Verfahren : 2008/2102(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0455/2008

Eingereichte Texte :

A6-0455/2008

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 18/12/2008 - 6.10
CRE 18/12/2008 - 6.10
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2008)0625

BERICHT     
PDF 205kDOC 106k
20. November 2008
PE 409.772v03-00 A6-0455/2008

über Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen – Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“

(2008/2102(INI))

Ausschuss für Kultur und Bildung

Berichterstatterin: Ljudmila Novak

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter
 ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen – Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“

(2008/2102(INI))

Das Europäische Parlament,

–   gestützt auf Artikel 149 und 150 des EG-Vertrags,

–   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 12. November 2007 mit dem Titel „Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen – Entwurf des gemeinsamen Fortschrittsberichts 2008 des Rates und der Kommission über die Umsetzung des Arbeitsprogramms ‚Allgemeine und berufliche Bildung 2010‘“ (KOM(2007)0703) sowie des dazugehörigen Arbeitsdokuments der Kommissionsdienststellen (SEK(2007)1484),

–   unter Hinweis auf das detaillierte Arbeitsprogramm zur Umsetzung der Ziele der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa(1) und der späteren gemeinsamen Zwischenberichte über die Fortschritte im Hinblick auf seine Umsetzung,

–   unter Hinweis auf die Entschließung des Rates vom 15. November 2007 zur allgemeinen und beruflichen Bildung als wesentliche treibende Kraft der Lissabonner Strategie(2),

–   unter Hinweis auf den Beschluss Nr. 1720/2006/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. November 2006 über ein Aktionsprogramm im Bereich des lebenslangen Lernens(3),

–   unter Hinweis auf die Entschließung des Rates vom 15. November 2007 zu den neuen Kompetenzen für neue Beschäftigungen(4),

–   unter Hinweis auf das Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen vom 28. August 2007 mit dem Titel „Towards more knowledge-based policy and practice in education and training“ (SEK(2007)1098),

–   unter Hinweis auf die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 zur Einrichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen(5),

–   unter Hinweis auf die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 über die verstärkte europäische Zusammenarbeit zur Qualitätssicherung in der Hochschulbildung(6),

–   unter Hinweis auf die Europäische Qualitätscharta für Mobilität(7),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 13. November 2007 zur Rolle des Sports in der Erziehung(8),

–   unter Hinweis auf die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen(9),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 16. Januar 2008 zur Erwachsenenbildung: „Man lernt nie aus“(10),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. September 2008 zu dem Bologna-Prozess und der Mobilität der Studierenden(11),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. September 2008 zur Verbesserung der Qualität der Lehrerbildung(12),

–   in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates vom 13. und 14. März 2008,

–   gestützt auf Artikel 45 seiner Geschäftsordnung,

–   in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Kultur und Bildung und der Stellungnahme des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (A6-0455/2008),

A. in der Erwägung, dass die Europäische Union bis 2010 bei der Qualität der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung eine weltweit führende Stellung anstrebt, da diese Systeme für den weiteren Fortschritt des Lissabon-Prozesses entscheidend sind,

B.  in der Erwägung, dass Fortschritte bei der Stärkung der Autonomie und Budgetverantwortung der Universitäten erzielt wurden und dass die Unterstützung für die Universitäten in diesem Prozess verstärkt werden muss,

C. in der Erwägung, dass die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung Frauen und Männern die gleichen Chancen bieten sollten,

D. in der Erwägung, dass die Einbeziehung der Gleichstellungsthematik in die Politik für allgemeine und berufliche Bildung für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie von Lissabon unerlässlich ist, deren Zielsetzung u. a. darin besteht, Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern auf den europäischen Arbeitsmärkten anzugehen und insbesondere bis 2010 eine Frauenerwerbsquote von 60 % zu erreichen,

E.  in der Erwägung, dass die Mitgliedstaaten durch Zusammenarbeit und Austausch bewährter Verfahren die Reform ihrer nationalen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung vorantreiben müssen,

F.  in der Erwägung, dass kohärente und umfassende Strategien und Werkzeuge für lebenslanges Lernen, auf die sich das Europäische Parlament und der Rat verständigt haben, konsequent umgesetzt werden sollten, um die Ziele von Lissabon zu erreichen und das Wissensdreieck zu stärken,

G. in der Erwägung, dass Europa bessere Qualifikationen braucht und dass Kreativität und Innovation auf allen Stufen der allgemeinen und beruflichen Bildung gefördert werden sollten,

H. in der Erwägung, dass für den zukünftigen Qualifikationsbedarf auf dem Gebiet der Umwelt und Gesellschaft vorgesorgt werden sollte, zum Beispiel indem der Klimawandel und andere Umweltfragen zu Querschnittsthemen in allen Formen des Lernens werden,

I.   in der Erwägung, dass Lehrpläne zur persönlichen Entwicklung der Lernenden beitragen sollten, indem die Vermittlung von Menschenrechten und europäischen Werten darin integriert wird,

J.   in der Erwägung, dass Qualität und Effizienz in den Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung und ihre Zugänglichkeit für die Bürger als wichtige politische Ziele auf der europäischen Ebene gesehen werden müssen,

K. in der Erwägung, dass allgemeine und berufliche Bildung immer auf lokale und regionale Möglichkeiten, besondere Merkmale und Bedürfnisse Rücksicht nehmen muss,

1.  begrüßt die oben genannte Mitteilung der Kommission vom 12. November 2007 und die darin aufgeführten Fortschritte;

2.  weist darauf hin, dass Maßnahmen auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung durchgängig durch ergänzende sozioökonomische Maßnahmen unterstützt werden sollten, um den Lebensstandard der europäischen Bürger insgesamt zu heben;

3.  betont die Notwendigkeit, Migranten und Angehörige von Minderheiten, insbesondere Roma, zu integrieren und sich auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Bildung für die Einbeziehung von Gruppen mit besonderen Bedürfnissen, vor allem Frauen, behinderte und ältere Menschen, einzusetzen; vertritt die Ansicht, dass für Migranten zusätzliche Unterstützung geleistet werden sollte, während Angehörige ethnischer Minderheiten und Roma von ausgebildetem Personal unterstützt werden sollten, das derselben Minderheit angehört oder zumindest ihre Muttersprache spricht;

4.  betont die Wichtigkeit des Sports in der allgemeinen und beruflichen Bildung und die Notwendigkeit, den Sport besonders zu berücksichtigen, zum Beispiel indem der Sportunterricht auf die gesamte Dauer aller Schul- und Ausbildungsgänge, von der Vorschule bis zur Universität, ausgeweitet wird, und fordert, im Lehrplan mindestens drei Unterrichtsstunden wöchentlich für Sport vorzusehen und die Schulen dabei zu unterstützen, je nach Möglichkeit dieses vorgeschriebene Minimum zu übersteigen;

5.  betont die entscheidende Rolle der Familien und des sozialen Umfelds für jede Frage der allgemeinen und beruflichen Bildung;

6.  stellt fest, dass die Bildung von entscheidender Bedeutung für den sozialen Erfolg und die persönliche Entfaltung sowohl von Frauen als auch von Männern ist; betont daher, wie wichtig es ist, die allgemeine und berufliche Bildung als eine elementare Grundlage zu verbessern, um die angestrebte Gleichstellung von Frauen und Männern voranzubringen;

7.  bedauert, dass die Bildungssysteme die Frauen nicht stärker ermutigen, sich für traditionell von den Männern bevorzugte Arbeits- und Ausbildungsbereiche zu entscheiden, und umgekehrt; begrüßt die Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Programme aufzulegen, um den Frauen möglichst diversifizierte Möglichkeiten der Berufsorientierung und anschließend eine Betreuung auf dem Arbeitsmarkt zu bieten;

8.  betont, dass die bestehende Ungleichheit der Chancen für Frauen und Männer auf dem Gebiet einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und des lebenslangen Lernens in den Inselregionen sowie den geografisch und sozial benachteiligten Regionen umso stärker ausgeprägt ist; fordert daher intensivere Bemühungen zur Förderung der Bildungsinitiativen im Rahmen der Regionalpolitik;

9.  stellt fest, dass Frauen nach wie vor in bestimmten Studienbereichen auf allen Ebenen und in der Forschung unterrepräsentiert sind; spricht sich daher für die Einleitung konkreter positiver Maßnahmen aus, um dem entgegenzuwirken;

10. stellt fest, dass Studierende, die ihr Studium unterbrochen haben, insbesondere junge Mütter, Opfer von Ungleichbehandlung sein können, und fordert flexiblere Systeme, um die Wiederaufnahme eines Studiums oder einer Ausbildung nach der Geburt eines Kindes und die Vereinbarkeit eines Studiums mit dem Berufs- und Familienleben zu erleichtern;

11. stellt fest, dass die Qualität der Lehrpläne und des Unterrichts allgemein verbessert, die soziale Sicherheit der Lehrkräfte gestärkt und besondere Aufmerksamkeit auf ihre Weiterbildung und Mobilität gerichtet werden muss;

12. betont, dass Medienkompetenz und IKT-Kenntnisse entschieden gefördert werden sollten, und empfiehlt sowohl, dass Medienerziehung integraler Bestandteil des Lehrplans auf allen Schulstufen sein sollte, als auch, dass medienpädagogische Module für Lehrerinnen und Lehrer sowie ältere Menschen angeboten werden sollten;

13. weist darauf hin, dass der Übergang zwischen verschiedenen Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie zwischen formalem, nicht formalem und informellem Lernen erleichtert werden muss;

14. fordert den Rat auf, die praktische Umsetzung europäischer Bildungs- und Lernstrategien durch die einzelnen Mitgliedstaaten zu kontrollieren; vertritt die Auffassung, dass die nationalen Regierungen in diesem Bereich nationale Ziele in einer transparenten Art und Weise festsetzen und geeignete Vorschriften und Maßnahmen einführen sollten, um die Erreichung europäischer Standards sicherzustellen und insbesondere für die Anwendung der auf EU-Ebene angenommenen Instrumente zu sorgen, wie z. B. der Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen, des Europäischen Qualifikationsrahmens und des Europasses;

Vorschulbildung

15. betont, dass mehr Mittel für die Verbesserung der materiellen Rahmenbedingungen und der räumlichen Ausstattung und die fortlaufenden Fortbildungsmaßnahmen für die Erzieher bereitgestellt werden müssen, damit die Qualität der Vorschulerziehung steigt, und dass verstärkt Mittel für Investitionen zur Verfügung gestellt werden müssen, wobei der allgemeine Zugang zur qualitativ hochwertigen Vorschulerziehung ein geeigneter Weg ist, allen Kindern und insbesondere Kindern, die aus sozial schwachen Verhältnissen stammen oder Minderheiten angehören, den Zugang zum lebenslangen Lernen zu ermöglichen;

16. betont nachdrücklich die Notwendigkeit, dass Kinder so früh wie möglich grundlegende Fähigkeiten entwickeln, ihre Muttersprache oder die Sprache ihres Aufenthaltslandes erlernen und Fertigkeiten im Lesen und Schreiben erwerben;

17. vertritt die Ansicht, dass das Erlernen einer zweiten Sprache in diesem frühen Stadium beginnen sollte, aber der frühkindliche Umgang mit Sprachen spielerisch und ohne Leistungsdruck erfolgen muss;

18. ruft alle Mitgliedstaaten auf, die Vorschulbildung verpflichtend zu machen;

Primar- und Sekundarschulbildung

19. betont die Notwendigkeit, denjenigen besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die andernfalls später die Schule abbrechen könnten; ist der Ansicht, dass besondere Programme und Maßnahmen beschlossen werden sollten, um den Anteil der Schulabbrecher zu verringern, und dass in den Fällen, wo der Schulabbruch unvermeidlich ist und weiterhin vorkommt, die Betroffenen unterstützt werden sollten und ihnen die Möglichkeit geboten werden sollte, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und Bildungswege zu beschreiten, die für sie geeignet sind;

20. betont, dass die Primar- und Sekundarschulbildung die Kinder zu selbstständigem, kreativem und innovativem Denken befähigen sowie zu medienkritischen und selbst-reflektierenden Bürgern und Bürgerinnen machen sollte;

21. unterstreicht die Bedeutung der Lehrpläne für die Schulen in jedem Mitgliedstaat, die Kurse umfassen sollten, in denen die Kreativität und das innovative Denken von Kindern gefördert und entwickelt werden;

22. vertritt die Ansicht, dass Lehrpläne und ihr Inhalt ständig aktualisiert werden müssen, um relevant zu bleiben, wobei die wichtige Rolle der unternehmerischen Fähigkeiten und des freiwilligen Engagements betont wird, um die persönliche Entwicklung zu fördern, und betont, dass alle Mitgliedstaaten der Lehrerbildung mehr Bedeutung einräumen und mehr Mittel dafür zur Verfügung stellen müssen, um bedeutende Fortschritte bei der Umsetzung der Zielsetzungen der Lissabon-Strategie im Rahmen des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ zu erzielen und das lebenslange Lernen innerhalb der Europäischen Union zu fördern;

23. ist davon überzeugt, dass Kinder so früh wie möglich eine zweite Fremdsprache lernen sollten;

24. setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass Fremdsprachen von einem frühen Alter an erlernt werden und dass Fremdsprachenunterricht in alle Primarschullehrpläne aufgenommen wird; betont, dass zum Erreichen dieses Ziels ausreichende Mittel für die Anstellung und Ausbildung von Fremdsprachenlehrern zur Verfügung gestellt werden müssen;

25. vertritt die Ansicht, dass die Entwicklung der persönlichen Begabungen, spezifischen Fähigkeiten und natürlichen Fertigkeiten der Schüler ein Hauptziel dieser Stufe der Bildung sein sollte; weist darauf hin, dass diese Fähigkeiten später die Grundlage für Arbeit und Beschäftigung sein können;

26. betont, dass denjenigen Schülern besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, die grundlegende Fähigkeiten nicht erworben haben oder nicht erwerben, genauso wie besonders begabten Schülern, damit sie ihre überdurchschnittlichen Fähigkeiten und Talente so gut wie möglich weiterentwickeln können;

27. empfiehlt, dass die Mitgliedstaaten die Qualität der fachlichen und beruflichen Qualifikation der Lehrer sowie ihre Ausbildung und lebenslange Weiterbildung substantiell verbessern sollten;

28. unterstützt nachdrücklich die Förderung der dauerhaften und kohärenten beruflichen Weiterbildung von Lehrern im Laufe ihres Berufslebens; ist der Auffassung, dass alle Lehrer regelmäßig die Möglichkeit haben sollten, ihre Fähigkeiten und Qualifikationen sowie ihr pädagogisches Fachwissen aufzufrischen;

29. empfiehlt, in den Lehrplänen so bald wie möglich einen Unterricht in europäischer Staatsbürgerkunde vorzusehen, um eine neue Generation im Bewusstsein europäischer Werte in Bereichen wie Menschenrechte, kulturelle Vielfalt, Toleranz, Umweltschutz, Klimawandel usw. heranzubilden;

Berufliche Aus- und Weiterbildung

30. stellt fest, dass sowohl die Qualität als auch die Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung gesteigert werden müssen;

31. betont, dass die berufliche Aus- und Weiterbildung sowohl an die europäische Wirtschaft als auch an die nationalen Wirtschaften besser angebunden und schlüssiger in sie integriert sein sollte, um den Bildungsprozess besser auf den Arbeitsmarkt abzustimmen;

32. fordert nachdrücklich, dass die Mobilität (nicht nur die geografische Mobilität, sondern auch die zwischen beruflicher Aus- und Weiterbildung und Hochschulbildung) der Lernenden und Lehrenden bedeutend erhöht wird;

Hochschulbildung

33. vertritt die Ansicht, dass Studienprogramme modernisiert werden sollten, um gegenwärtigen und künftigen sozioökonomischen Bedürfnissen gerecht zu werden;

34. empfiehlt, im höheren Bildungswesen vorrangig interdisziplinäre, d.h. die einzelnen Wissenschaftsbereiche übergreifende Lehrprogramme zu entwickeln, um Spezialisten heranzubilden, die in der Lage sind, die höchst komplexen Probleme der heutigen Welt zu lösen;

35. betont, dass das Interesse der Studenten und Schüler an Inhalten und Studienprogrammen, die sich mit Technik, Naturwissenschaften und Umweltschutz beschäftigen, erhöht werden sollte;

36. ruft die Mitgliedstaaten auf, Partnerschaften zwischen Universitäten und der Wirtschaft sowie zusätzlich zwischen Universitäten und den vielen anderen interessierten Kreisen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene wirksam voranzutreiben;

37. stellt fest, dass die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen der Hochschulbildung in Europa deutlich verbessert werden muss und dass außerdem Qualifikationen so leicht wie möglich übertragbar werden müssen;

38. weist darauf hin, dass die Arbeit von Dozenten und Lektoren ebenso wie die Programme, Inhalte und Arbeitsmethoden ständig aktualisiert werden müssen;

39. regt an, das Europäische Innovations- und Technologieinstitut in den Bologna-Prozess einzubinden und im Rahmen der Reform der Hochschulbildung in Europa zu berücksichtigen;

40. empfiehlt nachdrücklich, dass die Mitgliedstaaten die Mobilität von Studenten und Dozenten steigern sollten, einschließlich der Mobilität zwischen Ländern, Studienprogrammen und Fächern; betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Umsetzung der Europäischen Qualitätscharta für Mobilität für die Schaffung eines echten europäischen Raums für lebenslange Bildung und Weiterbildung sowie für die Förderung der wirtschaftlichen, sozialen und regionalen Zusammenarbeit;

Lebenslanges Lernen

41. vertritt die Ansicht, dass Arbeitgeber ermutigt werden sollten, durchgehend allgemeine und berufliche Bildung für ihre Mitarbeiter zu organisieren, und dass ihnen Anreize geboten werden sollten, gering qualifizierte Mitarbeiter zu befähigen, an Programmen zum lebenslangen Lernen teilzunehmen;

42. stellt fest, dass Langzeitarbeitslose aus sozial schwachen Verhältnissen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, ehemalige Insassen von Erziehungheimen und ehemalige Strafgefangene besonders berücksichtigt werden sollten;

43. betont, dass vor allem Frauen zur Nutzung von Aus- und Weiterbildungsangeboten ermutigt werden sollten und in diesem Zusammenhang auch spezielle Programme zur Förderung des lebenslangen Lernens für Frauen angeboten und gefördert werden müssen;

44. betont, dass gering qualifizierte und ältere Arbeitnehmer besonders ermutigt werden sowie Anreize geschaffen werden sollten, sich an den Programmen für lebenslanges Lernen zu beteiligen;

45. fordert, dass bei den Programmen für die Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen ein Schwerpunkt auf die auf dem Arbeitsmarkt am stärksten benachteiligten Personengruppen, insbesondere junge und ältere Menschen sowie Frauen, vor allem aus dem ländlichen Raum, gelegt wird;

46. fordert die Berücksichtigung der Tatsache, dass Elternkurse für Frauen und Männer von entscheidender Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen, die Bekämpfung der Armut und den sozialen Zusammenhalt sind; wünscht in diesem Zusammenhang, dass Mehrzweckprogramme für lebenslanges Lernen und die Ausbildung von Elternkursleitern im Rahmen der Bildungsmaßnahmen aufgelegt werden;

47. betont, dass durch lebenslanges Lernen erworbene Kenntnisse und Qualifikationen allgemeiner und leichter anerkannt werden sollten, und ist der Ansicht, dass dafür auch die Implementierung des Europäischen Qualifikationsrahmens und des Europasses als Instrumente zur Förderung des lebenslangen Lernens forciert werden müssen;

48. vertritt die Ansicht, dass sowohl europäische als auch nationale Instanzen für Maßnahmen zur Förderung der Mobilität in allen Stadien des lebenslangen Lernens mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen sollten;

49. fordert, dass die Vorteile der Europäischen Qualitätscharta für Mobilität erkannt und genutzt sowie von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden und dass von der Kommission eine Bestandsaufnahme über die Implementierung in den Mitgliedstaaten durchgeführt wird;

50. fordert nachdrücklich, dass für alle Arbeitnehmer und Studenten mit Familien so viele soziale Dienste und Hilfestrukturen (z. B. Kinderbetreuung) wie möglich gewährleistet werden sollten;

51. vertritt die Ansicht, dass Freiwilligendienste bei der Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ mit einbezogen und anerkannt werden sollten;

52. ist davon überzeugt, dass der Austausch von Standpunkten und das gegenseitige Lehren und Lernen zwischen verschiedenen Altersgruppen verstärkt werden sollte;

53. betont, dass Programme des lebenslangen Lernens die unternehmerische Tätigkeit fördern müssen, um die Bürger zu befähigen, kleine und mittlere Unternehmen zu gründen und damit Bedürfnisse sowohl der Gesellschaft als auch der Wirtschaft zu befriedigen;

54. weist auf den Umstand hin, dass Beratungs- und Informationsdienste zum lebenslangen Lernen für Lernende aller Altersgruppen eingerichtet werden sollten, um die oben genannten Ziele zu unterstützen;

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55. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission sowie den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. C 142 vom 14.6.2002, S. 1.

(2)

ABl. C 300 vom 12.12.2007, S. 1.

(3)

ABl. L 327 vom 24.11.2006, S. 45.

(4)

ABl. C 290 vom 04.12.2007, S. 1.

(5)

ABl. C 111 vom 06.05.2008, S. 1.

(6)

ABl. L 64 vom 4.3.2006, S. 60.

(7)

ABl. L 394 vom 30.12.2006, S. 5.

(8)

ABl. C 282 E vom 6.11.2008, S. 131.

(9)

ABl. L 394 vom 30.12.2006, S. 10.

(10)

Angenommene Texte, P6_TA(2008)0013.

(11)

Angenommene Texte, P6_TA(2008)0423.

(12)

Angenommene Texte, P6_TA(2008)0422.


BEGRÜNDUNG

Die Mitteilung der Kommission:

Im November 2007 hat die Kommission eine Mitteilung mit dem Titel „Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen“ vorgelegt(1). Dieses Dokument, der Kommissionsentwurf für den dritten gemeinsamen Fortschrittsbericht des Rates und der Kommission über die Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“, wird alle zwei Jahre veröffentlicht und kann im Allgemeinen als Überblick über den Stand hinsichtlich der offenen Koordinierungsmethode auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung im Rahmen der Ziele der Strategie von Lissabon angesehen werden.

Das Dokument besteht aus einem Bericht über den Stand der politischen Strategien zur allgemeinen und beruflichen Bildung auf europäischer Ebene, der erfolgreiche und erfolglose nationale Initiativen auf diesem Gebiet herausstellt. Jedoch bietet die Mitteilung nicht nur ein Bild des erzielten Fortschritts und identifiziert Bereiche, in denen ungenügende Fortschritte gemacht wurden, sondern sie schlägt auch Maßnahmen vor, um weitere Verbesserungen zu erzielen: sie ist somit auch eine politische Stellungnahme und kann als Richtschnur für die kommenden Jahre angesehen werden.

Die Mitteilung basiert auf einer Analyse der Berichte der Mitgliedstaaten über die Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ (eine detaillierte Analyse findet sich in einem begleitenden Arbeitsdokument(2)) und aus einer Reihe von statistischen Indikatoren und Benchmarks.

Fortschrittsbilanz

Auch wenn der Fortschritt uneinheitlich ist (die Geschwindigkeit der Reformen sollte höher und konstant sein, und nach wie vor sind erhebliche Anstrengungen nötig), sind in den letzten Jahren in folgenden Bereichen Verbesserungen erzielt worden:

· Strategien für lebenslanges Lernen und Qualifikationssysteme

a)  In diesem Bereich wurden in den meisten Ländern gezielte Strategien entwickelt, die im Allgemeinen eine umfassende Sicht auf allgemeine und berufliche Bildung und einen stärker kohärenten Zugang hierzu einbeziehen.

b)  In der Mehrzahl der Mitgliedstaaten werden nationale Qualifikationsrahmen aufgestellt, wobei neuerdings der Schwerpunkt auf die Lernergebnisse gelegt wird. Es sind ebenfalls Systeme für die Bewertung von nichtformalem und informellem Lernen eingeführt worden, auch wenn diese sich langsamer entwickeln und sich noch in einem Versuchsstadium befinden.

· Vorschulbildung: Vorschulbildung wird zunehmend unter neuen Blickwinkeln und Strategien gesehen, auch wenn dies zum größten Teil im Rahmen von Pilotprojekten geschieht. Zahlreiche Länder setzen gegenwärtig neue Maßnahmen in diesem Bereich um, darunter eine Pflicht für Teile der Vorschulbildung, die Überprüfung der Lehrinhalte, den Ausbau der Befähigungen der Lehrer, Qualitätskontrolle und vermehrte Investitionen.

· Hochschulbildung: Der Modernisierungsbedarf des europäischen Hochschulwesens und die Notwendigkeit, die Bologna-Reformen zu ergänzen (z. B. durch Verbesserung der Verwaltungsstrukturen, der Finanzierung und der Attraktivität der Universitäten) wird zunehmend als dringend angesehen. Die Autonomie der Universitäten hat gute Fortschritte gemacht und neue Formen der Einbeziehung interessierter Kreise werden erprobt. Zudem sind Instrumente zur Förderung privater Investitionen eingeführt worden (wie steuerliche Anreize und Steuerreformen, öffentlich-private Partnerschaften und privates Sponsoring). Was die Gleichstellung der Geschlechter betrifft, so übertrifft in einigen Ländern die Zahl der weiblichen Universitätsstudenten die der männlichen, was zum Teil auf Gleichstellungsvorschriften zurückzuführen ist.

· Bedeutung der allgemeinen und beruflichen Bildung im Rahmen des Wissensdreiecks, der Lissabon-Strategie und der EU-Politik insgesamt: Die allgemeine und berufliche Bildung nimmt in den nationalen Reformprogrammen der meisten Mitgliedstaaten eine zentrale Stellung ein. Gleichzeitig wurden bei der Verknüpfung der operationellen Programme der Strukturfonds mit den Prioritäten des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ sowie bei der Entwicklung europäischer Referenzinstrumente zur Unterstützung der Reformen, wie Empfehlungen zu Schlüsselkompetenzen, zur Qualität der Mobilität, zur Qualitätssicherung in der Hochschulbildung und zum Europäischen Qualifikationsrahmen, beachtliche Fortschritte erzielt.

Bereiche, in denen Verbesserungen notwendig sind:

Allgemein werden in dem Bericht drei Bereiche ausgemacht, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen: niedrige Qualifikationsniveaus, Strategien des lebenslangen Lernens und das Wissensdreieck (Bildung, Forschung und Innovation). Auf einer konkreteren Ebene stellt die Mitteilung der Kommission bestimmte Mängel und Bedürfnisse heraus und fordert bestimmte Verbesserungen:

· Es besteht ein Bedarf an kontinuierlichen Anstrengungen, besserer Verbreitung und vermehrten Investitionen zu einer Umsetzung von Strategien des lebenslangen Lernens, die die Maßnahmen in den einzelnen Bereichen der Vorschulbildung, der Primar- und Sekundarschulbildung und Hochschulbildung, der beruflichen Aus- und Weiterbildung und der Erwachsenenbildung verbinden.

· Öffentliche Ausgaben und private Investitionen im Bildungsbereich: Positive Trends in beiden Bereichen kamen 2004 zu einem Stillstand, und ihre Höhe differiert nach wie vor stark zwischen den einzelnen Ländern.

· Frühe Beendigung des Schulbesuchs und Schlüsselkompetenzen: Viel zu viele junge Menschen verlassen die Schule mit höchstens einem Abschluss der Sekundarstufe I und somit ohne zentrale Fähigkeiten und Kompetenzen (z. B. Fremdsprachen oder Lesefähigkeit, wo die Daten einen Abwärtstrend in der Leistung zeigen und die EU-Benchmarks für 2010 nicht erreicht werden), die für sie unverzichtbar sind, um an der Wissensgesellschaft teilzunehmen und Arbeitslosigkeit erfolgreich zu vermeiden.

· Besondere Aufmerksamkeit muss auf die allgemein geringeren Leistungen von Migranten, ethnischen Minderheiten und sozioökonomisch benachteiligten Gruppen gerichtet werden.

· Lehrerausbildung (zunehmender Bedarf an neuen Kompetenzen, Fähigkeiten und Aufgaben, der zum Teil mit der zunehmenden Autonomie der Schulen zusammenhängt), Aufwertung des Lehrerberufs und Weiterbildung, einschließlich lebenslangen Lernens und beruflicher Fortentwicklung.

· Hochschulbildung:

a) Stärkung der Schlüsselrolle der Universitäten nicht nur bei der allgemeinen und beruflichen Bildung, sondern auch in Forschung, Innovation und Wissenstransfer;

b) Förderung öffentlicher und insbesondere privater Investitionen in Universitäten;

c) Unterstützung für Mitarbeiter und Manager der Universitäten im Hinblick auf die zunehmende Autonomie und Budgetverantwortung der Universitäten.

· Die Beteiligung der älteren und der gering qualifizierten Arbeitnehmer und der erwachsenen Migranten am lebenslangen Lernen sollte besonders gesteigert werden (die EU-Benchmark wird auf diesem Gebiet nicht erreicht werden).

· Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss deutlich attraktiver und für den Arbeitsmarkt relevanter werden. Die Mitgliedstaaten sollten daher für spezifische Fähigkeiten und Qualifikationen Sorge tragen, die in den kommenden Jahren für die europäische Gesellschaft und die europäische Wirtschaft unverzichtbar sein werden. Zudem sollte die berufliche Aus- und Weiterbildung besser mit dem übrigen Bildungssystem integriert werden, und ihre Qualität muss nicht nur verbessert, sondern auch garantiert werden.

· Die Auslandsmobilität der Lernenden sollte nicht nur durch EU-Programme, sondern auch durch nationale Maßnahmen ermöglicht werden. Der Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung erfordert besondere Anstrengungen zur Steigerung der Mobilität.

Anmerkungen der Berichterstatterin

Im Rahmen dieser besonders umfassenden Mitteilung der Kommission vertritt die Berichterstatterin die Ansicht, dass sowohl kohärente und umfassende Strategien des lebenslangen Lernens als auch vom Europäischen Parlament und vom Rat gebilligte Instrumente (wie der Europäische Qualifikationsrahmen, Europass, der Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen und die Empfehlungen zur Mobilität und zur Qualitätssicherung in der Hochschulbildung) von jedem Mitgliedstaat konsequent umgesetzt werden sollten, um die Ziele von Lissabon zu erreichen sowie das Wissensdreieck zu stärken und die Anerkennung des nicht formellen und informellen Lernens und beruflicher Qualifikationen zu verbessern. Querschnittsthemen wie Sprachenlernen, der europäische Bedarf an höheren Qualifikationsniveaus, nachhaltige Finanzierung und Förderung von Autonomie, Kreativität und Innovation auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung müssen weiter angegangen werden.

Maßnahmen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung sollten durchgängig durch ergänzende sozioökonomische Maßnahmen unterstützt werden, wie Strategien zur Verbesserung der Lebensbedingungen der europäischen Bürger im Allgemeinen, sowie die Einbeziehung von Migranten und Minderheiten, insbesondere den Roma, und die Einbeziehung von Gruppen mit besonderen Bedürfnissen, vor allem behinderten und älteren Menschen, auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Bildung. Weiter sind Initiativen, die nicht nur die Mobilität der Lernenden, sondern auch die der Lehrenden und der Forscher verbessern, sehr notwendig. Der Sportunterricht sollte besondere Aufmerksamkeit erhalten und in der Vor-, Primar- und Sekundarschulbildung durchgängig verstärkt werden. Es sollte auch die Rolle der Familien in Bezug auf jeden Aspekt der allgemeinen und beruflichen Bildung betont werden, von der entscheidenden Bedeutung ihrer Unterstützung für Schüler (besonders bei Migranten und Minderheiten) bis zur Notwendigkeit eines breiten Angebots an sozialen Diensten für Studenten und Arbeitnehmer mit Familien.

Während der Unterricht und seine Qualität generell verbessert werden müssen, sollte viel mehr Aufmerksamkeit auf Lehrpläne gerichtet werden, die wirksam zur Entwicklung der gesamten Persönlichkeit der Lernenden beitragen und sie lehren, die Menschenrechte und europäische Werte wie Demokratie, kulturelle Vielfalt, Frieden und Gleichstellung der Geschlechter zu respektieren. Da für zukünftige Bedürfnisse sowohl der Gesellschaft als auch der Wirtschaft vorgesorgt werden muss, sollten Schlüsselkompetenzen wie technische und wissenschaftliche sowie Lesefähigkeiten besondere Priorität erhalten, während IKT-Kenntnisse und Medienkompetenz im Allgemeinen besonders bei Lehrern und älteren Menschen gefördert werden sollten. Zusätzlich sollten besondere Fähigkeiten in Bezug auf die Umwelt in Betracht gezogen werden, z. B. indem eine wirksame Information über Umweltfragen und Klimawandel auf alle Formen des Lernens ausgeweitet wird und indem die Mitgliedstaaten aufgerufen werden, die Notwendigkeit frühzeitigen Handelns für den Umweltschutz in Vor-, Primar- und Sekundarschulbildung anzuerkennen. Weiter ist es auch von entscheidender Bedeutung, den Übergang zwischen verschiedenen Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung (Schulen, Berufsausbildung, Hochschulbildung, Erwachsenenbildung) und zwischen formellem, nicht formellem und informellem Lernen zu erleichtern.

Auf einer allgemeineren Ebene müssen allgemeine und berufliche Bildung zu lokalen und regionalen Potentialen in Bezug gesetzt werden, zum Beispiel indem sie im Rahmen von Entwicklungsplänen oder -strategien betrachtet werden. Wenn es auch zutrifft, dass auf europäischer Ebene in diesem weiten Bereich mehr getan werden kann, so muss doch auch betont werden, dass die Regierungen der Mitgliedstaaten eine viel dynamischere Rolle bei der Umsetzung der politischen Strategien und Instrumente spielen sollten, die sie bereits von der Europäischen Union erhalten haben, zum Beispiel indem sie sich konkrete Ziele betreffend die Reform ihrer nationalen Bildungs- und Ausbildungssysteme setzen.

Schließlich formuliert die Berichterstatterin bestimmte Anmerkungen und stellt spezifische Prioritäten für jedes einzelne Stadium der allgemeinen und beruflichen Bildung auf:

1.  Vorschulbildung:

Nach Ansicht der Berichterstatterin sollte das Sprachenlernen (d. h. die Muttersprache und/oder die Sprache des Aufenthaltslandes und mindestens eine Fremdsprache) in diesem ersten Stadium verstärkt und sehr stark ermutigt werden, insbesondere um die Integration von Migranten und ethnischen Minderheiten wie Roma in die europäischen Gesellschaften zu fördern.

2.  Primar- und Sekundarschulbildung:

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die noch höheren Schulabbrecherzahlen gerichtet werden, wogegen durch Maßnahmen wie Aktualisierung der Lehrpläne, Stärkung des autonomen Denkens, der Kreativität und der Innovation und durch Motivation der Schüler je nach ihren persönlichen Begabungen und spezifischen Bedürfnissen vorgegangen werden kann

3.  Berufliche Aus- und Weiterbildung:

Die Verbesserung der Qualität und der Attraktivität der beruflichen Aus- und Weiterbildung und die Verstärkung ihrer praktischen Orientierung gehört zu den Prioritäten der Berichterstatterin in diesem Bereich.

4. Hochschulbildung:

Die Berichterstatterin vertritt die Ansicht, dass Partnerschaften zwischen Universitäten und Wirtschaft, die Mobilität von Dozenten, Studenten und Forschern und aktualisierte Lehrinhalte, die sowohl gegenwärtigen als auch zukünftigen sozioökonomischen Bedürfnissen gerecht werden, Schlüsselelemente im Rahmen der Reform der Systeme der Hochschulbildung sind.

5. Lebenslanges Lernen:

Was lebenslanges Lernen betrifft, möchte die Berichterstatterin den Schwerpunkt darauf legen, dass Arbeitnehmer motiviert werden, während ihres ganzen Berufslebens bzw. ihrer Karriere weiter zu lernen, und dass wirksam sichergestellt wird, dass jeder daran teilnimmt, einschließlich gering qualifizierter und älterer Arbeitnehmer.

(1)

KOM(2007) 703(endgültig), 12.11.2007.

(2)

SEK(2007) 1484.


STELLUNGNAHME des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter (14.10.2008)

für den Ausschuss für Kultur und Bildung

zu Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen – Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“

(2008/2102(INI))

Verfasserin der Stellungnahme: Marie Panayotopoulos-Cassiotou

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter ersucht den federführenden Ausschuss für Kultur und Bildung, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

A. in der Erwägung, dass die Systeme für allgemeine und berufliche Bildung Frauen und Männern die gleichen Chancen bieten sollten,

B.  in der Erwägung, dass die Einbeziehung der Gleichstellungsthematik in die Politik für allgemeine und berufliche Bildung für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie von Lissabon unerlässlich ist, deren Zielsetzung u. a. darin besteht, die Frage der Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern auf den europäischen Arbeitsmärkten anzugehen und insbesondere bis 2010 eine Frauenerwerbsquote von 60 % zu erreichen,

1.  stellt fest, dass die Bildung von entscheidender Bedeutung für den sozialen Erfolg und die persönliche Entfaltung sowohl von Frauen als auch von Männern ist; betont daher, wie wichtig es ist, die allgemeine und berufliche Bildung als eine elementare Grundlage zu verbessern, um die angestrebte Gleichstellung von Frauen und Männern voranzubringen;

2.  bedauert, dass die Bildungssysteme die Frauen nicht stärker ermutigen, sich für traditionell von den Männern bevorzugte Arbeits- und Ausbildungsbereiche zu entscheiden, und umgekehrt; begrüßt die Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Programme aufzulegen, um den Frauen möglichst diversifizierte Möglichkeiten der Berufsorientierung und anschließend eine Betreuung auf dem Arbeitsmarkt zu bieten;

3.  betont, dass die bestehende Ungleichheit der Chancen für Frauen und Männer auf dem Gebiet einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und des lebenslangen Lernens in den Inselregionen sowie den geografisch und sozial benachteiligten Regionen umso stärker ausgeprägt ist; fordert daher intensivere Bemühungen zur Förderung der Bildungsinitiativen im Rahmen der Regionalpolitik;

4.  stellt fest, dass Frauen nach wie vor in bestimmten Studienbereichen auf allen Ebenen und in der Forschung unterrepräsentiert sind; spricht sich daher für konkrete positive Maßnahmen aus, um dem entgegenzuwirken;

5.  stellt fest, dass Studierende, die ihr Studium unterbrochen haben, insbesondere junge Mütter, Opfer von Ungleichbehandlung sein können, und fordert flexiblere Systeme, um die Wiederaufnahme eine Studiums oder einer Ausbildung nach der Geburt eines Kindes und die Vereinbarkeit eines Studiums mit dem Berufs- und Familienleben zu erleichtern;

6.  bedauert, dass in der Hochschulbildung die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern nach wie vor mit steigendem Niveau immer größer werden; ist der Ansicht, dass eine Verbesserung auf der Ebene der Chancengleichheit eine fundamentale Verhaltensänderung, die durch konkrete positive Maßnahmen unterstützt wird, voraussetzt;

7.  fordert, dass bei den Programmen für die Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen ein Schwerpunkt auf die auf dem Arbeitsmarkt am stärksten benachteiligten Personengruppen, insbesondere junge und ältere Menschen sowie Frauen, vor allem aus dem ländlichen Raum, gelegt wird;

8.  fordert die Berücksichtigung der Tatsache, dass Elternkurse für Frauen und Männer von entscheidender Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen, die Bekämpfung der Armut und den sozialen Zusammenhalt sind; wünscht in diesem Zusammenhang, dass Mehrzweckprogramme für lebenslanges Lernen und die Ausbildung von Elternkursleitern im Rahmen der Bildungsmaßnahmen aufgelegt werden.

ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

13.10.2008

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

12

0

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Edit Bauer, Zita Gurmai, Piia-Noora Kauppi, Astrid Lulling, Siiri Oviir, Marie Panayotopoulos-Cassiotou, Zita Pleštinská, Christa Prets, Teresa Riera Madurell, Anna Záborská

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Gabriela Creţu, Maria Petre


ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

6.11.2008

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

23

2

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Maria Badia i Cutchet, Ivo Belet, Guy Bono, Nicodim Bulzesc, Marie-Hélène Descamps, Jolanta Dičkutė, Věra Flasarová, Milan Gaľa, Vasco Graça Moura, Luis Herrero-Tejedor, Ruth Hieronymi, Ramona Nicole Mănescu, Manolis Mavrommatis, Ljudmila Novak, Dumitru Oprea, Zdzisław Zbigniew Podkański, Christa Prets, Pál Schmitt, Helga Trüpel, Thomas Wise, Tomáš Zatloukal

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Erna Hennicot-Schoepges, Ewa Tomaszewska, Cornelis Visser, Jaroslav Zvěřina

Letzte Aktualisierung: 4. Dezember 2008Rechtlicher Hinweis