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Schweigeminute für die Opfer der Anschläge gegen Charlie Hebdo, die französischen Polizeibeamten und den jüdischen Supermarkt

Reden
Straßburg
12-01-2015
Martin Schulz
Martin Schulz

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Philip Braham
Franck Brinsolaro
Frédéric Boisseau
Jean Cabut
Elsa Cayat
Stephane Charbonnier
Yohan Cohen
Yoav Hattab
Philippe Honoré
Clarissa Jean-Philippe
Bernard Maris
Ahmed Merabet
Mustapha Ourrad
Michel Renaud
François-Michel Saada
Bernard Verlhac
und Georges Wolinski.

Dies sind die Namen der siebzehn Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo, auf die Polizei und auf den jüdischen Supermarkt in der vergangenen Woche.

Im Namen des Europäischen Parlaments spreche ich ihren Familien und Freunden unser herzliches Beileid aus. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung.

 

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,

siebzehn Menschen starben. Diese Karikaturisten und Journalisten, diese Polizeibeamten und einfachen Angestellten, diese jüdischen Mitbürger starben, weil sie verteidigten und verkörperten, was Fanatiker nicht zulassen wollen: Die Kritik, den Humor und die Satire. Das Recht auf freie Meinungsäußerung. Unser gemeinsames Zusammenleben, über die Grenzen von Meinungsverschiedenheiten und Konfessionen hinweg. Unser Recht, gemeinsam und sicher zu leben. Einfach gesagt: unsere Freiheit.
Diese Angriffe sind ein Angriff auf uns alle.

Es liegt an uns, zu reagieren.

Die Gefahren sind vielfältig:

Wir dürfen unsere Gedankenfreiheit nicht nehmen lassen oder unsere europäischen Werte im Angesicht der Gewalt von Kalaschnikows in Frage stellen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Hass gegenüber anderen an die Stelle der Werte tritt, die uns definieren: Die Pressefreiheit und die Freiheit der Meinungsäußerung, die Toleranz und den gegenseitigen Respekt.

Frankreich hat diese Werte in unsere Herzen getragen. Wir als Europäer müssen sie verteidigen, wie es die Franzosen getan haben, die zu Millionen in Würde auf die Straße gegangen sind, in Paris und in ganz Frankreich, und die von Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt unterstützt wurden.

Heute müssen wir befürchten, dass Journalisten und Karikaturisten sich der Selbstzensur unterwerfen, dass Bleistifte im Angesicht von Waffengewalt schweigen. Wir müssen von neuem befürchten, dass französische Juden sich zu Hause bedroht fühlen, in Frankreich und in Europa. Wir müssen Angst haben, dass jedem Moslem Verantwortungslosigkeit unterstellt wird. Wir müssen fürchten, dass die Angst vor dem Anderen geschürt wird, um unsere Gesellschaft zu destabilisieren. Wir müssen dies befürchten, denn wenn dies geschieht, dann werden die Terroristen gewonnen haben, und wir haben unsere Freiheit verloren.

 

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,

Wir, die Vertreter des Europäischen Parlaments, stehen auch für das, was alle diese Fanatiker hassen: die friedliche Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen, die oftmals vieles trennt.

Gemeinsam müssen wir dafür kämpfen, dass wir uns niemals vom Hass der Terroristen anstecken lassen, und wir müssen die Freiheit aller, in Europa und auf der ganzen Welt, verteidigen. Deshalb gedenken wir heute auch der zahlreichen Opfer der Fanatiker von Boko Haram in Nigeria.

Es ist eine Zeit der großen Trauer, doch wir müssen mit Besonnenheit vorgehen. Lassen Sie mich den ehemaligen norwegischen Ministerpräsident Jens Stoltenberg zitieren, der nach den Anschlägen in Oslo und Utoya sagte: "Wir werden auf den Terror mit mehr Demokratie reagieren, mit mehr Offenheit und Toleranz." Lassen wir uns von diesen Worten bei der Arbeit in unserem Parlament leiten.

Ich bitte Sie, sich für eine Schweigeminute in Gedenken an die Opfer zu erheben

Weitere Informationen:

europarl.president.press@europarl.europa.eu