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Europatag

Schon die ersten Zeilen der Erklärung, die der damalige französische Außenminister am 9. Mai 1950 verlas, ließen aufhorchen. Hier hatte ganz offensichtlich jemand einen ehrgeizigen Plan:

"Der Weltfriede kann nur durch schöpferische, den drohenden Gefahren angemessene Anstrengungen gesichert werden"... "Wenn Frankreich, Deutschland und weitere Beitrittsländer ihre wirtschaftliche Grundproduktion zusammenlegen und eine Hohe Behörde einsetzen, wird dieser Plan die ersten konkreten Grundlagen für eine europäische Föderation schaffen, die zur Erhaltung des Friedens notwendig ist".

Am 9. Mai 1950 unterbreitete Schuman der Weltöffentlichkeit den von seinem Mitarbeiter Jean Monet ausgearbeiteten Vorschlag für ein Vereintes Europa als unerlässliche Voraussetzung für die Aufnahme und dauerhafte Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen der Europäer untereinander. Dieser Vorschlag, der als "Schuman-Erklärung" bekannt wurde, sah vor, gewisse Politikbereiche aus dem Konkurrenzkampf der Staaten herauszunehmen und einer supranationalen Institution zu unterstellen. "Supranational" bedeutet "über den Staaten stehend". Eine supranationale Einrichtung trifft also Entscheidungen, die alle teilnehmenden Staaten binden, auch wenn sie im Einzelfall gegen eine Bestimmung sind. So sollte das rücksichtslose Streben nach Vorherrschaft verschiedener Nationen, das im freien Spiel der Kräfte zu unzähligen Kriegen geführt hatte, beendet werden. Lieber am Verhandlungstisch sitzen und streiten als sich auf den Schlachtfeldern gegenseitig zu bekriegen, hieß die Devise Schumans. Aus der Erklärung entstand dann 1952 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die genau das tat: sie organisierte die Förderung kriegswichtiger Ressourcen supranational - damit wurde eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den Teilnehmern de facto unmöglich. Stattdessen wurden ihre nationalen Interessen überstaatlich gebündelt. Aus Konkurrenz wurde Kooperation; aus Kooperation wurde Völkerfreundschaft. Somit gilt die Schuman-Erklärung als Grundstein der heutigen Europäischen Union. Im Jahr 2013 wurde dieser der Friedensnobelpreis verliehen für "über 60 Jahre Förderung von Frieden und Aussöhnung, Demokratie und Menschenrechten in Europa". Der Plan Schumans ging also auf, seine Erklärung hat den Kontinent für immer verändert.

Heute wird der 9. Mai als Europatag in der ganzen EU gefeiert. Auch wenn die meisten Länder erst später der Völkergemeinschaft beigetreten sind, so erinnern auch sie an den Anfang vom Ende für Krieg und Leid in Europa. Jedes Jahr am 9. Mai finden in ganz Europa Veranstaltungen und Festlichkeiten statt, die Europa seinen Bürgerinnen und Bürgern und die Völker der Union einander noch näher bringen sollen.