Verfahren : 2012/2041(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A7-0373/2012

Eingereichte Texte :

A7-0373/2012

Aussprachen :

PV 10/12/2012 - 22
CRE 10/12/2012 - 22

Abstimmungen :

PV 11/12/2012 - 8.18
CRE 11/12/2012 - 8.18
Erklärungen zur Abstimmung
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P7_TA(2012)0483

BERICHT     
PDF 260kWORD 154k
15. November 2012
PE 486.077v02-00 A7-0373/2012

zu dem Thema „Das Problem der Mikroben – die steigende Gefahr der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe“

(2012/2041(INI))

Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Berichterstatterin: Anna Rosbach

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS
 BEGRÜNDUNG
 STELLUNGNAHME des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung
 ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

zu dem Thema „Das Problem der Mikroben – die steigende Gefahr der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe“

(2012/2041(INI))

Das Europäische Parlament,

–   in Kenntnis der Schlussfolgerungen des Rates vom 22. Juni 2012 zu den Auswirkungen der Antibiotikaresistenz in der Human- und Tiermedizin – Die Initiative „Eine Gesundheit“,

–   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 15. November 2011 über einen Aktionsplan zur Abwehr der steigenden Gefahr der Antibiotikaresistenz (COM(2011)0748),

–   in Kenntnis der Empfehlung der Kommission vom 27. Oktober 2011 für eine Initiative zur gemeinsamen Planung der Forschungsprogramme im Bereich „Die mikrobielle Herausforderung – eine neue Gefahr für die menschliche Gesundheit“ (C(2011)7660),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 27. Oktober 2011 zu dem Thema „Antimikrobielle Resistenz als Gefahr für die öffentliche Gesundheit“(1),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 12. Mai 2011 zu Antibiotikaresistenz(2),

–   in Kenntnis des Arbeitsdokuments der Kommissionsdienststellen vom 18. November 2009 über Antibiotikaresistenzen (SANCO/6876/2009r6),

–   in Kenntnis des gemeinsamen technischen Berichts des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vom 17. September 2009 mit dem Titel „The bacterial challenge: time to react – A call to narrow the gap between multidrug-resistant bacteria in the EU and the development of new antibacterial agents“, in dem gefordert wird, im Interesse einer Verringerung der Diskrepanz zwischen multiresistenten Bakterien in der EU und der Entwicklung neuer antibakterieller Wirkstoffe tätig zu werden(3),

–   in Kenntnis des zweiten gemeinsamen Berichts der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vom 14. März 2012 über antimikrobielle Resistenzen bei zoonotischen Bakterien, die sich auf Menschen, Tiere und Lebensmittel auswirken(4),

–   in Kenntnis der Schlussfolgerungen der 2876. Tagung des Rates vom 10. Juni 2008 zu Antibiotikaresistenzen,

–   in Kenntnis der Schlussfolgerungen der 2980. Tagung des Rates vom 1. Dezember 2009 zu innovativen Anreizen für wirksame Antibiotika,

–   in Kenntnis der Empfehlung des Rates vom 9. Juni 2009 zur Sicherheit der Patienten unter Einschluss der Prävention und Eindämmung von therapieassoziierten Infektionen(5),

–   unter Hinweis auf die dritte Überarbeitung der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellten Liste antimikrobieller Mittel, die für die Humanmedizin von besonderer Bedeutung sind (Bericht über die dritte Sitzung der WHO-Beratungsgruppe für integrierte Überwachung der Antibiotikaresistenz, 14.-17. Juni 2011, Oslo, Norwegen), und auf die von der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) erstellten Liste antimikrobieller Mittel von veterinärmedizinischer Bedeutung (OIE-Liste, Mai 2007) sowie nachfolgende Verbesserungen dieser Liste,

–   unter Hinweis auf den zweiten Bericht der Kommission an den Rat vom 9. April 2010 auf der Grundlage der Berichte der Mitgliedstaaten über die Umsetzung der Empfehlung (2002/77/EG) des Rates zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin(6) und auf das diesem Bericht beigefügte Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen(7),

–   unter Hinweis auf die Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung, der zufolge die Verwendung von Antibiotika als Wachstumsförderer verboten ist(8),

–   unter Hinweis auf die Empfehlung des Rates vom 15. November 2001 zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin(9) (2002/77/EG) und auf die Entschließung des Europäischen Parlaments vom 23. Oktober 2001 zu dem Vorschlag für diese Empfehlung (COM(2001)0333),

–   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 20. Juni 2001 über eine Strategie der Gemeinschaft zur Bekämpfung der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel (COM(2001)0333),

–   unter Hinweis auf seine Entschließung vom 5. Mai 2010 zur Bewertung und Beurteilung des Aktionsplans für Tierschutz 2006–2010(10),

–   in Kenntnis der Empfehlungen der Transatlantischen Taskforce zur Antibiotikaresistenz (TATFAR) für die künftige Zusammenarbeit zwischen den USA und der EU(11),

–   in Kenntnis der im Rahmen des Codex Alimentarius bestehenden Leitlinien für die Risikoanalyse von lebensmittelbedingten Antibiotikaresistenzen(12),

   unter Hinweis auf den im Rahmen des Codex Alimentarius bestehenden Praxiskodex zur Minimierung und Eindämmung der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel (Code of practice to minimize and contain antimicrobial resistance, CAC/RCP 61-2005),

–   unter Hinweis auf die vom Europäischen Parlament im Rahmen des Haushaltsplans der Europäschen Union für das Haushaltsjahr 2012 beschlossene vorbereitende Maßnahme „Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe (AMR): Forschung über die Ursachen eines starken und unsachgemäßen Einsatzes von Antibiotika“, die darauf zielt, das Problem des unangemessenen Einsatzes und des Verkaufs von Wirkstoffen mit antimikrobieller Wirkung mit oder ohne Rezept entlang der gesamten Handelskette – vom Arzt über den Apotheker bis zum Patienten – zu untersuchen, und zwar im Hinblick auf das Verhalten aller Beteiligten,

–   gestützt auf Artikel 48 seiner Geschäftsordnung,

–   in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Stellungnahme des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (A7–0373/2012),

A. in der Erwägung, dass die Ausbildung von Arzneimittelresistenzen eine natürliche und unvermeidbare Folge der Behandlung mit antimikrobiellen Wirkstoffen darstellt; in der Erwägung, dass sich dieser Vorgang durch eine übermäßige und unüberlegte Anwendung in der Human- und Tiermedizin beschleunigen kann, was in Kombination mit unzureichender Hygiene und Infektionsbekämpfung wiederum die wirksame Nutzung einer bereits im Vorfeld begrenzten Bandbreite an antimikrobiellen Wirkstoffen beeinträchtigen kann;

B.  in der Erwägung, dass die Antibiotikaresistenzrate bestimmter Bakterien in einigen Mitgliedstaaten bei 25 % oder höher liegt;

C. in der Erwägung, dass das Problem der Antibiotikaresistenz zu einem großen Teil auf den missbräuchlichen Einsatz – insbesondere auf den übermäßigen Einsatz – von Antibiotika zurückzuführen ist;

D.  in der Erwägung, dass in vielen Mitgliedstaaten kein solider Rechts- und Regelungsrahmen für die Anordnung und Förderung eines rationellen Einsatzes von Arzneimitteln besteht;

E.  in der Erwägung, dass Bakterien mit einer Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe allein in der EU, in Island und in Norwegen zu etwa 400 000 Infektionen und 25 000 Todesfällen pro Jahr führen und mindestens 1,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Gesundheitskosten und Produktivitätseinbußen verursachen;

F.  in der Erwägung, dass die zunehmende Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe (antimicrobial resistance – AMR) einen komplexen Sachverhalt von grenzüberschreitender Bedeutung darstellt, der sich aus einer Reihe zusammenhängender Faktoren ergibt; in der Erwägung, dass zahlreiche Interventionsmaßnahmen auf verschiedenen Ebenen notwendig sind, die einer engen Zusammenarbeit zwischen Ländern und Sektoren bedürfen;

G. in der Erwägung, dass zwischen der steigenden AMR und der Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe eine starke Diskrepanz besteht; in der Erwägung, dass seit den 1970er Jahren lediglich drei systemisch zu verabreichende Antibiotika gegen multiresistente grampositive Bakterien(13) entwickelt worden sind; in der Erwägung, dass zwei Drittel der Todesfälle in der EU, die mit Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel in Zusammenhang stehen, auf gramnegative Bakterien zurückzuführen sind und nicht zu erwarten ist, dass in absehbarer Zukunft neue Mittel auf den Markt gebracht werden;

H. in der Erwägung, dass es mangels der Entwicklung neuer antibakterieller Arzneimittel von entscheidender Bedeutung ist, dass die antimikrobiellen Wirkstoffe, die im Moment verfügbar sind, so lange wie möglich wirksam genutzt werden können, indem sie umsichtig eingesetzt werden, präventive Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionen ergriffen und Impfungen vorgenommen sowie alternative Behandlungsmethoden angewendet werden und die Dosierung antimikrobieller Wirkstoffe kontrolliert wird;

I.   in der Erwägung, dass der einzige derzeit verfügbare Impfstoff (BCG) gegen Tuberkulose (TB) vor mehr als 90 Jahren entwickelt worden ist und keinen Schutz gegen die Lungentuberkulose bietet, die die häufigste Form von Tuberkulose darstellt;

J.   in der Erwägung, dass die Behandlung von Tuberkulose auf Antibiotika basiert, die vor Jahrzehnten entwickelt worden sind und von denen viele schwere toxische Nebenwirkungen haben;

K. in der Erwägung, dass AMR bei Menschen und Tieren auftritt und sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Tiergesundheit gefährliche Auswirkungen nach sich zieht; in der Erwägung, dass zwischen dem Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe bei Tieren und der Resistenzausbreitung beim Menschen ein eindeutiger Zusammenhang besteht, der weiterer Forschung sowie eines koordinierten, multisektoriellen Politikansatzes für AMR bedarf, der auf der Initiative „Eine Gesundheit“ beruht und auf Ärzte und Anwender in beiden Sektoren abzielt;

L.  in der Erwägung, dass auf europäischer Ebene immer noch ein Mangel an ausreichend detaillierten und vergleichbaren Daten zum Zweck der umfassenden länderübergreifenden Überwachung und Analyse besteht, in deren Rahmen ein Zusammenhang zwischen der Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe und der Resistenz gegen ebendiese hergestellt wird;

M. in der Erwägung, dass Tiere trotz des vordringlichen Ziels der Landwirte, dass ihr Vieh durch gute landwirtschaftliche Verfahren (Hygiene, angemessene Fütterung, artgerechte Haltung und verantwortungsvolle tiergesundheitliche Überwachung) gesund und produktiv bleibt, erkranken können und geeignete Therapiemaßnahmen und Tierarzneimittel für die Behandlung von Krankheiten verfügbar sein sollten;

N. in der Erwägung, dass bislang keine einheitliche Definition einer „prophylaktischen Behandlung“ angenommen worden ist und aufgrund unterschiedlicher Auslegungen des Begriffs nach wie vor Konflikte bestehen;

O. in der Erwägung, dass es notwendig ist, die am Einsatz von Antibiotika Beteiligten, einschließlich der politischen Entscheidungsträger, der Fachkräfte des Gesundheitsbereichs und der breiten Öffentlichkeit, aufzuklären und ihr Bewusstsein für die Problematik zu schärfen, um den in Bezug auf das Verhalten der verschreibenden Ärzte, der Vertriebsstellen und der Bürger erforderlichen Wandel herbeizuführen;

P.  in der Erwägung, dass Antibiotika in bestimmten Mitgliedstaaten nach wie vor frei verkäuflich und nicht verschreibungspflichtig sind und dass sich das Problem der Antibiotikaresistenz dadurch verschärft;

Q. in der Erwägung, dass oft eine mangelnde Einhaltung der grundsätzlichen Hygieneregeln in der Umwelt des Menschen, wie z. B. nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in Privathaushalten, zu einer weiteren Verbreitung von Erregern führt, die eine antimikrobielle Resistenz aufweisen;

R.  in der Erwägung, dass Diagnostika bei der Bekämpfung von AMR eine entscheidende Rolle spielen, da somit gezieltere Behandlungsansätze gefördert werden können;

1.  vertritt die Auffassung, dass zwar nahezu alle Mitgliedstaaten nationale AMR-Strategien gemäß der Empfehlung des Rates zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin ausgearbeitet haben, jedoch bis jetzt nur langsam Fortschritte erreicht werden konnten, die sich darüber hinaus uneinheitlich gestalten; fordert, dass die Regierungen alles daran setzen, die Ziele auf nationaler Ebene vollständig und rechtzeitig umzusetzen;

2.  begrüßt den strategischen Fünfjahres-Aktionsplan der Kommission zur Bekämpfung von AMR, äußert jedoch Bedenken dahingehend, dass es sich bei vielen der darin genannten Punkte um eine Wiederholung von Maßnahmen handelt, die über ein Jahrzehnt zuvor bereits in der Empfehlung des Rates vom 15. November 2001 zur umsichtigen Verwendung antimikrobieller Mittel in der Humanmedizin genannt wurden(14);

3.  stellt fest, dass der Aktionsplan der Kommission zwar in die richtige Richtung, jedoch nicht weit genug geht, um die steigende Gefahr der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe auf globaler Ebene einzudämmen; ist der Ansicht, dass die im Aktionsplan empfohlenen Maßnahmen so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen; fordert die Kommission daher auf, einen integrierten Fahrplan vorzulegen, in dem die maßgeblichen politischen Maßnahmen einschließlich eventueller legislativer Maßnahmen dargelegt werden;

4.  betont, dass dieser Aktionsplan alle Tiere, die unter die EU-Tierschutzstrategie fallen, einschließlich beispielsweise Haustieren und Sporttieren, umfassen sollte und dass darin die logische Verbindung zwischen der Tiergesundheit und dem Antibiotikaeinsatz sowie der Zusammenhang zwischen der Tiergesundheit und der menschlichen Gesundheit betont werden sollten;

Umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Human- und Veterinärmedizin

5.  betont, dass das Hauptziel jeglicher AMR-Strategie darin bestehen muss, die Wirksamkeit bereits vorhandener antimikrobieller Wirkstoffe zu erhalten, indem sie verantwortungsvoll in der korrekten therapeutischen Breite und ausschließlich bei dringender Notwendigkeit und im Rahmen einer Verschreibung über einen bestimmten Zeitraum in einer angemessenen Dosierung eingesetzt werden und die Verabreichung antimikrobieller Wirkstoffe im Allgemeinen und insbesondere antimikrobieller Wirkstoffe von besonderer Bedeutung für den Menschen (Critically-Important Antimicrobials – CIA)(15) in der Human- und Veterinärmedizin reduziert und somit auch der OIE-Liste Rechnung getragen wird; hebt hervor, dass dringend ein aktives und ganzheitliches Konzept auf der Grundlage der Initiative „Eine Gesundheit“ vonnöten ist, um zu einer besseren und effizienteren Koordinierung zwischen der Human- und der Veterinärmedizin zu gelangen; fordert, die Kontrolle der Verabreichung antimikrobieller Wirkstoffe bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei klinischen Behandlungen zu verschärfen, wo die Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe kontrolliert und gemessen erfolgen muss;

6.  weist darauf hin, dass die Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe in subtherapeutischer Dosierung in der EU verboten ist;

7.  betont, dass weitere Anstrengungen vonnöten sind, um die Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe in der Human- und der Veterinärmedizin zu überwachen; lehnt einen regelmäßigen, vorbeugenden Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe in der Tierhaltung entschieden ab; befürwortet die Schlussfolgerungen des Rates vom 22. Juni 2012, in denen die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, den prophylaktischen Einsatz von antimikrobiellen Mitteln auf Fälle mit nachgewiesener klinischer Notwendigkeit zu beschränken und die Verschreibung und den Einsatz antimikrobieller Mittel für die Behandlung von Tierherden auf Fälle zu beschränken, in denen ein Tierarzt festgestellt hat, dass eine Behandlung aller Tiere klinisch und gegebenenfalls epidemiologisch eindeutig gerechtfertigt ist; betont, dass es in der Viehhaltung und in der Aquakultur vor allem darum gehen sollte, Krankheiten durch gute Hygiene, Unterbringung und Haltungspraxis sowie durch strenge Biosicherheitsvorkehrungen zu vermeiden, statt prophylaktisch antimikrobielle Mittel einzusetzen; vertritt die Auffassung, dass die Kontrolle über und die Kriterien für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Drittstaaten verschärft werden sollten, und zwar insbesondere wegen des Risikos, dass derartige Einfuhren nicht zulässige antimikrobielle Spuren aufweisen;

8.  stellt fest, dass sich AMR bei Tieren je nach Tierart und je nach der Art der Tierhaltung unterscheiden;

9.  fordert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf, der Überwachung und Bewertung der Lage in Bezug auf AMR bei Vieh in der gesamten Union besondere Aufmerksamkeit zu widmen;

10. fordert den umsichtigen und verantwortungsvollen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe bei Tieren und mehr Informationen für Tierärzte und Landwirte, um sie bei der Eindämmung der Entstehung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe zu unterstützen; fordert einen Austausch bewährter Verfahren zur Bekämpfung der Ausbildung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe, wie beispielsweise Leitlinien für den umsichtigen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe;

11. fordert die Mitgliedstaaten auf, zur Gewährleistung angemessener Verwendungsmuster in den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben elektronische Erfassungssysteme zu verwenden und so für einen verantwortungsvollen und möglichst geringen Einsatz zu sorgen;

12. betont, dass die Vorschriften zur Haltung von Nutztieren im Hinblick auf eine bessere Tiergesundheit zu überprüfen sind, damit der Einsatz von Tierarzneimitteln abnimmt; fordert die Kommission auf, die derzeit geltenden Vorschriften über die maximale Tierdichte in der Tierhaltung neu zu bewerten, da die Herdengröße oftmals ein Hindernis für die Behandlung eines einzelnen Tieres oder kleinerer Tiergruppen darstellt, was Anreize dafür bietet, antimikrobielle Mittel vorbeugend einzusetzen; vertritt die Auffassung, dass dazu beigetragen werden könnte, dass ein geringeres Maß an Tierarzneimitteln für den Zweck der Aufzucht eingesetzt wird, wenn der Schwerpunkt auf krankheitsresistente Zuchtlinien gelegt würde, dass dies jedoch kein Ersatz für eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe und eine ebensolche Tierhaltung sein sollte;

13. pflichtet der Kommission bei, dass der Rechtsrahmen für Tierarzneimittel und Medizinalfutter verschärft werden muss, und fordert eine kohärente Gestaltung der EU-Vorschriften und ihrer Überarbeitungen;

14. fordert die Einführung bewährter Vorgehensweisen zur erheblichen Senkung von AMR bei der Tierzucht; stellt fest, dass hierbei insbesondere junge Tiere Beachtung finden sollte, da sie oft von verschiedenen Züchtern kommen und bei der Zusammenführung einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind;

15. fordert die Kommission auf, einen Legislativvorschlag für die Beschränkung des Einsatzes antimikrobieller Mittel der dritten und vierten Generation, die für den Menschen von besonderer Bedeutung sind (CIA), in der Veterinärmedizin vorzulegen; betont, dass ein derartiger Vorschlag auf faktengestützten europäischen Leitlinien für die umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Veterinärmedizin beruhen muss;

16. vertritt die Auffassung, dass die ausstehende Überarbeitung der Richtlinie 2001/82/EG eine wichtige Gelegenheit darstellt, wirksame Maßnahmen zur Reduzierung von AMR zu ergreifen, indem die Bestimmungen für Tierarzneimittel u. a. wie im Folgenden beschrieben geändert werden:

– Antimikrobielle Mittel dürfen nur noch durch beruflich qualifizierte Tierärzte verschrieben werden;

– die Berechtigung, antimikrobielle Mittel zu verschreiben, wird von der Berechtigung zum Verkauf dieser Mittel getrennt, wodurch wirtschaftliche Anreize zur Verschreibung dieser Mittel entfallen;

17. fordert die Kommission auf, ihren AMR-Aktionsplan im Rahmen konkreter Initiativen zu ergänzen, um die zwölf Maßnahmen umzusetzen, und ihren Fortschrittsbericht über die Umsetzung des AMR-Aktionsplans bis Ende 2013 vorzulegen, und betont, dass dieser Bericht eine Übersicht über die in den einzelnen Mitgliedstaaten erzielte Verringerung des Einsatzes antimikrobieller Tierarzneimittel enthalten sollte;

18. betont, dass zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten wesentliche Unterschiede dahingehend bestehen, wie Antibiotika eingesetzt und vertrieben werden; fordert die Kommission auf, zu bewerten und zu überwachen, inwiefern die Mitgliedstaaten die einschlägige europäische Gesetzgebung über antimikrobielle Mittel umsetzen, und zwar insbesondere in Bezug auf die Verschreibungspflicht antimikrobieller Mittel in der Human- sowie in der Veterinärmedizin und auf das Verbot des Einsatzes antimikrobieller Wirkstoffe als Wachstumsförderer in der Tierernährung;

19. fordert die Kommission auf, die Voraussetzungen für die Verschreibung und den Vertrieb antimikrobieller Mittel zu prüfen, um zu untersuchen, ob Vorgehensweisen bei der human- und veterinärmedizinischen Gesundheitspflege unter Umständen zu einer übermäßigen Verschreibung, einer übermäßigen Nutzung oder einem Missbrauch antimikrobieller Mittel führen;

20. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Bemühungen zu fördern, mit denen sichergestellt wird, dass in allen Krankenhäusern Krankenhausepidemiologen beschäftigt werden;

21. fordert die Kommission auf, die Verwendung von Nanosilber in Konsumgütern zu überwachen, da es zu einer zunehmenden Resistenz von Mikroorganismen gegen Silber, einschließlich Nanosilber und Verbindungen auf Silberbasis, führen kann, wodurch der Nutzen von Nanosilber in medizinischen Geräten und anderen medizinischen Anwendungen eingeschränkt werden kann;

22. betont, dass die Diagnosegenauigkeit verbessert werden muss, um den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe zu senken, und dass hierfür wiederum eine höhere Zahl von Diagnostika eingesetzt werden muss;

23. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Bemühungen zu unterstützen, routinemäßig Ausbrüche in Krankenhäusern sowie die mögliche Rolle der Verbreitung arzneimittelresistenter Klone bei diesen Ausbrüchen zu untersuchen;

Vorbeugung

24. begrüßt im Hinblick darauf, den unangemessenen Einsatz antimikrobieller Mittel und den unkontrollierten Zugang zu ihnen, einschließlich des zunehmenden illegalen Verkaufs über das Internet, einzuschränken, die Initiativen der Mitgliedstaaten zur Überprüfung des Rechtsstatus aller oralen, zu inhalierenden und parenteralen antimikrobiellen Mittel (einschließlich Arzneimitteln zur Behandlung von Malaria, Viren und Pilzen), die Patienten nach wie vor rezeptfrei zugänglich sind; betont, dass antimikrobielle Wirkstoffe nicht frei verkäuflich und rezeptfrei zugänglich sein sollten, da es hierdurch zu Selbstbehandlungen kommt, die oft auf falschen Annahmen beruhen; fordert die Mitgliedstaaten auf, auf das Problem des rezeptfreien und illegalen Verkaufs antimikrobieller Wirkstoffe in der Human- und Veterinärmedizin aufmerksam zu machen;

25. stellt fest, dass Impfstoffe in Bezug auf die Beschränkung der Ausbildung von AMR eine wichtige Rolle spielen, da durch sie die Menge der antimikrobiellen Mittel gesenkt wird, die zur Behandlung von Infektionen beim Menschen und bei Tieren eingesetzt werden muss, vertritt jedoch die Auffassung, dass dies in Bezug auf die Veterinärmedizin kein Ersatz für eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Betriebe und eine ebensolche Tierhaltung sein sollte; fordert die Kommission auf zu prüfen, welche weiteren präventiven Maßnahmen zur Verringerung der Ausbreitung von Seuchen und Krankheiten in der Tierhaltung ergriffen werden müssen;

26. schlägt vor, Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Haltungssysteme zu ergreifen, die auf guten Bewirtschaftungsverfahren und möglichst effizientem Ressourceneinsatz beruhen und die Abhängigkeit der Landwirte vom Einsatz kostspieliger und nicht nachhaltiger Betriebsmittel verringern, die mit einem hohen Risiko für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit einhergehen;

27. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, in Zusammenarbeit mit den zuständigen EU-Agenturen Leitlinien zur umsichtigen Verwendung und zur Senkung der unnötigen und unangemessenen Verwendung antimikrobieller Mittel als Teil eines ganzheitlichen Ansatzes für die Human- und die Veterinärmedizin, die Tierhaltung, Landwirtschaft, Aquakultur und den Pflanzenanbau auszuarbeiten und zu fördern;

28. fordert die Kommission auf, bei der anstehenden Überarbeitung des Europäischen Tierarzneimittelrechts Fütterungsarzneimittel als „Arzneimittel“ und nicht als „Futtermittel" einzustufen, um sicherzustellen, dass der kritische Bereich der Fütterungsarzneimittel auch künftig nach den Maßstäben des Arzneimittelrechts überprüft sowie amtlich kontrolliert wird und Fütterungsarzneimittel weiterhin unter die Verschreibungspflicht fallen;

29. hebt hervor, dass die Prävention und Eindämmung von Infektionen wesentliche Elemente im Kampf gegen AMR sind; fordert die Mitgliedstaaten auf, die Infektionsbekämpfung zu verbessern und die Hygienestandards anzuheben und zu fördern – speziell jene für Handhygiene, und zwar insbesondere in sensiblen Umgebungen wie Gesundheitseinrichtungen – um die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern und den Antibiotikabedarf zu senken; fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den Austausch bewährter Verfahren im Bereich der Prävention und Verringerung therapieassoziierter Infektionen zu verstärken und die Forschung in Bezug auf die Epidemiologie von durch MRSA, C. difficile und andere aufkommende multiresistente Organismen hervorgerufenen therapieassoziierten Infektionen auszuweiten;

Entwicklung neuer antimikrobieller Mittel oder alternativer Behandlungsmethoden

30. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Bemühungen zur Entwicklung neuer und innovativer Geschäftsmodelle im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP) zu fördern, bei denen Investitionen in Forschung und Entwicklung in Bezug auf neue Antibiotika und Diagnosemöglichkeiten von Verkaufstransaktionen abgekoppelt werden, um eine breitere Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit zu fördern und die unnötige Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe zu senken;

31. fordert, dass die Erforschung neuer antimikrobieller Wirkstoffe sowie anderer Alternativen (Impfung, Biosicherheit, Resistenzzüchtung) sowie faktengestützter Strategien zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten bei Tieren verstärkt und besser koordiniert wird;

32. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zu beschleunigen, um neue Instrumente für die Bekämpfung der Tuberkulose und der arzneimittelresistenten Tuberkulose bereitzustellen;

33. fordert die Kommission auf, in Forschung und Entwicklung zu investieren, die auf Alternativen für den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe in der Tierproduktion zielen, und Innovationen im Bereich landwirtschaftlicher Verfahren zu unterstützen, so wie es den Zielen der künftigen Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit entspricht;

34. hält es für dringend geboten, dass CIA und neu entwickelte antimikrobielle Wirkstoffe und Technologien für die Verwendung in der Human- und Veterinärmedizin in nur begrenztem Maße eingesetzt werden; betont, dass CIA angemessen zielgerichtet und nur in spezifischen Fällen eingesetzt werden dürfen;

35. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, neue ordnungspolitische Ansätze, u. a. die Übertragbarkeit von Rechten des geistigen Eigentums und die Verlängerung des Patentschutzes, mit dem Ziel zu prüfen, Investitionen des Privatsektors in die Entwicklung antimikrobieller Wirkstoffe zu fördern;

36. stellt fest, dass der Zugang zu schnellen, zuverlässigen und erschwinglichen Diagnosemöglichkeiten bei der Entwicklung neuer Behandlungsstrategien wichtig ist;

37. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, neue ordnungspolitische Ansätze mit dem Ziel zu prüfen, die Forschung im Bereich der Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe finanziell zu unterstützen, die zu einer fiskalischen Entlastung sowohl für den öffentlichen als auch den privaten Sektor führen könnte;

38. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Anreize für die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor auszubauen, um Forschung und Entwicklung in Bezug auf antimikrobielle Wirkstoffe wieder stärker anzukurbeln; vertritt die Auffassung, dass die gemeinsame Nutzung von Wissen und die Bündelung von Mitteln durch innovative öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) eine entscheidende Rolle dabei spielen werden, die klinische Wirksamkeit und Verfügbarkeit bereits existierender Antibiotika sicherzustellen;

39. fordert die Kommission auf, sicherzustellen, dass Landwirte in allen EU-Mitgliedstaten im Rahmen der Strategie Europa 2020 Zugang zu intelligenten, wirksamen und alternativen Instrumenten für die Heilung ihrer Tiere haben, einschließlich für seltene Anwendungsbereiche und Tierarten von geringer wirtschaftlicher Bedeutung (MUMS), für die derzeit ein erheblicher Mangel an Tierarzneimitteln besteht;

40. fordert die Kommission auf, dafür zu sorgen, dass weitere Instrumente für die frühe und schnelle Diagnose und die Bekämpfung von Krankheiten entwickelt werden, die direkt in landwirtschaftlichen Betrieben genutzt werden können, und dass eine höhere Anzahl derartiger Instrumente zur Verfügung steht, sowie dafür, dass auf der Ebene der Mitgliedstaaten ein breit angelegtes und wirksames Diagnosesystem betrieben wird, mit dem dafür gesorgt ist, dass die Ergebnisse von bakteriologischen Untersuchungen rechtzeitig vorliegen;

Überwachung und Berichterstattung

41. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, in Bezug auf die Verfahren zur Früherkennung, Warnung und koordinierten Bekämpfung in Bezug auf pathogene Bakterien mit antimikrobieller Resistenz bei Menschen, Tieren, Fischen und Lebensmitteln eine engere Zusammenarbeit und Koordinierung anzustreben, damit das Ausmaß und die Zunahme von AMR stetig überwacht werden; fordert die Mitgliedstaaten in diesem Zusammenhang mit Nachdruck auf, nationale Datenbanken nach einheitlichen Maßstäben einzurichten, in welchen Händler, Tierärzte und Landwirte die Antibiotikaabgabe und –anwendung dokumentieren müssen;

42. betont, dass solide Informationen über die Verwendung antimikrobieller Wirkstoffe in einigen Mitgliedstaaten nach wie vor nicht verfügbar sind; hält es für wichtig, dass ein wirksames europäisches Netzwerk nationaler Überwachungssysteme für die menschliche Gesundheit und den Veterinärbereich eingerichtet wird, damit eindeutige, vergleichbare, transparente und aktuelle Referenzdaten über die Verwendung antimikrobieller Arzneimittel erhoben werden können, die auf für alle EU-Mitgliedstaaten einheitlichen Standards beruhen; vertritt die Auffassung, dass sich dieses Netzwerk auf bestehende Überwachungssysteme im Rahmen der EFSA, d. h. auf das Europäische Netz zur Überwachung des Verbrauchs antimikrobieller Mittel (ESAC-Netz) beim ECDC, das Europäische Netz zur Überwachung von Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe (EARS-Netz) beim ECDC, auf das Netz für durch Wasser und Lebensmittel übertragbare Krankheiten (FWD-Netz) beim ECDC und die Europäische Überwachung des Verbrauchs antimikrobieller Substanzen in der Veterinärmedizin (ESVAC) bei der EMA stützen sollte;

43. ist der Auffassung, dass die erhobenen Daten zum Einsatz von Antibiotika ausschließlich den betroffenen Experten, Behörden und Entscheidungsträgern zugänglich gemacht werden sollten;

44. weist darauf hin, dass es in seiner Entschließung vom 12. Mai 2011 zu Antibiotikaresistenz betont hat, wie wichtig es ist, sich ein umfassendes Bild darüber machen zu können, wann, wo, wie und bei welchen Tieren antimikrobielle Wirkstoffe zum Einsatz kommen, und ist der Ansicht, dass solche Daten unverzüglich von der Kommission erhoben, bewertet und veröffentlicht werden sollten und dass diese Daten harmonisiert werden und in eine vergleichbare Form gebracht werden sollten, um ordnungsgemäße Analysen und wirksame, koordinierte, artspezifische Maßnahmen zu ermöglichen, die auf die einzelnen Arten in der Tierhaltung zugeschnitten sind, um AMR sowohl auf Ebene der EU als auch auf der Ebene der Mitgliedstaaten zu bekämpfen;

45. fordert die Kommission auf, eine Übersicht über die erreichte Verringerung des Einsatzes antimikrobieller Mittel in der Tiermedizin je Mitgliedstaat in ihren Fortschrittsbericht über die Umsetzung des AMR-Aktionsplans aufzunehmen;

46. fordert die Kommission auf, die Mitgliedsstaaten zur effizienteren und ganzheitlichen Überwachung des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung mithilfe von Datenbanken zu verpflichten; weist darauf hin, dass die Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in landwirtschaftlichen Betrieben bereits Vorschrift ist;

47. fordert die Mitgliedstaaten auf, eine getrennte Überwachung und Kontrolle von Resistenzen bei Nutz-, Haus-, Sporttieren usw. sicherzustellen, ohne dadurch zusätzliche finanzielle oder verwaltungstechnische Lasten für Landwirte, Züchter oder Tierärzte zu schaffen;

48. fordert die Mitgliedstaaten auf, eine engere sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen den einschlägigen Behörden und Sektoren zu unterstützen, um einen stärker integrierten Ansatz bezüglich der Gesundheit von Menschen und Tieren zu fördern, und die Umsetzung nationaler Strategien zur Bekämpfung von AMR zu überwachen;

49. betont, dass nachhaltige Systeme der Nahrungsmittelerzeugung gefördert werden müssen, die im Vergleich zur industriellen Tierhaltung eine geringere Anfälligkeit für AMR aufweisen;

50. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, sicherzustellen, dass die Messung des Einsatzes von Antibiotika in den Sektoren der Human- und der Veterinärmedizin sowie die entsprechende Berichterstattung künftig ausgeweitet werden, so dass nicht nur die Gesamtmenge der eingesetzten antimikrobiellen Wirkstoffe angegeben wird, sondern auch die Art des antimikrobiellen Wirkstoffs, die Behandlungszeiträume usw.;

Kommunikation, Aus- und Weiterbildung

51. weist darauf hin, dass es von einem Sinneswandel der Patienten, Landwirte, Apotheker, Human- und Veterinärmediziner und anderer Praktiker in den Bereichen Human- und Veterinärmedizin, von einer Änderung ihrer Gewohnheiten und von der Vermittlung entsprechenden Wissens abhängt, ob antimikrobielle Mittel ordnungsgemäß eingesetzt werden; vertritt die Auffassung, dass auf nationaler und europäischer Ebene mehr wirksame und regelmäßig stattfindende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie umfassende Informationskampagnen in Schulen generell ab einem frühen Alter angeboten werden sollten, um eine bessere Sensibilisierung für die Folgen zu erreichen, die mit dem falschen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe einhergehen;

52. weist darauf hin, dass einer der häufigsten Gründe für den Einsatz von Antibiotika die Behandlung einfacher Erkältungen ist und dass viel gewonnen wäre, wenn in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür vorhanden wäre, dass es sich bei einer einfachen Erkältung um einen Virusinfekt handelt, mit Antibiotika jedoch lediglich bakterielle Infekte behandelt werden können;

53. begrüßt den jährlichen Europäischen Antibiotikatag (18. November), der eingeführt wurde, um auf einen verantwortungsvollen Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe hinzuwirken; vertritt jedoch die Auffassung, dass die Öffentlichwirksamkeit und das Potenzial dieses Tages durch eine stärkere politische Unterstützung auf nationaler und europäischer Ebene, einen breiteren Ansatz, der auch Tiere umfasst, und im Rahmen koordinierter, innovativer und effektiver Kampagnen noch mehr gesteigert werden könnten, wenn darin die Erfahrungen einfließen, die bei erfolgreichen europäischen und internationalen Initiativen gesammelt worden sind; fordert die Kommission auf, auch ganzjährige Informationsmaßnahmen zu ergreifen, in deren Rahmen die korrekte Dosierung verordneter Antibiotika erläutert wird;

54. fordert die Kommission auf, und zwar in Anerkennung der Tatsache, dass auch die Information der Bürger, und nicht nur der Fachkräfte im Bereich der Human- und Tiermedizin, von entscheidender Bedeutung ist, um eine bessere Sensibilisierung zu erreichen und somit wiederum für Prävention zu sorgen, eine Liste bewährter Verfahren für die Umsetzung wirksamer Kommunikationskampagnen und von Maßnahmen zur beruflichen Fortbildung mit dem Ziel der Sensibilisierung für AMR zu erstellen, wie sie zum Beispiel im Rahmen der Arbeit der von mehreren Akteuren getragenen Europäischen Plattform für den verantwortungsvollen Einsatz von Medikamenten bei Tieren (EPRUMA) geschieht, um die wirksame Umsetzung derartiger Aufklärungskampagnen zu fördern;

55. vertritt die Auffassung, dass wirksame Informations- und Aufklärungskampagnen entwickelt werden müssen, um das Bewusstsein für die Gefahren der unbeabsichtigten Verbreitung antimikrobieller Erreger in Krankenhäusern und Privathaushalten sowie für die Mittel zu steigern, mit denen dies verhindert werden kann;

56. fordert die Kommission auf, in der Studie zur Verbesserung von Beipackzetteln und zur Arzneimittel-Faktenbox die Möglichkeit zu untersuchen, den Patienten bessere Informationen über das jeweilige Antibiotikum zur Verfügung zu stellen, beispielsweise in Form des folgenden Hinweises: „Nehmen Sie dieses Antibiotikum nur ein, wenn es Ihnen von einem Arzt verschrieben wurde, und nehmen Sie es entsprechend den Verschreibungsanweisungen ein. Die unangemessene Einnahme von Antibiotika kann zu einer Resistenz führen, die Ihnen und anderen Menschen schadet.“;

Internationale Zusammenarbeit

57. weist darauf hin, dass der zunehmende internationale Reiseverkehr und vor allem der weltweite Lebens- und Futtermittelhandel dazu beitragen dürften, dass sich AMR grenzüberschreitend verbreiten; vertritt die Auffassung, dass nur mit abgestimmten und rechtzeitigen Maßnahmen auf internationaler Ebene, mit denen Überschneidungen verhindert werden und eine kritische Masse gebildet wird, Fortschritte in Bezug darauf erreicht werden können, die von AMR weltweit für die öffentliche Gesundheit ausgehenden Gefahren zu verringern;

58. hält die durch die WHO, die OIE, die FAO und durch andere einschlägige, auf globaler Ebene agierende Organisationen eingeleiteten Initiativen für äußerst wichtig; weist jedoch darauf hin, dass die beschlossenen internationalen Standards und Leitlinien auch unbedingt weltweit eingehalten werden müssen; fordert die Kommission auf, im Rahmen ihrer Bewertung der Umsetzung des derzeitigen AMR-Aktionsplans über den Fortschritt der Mitgliedstaaten in Bezug auf die wesentlichen international bestehenden Verpflichtungen zu AMR Bericht zu erstatten;

59. begrüßt die Einrichtung der Transatlantischen Taskforce zur Antibiotikaresistenz (TATFAR) und die Empfehlungen, die im September 2011 in Bezug auf die künftige Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA angenommen wurden; betont, dass insbesondere in folgenden Bereichen konkrete Maßnahmen ergriffen werden müssen:

· bei der Erhebung vergleichbarer Daten und beim Austausch von Daten über antimikrobielle Wirkstoffe in der Human- und der Veterinärmedizin,

· bei der Entwicklung gemeinsamer Vorlagen für den Umgang mit therapieassoziierten Infektionen auf der Grundlage bewährter Verfahren;

· für eine erweiterte Zusammenarbeit zwischen der US-amerikanischen Lebens- und Arzneimittelbehörde und der EMA in Bezug auf koordinierte Ansätze zur Förderung der Entwicklung antibakterieller Arzneimittel und deren Regulierung, insbesondere bei der klinischen Prüfung;

60. fordert die Kommission auf, auf der Arbeit der TATFAR aufzubauen und ähnliche multilaterale und bilaterale Verpflichtungen zur Prävention und Eindämmung von AMR mit anderen Partnern in der Welt zu fördern;

61. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Initiativen für das globale Risikomanagement zu fördern und zu unterstützen, wie zum Beispiel die WHO-Liste antimikrobieller Mittel, die für die Humanmedizin von besonderer Bedeutung sind, und die OIE-Liste antimikrobieller Mittel von veterinärmedizinischer Bedeutung;

62. unterstützt einen internationalen Ansatz für die Bekämpfung gefälschter Antibiotika im Einklang mit den Leitlinien der WHO;

o

o       o

63. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission und den Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

Angenommene Texte, P7_TA(2011)0473.

(2)

Angenommene Texte, P7_TA(2011)0238.

(3)

http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Report/2009/11/WC500008770.pdf

(4)

http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/pub/2598.htm EFSA Journal 2012;10(3):2598 [233 Seiten].

(5)

ABl. C 151 vom 3.7.2009, S. 1.

(6)

http://ec.europa.eu/health/antimicrobial_resistance/docs/amr_report2_en.pdf

(7)

http://ec.europa.eu/health/antimicrobial_resistance/docs/cswd_technicalannex_en.pdf

(8)

ABl. L 268 vom 18.10.2003, S. 29.

(9)

ABl. L 34 vom 5.2.2002, S. 13.

(10)

Angenommene Texte, P7_TA(2010)0130.

(11)

http://ecdc.europa.eu/en/activities/diseaseprogrammes/TATFAR/Documents/210911_TATFAR_Report.pdf

(12)

CAC/GL 77- 2011.

(13)

Bezieht sich darauf, ob die Mikroorganismen die bei der Anwendung der Methode der Gram-Färbung genutzte violette Färbung annehmen oder nicht. Die Beurteilung der Färbungseigenschaften gilt als bewährte Methode zur Klassifizierung von Bakterien.

(14)

ABl. L 34 vom 5.2.2002, S. 13-16.

(15)

Bericht über die dritte Sitzung der WHO-Beratungsgruppe für integrierte Überwachung der Antibiotikaresistenz, 14.- 17. Juni 2011, Oslo, Norwegen.


BEGRÜNDUNG

Seit der Entwicklung des Penizillins in den 1930er Jahren haben antimikrobielle Mittel die human- und tiermedizinische Praxis revolutioniert, in Bezug auf viele gefährliche und oftmals tödlich verlaufenden Bakterieninfektionen zu einer erheblichen Senkung der Sterblichkeit beigetragen und dazu geführt, dass die invasive Chirurgie breite Anwendung finden konnte. Der überragende medizinische Fortschritt des Antibiotikazeitalters läuft jedoch Gefahr, von der zunehmenden Bedrohung durch Resistenzen gegen antimikrobielle Wirkstoffe (AMR) unterlaufen zu werden.

„Antimikrobielle Resistenz“ bedeutet, dass mikrobielle Organismen sich trotz der Verabreichung eines antimikrobiellen Mittels in einer Dosis, die unter normalen Umständen ausreicht, um Mikroorganismen derselben Art zu hemmen oder abzutöten, vermehren und überleben. In der Folge können antimikrobielle Organismen eine überaus starke Resistenz gegen bestimmte antimikrobielle Mittel entwickeln, auf die sie normalerweise reagieren(1).

Nachdem antimikrobielle Mittel seit nunmehr achtzig Jahren eingesetzt werden, hat die Tatsache, dass sich infektiöse Mikroben weiterentwickeln und anpassen, dazu geführt, dass viele antimikrobielle Wirkstoffe nicht mehr wirksam sind. Diese sich abzeichnende Krise ist das Ergebnis zweier grundlegender zusammenhängender Probleme: des unangemessenen Einsatzes antimikrobieller Wirkstoffe in der Human- und Tiermedizin und einer Innovationslücke von 40 Jahren bei der Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe, die auf die niedrige Rendite von Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückzuführen ist.

Das Problem der AMR hat sich durch die Herausbildung multipler Arzneimittelresistenzen einiger bakterieller Organismen weiter verstärkt, da diese Resistenzen die Wirksamkeit einer Reihe antimikrobieller Wirkstoffe beeinträchtigen können, die miteinander nicht in Zusammenhang stehen, sowie eine Gefahr für die Behandlungsmethoden für Mensch und Tier darstellen, die Genesung verzögern oder dazu führen können, dass die Behandlung erfolglos bleibt.

Neben dem durchaus bekannten, äußerst schwer zu behandelnden MRSA-Bakterium (methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), das üblicherweise von Patienten weitergetragen wird, die in verschiedenen Krankenhäusern behandelt werden, haben wir es mit einer langen Liste multiresistenter Infektionen zu tun, zu denen u. a. Infektionen der ableitenden Harnwege, Lungenentzündung und Tuberkulose zählen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit mindestens 440 000 Einzelfälle multiresistenter Tuberkulose mit 150 000 Todesfällen pro Jahr(2).

Es überrascht daher kaum, dass die Gesundheitssysteme in Europa sich aufgrund dieser multiresistenten Infektionen bereits mit zunehmenden Ausgaben konfrontiert sehen. Einerseits sind die Arzneimittel, die zur Behandlung dieser Fälle benötigt werden, oft sehr teuer, andererseits dauert die Behandlung inzwischen länger und ist komplexer. Laut der WHO und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben multiresistente Infektionen in der EU, in Norwegen und in Island(3) im Jahr 2007 zu über 2,5 Millionen zusätzlichen Krankenhaustagen und in derselben Region(4) zu 25 000 zusätzlichen Todesfällen geführt. Wenn keine konzertierten Maßnahmen zur Lösung des zunehmenden Problems der antimikrobiellen Resistenz ergriffen werden, ist zu erwarten, dass diese Zahlen in den kommenden Jahren signifikant steigen werden.

Darüber hinaus wird die Herausbildung arzneimittelresistenter Organismen durch die heutzutage üblichen Behandlungsmethoden sogar noch begünstigt – d. h. durch den unangemessenen Einsatz antimikrobieller Mittel, nicht zuletzt die verantwortungslose Überdosierung, die Einnahme minderwertiger Antibiotika und das Versäumnis, den Behandlungszyklus zu beenden, wie er durch einen qualifizierten Arzt verschrieben wird. Neben dieser verschwenderischen Einnahme antimikrobieller Wirkstoffe spielt darüber hinaus der Zusammenhang zwischen ihrer Anwendung in der Tierhaltung und der Verbreitung der Resistenz beim Menschen eine Rolle.

Alle Bakterien bilden aufgrund ihrer natürlichen Flexibilität Gene aus, die sie dazu befähigen, eine Resistenz gegen jedweden antimikrobiellen Wirkstoff zu entwickeln, und durch die Vernichtung von Bakterien mit einer Empfindlichkeit gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen können antimikrobielle Wirkstoffe wiederum zu einem Selektionsdruck führen, der zur Überpopulation der Bakterien führt, die eine Resistenz aufweisen. Mit der zeitlich ausgedehnten Verabreichung antimikrobieller Mittel wird daher die weite Verbreitung resistenter Stämme begünstigt.

Das Problem verstärkt sich weiter durch einen merklichen Rückgang der Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe. Während die Liste der arzneimittelresistenten Mikroben immer länger wird, werden nur relativ wenige neue antimikrobielle Wirkstoffe entwickelt – und für die Behandlung einiger arzneimittelresistenter Organismen, die sich derzeit vermehren, sogar überhaupt keine. Daher ist zu erwarten, dass die Tendenz von immer schwieriger zu behandelnden Infektionen weiter zunehmen wird, wenn keine koordinierten Präventions- und Kontrollmaßnahmen verfolgt werden, um der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe entgegenzuwirken.

Dies wird alarmierende Folgen nach sich ziehen: Antimikrobielle Mittel, für die sich Forschung und Entwicklung auf mehrere zehn Millionen Euro beläuft und deren Markteinführung nahezu ein Jahrzehnt in Anspruch nimmt, haben eine immer kürzere Wirkungsspanne. Einerseits verbreiten sich Resistenzen, andererseits verkürzt sich die Wirkungsspanne antimikrobieller Mittel, und während immer weniger neue antimikrobielle Wirkstoffe zugänglich gemacht werden, wird die Diskrepanz zwischen den Infektionen und ihrer Eindämmung immer größer. Laut der WHO bringen AMR die Gefahr der Rückkehr in das „Post-Antibiotika-Zeitalter“ mit sich(5).

Aufgrund der Tatsache, dass infektiöse Erkrankungen keine Grenzen kennen, stellt die Zunahme an arzneimittelresistenten Mikroben ein weltweites Problem dar, dem auch auf weltweiter Ebene begegnet werden muss. Jedoch ist weiterhin von entscheidender Bedeutung, dass die EU konzertierte Maßnahmen zur Lösung dieses Problems ergreift. Während der vergangenen zehn Jahre haben der Europäische Rat in seinen Schlussfolgerungen und das Europäische Parlament in seinen Entschließungen wiederholt eine umsichtige Nutzung der verfügbaren antimikrobiellen Mittel und die Förderung von Initiativen gefordert, die der Entwicklung neuer Mittel dienen. Diesen Schlussfolgerungen und Entschließungen muss nun seitens der Mitgliedstaaten und der EU dringend entsprochen werden.

Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass das Problem der AMR nicht durch eine einfache Lösung bewältigt werden kann. Vielmehr ist ein vielschichtiger Ansatz vonnöten:

Umsichtige Verwendung antimikrobieller Mittel in der Human- und Tiermedizin

Vor allem muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass antimikrobielle Mittel umsichtig eingesetzt werden. Dies bedeutet, dass Antibiotika der Verschreibungspflicht durch einen Arzt unterliegen müssen und nicht grundlos eingesetzt werden dürfen – wie z. B. für die Behandlung weit verbreiteter Virusinfektionen des Menschen; auch muss im gesamten Veterinärbereich auf eine umsichtige Verwendung geachtet werden. Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Kommission und die Mitgliedstaaten bei der Entwicklung kompatibler strategischer Aktionspläne mit dem Ziel der umsichtigen Verwendung zusammenarbeiten.

Vorbeugung

Es müssen unbedingt bessere Maßnahmen zur Vorbeugung der Ausbildung und Verbreitung der Arzneimittelresistenz ergriffen werden. Dies umfasst auch eine verbesserte Überwachung und ein besseres Meldesystem für arzneimittelresistente Organismen sowie eine wirksamere Infektionskontrolle, die auch Impfungen umfasst.

Entwicklung neuer antimikrobieller Mittel oder alternativer Behandlungsmethoden

Einerseits muss dafür gesorgt werden, dass sich weniger Resistenzen gegen Arzneimittel ausbilden, andererseits muss jedoch auch die Entwicklung neuer antimikrobieller Mittel gefördert werden. Ein Mittel zum Fortschritt könnten öffentlich-private Partnerschaften sein – jedoch müssen auch neue ordnungspolitische Ansätze geprüft werden, mit denen die Forschung in der Industrie und die Entwicklung neuer antimikrobieller Mittel gefördert werden können, und in deren Rahmen auch für die Sicherheit der Patienten gesorgt ist.

Überwachung und Berichterstattung

Um wirksame Maßnahmen ergreifen zu können, bedarf es korrekter und aktueller Daten aus allen Mitgliedstaaten. Daher ist es wichtig, dass eine europaweite Überwachung im Bereich der Human- sowie der Veterinärmedizin erfolgt. Darüber hinaus müssen unbedingt vergleichbare, transparente und aktuelle Referenzdaten über die Verwendung antimikrobieller Arzneimittel in allen Mitgliedstaaten erhoben werden.

Kommunikation, Aus- und Weiterbildung

Zur Bekämpfung der zunehmenden Resistenz gegen mikrobielle Wirkstoffe ist ein Austausch bewährter Verfahren und eine bessere Kommunikation sowie Aus- und Weiterbildung praktizierender Human- und Tiermediziner notwendig. Darüber hinaus ist eine bessere Vermittlung von Informationen über dieses Thema an die Öffentlichkeit entscheidend, um zu erreichen, dass die Patienten die fraglichen Mittel umsichtig nutzen.

Internationale Zusammenarbeit

Aufgrund der Tatsache, dass infektiöse Erkrankungen keine Grenzen kennen, muss dem Problem auch auf weltweiter Ebene begegnet werden. Die Arbeit der Transatlantischen Taskforce zur Antibiotikaresistenz (TATFAR) ist ein hervorragendes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit im Bereich AMR, und ein vergleichbares multilaterales und bilaterales Engagement sollte gefördert werden.

(1)

http://www.vmd.defra.gov.uk/pdf/leaflet_antimicrobials.pdf

(2)

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs194/en/

(3)

http://whqlibdoc.who.int/publications/2012/9789241503181_eng.pdf

(4)

http://www.ecdc.europa.eu/en/aboutus/organisation/Director%20Speeches/20120314_AMR_presentation_Copenhagen_EUpresidency.pdf

(5)

http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs194/en/


STELLUNGNAHME des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (15.10.2012)

für den Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

zu dem Thema „Die mikrobielle Herausforderung – die steigende Gefahr der Antibiotikaresistenz“

(2012/2041(INI))

Verfasser der Stellungnahme: Martin Häusling

VORSCHLÄGE

Der Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung ersucht den federführenden Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, folgende Vorschläge in seinen Entschließungsantrag zu übernehmen:

1.  stellt fest, dass der Aktionsplan der Kommission wohl in die richtige Richtung, jedoch nicht weit genug geht, um die steigende globale Gefahr der Antibiotikaresistenz einzudämmen; ist der Ansicht, dass die im Aktionsplan empfohlenen Maßnahmen so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen; fordert die Kommission daher auf, einen integrierten Fahrplan vorzulegen, in dem die maßgeblichen politischen Reaktionen einschließlich eventueller legislativer Maßnahmen dargelegt werden;

2.  betont, dass ein solcher Aktionsplan alle Tiere, die unter die EU-Tierschutzstrategie fallen, einschließlich beispielsweise Haustieren und Sporttieren, umfassen sollte und dass darin die logische Verbindung zwischen der Tiergesundheit und dem Antibiotikaeinsatz sowie der Zusammenhang zwischen der Tiergesundheit und der menschlichen Gesundheit betont werden sollten;

3.  stimmt der Einschätzung zu, wonach ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich ist, der auf einem umsichtigen und verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz beruht und in dessen Rahmen die biologische Sicherheit und die Tierhaltungssysteme kontinuierlich verbessert werden, die eine gute Tiergesundheit fördern, den Tieren ein artgerechtes Verhalten ermöglichen, das Auftreten von Krankheiten auf ein Mindestmaß beschränken und die Übertragung von Krankheiten einschränken, so dass die Verschreibung von Antibiotika nicht mehr so oft notwendig ist;

4.  fordert die Einführung bewährter Vorgehensweisen zur erheblichen Senkung der Resistenzen bei der Haltung von Tieren; stellt fest, dass dabei insbesondere die Haltung junger Tiere Beachtung finden sollte, da sie oft von verschiedenen Züchtern kommen und bei der Zusammenführung einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind;

5.  fordert, dass die Erforschung neuer antimikrobieller Mittel sowie anderer Alternativen (Impfung, biologische Sicherheit, Resistenzzüchtung) sowie faktengestützter Strategien zur Vorbeugung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten bei Tieren verstärkt und besser koordiniert wird;

6.  schlägt vor, Forschung, Innovation und die Verbesserung der Kommunikation und des Bildungs- und Ausbildungsniveaus in Bezug auf den Antibiotikaeinsatz zu fördern;

7.  schlägt die Förderung nachhaltiger Haltungssystem vor, die auf guten Bewirtschaftungspraktiken und möglichst effizientem Ressourceneinsatz beruhen und die Abhängigkeit der Landwirte vom Einsatz kostspieliger und unnachhaltiger Betriebsmittel verringern, die mit einem hohen Risiko für die Umwelt und die öffentliche Gesundheit einhergehen;

8.  pflichtet der Kommission bei, dass der Rechtsrahmen für Tierarzneimittel und Medizinalfutter verschärft werden muss, und fordert eine kohärente Gestaltung der EU-Vorschriften und ihrer Umsetzung;

9.  weist darauf hin, dass die Verwendung antimikrobieller Mittel in unter der therapeutischen Dosis liegenden Mengen in der EU verboten ist;

10. fordert die Kommission dazu auf, die Umsetzung des 2006 erlassenen Verbots der Verwendung antimikrobieller Mittel als Wachstumsförderer in den Mitgliedsstaaten sicherzustellen;

11. ist der Auffassung, dass das primäre Ziel eines Landwirts sein muss, sein Vieh durch angemessene Haltungsmethoden gesund und produktiv zu erhalten und dessen Wohlergehen sicherzustellen; unterstreicht jedoch, dass auch der ordnungsgemäße Einsatz von Antibiotika ein nötiges Instrument in der Tierhaltung in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere ist;

12. stellt fest, dass sich Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel bei Tieren je nach Tierart und je nach der Art der Tierhaltung unterscheiden;

13. betont, dass das übergeordnete Ziel darin besteht, Antibiotika als wirksames Instrument zur Bekämpfung von Krankheiten sowohl bei Tieren als auch bei Menschen zu erhalten und den Antibiotikaeinsatz dabei auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken; schlägt daher vor, den Einsatz von Antibiotika, die von der WHO als von entscheidender Bedeutung für die Behandlung von Menschen eingestuft werden, für Vieh einzuschränken und schrittweise einzustellen;

14. weist darauf hin, dass Impfstoffe bei der Eindämmung von Krankheiten und der Verringerung des Einsatzes von Antibiotika im Rahmen einer guten Tierhaltungspraxis eine wichtige Rolle spielen; ist der Ansicht, dass Impfstoffe kein Ersatz für eine gute Tierhaltungspraxis oder angemessene Vorkehrungen für die biologische Sicherheit sein sollten und Tierärzte Antibiotika nur in angemessen begründeten Fällen verabreichen sollten;

15. fordert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) auf, der Überwachung und Analyse der Lage in Bezug auf die Antibiotikaresistenz von Vieh in der gesamten Union besondere Aufmerksamkeit zu widmen;

16. fordert den umsichtigen und verantwortungsvollen Einsatz antimikrobieller Substanzen bei Tieren und mehr Informationen für Veterinärmediziner und Landwirte, um sie bei der Eindämmung der Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu unterstützen; fordert den Austausch bewährter Praktiken, die als wichtige Instrumente zur Bekämpfung der Entstehung von Antibiotikaresistenzen dienen können, wie etwa die Annahme von Leitlinien über den umsichtigen Antibiotikaeinsatz;

17. fordert anhaltende Bemühungen darum, dass Antibiotika sowohl in der Tiermedizin als auch in der Humanmedizin nur eingesetzt werden, wenn ein solcher Einsatz gerechtfertigt werden kann;

18. betont, dass solide Informationen über die Verwendung von Antibiotika in einigen Mitgliedstaaten fehlen und dass transparente, kohärente und konsistente Daten erforderlich sind;

19. fordert die Mitgliedstaaten auf, zur Gewährleistung angemessener Verwendungsmuster in den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben elektronische Erfassungssysteme zu verwenden und so für einen verantwortungsvollen und möglichst geringen Einsatz zu sorgen;

20. weist darauf hin, dass es in seiner Entschließung vom 12. Mai 2011 zu Antibiotikaresistenz betont hat, wie wichtig es ist, sich ein umfassendes Bild darüber machen zu können, wann, wo, wie und bei welchen Tieren antimikrobielle Wirkstoffe zum Einsatz kommen, und ist der Ansicht, dass solche Daten unverzüglich von der Kommission gesammelt, analysiert und veröffentlicht werden sollten und dass die erhobenen Daten harmonisiert und vergleichbar sein sollten, um entsprechende Analysen und effiziente, koordinierte, artspezifische Maßnahmen zu ermöglichen, die auf die einzelnen Arten der Tierhaltung zugeschnitten sind, um Antibiotikaresistenz sowohl auf Ebene der EU als auch der Mitgliedstaaten zu bekämpfen;

21. fordert die Kommission auf, eine Übersicht über die erreichte Verringerung des Einsatzes von Antibiotika in der Tiermedizin je Mitgliedstaat in ihren Fortschrittsbericht über die Umsetzung des Aktionsplans zur Abwehr der steigenden Gefahr der Antibiotikaresistenz aufzunehmen;

22. fordert die Kommission auf, die Mitgliedstaaten mithilfe von Datenbanken zur effizienteren und ganzheitlichen Überwachung des Einsatzes von Antibiotika in der gesamten Tierhaltung zu verpflichten; weist darauf hin, dass die Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in landwirtschaftlichen Betrieben bereits Vorschrift ist;

23. fordert die Kommission auf, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit auf Ebene der Mitgliedstaaten breit angelegte und effiziente Diagnosesysteme zum Einsatz kommen und somit sicherstellt wird, dass die Ergebnisse bakteriologischer Untersuchungen rechtzeitig vorliegen;

24. fordert die Mitgliedstaaten auf, eine getrennte Überwachung und Kontrolle von Resistenzen bei Nutz-, Haus-, Sporttieren etc. sicherzustellen, ohne dadurch zusätzliche finanzielle oder verwaltungstechnische Lasten für Landwirte, Tierhalter oder Tierärzte zu schaffen;

25. ist der Auffassung, dass die erhobenen Daten zum Einsatz von Antibiotika ausschließlich Experten, Behörden und betroffenen Entscheidungsträgern zugänglich gemacht werden sollten.

ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

11.10.2012

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

35

1

1

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

John Stuart Agnew, Eric Andrieu, José Bové, Luis Manuel Capoulas Santos, Vasilica Viorica Dăncilă, Michel Dantin, Paolo De Castro, Albert Deß, Diane Dodds, Herbert Dorfmann, Robert Dušek, Mariya Gabriel, Iratxe García Pérez, Julie Girling, Béla Glattfelder, Martin Häusling, Esther Herranz García, Peter Jahr, Elisabeth Jeggle, Jarosław Kalinowski, Elisabeth Köstinger, Agnès Le Brun, George Lyon, Gabriel Mato Adrover, Mairead McGuinness, James Nicholson, Rareş-Lucian Niculescu, Wojciech Michał Olejniczak, Georgios Papastamkos, Marit Paulsen, Britta Reimers, Alfreds Rubiks, Czesław Adam Siekierski, Sergio Paolo Francesco Silvestris, Alyn Smith, Janusz Wojciechowski

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Alejandro Cercas, Ismail Ertug, Petri Sarvamaa


ERGEBNIS DER SCHLUSSABSTIMMUNG IM AUSSCHUSS

Datum der Annahme

6.11.2012

 

 

 

Ergebnis der Schlussabstimmung

+:

–:

0:

62

0

0

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

Martina Anderson, Elena Oana Antonescu, Kriton Arsenis, Sophie Auconie, Pilar Ayuso, Paolo Bartolozzi, Sergio Berlato, Lajos Bokros, Nessa Childers, Yves Cochet, Tadeusz Cymański, Chris Davies, Anne Delvaux, Edite Estrela, Jill Evans, Karl-Heinz Florenz, Elisabetta Gardini, Matthias Groote, Françoise Grossetête, Cristina Gutiérrez-Cortines, Satu Hassi, Jolanta Emilia Hibner, Karin Kadenbach, Christa Klaß, Eija-Riitta Korhola, Holger Krahmer, Jo Leinen, Peter Liese, Zofija Mazej Kukovič, Linda McAvan, Radvilė Morkūnaitė-Mikulėnienė, Miroslav Ouzký, Vladko Todorov Panayotov, Antonyia Parvanova, Andres Perello Rodriguez, Mario Pirillo, Pavel Poc, Anna Rosbach, Oreste Rossi, Dagmar Roth-Behrendt, Kārlis Šadurskis, Carl Schlyter, Horst Schnellhardt, Richard Seeber, Bogusław Sonik, Salvatore Tatarella, Thomas Ulmer, Anja Weisgerber, Åsa Westlund, Sabine Wils, Marina Yannakoudakis

Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

Frieda Brepoels, Nikos Chrysogelos, Christofer Fjellner, Julie Girling, Jutta Haug, Riikka Manner, Britta Reimers, Alda Sousa, Marita Ulvskog, Kathleen Van Brempt, Andrea Zanoni

Letzte Aktualisierung: 29. November 2012Rechtlicher Hinweis