richtlinie 2007/65/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2007 zur Änderung der Richtlinie 89/552/EWG des Rates zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit(1),

   unter Hinweis auf den Beschluss des Rates 2006/515/EG vom 18. Mai 2006 über den Abschluss des Übereinkommens zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen(2),

–   unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission zu einer europäischen Kulturagenda im Zeichen der Globalisierung (KOM(2007)0242) sowie das begleitende Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen (SEK(2007)0570),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 4. September 2003 zur Kulturwirtschaft(3),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 15. Januar 2004 zu einem Gemeinschaftsrahmen für Verwertungsgesellschaften im Bereich des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte(4),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 13. März 2007 zur Empfehlung der Kommission vom 18. Oktober 2005 betreffend die länderübergreifende kollektive Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten, die für legale Online-Musikdienste benötigt werden(5),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 7. Juni 2007 zum sozialen Status der Künstler(6),

–   gestützt auf Artikel 45 seiner Geschäftsordnung,

–   in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Kultur und Bildung und der Stellungnahmen des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie und des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter(A6-0063/2008),

A. in der Erwägung, dass die Kultur ebenso sehr ein öffentliches Gut und einen Selbstzweck zur Entfaltung der Individuen und der Gesellschaft darstellt wie auch ein Instrument, das zum Wirtschaftswachstum, zur Beschäftigung sowie zum sozialen Zusammenhalt und zur regionalen und lokalen Entwicklung beiträgt, wie dies jüngste wissenschaftliche Studien, insbesondere die Studie von KEA European Affairs für die Kommission zur Kulturwirtschaft in Europa belegen,

B.  in der Erwägung, dass die Kulturwirtschaft weder existieren noch einen europäischen kulturellen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen könnte ohne einen ständigen Input neuer Inhalte durch eine wachsende kreative Gemeinschaft von Kulturschaffenden in allen künstlerischen Bereichen wie Filmemacher, Komponisten, Schriftsteller, bildende Künstler und Designer,

C. in der Erwägung, dass zur Kulturwirtschaft die Bereiche gehören, die die Werke des Geistes um einen wirtschaftlichen Mehrwert ergänzen und gleichzeitig neue Werte für die Individuen und die Gesellschaft hervorbringen; in der Erwägung, dass diese Kulturwirtschaft traditionelle Industrien wie Film-, Musik- und Verlagswesen sowie die Medien und den Kreativsektor (Mode, Design), die Bereiche Fremdenverkehr, bildende Kunst und Information umfassen,

D. in der Erwägung, dass im Licht der UNESCO-Definition die Kulturwirtschaft alle Sektoren umfasst, die das künstlerische Schaffen, die Produktion sowie die Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen vereinigen, deren Besonderheit in der Unantastbarkeit ihrer kulturellen Inhalte besteht; in der Erwägung, dass das Produkt der Kulturwirtschaft im Allgemeinen durch die Rechte des geistigen Eigentums geschützt ist,

E.  in der Erwägung, dass jedoch mehr Anerkennung und eine stärkere Förderung notwendig sind, um die Kultur- und Kreativwirtschaft dabei zu unterstützen, ihren vollen Beitrag zu den Lissabon-Strategie-Zielen zu leisten,

F.  in der Erwägung, dass die Kulturwirtschaft ein breites Spektrum von Inhalten herstellt und verbreitet, die die Bürger informieren, bilden und unterhalten, das sich immer mehr auf die neuen Technologien und die neuen digitalen und audiovisuellen Formate stützt, und bei denen die Mitgliedstaaten und die Europäische Union ihre Rolle als Förderer und Regulatoren spielen und garantieren müssen, dass den Urhebern der Originalinhalte gerechte und angemessene wirtschaftliche Vorteile zuteil werden, indem ein angemessener und wirksamer Schutz von Urheberrechten und verwandter Schutzrechte gewährleistet wird und dadurch auch die Nachhaltigkeit der europäischen Kulturwirtschaft gesichert ist;

G. in der Erwägung, dass sich in der heutigen Informationsgesellschaft neue Produktions-, Vertriebs- und Konsumformen herausbilden, durch die neue Kulturerzeugnisse und -dienstleistungen entstehen, die vor Piraterie geschützt werden müssen, ferner sind ganz allgemein geeignete unternehmerische und wirtschaftliche Modelle vonnöten, die den Zugang zu, die Öffnung und die Vielfalt von Produkten kulturellen Inhalts sicherstellen und gleichzeitig ihre besondere Eigenschaft verglichen mit gewöhnlichen Handelswaren bewahren und allen Kategorien von Rechteinhabern eine gerechte Bezahlung für die Nutzung urheberrechtlich geschützter kultureller Inhalte gewähren,

H. in der Erwägung, dass die kulturellen Güter und Dienstleistungen besondere Merkmale aufweisen, die sie von anderen Gütern und Dienstleistungen unterscheiden und die bei der Ausarbeitung und Umsetzung der politischen Maßnahmen der Europäischen Union berücksichtigt werden müssen,

I.   in der Erwägung, dass ein angemessener und wirksamer Schutz der Urheberrechte und der verwandten Schutzrechte ein zentrales Mittel darstellt, um den Kulturschaffenden zu ermöglichen, für ihre kreativen Bemühungen im Rahmen der kommerziellen Nutzung ihrer Werke gerecht entlohnt zu werden, und in der Erwägung, dass ein solcher Schutz schon jetzt für das Überleben der Kulturwirtschaft unverzichtbar ist,

J.   in Erwägung des wesentlichen Beitrags der Kulturwirtschaft und der kreativen Gemeinschaft zur Förderung der kulturellen Vielfalt, indem sie die Auswahlmöglichkeit für den Verbraucher gewährleisten die Vielfalt des Unternehmertums vergrößern, den Zugang zur Kultur demokratisieren, die europäische Identität und Integration verstärken sowie den interkulturellen Dialog fördern,

K. in der Erwägung, dass die Kulturwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und zum Zusammenhalt auf lokaler und regionaler Ebene leistet, da sie einen Anziehungspol für Investitionen im Fremdenverkehr bildet, neue Arten von Handelsprodukten und Dienstleistungen mit „lokalem Charakter“ hervorbringt und durch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und Chancen wirtschaftlicher Entwicklung der gesellschaftlichen Marginalisierung entlegener oder benachteiligter Regionen entgegenwirkt,

L.  in der Erwägung, dass die Schriftsteller ebenfalls zu den grundlegenden Tätigkeiten der Kulturwirtschaft beitragen und dass es daher angebracht ist, ihnen ein wirtschaftliches, rechtliches und soziales Umfeld zu bieten, das die Entwicklung ihres kreativen Potenzials gewährleistet,

M. in der Erwägung, dass die Kultur eng mit Bildung und Ausbildung verknüpft werden muss, um die Produktions- und Kreativkapazitäten des Kultursektors zu stärken,

N. in der Erwägung, dass die Erfahrung der „Europäischen Kulturhauptstädte“ konkret vor Augen geführt hat, welchen Beitrag der Kultursektor zum wirtschaftlichen und sozialen Leben der Stadt und zur Entfaltung ihrer Bewohner leisten kann,

O. in der Erwägung, dass staatliche Beihilfen und andere Zuschüsse zugunsten des Kreativsektors als Investitionen und nicht als Luxus zu betrachten sind und gleichermaßen nach den EU-Wettbewerbsregeln, dem Protokoll zum Vertrag von Amsterdam über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den Mitgliedstaaten und nach Art 151 EG-Vertrag sowie nach der UNESCO- Konvention zum Schutz der kulturellen Vielfalt bewertet werden müssen,  

P.  in der Erwägung, dass die privaten und öffentlichen Investitionen sowie das Mäzenatentum im Kulturbereich gefördert werden sollten,

Q. in der Erwägung, dass die Konzentration in der Kulturwirtschaft eine Gefahr für die Vielfalt und das Angebot von Kulturgütern für die Verbraucher darstellt,

R.  in der Erwägung, dass die Kreativität eine Voraussetzung für die Entwicklung von Innovation in Europa darstellt und dass die europäischen Technologieunternehmen gewinnen würden, wenn sie eng mit den Kulturschaffenden im Rahmen von Unternehmenszentren („Clusters“) zusammenarbeiten würden,

S.  in der Erwägung, dass stärker Klein- und Kleinstunternehmen und ihre Netzwerke sowie die in diesen Unternehmen tätigen einzelnen Arbeitnehmer unterstützt werden müssen, die massiv zur Schaffung von Gütern in einer Volkswirtschaft beitragen, und dass es angebracht ist, den Kulturschaffenden zu helfen, ihre Ausbildung als Unternehmer der Kreativwirtschaft weiter zu entwickeln, und sie zu ermutigen, von ihrer Kreativität zu leben,

T.  in der Erwägung, dass die Zersplitterung des Kreativsektors in Europa, die nur teilweise mit der Sprache oder Gründen der nationalen Identität erklärt werden kann, sowie das Fehlen einer Kulturwirtschaft mit einer wirklich europäischen Dimension die kulturelle Rolle Europas weltweit einschränken können,

U. in der Erwägung, dass die kulturelle Vielfalt und der freie Austausch von Ideen in Niederschlag in der Unverwechselbarkeit, der Vielfalt der Identitäten und der Gleichstellung von Männern und Frauen wurzeln,

V. in der Erwägung, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen einer der Grundwerte der Europäischen Union ist, der durch die Kultur vermittelt wird, und in der Erwägung, dass diese Vermittlung von Werten die europäische Integration fördert,

W. in der Erwägung, dass in der Kulturwirtschaft eine ausgewogene Vertretung Der Geschlechter noch längst nicht verwirklicht ist,

X. in der Erwägung, dass Frauen in der Kulturwirtschaft meist in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), oder wenn sie ihr eigenes Unternehmen gründen, Führungspositionen bekleiden,

Y. in der Erwägung, dass die Beteiligung von Frauen im TIMES-Sektor (Telekommunikation, Internet, Medien, E-Commerce und Software), der eine fundamentale Säule der Kulturwirtschaft darstellt, mit 30 % außerordentlich gering ist, und in der Erwägung, dass lediglich 20 % der neuen Unternehmen in diesem Sektor von Frauen gegründet werden;

1.  begrüßt es, dass der Rat und die Kommission die zentrale Rolle von Kultur und Kreativität als wichtige Faktoren für die Förderung des europäischen Bürgersinns, die Annäherung der Kunst an die europäische Öffentlichkeit und die Verwirklichung der Ziele der Lissabon-Strategie anerkennen wollen, deren Bedeutung für den Aufbau des europäischen Projektes dadurch noch mehr gestärkt werden,

2.  betont, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union im Rahmen der heutigen „postindustriellen Wirtschaft“ auch durch den Kultur- und Kreativsektor gestärkt werden muss; ersucht in diesem Zusammenhang die Kommission und die Mitgliedstaaten, einer Politik Vorrang einzuräumen, die nicht nur auf die unternehmerische Innovation, sondern auch auf die Innovation bei kulturellen Aktionen und in der Kreativwirtschaft ausgerichtet ist;

3.  stellt fest, dass die Kulturwirtschaft bei der Bereitstellung von Mehrwertdiensten, die die Grundlage einer dynamischen wissensbasierten Wirtschaft bilden und deshalb als wichtiger Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union anerkannt werden sollten, eine Schlüsselstellung einnimmt;

4.  ist der Ansicht, dass die Kulturwirtschaft, die eine wichtige Quelle für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Europäischen Union ist, insbesondere kreative Talente nutzen muss; fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, neue, innovative Arten des lebenslangen Lernens, durch die kreative Talente weiter entwickelt werden, zu fördern;

5.  ersucht Rat und Kommission klarzustellen, was das europäische Verständnis von Kultur, Kreativität und Innovation bedeutet, und strukturierte politische Maßnahmen zur konkreten Umsetzung für die Entwicklung der europäischen Kreativwirtschaft auszuarbeiten und diese in eine echte europäische Kulturstrategie einzubeziehen; ist der Auffassung, dass zu diesem Zweck die Definition des Sektors Kulturwirtschaft und Kulturunternehmen vorrangig ist;

6.  fordert die Kommission daher auf, für die Erhebung systematischer statistischer Daten in diesem Bereich zu sorgen, damit die Europäische Union und die Mitgliedstaaten über kohärente und vergleichbare statistische Angaben verfügen können, die für die Ausarbeitung angemessener und zielgerichteter politischer Maßnahmen zur Förderung des Kultur- und Kreativsektors erforderlich sind;

7.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in die nationalen Lehrpläne für Sekundarschulen und Hochschulen, insbesondere in den Fachbereichen Geisteswissenschaften sowie Kunst und Kultur, die Schulung in unternehmerischer Initiative aufzunehmen;

8.  fordert die Kommission und den Hohen Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik auf, die kulturelle Dimension Europas und insbesondere seine Kulturwirtschaft und Kulturschaffenden stärker und besser in die Außenbeziehungen der Europäischen Union sowie in die Europäische Nachbarschaftspolitik sowie in die wichtigen Dialogforen mit anderen Regionen der Welt einzubeziehen;

9.  ist der Auffassung, dass der Aufschwung der Kulturwirtschaft in starkem Maße von den Möglichkeiten einer ungehinderten grenzüberschreitenden Mobilität abhängt, und dass aus diesem Grund die Probleme des Europäischen Haftbefehls aufgegriffen sowie konkrete Regelungen hierzu erarbeitet werden müssen; wiederholt diesbezüglich die Forderungen, die von ihm in seiner oben genannten Entschließung zum sozialen Status der Künstler formuliert worden sind;

10. begrüßt den Gedanken, die Mobilität für Personen, Güter und Dienstleistungen im Kreativsektor unter Achtung der Bestimmungen und Grundsätze der UNESCO-Konvention über kulturelle Vielfalt zu fördern, und ersucht die Kommission, dem Parlament ein einschlägiges Grünbuch zu unterbreiten, das der Besonderheit des Sektors – Kultur- und Wirtschaftsgut zu sein – gerecht wird;

11. betont die Notwendigkeit, ein soziales und wirtschaftliches Modell zu entwickeln, das ein geeignetes Sicherheitsnetz schafft für Kreativunternehmer, vor allem für die Selbständigen, die in den Bereichen Kultur und Kreativwirtschaft tätig sind, wo bislang hohe Teilzeitbeschäftigung und instabile Arbeitsbedingungen herrschen;

12. ist der Auffassung, dass eine gut organisierte länderübergreifende kollektive Wahrnehmung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten sowie Geschäftsmodelle, die die Rechte aller Rechteinhaber achten, von zentraler Bedeutung sind, um das kreative Potenzial unter Gewährleistung gerechter Bezahlung an alle Kategorien von Rechteinhabern voll auszuschöpfen;

13. erinnert die Kommission an seine oben genannte Entschließung vom März 2007 und ruft zu einer gemeinschaftlichen Vorgehensweise auf, die die besonderen Merkmale des digitalen Zeitalters mit der Wahrung der europäischen kulturellen Vielfalt, mit kleinen Interessengruppen und lokalen Repertoires auf der Grundlage des Prinzips der Gleichbehandlung berücksichtigt;

14. ersucht die Kommission um die systematische und möglichst rasche uneingeschränkte Anwendung von Artikel 151 Absatz 4 des EG-Vertrags, um zu gewährleisten, dass der Kultur und dem Kultursektor bei allen anderen gemeinschaftlichen politischen Maßnahmen Rechnung getragen wird, insbesondere bei denjenigen betreffend Binnenmarkt, Wettbewerb, Handel, Unternehmen sowie Forschung und Entwicklung, und die Besonderheit des Kultursektors bei der Umsetzung dieser Politik sowie in der Außenpolitik beim Abschluss internationaler Verträge gemäß der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt besser zu berücksichtigen und dabei eine zukunftsweisende Rolle zu spielen und die internationale Zusammenarbeit zu verbessern;

15. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt mit Leben zu erfüllen und die dort zugrunde gelegten Prinzipien im Rahmen ihrer Innen- wie Außenpolitik umfassend zu berücksichtigen;

16. ersucht die Kommission, eine Struktur einzurichten, die dazu dient, die Koordinierung der Tätigkeiten und der politischen Maßnahmen, die Auswirkungen auf den Kultur- und Kreativsektor haben, zu verstärken sowie eine Task-Force für Kultur und Kreativwirtschaft einzuführen, um den direkten Beitrag und die unmittelbaren Auswirkungen von Kultur und Kreativität auf Innovation, Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung in der Europäischen Union eingehender zu untersuchen und in Zusammenarbeit mit dem Parlament konkrete Maßnahmen im Rahmen der Gemeinschaftspolitik vorzuschlagen;

17. fordert die Kommission vor dem Hintergrund der raschen Technologien- und Marktentwicklungen und damit die Kulturwirtschaft von der Entwicklung digitaler Plattformen profitiert, nachdrücklich auf, die heikle Frage des geistigen Eigentums in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht zu überdenken und alle Akteure dieses Bereichs, vor allem Telekom-Betreiber und Internetdiensteanbieter, dazu aufzurufen, gemeinsam im Bemühen, ein Gleichgewicht zwischen den Möglichkeiten des Zugangs zu kulturellen Aktivitäten und Inhalten einerseits und dem geistigen Eigentum andererseits herzustellen, nach für große und kleine Akteure angemessenen Lösungen zu suchen, die allen Gruppen von Rechteinhabern eine gerechte, tatsächliche Vergütung, den Verbrauchern eine wirkliche Wahlmöglichkeit und kulturelle Vielfalt garantieren; weist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache hin, dass die Kriminalisierung der Verbraucher, die nicht auf Gewinn aus sind, nicht die richtige Lösung zur Bekämpfung der digitalen Piraterie ist;

18. fordert die Kommission auf, Maßnahmen zur Prävention, Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher, insbesondere von Jugendlichen in Schulen, für den Wert des geistigen Eigentums und der Kreativität im Allgemeinen zu ergreifen und die Verbraucher zu ermutigen, das geistige Eigentum zu respektieren;

19. fordert insbesondere die Kommission auf, die Anstrengungen zu unterstützen, um neue Unternehmermodelle im digitalen Zeitalter einzuführen, die es dem Verbraucher ermöglichen, die neuen Technologien optimal zu nutzen, und gleichzeitig das legitime Recht auf Vergütung des künstlerischen und kulturellen Schaffens wahren;

20. fordert die Kommission auf, festzustellen, dass sich mit dem Internet die klassischen Nutzungsarten von kulturellen Gütern und Dienstleistungen völlig verändert haben, und hält es für unverzichtbar, auf einen ungehinderten Zugang zu den Online-Kulturinhalten und auf die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen über alleinige industrielle und kommerzielle Logik hinaus zu achten, indem ferner die gerechte Vergütung, angemessen aufgeteilt auf alle Gruppen von Rechteinhabern, gewährleistet wird;

21. ist der Meinung, dass eine Reform der Rechte des geistigen Eigentums von zentraler Bedeutung ist, um Kreativität zu fördern und zur Entwicklung kultureller Arbeiten zu ermutigen; empfiehlt das "Pariser Abkommen" als einen Rahmen für einen fairen Interessensausgleich zwischen Kulturschaffenden und Verbrauchern;

22. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die notwendigen Mittel bereitzustellen, mit denen die Achtung und der Schutz des geistigen Eigentums gewährleistet werden können;

23. drängt die Kommission, bei der Bekämpfung der Piraterie alle betroffenen Akteure, auch die Verbraucher, verantwortlich zu machen und Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen aufzulegen;

24. hält die angemessene Finanzierung der Kultur- und Kreativwirtschat sowie der kreativen Gemeinschaften für unerlässlich und ersucht den Rat, die Kommission und die Mitgliedstaaten, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, indem sie Formen der Mischfinanzierung und finanzielle Sicherheit empfehlen und einen sowohl für die Kulturwirtschaft wie auch für die kreativen Gemeinschaften günstigen rechtlichen und steuerlichen Rahmen schaffen, genauer gesagt für die Anwendung von Steuergutschriften und ermäßigter MwSt.-Sätze auf alle Kulturerzeugnisse, einschließlich Online-Werke;

25. betont die Bedeutung freier Informationsinfrastrukturen wie das World Wide Web für den europäischen Kreativsektor, die auf Modellen einer offenen Beteiligung und offener Standards basieren, und fordert die Kommission auf, eine Strategie für offenere und interoperable Informationsinfrastrukturen zu konzipieren;

26. sieht es als notwendig an, dass die Strukturfonds, die Programme für die KMU sowie das Siebte Rahmenprogramm für Forschung, Entwicklung und Demonstration (2007-2013) der Entwicklung und der ausreichenden Finanzierung der Kultur- und Kreativwirtschaft, einschließlich der KMU und einzelner künstlerischer Unternehmen in diesem Sektor, einen besonderen Platz einräumen, und wiederholt seine Forderung, dass die Kommission eine Studie über die Auswirkung der von den Strukturfonds und dem Siebten Rahmenprogramm getätigten Finanzierungen auf den Kultur- und Bildungssektor vorlegt;

27. bekräftigt die Bedeutung der Ziele der Europäischen Investitionsbank innerhalb der Initiative Innovation 2010 (i2i) und fordert deren Vorrang; ermuntert die Kommission und die Mitgliedstaaten, weitere Möglichkeiten für die Gewährung finanzieller Unterstützung zur Gründung und Weiterentwicklung von KMU im Kulturell- und Kreativsektor zu erkunden (beispielsweise mittels des Siebten Rahmenprogramms); empfiehlt die Nutzung der Strukturfonds, um traditionelle Kunst- und Kulturerbesektoren sowie die Kulturwirtschaft und innovative Branchen zu unterstützen; fordert die Kommission auf, diese Tätigkeiten zu überwachen und zur Verbreitung bewährter Verfahren beizutragen;

28. fordert die Kommission auf, den Zugang zur Kulturwirtschaft in Bezug auf die technischen Hilfsprogramme mit Drittländern, insbesondere mit China, Indien und Lateinamerika, zu fördern;

29. fordert die Kommission auf, die Partnerschaften zwischen dem Sektor der Kulturwirtschaft und den Branchen Informationstechnologie und Kommunikation zu fördern und zu unterstützen, um die Synergien zwischen Kreativität und Innovation im Zusammenhang mit der Lissabon-Strategie zu begünstigen;

30. ersucht die Kommission, ein dem MEDIA-Programm vergleichbares Programm für den Musiksektor und das Verlagswesen aufzulegen, die Verfahren zur Verwirklichung der Initiative für die Europäische Digitale Bibliothek abzuschließen, den Musiksektor, das Theater und das Verlagswesens zu stimulieren und zu unterstützen, um den grenzüberschreitenden Vertrieb der Werke zu erleichtern, und als ersten Schritt im Programm „Kultur“ einen Mechanismus vorzusehen, der es der nicht-audiovisuellen Kulturwirtschaft ermöglicht, Zugang zur Gemeinschaftsfinanzierung für die Buchförderung zu erhalten (u.a. mittels gemeinsamer Stände auf Buchmessen), aber auch zur Förderung von Musik und beruflicher Bildung;

31. ersucht die Mitgliedstaaten, den Betrag der Zuschüsse für Übersetzungen zu erhöhen, da mit den Haushaltsmitteln, die den europäischen Kulturprogrammen zugewiesen werden, deren Ziele nicht verwirklicht werden können;

32. hält es für notwendig, den Kultur- und Kreativsektor durch eine Verbesserung der Qualifizierungs-, Ausbildungs- und Bildungssysteme zu fördern, insbesondere indem versucht wird, den Studierenden in den kulturellen und künstlerischen Fächern eine Ausbildung zu geben, die sie auf das Berufsleben vorbereitet, sowie durch Förderung besserer Synergien zwischen den Unternehmen des Sektors und den Schulen, und indem die Annäherung von Schulen und Institutionen in den Mitgliedstaaten, die bereits in dieser Richtung arbeiten, betrieben wird; hält ferner weitere Fortschritte bei der Anerkennung von Abschlüssen in Kunststudien für notwendig;

33. betont den besonderen Charakter bestimmter Berufe und des Know-hows in den kulturellen, kreativen und handwerklichen Bereichen, deren Dauerhaftigkeit durch geeignete Mechanismen für den Wissenstransfer gewährleistet werden muss;

34. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, geeignete Maßnahmen zur Aufwertung traditioneller Kenntnisse zur ergreifen, um die Mobilität zu fördern und den Zugang zur Beschäftigung von Fachleuten aus den einschlägigen Sektoren in der Europäischen Union zu erleichtern;

35. fordert die Mitgliedstaaten auf, in der Kulturwirtschaft den Löhnen und Gehältern von Frauen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, damit vermieden wird, dass die bestehenden Lohn- und Gehaltsregelungen zu geschlechtsbezogenen Diskriminierungen führen;

36. unterstreicht die bedeutende Rolle, die die Kulturwirtschaft bei der Bekämpfung Von Geschlechterstereotypen spielt, indem sie die Gleichstellung von Männern und Frauen fördert und zum Mentalitätswandel beiträgt; fordert die Mitgliedstaaten auf, die Kulturwirtschaft zu ermutigen, diese Ideen durch ihre Initiativen zu vermitteln.

37. ersucht die Mitgliedstaaten und ihre lokalen Körperschaften, eine bessere Kommunikation zwischen der Kulturwirtschaft und den Geldgebern durch die Entwicklung von betriebswirtschaftlichen Beratungsdiensten, Finanzberatungsdiensten sowie Informations- und Ausbildungsdiensten für Kleinbetriebe, Unternehmer und Angehörige des Handwerks im Kultur- und Kreativsektor zu entwickeln;

38. misst den Bestimmungen der Richtlinie 2007/65/EG(7) große Bedeutung bei und fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre fristgerechte Umsetzung zu gewährleisten; fordert außerdem die Kommission auf, dem Parlament Informationen über die Durchführung dieser Richtlinie zu übermitteln;

39. betont die Möglichkeiten, die durch ein Hochgeschwindigkeitsbreitband mit großer Reichweite und neue drahtlose Technologien bei der Entwicklung und Verbreitung neuer, innovativer kultureller Dienstleistungen und Inhalte in ländlichen wie auch städtischen Gebieten in jedem der 27 Mitgliedstaaten eröffnet werden; fordert die Mitgliedstaaten zudem auf, der Entwicklung von Breitbandnetzen in ländlichen und Randgebieten Priorität einzuräumen, um die digitale Kluft zu überwinden; stellt fest, dass es den Verbrauchern durch technologische Fortschritte ermöglicht wird, einen rascheren Zugang zu kulturellen Inhalten zu erlangen;

40. erinnert die Kommission und die Mitgliedstaaten an ihre bisherige Position zu audiovisuellen Dienstleistungen im Rahmen der internationalen Handelsgespräche und fordert sie auf, auch künftig im Rahmen der WTO/GATS-Verhandlungen weder Angebote zur Liberalisierung audiovisueller Dienstleistungen zu machen noch Forderungen zu stellen, dass sie eine Ausnahmeregelung von der Anwendung der Meistbegünstigung erhalten;

41. begrüßt die 2007 erfolgte Schaffung des jährlich zu vergebenden Filmpreises des Parlaments (Prix LUX) als Mittel zur Stärkung der Kulturpolitik, zur Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt, zur Bewahrung der kulturellen Tradition sowie zur Unterstützung des Kulturaustauschs; fordert, bei der Verleihung dieses Preises in Anerkennung des Beitrags, den Frauen zur Entwicklung und Entfaltung des europäischen Films leisten, die Beteiligung und Kreativität von Frauen besonders zu berücksichtigen;

42. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission, den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten sowie der UNESCO und dem Europarat zu übermitteln.

(1)

ABl. L 332 vom 18.12.2007, S. 27.

(2)

ABl. L 201 vom 25.7.2006, S. 15

(3)

ABl. C 76E vom 25.3.2004, S. 459.

(4)

ABl. C 92 E vom 16.4.2004, S. 425

(5)

ABl. L C 301 E vom 13.12.2007, S. 64

(6)

Angenommene Texte von diesem Datum, P6_TA(2007)0236.

(7)

ABl. L 298 vom 17.10.1989, S. 23


BEGRÜNDUNG

Die im Auftrag der Kommission durchgeführte und im November 2006 veröffentlichte KEA-Studie mit dem Titel „Die Kulturwirtschaft in Europa“ hat wichtige Daten über den Beitrag der Kultur zum Wirtschaftswachstum und ihre Auswirkungen auf die Beschäftigung herausgearbeitet.

So hat die Studie gezeigt, dass der Kultursektor im Jahre 2003 mit etwa 2,6% zum BIP der Europäischen Union beigetragen hat, wobei sein Wachstum stärker als das der Wirtschaft im Allgemeinen gewesen ist. Im Jahr 2004 arbeiteten über 5 Millionen Menschen, das entspricht 3,1% der EU-Erwerbsbevölkerung, in diesem Sektor.

Über seinen direkten Beitrag zur Wirtschaft hinaus hat der Kultur- und Kreativsektor indirekte Auswirkungen auf das sozioökonomische Umfeld in Europa, indem er die Innovation in anderen Wirtschaftsbereichen fördert.

Der Kreativsektor leistet einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien. Er spielt eine wichtige Rolle auf lokaler, regionaler und städtischer Ebene und ist ein unverzichtbares Element zur Gewährleistung einer nachhaltigen Entwicklung.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich ein immer stärkeres Bewusstsein für die wirtschaftliche Dimension der Kultur und ihre Rolle für die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie für die ländliche und städtische Entwicklung herausgebildet. Die Herausforderung dieser aufstrebenden Kulturwirtschaft besteht darin, auf das Erscheinen neuer Produkte und Dienstleistungen auf den globalisierten Märkten angemessen zu reagieren.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (27.11.2007)

für den Ausschuss für Kultur und Bildung

zur Kulturwirtschaft in Europa

(2007/2153(INI))

Verfasserin der Stellungnahme: Neena Gill

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ersucht den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

1.   stellt fest, dass die Kulturwirtschaft bei der Bereitstellung von Mehrwertdiensten, die die Grundlage einer dynamischen wissensbasierten Wirtschaft bilden und deshalb als wichtiger Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit in der Europäischen Union anerkannt werden sollten, eine Schlüsselstellung einnimmt;

2.   ist der Ansicht, dass die Kulturwirtschaft, die eine wichtige Quelle für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der EU ist, insbesondere kreative Talente nutzen muss; fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, neue, innovative Arten des lebenslangen Lernens, durch die kreative Talente weiter entwickelt werden, zu fördern;

3.   erkennt in Verbindung mit der Agenda von Lissabon an, dass die Kulturwirtschaft das Wachstum fördert und Arbeitsplätze schafft; hält es deshalb für notwendig, die Entwicklung von Fähigkeiten in den kreativen Branchen in den Vordergrund zu stellen und die Innovation in diesen Branchen zu fördern; fordert die Kommission auf, dafür Sorge zu tragen, dass für die Kulturwirtschaft in allen Mitgliedstaaten ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden;

4.  misst dem geänderten Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 89/552/EWG des Rates zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit („Audiovisuelle Mediendienste ohne Grenzen“)(1) große Bedeutung bei und fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre fristgerechte Umsetzung zu gewährleisten; fordert außerdem die Kommission auf, ihm Informationen über die Durchführung dieser Richtlinie zu übermitteln;

5.  betont die Möglichkeiten, die durch ein Hochgeschwindigkeitsbreitband mit großer Reichweite und neue drahtlose Technologien bei der Entwicklung und Verbreitung neuer, innovativer kultureller Dienstleistungen und Inhalte in ländlichen wie auch städtischen Gebieten in jedem der 27 Mitgliedstaaten eröffnet werden; fordert die Mitgliedstaaten zudem auf, der Entwicklung von Breitbandnetzen in ländlichen und Randgebieten Priorität einzuräumen, um die digitale Kluft zu überwinden; stellt fest, dass es den Verbrauchern durch technologische Fortschritte ermöglicht wird, einen rascheren Zugang zu kulturellen Inhalten zu erlangen;

6.  weist noch einmal auf die enormen Chancen für die Kulturwirtschaft hin, die der Übergang vom Analog- zum Digitalfernsehen mit Blick auf die Vorteile der durch das Digitalfernsehen möglichen innovativen Dienste bietet, nämlich beispielsweise geringere Kosten, bessere Qualität, mehr Vielfalt und stärkerer Wettbewerb; fordert einen ordnungspolitischen Rahmen, der mehr Flexibilität bei der Nutzung des Frequenzspektrums ermöglicht;

7.  ist der Ansicht, dass der wirksame Schutz der Rechte des geistigen Eigentums für die Wettbewerbsfähigkeit der Kulturwirtschaft wesentlich und außerordentlich wichtig ist, wenn die EU kreative Talente und kulturelle Inhalte anziehen, fördern und entwickeln soll; erkennt an, dass einzelne Verbraucher davon profitieren würden, da Verminderungen bei der Produktpiraterie zu niedrigeren Preisen führen würden und die Verbraucher mehr kreative Erzeugnisse von besserer Qualität kaufen könnten;

8.  fordert die Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums in der Online-Welt; stellt fest, dass die Richtlinie 2004/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums(2) und die Richtlinie 2000/31/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2000 über bestimmte rechtliche Aspekte der Dienste der Informationsgesellschaft, insbesondere des elektronischen Geschäftsverkehrs, im Binnenmarkt („Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr“)(3) den wirksamen Schutz von Urheberrechten vorsehen; ist der Ansicht, dass Internetdiensteanbieter und Anbieter von Inhalten innerhalb dieses Rahmens zusammenarbeiten sollten; stellt ferner fest, dass die Bekämpfung der Online-Piraterie eine Voraussetzung für das Angebot und die Verbreitung wertvoller Inhalte über das Internet ist; vertritt indessen die Auffassung, dass bei jedem Ansatz die mit der Durchsetzung des Rechts verbundene gegenseitige Kontrolle und die wesentliche Rolle der sich mit Urheberrechtsverletzungen befassenden Gerichte sowie die Datenschutzbestimmungen berücksichtigt werden müssen;

9.  fordert die Internetdiensteanbieter auf, bei der Bekämpfung der Internetpiraterie mitzuarbeiten, indem sie ihre Vertragsbedingungen, die es ihnen ermöglichen, Material, mit dem gegen Urheberrechte verstoßen wird, zu entfernen oder den Zugang dazu zu sperren und Nutzerkonten von Kunden, die Rechte des geistigen Eigentums verletzen, zeitweilig oder ganz zu sperren, durchsetzen; fordert in diesem Sinne die Internetdiensteanbieter auf, Filtermaßnahmen anzuwenden, um Urheberrechtsverletzungen vorzubeugen;

10. fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, protektionistische Maßnahmen abzulehnen und sich stattdessen mit Regelungen zu befassen, die die Kulturwirtschaft der EU derzeit benachteiligen, wodurch Letztere in die Lage versetzt und gezwungen würde, sowohl in der EU als auch weltweit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern;

11. fordert die Kommission nachdrücklich auf, das Verzeichnis der Kulturgüter und kulturellen Dienstleistungen in Anhang III der Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem(4) zu überarbeiten; stellt fest, dass eine allgemeinere Prüfung der Unterschiede bei den ermäßigten Mehrwertsteuersätzen für Kulturgüter und kulturelle Dienstleistungen in der EU erforderlich ist, um Marktverzerrungen, die derzeit die Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Branchen der Kulturwirtschaft beeinträchtigen, in Angriff zu nehmen;

12. bekräftigt die Bedeutung der i2i-Ziele der Europäischen Investitionsbank und fordert deren Maximierung; ermuntert die Kommission und die Mitgliedstaaten, weitere Möglichkeiten für die Gewährung finanzieller Unterstützung zur Gründung und Weiterentwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen im kulturellen und kreativen Bereich zu erforschen (beispielsweise mittels des Siebten Rahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaften für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007-2013)); empfiehlt die Nutzung der Strukturfonds, um traditionelle Kunst- und Kulturerbesektoren sowie die Kulturwirtschaft und innovative Branchen zu unterstützen; fordert die Kommission auf, diese Tätigkeiten zu überwachen und zur Verbreitung bewährter Verfahren beizutragen.

ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

22.11.2007

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

37

0

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Jan Březina, Jerzy Buzek, Pilar del Castillo Vera, Jorgo Chatzimarkakis, Giles Chichester, Den Dover, Nicole Fontaine, Adam Gierek, Norbert Glante, Umberto Guidoni, András Gyürk, David Hammerstein, Erna Hennicot-Schoepges, Ján Hudacký, Romana Jordan Cizelj, Werner Langen, Anne Laperrouze, Eluned Morgan, Angelika Niebler, Reino Paasilinna, Miloslav Ransdorf, Vladimír Remek, Herbert Reul, Teresa Riera Madurell, Paul Rübig, Andres Tarand, Britta Thomsen, Radu Ţîrle, Catherine Trautmann, Nikolaos Vakalis, Alejo Vidal-Quadras

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende(r) Stellvertreter(in/innen)

Joan Calabuig Rull, Neena Gill, Eija-Riitta Korhola, Lambert van Nistelrooij, Vladimir Urutchev

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende(r) Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

Umberto Pirilli

(1)

KOM(2007)0170

(2)

ABl. L 157 vom 30.4.2004, S. 45. Berichtigt im ABl. L 195 vom 2.6.2004, S. 16, und ABl. L 204 vom 4.8.2007, S. 27.

(3)

ABl. L 178 vom 17.7.2000, S. 1.

(4)

ABl. L 347 vom 11.12.2006, S. 1. Richtlinie in der durch die Richtlinie 2006/138/EG (ABl. L 384 vom 29.12.2006, S. 92) geänderten Fassung.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (17.7.2007)

für den Ausschuss für Kultur und Bildung

zur Kulturwirtschaft in Europa

(2007/2153 (INI))

Verfasserin der Stellungnahme: Claire Gibault

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter ersucht den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

A. in der Erwägung, dass die kulturelle Vielfalt und der freie Austausch von Ideen ihren Niederschlag in der Unverwechselbarkeit und Unterschiedlichkeit der Identitäten und der Gleichstellung von Männern und Frauen finden,

B.  in der Erwägung, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen ein Grundwert der Europäischen Union ist, der durch die Kultur vermittelt wird, und dass diese Vermittlung von Werten die europäische Integration fördert,

C. in der Erwägung, dass in der Kulturwirtschaft eine ausgewogene Vertretung von Männern und Frauen noch längst nicht verwirklicht ist,

D. in der Erwägung, dass Frauen in der Kulturwirtschaft meist in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), oder wenn sie ihr eigenes Unternehmen gründen, Führungspositionen bekleiden,

E.  in der Erwägung, dass die Beteiligung von Frauen im TIMES-Sektor (Telekommunikation, Internet, Medien, E-Commerce und Software), der eine fundamentale Säule der Kulturwirtschaft darstellt, außerordentlich gering ist (30 %) und dass lediglich 20 % der neuen Unternehmensgründungen in diesem Sektor auf Frauen entfallen;

F.  in der Erwägung, dass zwar nunmehr eine immer größere Zahl von Frauen im kulturwirtschaftlichen Sektor beschäftigt ist, dass aber Frauen in den großen Unternehmen zumeist noch immer nur Funktionen auf der mittleren und unteren Ebene wahrnehmen,

G. in der Erwägung, dass Frauenorganisationen eine wichtige Rolle in der Kulturwirtschaft spielen könnten, und in Erwägung ihrer Bedeutung für die Verbesserung der Lage von Frauen in allen Lebensbereichen,

1.  weist darauf hin, dass in den im Kulturbereich tätigen KMU, die einen hohen Frauenanteil aufweisen, die ausgewogene Vertretung und die Zusammenarbeit von Männern und Frauen die Entwicklung einer bereichernden Kreativität und einer Vielfalt von Ideen ermöglichen;

2.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in die nationalen Bildungsprogramme für Sekundarschulen und Hochschulen, insbesondere in den Fachbereichen Geisteswissenschaften sowie Kunst und Kultur, die Schulung in unternehmerischer Initiative aufzunehmen;

3.   fordert die Mitgliedstaaten auf, jegliche Form von Diskriminierung zu beseitigen, die den Zugang von Frauen zu Aus- und Weiterbildung bzw. ihr berufliches Fortkommen im kulturwirtschaftlichen Sektor behindert; fordert sie nachdrücklich auf, die Anerkennung und Verbreitung künstlerischer Produktionen von Frauen zu verbessern, ihre Beteiligung an Kulturinstitutionen und am internationalen Kulturaustausch zu fördern und den Zugang von Unternehmerinnen zur Finanzierung von Programmen zur Förderung des Unternehmertums, zu Krediten und sonstigen Bankdienstleistungen zu erleichtern, da sie wirksam zur Beseitigung von geschlechtsspezifischen Vorurteilen im Kulturbereich beitragen können;

4.  ermutigt die Mitgliedstaaten, den Zugang für Frauen zu Führungspositionen im kulturwirtschaftlichen Sektor zu erleichtern, da die angesehensten Positionen in diesem Sektor noch immer mehrheitlich von Männern eingenommen werden.

5.  stellt fest, dass im Förderprogramm für den europäischen audiovisuellen Sektor (MEDIA 2007) keine spezifischen Maßnahmen zur Förderung der Beteiligung von Frauen vorgesehen sind; fordert die Kommission auf, diesen Aspekt in ihren künftigen Programmen zu berücksichtigen;

6.  fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission auf, Maßnahmen zur Förderung der Kreativität von Frauen in der Kulturwirtschaft voranzutreiben, um den Beitrag, den Künstlerinnen für das kulturelle Schaffen (Kino, Musik, Theater, bildende Künste usw.) leisten, sichtbar zu machen und anzuerkennen;

7.  begrüßt die kürzlich vorgenommene Schaffung (2007) des jährlich zu vergebenden Filmpreises des Europäischen Parlaments (Prix LUX) als Mittel zur Stärkung der Kulturpolitik, zur Förderung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt, zur Bewahrung der kulturellen Tradition sowie zur Unterstützung des Kulturaustauschs; fordert, bei der Verleihung dieses Preises in Anerkennung des Beitrags, den Frauen zur Entwicklung und Entfaltung des europäischen Films leisten, die Beteiligung und Kreativität von Frauen besonders zu berücksichtigen;

8.  empfiehlt den Mitgliedstaaten, im Kulturbereich eine Erhöhung des Frauenanteils auf allen Entscheidungsebenen anzustreben und die Umsetzung dieses Ziels zu überwachen;

9.  fordert die Mitgliedstaaten auf, in der Kulturwirtschaft den Löhnen und Gehältern von Frauen besondere Aufmerksamkeit zu schenken, damit vermieden wird, dass die bestehenden Lohn- und Gehaltsregelungen zu geschlechtsbezogenen Diskriminierungen führen;

10. empfiehlt den Mitgliedstaaten, in der Kulturwirtschaft Frauenorganisationen bei ihren Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Frauen in diesem Bereich verstärkt zu fördern, ihre Verdienste anzuerkennen und sie finanziell zu unterstützen;

11. unterstreicht die bedeutende Rolle, die die Kulturwirtschaft bei der Bekämpfung von Geschlechterstereotypen spielt, indem sie die Gleichstellung von Männern und Frauen fördert und zum Mentalitätswandel beiträgt; fordert die Mitgliedstaaten auf, alle dahingehenden Initiativen, die von der Kulturwirtschaft ergriffen werden, zu fördern und zu unterstützen.

VERFAHREN

Titel

Kulturwirtschaft in Europa

Verfahrensnummer

2007/0000(INI)

Federführender Ausschuss

CULT

Stellungnahme von

  Datum der Bekanntgabe im Plenum

FEMM21.6.2007

Verstärkte Zusammenarbeit – Datum der Bekanntgabe im Plenum

 

Verfasser(in) der Stellungnahme

  Datum der Benennung

Claire Gibault19.3.2007

Ersetzte(r) Verfasser(in) der Stellungnahme:

 

Prüfung im Ausschuss

4.6.2007

16.7.2007

 

 

 

Datum der Annahme

16.7.2007

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

26

0

1

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Edit Bauer, Hiltrud Breyer, Věra Flasarová, Nicole Fontaine, Claire Gibault, Lissy Gröner, Zita Gurmai, Esther Herranz García, Anneli Jäätteenmäki, Urszula Krupa, Roselyne Lefrancois, Siiri Oviir, Doris Pack, Marie Panayotopoulos-Cassiotou, Zita Pleštinská, Christa Prets, Karin Resetarits, Teresa Riera Madurell, Amalia Sartori, Eva-Britt Svensson, Anna Záborská.

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Gabriela Creţu, Jill Evans, Anna Hedh, Marusya Ivanova Lyubcheva.

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

Ján Hudacký, Peter Šťastný.

Anmerkungen (Angaben nur in einer Sprache verfügbar)


ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

22.1.2008

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

33

1

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Ivo Belet, Guy Bono, Nicodim Bulzesc, Marie-Hélène Descamps, Věra Flasarová, Milan Gaľa, Claire Gibault, Vasco Graça Moura, Luis Herrero-Tejedor, Ruth Hieronymi, Mikel Irujo Amezaga, Ramona Nicole Mănescu, Manolis Mavrommatis, Marianne Mikko, Ljudmila Novak, Dumitru Oprea, Doris Pack, Zdzisław Zbigniew Podkański, Mihaela Popa, Christa Prets, Karin Resetarits, Pál Schmitt, Hannu Takkula, Helga Trüpel, Thomas Wise, Tomáš Zatloukal

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Rolf Berend, Victor Boştinaru, Emine Bozkurt, Ignasi Guardans Cambó, Gyula Hegyi, Viktória Mohácsi, Ewa Tomaszewska

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

Donata Gottardi

Letzte Aktualisierung: 25. März 2008Rechtlicher Hinweis