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Parlamentarische Anfragen
21. Juli 2008
E-4162/08
SCHRIFTLICHE ANFRAGE von Claude Turmes (Verts/ALE) an die Kommission

 Betrifft: Verwendung von Quecksilber
 Antwort(en) 

Aufgrund der beträchtlichen Gefahren, die von Quecksilber für die menschliche Gesundheit und die Umwelt ausgehen, fasste die Europäische Union den Beschluss, seine Verwendung drastisch zu beschränken. Gleichwohl beschloss die Europäische Kommission (EK), das Problem der Dentalamalgame getrennt zu behandeln und den SCENIHR mit der Bewertung etwaiger Gesundheitsrisiken von Quecksilber in Dentalmaterial zu befassen. Der Bericht des SCENIHR wurde von vier „hauseigenen“ Sachverständigen (des SCENIHR- und des SCHER-Ausschusses) sowie von vier europäischen Vertretern der zahnmedizinischen Berufe, die die Verwendung von Amalgam befürworten, verfasst.

1. 90 der 190 aufgeführten Publikationen sind zahnmedizinischen Zeitschriften entnommen. Von den sehr zahlreichen Publikationen, in denen die Beziehung zwischen Quecksilber in Dentalmaterial und der Alzheimer-Krankheit untersucht wird, ist lediglich eine knappe zahnärztliche Studie, die Studie von Saxe, aufgeführt. Wie wurde diese äußerst tendenziös erscheinende Bibliografie ausgewählt?

2. Wieso entschied sich die Europäische Kommission für eine getrennte Behandlung des Problems von Quecksilber in Dentalmaterial? Wird der Mund der europäischen Bürger zum letzten Ort, an dem die Ablagerung von Quecksilber erlaubt ist, nachdem es aus allen anderen Verwendungsbereichen verbannt werden soll?

3. Schreiben es die berufsethischen Regeln nicht vor, dass ein wissenschaftliches Gutachten von fachkundigen Experten in voller Unabhängigkeit erstellt wird? Wieso wurde kein Epidemiologe, Toxikologe, Immunologe, Endokrinologe oder Chemiker mit toxikologischer Ausrichtung, der auf die Toxizität von Quecksilber spezialisiert ist, hinzugezogen?

4. Das SCENIHR-Gutachten ist ganz offensichtlich kein kontradiktorisches Gutachten: wieso wurden nur Vertreter der zahnmedizinischen Berufe hinzugezogen, die die Verwendung des zu bewertenden Materials befürworten?

5. Kann die Kommission in Anbetracht des überaus hohen Stellenwertes der Volksgesundheit und der legitimen Erwartungen, die die europäischen Bürger an die Demokratie im Gesundheitsbereich stellen, ein neues Sachverständigenteam einsetzen, dem fachkundige und vom zahnmedizinischen Umfeld unabhängige Wissenschaftler angehören und das alle geltenden berufsethischen Regeln (Sachverstand, Unabhängigkeit, kontradiktorisches Gutachten) respektiert?

Originalsprache der Anfrage: FRABl. C 40 vom 18/02/2009
ABl. C 999 vom 01/01/2009
Letzte Aktualisierung: 5. August 2008Rechtlicher Hinweis