Europawahl 2019:Hat die Europawahl eine neue Dimension erreicht? 

Die vom Europäischen Parlament im Anschluss an die Europawahl durchgeführte Eurobarometer-Umfrage ist eine der umfassendsten quantitativen Erhebungen zu Wahlverhalten und Motivation der Wähler. Im Rahmen der Umfrage, die unmittelbar nach der Wahl im Mai durchgeführt wurde, wurden 28 000 Personen in der gesamten EU persönlich befragt.

Ausgehend vom erheblichen Anstieg der Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2019 – die 50,6 % und damit um 8 Prozentpunkte mehr als 2014 betrug – wird in dem vorliegenden Bericht im Detail untersucht, welche Personengruppen gewählt haben, und es werden die Unterschiede zwischen den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten sowie zwischen den soziodemografischen Gruppen und Berufsgruppen analysiert. In der Studie wird auch darauf eingegangen, wie sich das Wahlverhalten der jüngeren Wähler auf die Wahlbeteiligung, die wichtigsten Themen und das Ergebnis auswirkte: Bei den unter 25-Jährigen ist die Wahlbeteiligung um 14 Prozentpunkte und bei den 25- bis 39-Jährigen um 12 Prozentpunkte gestiegen. Die Europäerinnen und Europäer haben in Bezug auf die Europawahl ein stärkeres Bewusstsein für ihre Pflichten als Bürger entwickelt – diese wurden von 52 % der Befragten als Grund angegeben –, und auch das zunehmend positive Bild, das die Bürgerinnen und Bürger von der EU haben, hat sich auf die Wahlbeteiligung ausgewirkt.

Die Themen, die die meisten Bürgerinnen und Bürger zur Stimmabgabe bewegen konnten, waren Wirtschaft und Wachstum (44 %), die Bekämpfung des Klimawandels (37 %) und die Förderung der Menschenrechte und der Demokratie (37 %). 36 % der Befragten, die gewählt hatten, nannten die erhoffte künftige Arbeitsweise der EU als für sie wichtigstes Thema; für 34 % war das Thema „Einwanderung“ am wichtigsten. Die Themen „Wirtschaft und Wachstum“ bzw. „Klimawandel und Umwelt“ waren für die Wähler in 16 bzw. acht Mitgliedstaaten am wichtigsten.

Die Anzahl jener Europäerinnen und Europäer, die das Gefühl haben, dass ihre Stimme in der EU zählt, ist mit einem Zuwachs von 7 Prozentpunkten auf 56 % erheblich angestiegen, und die Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft befindet sich nach wie vor auf einem historischen Höchststand: 59 % der Befragten beurteilen die EU-Mitgliedschaft ihres Heimatlandes als positiv.

Aus dem Umfrageergebnis geht hervor, dass auch der Brexit eine Rolle spielte: 22 % der Befragten gaben an, dass dieser ihre Entscheidung darüber, ob sie wählen gehen würden, zumindest in gewissem Ausmaß beeinflusst hat.

Erstmals enthielt die Umfrage des Parlaments nach der Wahl auch eine Reihe von Fragen, mit denen konkret auf die Wahl an sich Bezug genommen wurde; dadurch werden eine eingehende Analyse der Wahlentscheidungen der Befragten sowie umfassende Analysen zum Vergleich mit den übrigen Schlüsselindikatoren der Umfrage ermöglicht.

Die Befragungen vor Ort im Rahmen dieser Umfrage fanden vom 7. bis 26. Juni 2019 statt. Insgesamt wurden 27 464 Europäerinnen und Europäer ab 15 Jahren aus allen 28 Mitgliedstaaten persönlich befragt.