BERICHT über umweltschonende Fangmethoden

    1.2.2006 - (2004/2199(INI))

    Fischereiausschuss
    Berichterstatter: Seán Ó Neachtain


    Verfahren : 2004/2199(INI)
    Werdegang im Plenum
    Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument :  
    A6-0019/2006
    Eingereichte Texte :
    A6-0019/2006
    Angenommene Texte :

    ENTWURF EINER ENTSCHLIESSUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

    zu umweltschonenden Fangmethoden

    (2004/2199(INI))

    Das Europäische Parlament,

    –   unter Hinweis auf die Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik,

    –   in Kenntnis der Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament über die Förderung umweltschonender Fangmethoden: die Bedeutung technischer Bestandserhaltungsmaßnahmen (KOM(2004)0438),

    –   gestützt auf Artikel 45 seiner Geschäftsordnung,

    –   in Kenntnis des Berichts des Fischereiausschusses (A6‑0019/2006),

    A. in der Erwägung, dass umweltverträgliche Fangmethoden unbedingt gefördert werden müssen,

    B.  in der Erwägung, dass die Nachhaltigkeit der Fischbestände unerlässlich ist, um die Fangtätigkeit und die Existenzfähigkeit der Fischwirtschaft auf lange Sicht zu gewährleisten,

    C. in der Erwägung, dass die Fischer und ihre repräsentativen Verbände an der Festlegung der Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt und zur Wiederauffüllung der Bestände beteiligt werden müssen,

    D. in der Erwägung, dass geeignete sozioökonomische Maßnahmen notwendig sind, um den Fischern einen finanziellen Ausgleich für die Kosten der Verringerung der Fangtätigkeit im Rahmen der Pläne zur Wiederauffüllung der Fischbestände zu gewähren,

    1.  begrüßt die Mitteilung der Kommission über die Förderung umweltschonender Fangmethoden;

    2.  weist die Kommission darauf hin, dass sie ein umfassenderes Konzept für Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt und zur Wiederauffüllung der Fischbestände annehmen sollte, indem sie insbesondere weitere Faktoren untersucht, die erhebliche Auswirkungen auf die Meeresumwelt und den Zustand der Bestände haben, wie die Küsten- und die Meeresverschmutzung, industrielle und landwirtschaftliche Abwässer, Tiefsee-Baggerarbeiten oder den Seeverkehr, um die derzeitigen Bewirtschaftungsmethoden zu ergänzen;

    3.  weist nachdrücklich darauf hin, dass alle technischen Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt und zur Wiederauffüllung der Fischbestände auf wissenschaftlicher Fischereiforschung beruhen müssen;

    4.  hält dies zwar durchaus für einen wichtigen Schritt hin zu einer ökologisch nachhaltigen Bewirtschaftung der Fischerei, um die Auswirkungen des Fischfangs auf die Meeresumwelt zu verringern, glaubt aber, dass Fischfang ganz unvermeidlich Folgen zeitigt, die sich jedoch innerhalb vernünftiger Grenzen bewegen müssen; weist ferner darauf hin, dass die Umweltverschmutzung sowie die Überfischung und nicht nachhaltige Fischfangmethoden erhebliche Auswirkungen auf die Fischerei haben, wie dies beispielsweise dadurch verdeutlicht wird, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass einige Schadstoffe auf verschiedenen Ebenen der marinen Nahrungskette schweren Schaden anrichten, was auch schwerwiegende Folgen für die kommerziellen Arten hat, die geschützt werden sollten;

    5.  hält die ökologischen Erwägungen zwar für sehr wichtig, ist aber gleichwohl der Ansicht, dass wirtschaftlich und sozial relevante Fischereitätigkeiten durch künftige Maßnahmen der Bestandsbewirtschaftung nicht noch mehr benachteiligt werden dürfen;

    6.  weist darauf hin, dass unbedingt für Ausgewogenheit zwischen sozioökonomischen Erfordernissen und ökologischer Nachhaltigkeit gesorgt werden muss, dass aber gleichzeitig eine Beihilfe- oder Ausgleichsregelung für Fischer ins Leben gerufen werden muss, die durch die negativen Auswirkungen umweltschonender Fangmethoden Einbußen erleiden, vor allem für Fischer in benachteiligten Gebieten;

    7.  fordert, dass technische Maßnahmen zur Verbesserung der Selektivität eingeführt werden, damit Fische der richtigen Größe gefangen werden können, um die Produktivität auf hohem Niveau zu halten;

    8.  weist darauf hin, dass sich Fische nur in hinreichendem Maße fortpflanzen können, wenn gewährleistet ist, dass sie laichen und sich über einen bestimmten Mindestzeitraum entwickeln können;

    9.  betont, dass die Einrichtung von Meeresreservaten, die Ad-hoc-Schließung von Gebieten und andere angemessene und ausgewogene Bewirtschaftungsmaßnahmen notwendig sind, um erhebliche negative Auswirkungen der Fischerei auf die marine Artenvielfalt in Grenzen zu halten, wobei diese Maßnahmen konsequent mindestens solange angewandt werden müssen, bis sich die Meereshabitate wieder in biologisch sicheren Grenzen bewegen;

    10. bringt seine tiefe Besorgnis über die Geisternetze zum Ausdruck und fordert die Kommission dringend auf, alle erforderlichen kurz- und langfristigen Maßnahmen zu treffen, um dieses Problem zu bekämpfen, einschließlich einer genauen Überprüfung der Wirksamkeit der auf EU-Ebene angenommenen Bestimmungen;

    11. betont, dass die Rückwürfe verringert werden müssen, da sie nicht nur biologischen Schaden anrichten, sondern auch negative wirtschaftliche Auswirkungen haben, und zwar durch die Einführung geeigneter, auf zuverlässiger wissenschaftlicher Forschung beruhender technischer Maßnahmen wie Schonzeiten und Sperrgebiete und Vorschriften für die Maschengröße, wobei die Besonderheiten jeder Meeresregion, in der die technischen Bestandserhaltungsmaßnahmen angewandt werden, zu berücksichtigen sind;

    12. fordert die Kommission auf, unverzüglich Vorschläge für Pilotprojekte zur Verringerung der Rückwürfe vorzulegen;

    13. regt insbesondere an, dass die Möglichkeit geprüft wird, ein Rückwurfverbot zusammen mit geeigneten Anreizen für die Fischer einzuführen;

    14. fordert die Kommission nachdrücklich auf, sich aktiv für die Annahme eines internationalen Aktionsplans der FAO zur Verringerung der Beifänge einzusetzen;

    15. fordert die Kommission auf, im Rahmen des Gesamtpakets der Bewirtschaftungsmaßnahmen den Schwerpunkt auf die Entwicklung umweltschonender Fangmethoden zu legen;

    16. fordert die Kommission auf, Zielkonflikte und überflüssige Regelungen zu verhindern und diese Gelegenheit zu nutzen, um das gesamte Regelungssystem zu vereinfachen;

    17. fordert die Kommission auf, die Anwendung technischer Maßnahmen für eine umweltschonende Fischerei als Ergänzung zu den bestehenden Beschränkungen des Fischereiaufwands im Zusammenhang mit den Bestandswiederauffüllungsplänen in Betracht zu ziehen;

    18. hält es in diesem Zusammenhang für unbedingt notwendig, die Satellitentechnologie weiterzuentwickeln und einzusetzen, die für die Ortung von Fangschiffen, die sich ohne Genehmigung in Sperrgebieten und Meeresschutzgebieten aufhalten, benötigt wird, um einen wirksamen Schutz der Fische, ihrer kritischen Habitate und der übrigen biologischen Vielfalt zu gewährleisten;

    19. weist darauf hin, dass die im Rahmen der reformierten GFP eingeführten Maßnahmen unterstützt werden müssen, um die Ziele der Mitteilung der Kommission zu fördern, insbesondere

    a)   die Einführung eines dezentralen Ansatzes, der den Besonderheiten der jeweiligen Fischarten Rechnung trägt;

    b)   die Entwicklung eines Entscheidungsprozesses in Zusammenarbeit mit den Regionalbeiräten zwecks Anwendung technischer Maßnahmen, mit denen spezifische Auflagen und an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Maßnahmen entwickelt, durchgeführt und überwacht werden können;

    c)   die Aufstockung der technischen und finanziellen Hilfe durch die Bereitstellung öffentlicher Mittel für die Regionalbeiräte, damit sie einen angemessenen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten können;

    d)   die Entwicklung einer auf Gemeinschaftsebene gemeinsam genutzten wissenschaftlichen und technischen Forschung;

    e)   die Einbeziehung umweltschonender Fischereiregeln in die langfristigen Bewirtschaftungsmaßnahmen;

    20. unterstreicht die Bedeutung der Mitteilung der Kommission und ist der Auffassung, dass sie bei der Politik für die Meere eine größere Rolle spielen sollte, um den vom Fischfang Abhängigen und der Meeresumwelt eine positive langfristige Zukunft zu ermöglichen;

    21. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission zu übermitteln.

    BEGRÜNDUNG

    Mit der Mitteilung soll der Einsatz umweltschonender Fangmethoden gefördert werden, um eines der Hauptziele der Gemeinsamen Fischereipolitik zu erreichen: die Nutzung der lebenden Meeresressourcen unter nachhaltigen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bedingungen.

    Ziele der Mitteilung

    Die Kommission will mit ihrer Mitteilung Folgendes erreichen:

    a) Senkung des fischereilichen Drucks

    Die Fischbestände sind in einem schlechten Zustand. Die Tatsache, dass immer mehr natürlich nachwachsende Meeresfische gefangen werden, führt zu einem immer stärkeren Rückgang der erwachsenen Laicherbestände. Einige Arten stehen kurz vor dem Zusammenbruch und für wieder andere ist dieser Druck auf lange Sicht wohl kaum nachhaltig. In der reformierten GFP gilt die Entwicklung mehrjähriger Bewirtschaftungspläne als vernünftiger Ansatz, um den Fischereiaufwand an nachhaltig nutzbare Fischbestände anzupassen.

    b) Optimierung der Fänge von Zielarten und Minimierung der Beifänge

    Durch die zu geringe Selektivität werden Jungfische gefangen, die als unerwünschter Beifang wieder zurückgeworfen werden. Etwa 23% der jährlichen Fänge (in Tonnen) werden jedes Jahr zurückgeworfen.

    Eine Reihe technischer Maßnahmen kann dazu beitragen, die Beifänge zu reduzieren, u.a. durch

    - Netzblätter mit Quadratmaschen oder andere Vorkehrungen, die Nichtzielarten das Entweichen aus dem Netz ermöglichen, sowie durch die Festlegung von Schutzgebieten und Schonzeiten zur Begünstigung der Fortpflanzung der Fischbestände.

    Die Kommission hat sich im Jahr 2002 dieser Herausforderung gestellt, indem sie einen Aktionsplan zur Einschränkung der Rückwürfe beim Fischfang erstellt hat. Auf der Grundlage dieses Aktionsplans forderte der Rat die Kommission auf, Pilotprojekte einzuleiten, die verschiedene Möglichkeiten zur Reduzierung von Rückwürfen umfassen, z.B. Versuche mit Fanggeräten, freiwilliges Verlassen von Fanggründen, Ad-hoc-Schließungen, das Verbot von Rückwürfen, Beifangquoten, Flexibilität bei den Quoten und bessere Verwendung von minderwertigem Fisch. Dies gilt sowohl für die Fälle, die mittelfristig angegangen werden können, als auch für andere, die einen langfristigen Ansatz erfordern.

    Die Fischereiindustrie muss bei der Vorbereitung und der Überwachung der Pilotprojekte eine wichtige Rolle spielen, u.a. im Rahmen der Regionalbeiräte.

    c) Minimierung der Auswirkungen der Fischerei auf die Habitate

    Einige Habitate reagieren empfindlicher auf Fanggeräte als andere; Kaltwasserkorallen- und Steinriffe sind z.B. sehr ertragreich und weisen eine sehr vielfältige Fauna und Flora auf, reagieren aber überaus empfindlich auf Fanggeräte, die ihre physikalische Struktur verändern können. Empfindliche Habitate müssen besonders geschützt werden. Mit dieser Zielvorgabe nahm die Kommission eine Verordnung zum Schutz der Tiefwasserkorallenriffe nordwestlich von Schottland an. Die Kommission beabsichtigt ferner, ähnliche Maßnahmen in anderen gut dokumentierten Fällen anzunehmen. Damit diese Initiativen glaubwürdig und annehmbar sind, müssen sie sich stets auf umfassende wissenschaftliche Forschungsarbeiten stützen.

    d) Ausgewogenheit zwischen ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit

    Es liegt auf der Hand, dass sich die Annahme umweltfreundlicher Maßnahmen auf die Wirtschaft auswirkt. Diese sollte sowohl in Bezug auf die kurzfristigen Einnahmenverluste als auch die langfristigen Vorteile bewertet werden.

    Auswirkungen der reformierten GFP

    Die reformierte GFP, die die Grundsätze der ökologischen Nachhaltigkeit einbezieht, fördert umweltschonende Fangmethoden durch zahlreiche Maßnahmen; dazu gehören u.a.:

    1.   Ein verstärkt dezentraler Ansatz, bei dem die Besonderheiten bestimmter Fischarten berücksichtigt werden

    Man muss zwischen Maßnahmen unterscheiden, die auf das gesamte Verbreitungsgebiet der von Aufwandsbeschränkungen betroffenen Bestände anwendbar sind, und anderen Maßnahmen, bei denen die unterschiedlichen Merkmale der Fischarten berücksichtigt werden müssen, weil verschiedene technische Maßnahmen für eine Spezies nützlich, für andere hingegen kontraproduktiv sein können.

    2.   Stärkere Einziehung der Fischereiwirtschaft in die Festlegung und Umsetzung von technischen Maßnahmen

    Beim Regelungsverfahren ist eine unmittelbare Beteiligung der Fischereiindustrie notwendig, um für Aufklärung über die bestehenden Regeln zu sorgen und neue Regeln festzuschreiben. Dieses Verfahren wird durch die Regionalbeiräte umgesetzt, die nicht nur ein Diskussionsforum sind, sondern auch ein Instrument, um die Fischereiindustrie stärker in die Entwicklung umweltschonender Fangmethoden auf regionaler Ebene einzubeziehen. Die Kommission wird einen Vorschlag für ein Verfahren vorlegen, mit dem den Beiräten bei der Entwicklung umweltschonender Fangmethoden mehr Einfluss zugestanden wird: die von den Beiräten per Konsens unterstützten Maßnahmen können dann von der Kommission umgesetzt werden.

    3.   Entwicklung gemeinsam genutzter wissenschaftlicher und technischer Forschung auf Gemeinschaftsebene

    Im Laufe der letzten 10 Jahre hat die EU diverse Forschungsprojekte durchgeführt, die auf der Zusammenarbeit mit den einzelstaatlichen Verwaltungen, den Meeresforschungsinstituten und der Fischereiindustrie basieren. In diesem Zusammenhang wird mit dem 7. Forschungsrahmenprogramm der Gemeinschaft eine detaillierte Analyse der Auswirkungen unterschiedlicher Fanggeräte und der Folgen der Rückwürfe auf die Meeresumwelt durchgeführt und die Möglichkeit geprüft, Meeresschutzgebiete einzurichten.

    Zusätzlich muss die Kommission die transnationale Zusammenarbeit bei der Festlegung der technischen Maßnahmen fördern, mit denen umweltschonende Fangmethoden verbessert werden sollen und die finanzielle Unterstützung für die Erprobung neuer Fangmethoden verstärken.

    4.   Einbeziehung umweltschonender Fangmethoden in die langfristigen Bewirtschaftungspläne

    Diese Fangmethoden müssen als Teil eines umfassenden Bewirtschaftungssystems betrachtet werden und dürfen nicht im Rahmen eines isolierten Ad-hoc-Ansatzes entwickelt werden.

    5.   Anreize für Fischer zur Förderung der Umsetzung umweltschonender Fangmethoden

    Es wäre nicht nur sehr wünschenswert, sondern auch durchaus sinnvoll, den Fischern eine Alternative dazu zu bieten, einen Teil ihrer Fänge illegal zurückzuwerfen, da es nach der vorliegenden Verordnung unzulässig ist, untermaßige Fische oder Fische über die Quoten hinaus anzulanden. Den Fischern muss weitere finanzielle Unterstützung geboten werden, um die durch die Umsetzung umweltschonender Fangmethoden bedingten kurzfristigen Einnahmenverluste aufzufangen.

    Allgemeine Überlegungen

    Die internationale Gemeinschaft sollte auf eine nachhaltige Zukunft für die Meeresumwelt hinarbeiten, indem sie sich aktiver um die meeresbezogenen regulatorischen Aspekte kümmert. Es muss unbedingt eine Vielzahl von Maßnahmen eingeführt werden, um die Auswirkungen der Fischereitätigkeit auf ein annehmbares und vernünftiges Maß zu verringern und letztendlich Ausgewogenheit zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Erfordernissen anzustreben.

    In diesem Zusammenhang sollte die Europäische Union umweltschonende Fischereiinitiativen offiziell politisch unterstützen, und zwar in Form eines Plans, mit dem in naher Zukunft neue Methoden zur Verringerung der Auswirkungen des Fischfangs auf die Meeresumwelt eingeführt werden, die teilweise unter Raubbau und Verschwendung von Ressourcen leidet. Diese neuen Leitlinien wurden in den Kommissionsvorschlag zur Schaffung des Europäischen Fischereifonds und in verschiedene Einzelmaßnahmen, wie die vorliegende Mitteilung, übernommen.

    Druck auf die Fischbestände

    Umweltorganisationen und Organisationen der Fischereiindustrie stimmen darin überein, dass es zwei Sofortlösungen gibt, um Überfischung zu vermeiden:

    1.   Es müssen Fische in den zulässigen Größen gefangen werden, damit die Gesamtproduktivität der Fischerei auf hohem Niveau erhalten bleibt;

    2.   die Fortpflanzungsrate muss auf ein möglichst hohes Niveau gehoben werden, indem genügend geschlechtsreifen Fischen die Möglichkeit gegeben wird, ihren Laich abzulegen, um die Bestände auf einem gesunden Niveau zu halten.

    Die Verbesserung der Selektivität allein ist nicht länger eine praktikable Lösung, wenn sie nicht durch eine Verringerung der Fangkapazitäten flankiert wird, damit die Bestände wieder aufgefüllt werden können und den Flotten somit genügend Fische in der neu festgelegten Größe zur Verfügung stehen.

    Fischerei und Habitate

    Umweltschonende Fangmethoden können die Auswirkungen der Fischerei auf die Habitate verringern. Vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen in bestimmten Gebieten kann in empfindlichen Tiefseeökosystemen die Artenvielfalt schädigen. Auf verkrusteten Kalkwasserkorallenbergen wächst eine reiche Flora und Fauna, die extrem empfindlich auf eine „verantwortungslose Fischerei“ reagiert.

    Die breit geführte Debatte, bei der es um die Notwendigkeit geht, diese Bereiche zu schützen, betrifft die Europäische Union unmittelbar, weil einige Mitgliedstaaten mit Grundschleppnetzen fischen.

    Durch die Einrichtung von Meeresreservaten zum Schutz der im Meer lebenden Arten und ihrer Habitate könnten die Auswirkungen der Fischerei auf die Habitate ganz erheblich verringert und der weltweite Rückgang der Fischerei aufgehalten bzw. umgekehrt werden. Meeresreservate können sich positiv auf die in den angrenzenden Gebieten getätigte Fischerei auswirken, weil sowohl ausgewachsene Fische als auch Jungfische über die Grenzen des Reservats hinaus wandern und dort Eier und Larven ablegen. Innerhalb der Reservate können die Populationen zunehmen und die einzelnen Exemplare länger leben, größer werden und somit ein größeres Fortpflanzungspotenzial entwickeln.

    Allerdings ist die Wirksamkeit von Meeresreservaten nicht endgültig und in allen Fällen wissenschaftlich erwiesen, und eine Reihe von Maßnahmen, einschließlich Schließung von Gebieten zu bestimmten Zeiten, Einschränkung der Fanggeräte und andere Maßnahmen sind in alle Ansätze einzubeziehen, mit denen die Habitate im Meer erhalten werden sollen.

    Außerdem ist ein gewisses Maß an Wechselwirkung zwischen Fangtätigkeit und Meereshabitaten unausweichlich. Daher muss ein angemessenes Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit, die Meereshabitate zu erhalten und wiederherzustellen, und der nachhaltigen Befischung erneuerbarer Fischereiressourcen gefunden werden.

    Rückwürfe

    Laut einer FAO-Studie mit dem Titel “Options for utilisation of bycatch and discards from marine capture fisheries”, kann die Praxis des Rückwurfs wie folgt eingeteilt werden: Rückwürfe von Beifängen (Fische, die unabsichtlich gefangen wurden, während eigentlich ganz gezielt eine andere Spezies befischt wird); Fisch, der zurückgeworfen wird, um die gesetzlichen Auflagen einzuhalten, sowie eine Qualitätsauslese vor der Vermarktung.

    Bekanntlich richtet der Rückwurf von Fischen nicht nur biologischen Schaden an, sondern wirkt sich auch negativ auf die Wirtschaft aus, da in manchen Fällen die durch Rückwurf bedingte Mortalität einer Fischerei angelastet wird, bei der Fische zurückgeworfen werden, die für eine andere Fischerei wirtschaftlich von Bedeutung sind. Außerdem wird damit assoziiert, dass unreife Exemplare oder ein Geschlecht der Zielart, das nicht gefangen werden darf, zurückgeworfen werden und dass Fänge von geringem oder keinem kommerziellem Wert mit einem Verlust einhergehen, der durch den Fang unerwünschter Exemplare bedingt ist.

    Es sollten verschiedene Maßnahmen angenommen werden:

    -     Verringerung des Fischereiaufwands durch Sperrgebiete und Schonzeiten und andere traditionelle Überwachungs- und Steuerungsinstrumente; diese sollten aber durch wirtschaftliche und steuerliche Anreize, Raumplanung und gegebenenfalls freiwillige Vereinbarungen ergänzt werden;

    -     technische Vorkehrungen, einschließlich

    · „pingers“ (kleine akustische Abschreckvorrichtungen für Delfine, die an den Fangnetzen angebracht werden) und Fluchtluken (bestehend aus einem großmaschigen Metallgitter, das Wale nach oben und aus dem Netz drängt)

    · Verwendung größerer Haken

    · Verwendung von Fischgerät, das tiefer ausgeworfen werden kann

    · Verwendung von bestimmten Haken (z.B. J-Haken), um die zufälligen Beifänge von manchen Arten, z.B. Schildkröten, zu verringern

    · Schonzeiten oder Sperrgebiete

    · Einsatz von Beobachtern;

    -     Regelung der Maschengröße, um Fänge untermaßiger Fische zu verringern.

    Die zulässigen Gesamtfangmengen (TAC) taugen nicht, um die durch den Fischfang bedingte Mortalität unter Kontrolle zu halten, weil damit die Anlandungen und nicht die Fänge überwacht werden und Rückwürfe überhaupt nicht berücksichtigt werden.

    Ohne eine unmittelbare Überwachung der durch die Fischerei bedingten Mortalität kann die Fangmenge die Quoten überschreiten und die Fische werden möglicherweise illegal zurückgeworfen oder angelandet. Dadurch wird es auch weitaus schwieriger, die durch die Fischerei bedingte Mortalität wissenschaftlich zu bewerten.

    Es ist unbedingt zu prüfen, ob nicht eine Neubewertung der derzeitigen Bewirtschaftungsregeln und Instrumente im Zusammenhang mit der Einführung von TAC und eine stärkere Kontrolle des Fischereiaufwands vorgenommen werden sollten, um die Rückwürfe zu verringern und wirksamere und realistischere Maßnahmen zur Verringerung von Rückwürfen und zur Bewirtschaftung der Bestände einzuführen.

    Die bestehenden Regeln, nach denen statisches Fanggerät mit Maschengrößen, die unter der in bestimmten bewirtschafteten Fanggebieten gesetzlich zulässigen Maschengrößen liegen, zwar an Bord mitgeführt werden dürfen, aber legal nur in angrenzenden Gebieten verwendet werden dürfen, sind zu revidieren, da solche Regelungen eine wirksame Kontrolle dieser Fischerei rechtlich stark erschweren.

    Außerdem ist es sinnvoll, die Satellitentechnologie weiter zu entwickeln, um Fangschiffe, die sich ohne Genehmigung in Schutzgebieten aufhalten, orten zu können. Der letzte Punkt der Kommissionsmitteilung, der die Daten über Fangtätigkeiten und die Mittel der Fernerkundung betrifft, wird zur Zeit im Europäischen Parlament geprüft (Berichterstatter: Casaca).

    Schlussfolgerungen

    Die Mitteilung der Kommission ist insofern als Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen, als eine ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung der Fanggründe stärker gefördert werden muss.

    Folgende Aspekte sind zu unterstreichen:

    a)      Eine Wirtschaftstätigkeit umweltschonend durchzuführen, liegt selbstverständlich im Interesse der Fischer, da ihnen dies gesunde Fischbestände garantiert. Es ist daher unerlässlich, dass die Fischereiindustrie ganz zentral einbezogen und über die Vorteile im Zusammenhang mit der Durchführung dieser Maßnahmen aufgeklärt wird.

    b)     Natürlich müssen Maßnahmen zur Erhaltung der Umwelt getroffen werden, aber es sind auch die sozioökonomischen Folgen zu berücksichtigen, die diese Methoden zwangsläufig kurzfristig haben werden. Es sollte eine Beihilfe- oder Ausgleichsregelung eingeführt werden, um die Fischer, die kurz- und mittelfristig durch umweltschonende Fangmethoden Nachteile erleiden, zu unterstützen.

    c)      Es ist auch von grundlegender Bedeutung, die Beteiligten im Rahmen der bestehenden Regionalbeiräte in den Entscheidungsprozess einzubinden, in dem die Bedingungen für ihren Lebensunterhalt geschaffen werden.

    Unter Berücksichtigung der oben erwähnten Sachverhalte ist der Berichterstatter der Auffassung, dass der Inhalt der Mitteilung einen relevanten und wichtigen Beitrag für eine positive langfristige Zukunft derer darstellt, deren Lebensunterhalt vom Fischfang abhängt, sowie für den Schutz der natürlichen Umwelt.

    VERFAHREN

    Titel

    Umweltschonende Fangmethoden

    Verfahrensnummer

    2004/2199(INI)

    Grundlage in der Geschäftsordnung

    Art. 45

    Federführender Ausschuss
      Datum der Bekanntgabe der Genehmigung im Plenum

    PECH
    18.11.2004

    Mitberatende(r) Ausschuss/Ausschüsse
      Datum der Bekanntgabe im Plenum

    ENVI 18.11.2004

     

     

     

     

    Nicht abgegebene Stellungnahme(n)
      Datum des Beschlusses

    ENVI
    30.11.2004

     

     

     

     

    Verstärkte Zusammenarbeit
      Datum der Bekanntgabe im Plenum

     

     

     

     

     

    In den Bericht aufgenommene(r) Entschließungsantrag / -anträge

     

     

     

    Berichterstatter(in)
      Datum der Benennung

    Seán Ó Neachtain
    22.9.2004

     

    Ersetzte(r) Berichterstatter(in)

     

     

    Prüfung im Ausschuss

    24.11.2005

    23.5.2005

     

     

     

    Datum der Annahme

    31.1.2006

    Ergebnis der Schlussabstimmung

    Ja-Stimmen:

    Nein-Stimmen:

    Enthaltungen:

    27

    0

    0

    Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Mitglieder

    James Hugh Allister, Stavros Arnaoutakis, Elspeth Attwooll, Iles Braghetto, Niels Busk, Luis Manuel Capoulas Santos, David Casa, Paulo Casaca, Zdzisław Kazimierz Chmielewski, Carmen Fraga Estévez, Ioannis Gklavakis, Alfred Gomolka, Pedro Guerreiro, Ian Hudghton, Heinz Kindermann, Georg Jarzembowski, Rosa Miguélez Ramos, Philippe Morillon, Seán Ó Neachtain, Willi Piecyk, Struan Stevenson, Margie Sudre, Daniel Varela Suanzes-Carpegna.

    Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellvertreter(innen)

    Duarte Freitas, Jan Mulder, Carl Schlyter, Czesław Adam Siekierski.

    Zum Zeitpunkt der Schlussabstimmung anwesende Stellv. (Art. 178 Abs. 2)

     

    Datum der Einreichung – A6

    1.2.2006

    A6-0019/2006