Verfahren : 2014/2713(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0058/2014

Eingereichte Texte :

B8-0058/2014

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 17/07/2014 - 10.6
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2014)0010

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 133kWORD 60k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-0027/2014
15.7.2014
PE536.959v01-00
 
B8-0058/2014

eingereicht im Anschluss an eine Erklärung der Kommission

gemäß Artikel 123 Absatz 2 der Geschäftsordnung


zum Thema Arbeitsplätze für Jugendliche ((2014/2713(RSP))


Marian Harkin, Beatriz Becerra Basterrechea, Martina Dlabajová, Mircea Diaconu, Ivo Vajgl, Anneli Jäätteenmäki, Marietje Schaake im Namen der ALDE-Fraktion

Entschließung des Europäischen Parlaments zum Thema Arbeitsplätze für Jugendliche ((2014/2713(RSP))  
B8‑0058/2014

Das Europäische Parlament,

–       in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 20. Dezember 2011 mit dem Titel „Initiative ‚Chancen für junge Menschen‘“ (COM(2011)0933),

–       unter Hinweis auf seine an die Kommission gerichtete Anfrage zur mündlichen Beantwortung und seine diesbezügliche Entschließung vom 24. Mai 2012 zur Initiative „Chancen für junge Menschen“(1),

–       in Kenntnis der Mitteilung der Kommission vom 5. Dezember 2012 mit dem Titel „Junge Menschen in Beschäftigung bringen“ (COM(2012)0727),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 16. Januar 2013 zu einer Jugendgarantie(2),

–       unter Hinweis auf die Empfehlung des Rates vom 10. März 2014 zu einem Qualitätsrahmen für Praktikanten,

–       in Kenntnis der Empfehlung des Rates vom 22. April 2013 zur Einführung einer Jugendgarantie,

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. September 2013 zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und zu möglichen Auswegen(3),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 16. Januar 2014 zur Achtung des Grundrechts auf Freizügigkeit in der EU(4),

–       gestützt auf Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.     in der Erwägung, dass sich die Wirtschaft in der EU allmählich erholt und in den Bereichen Beschäftigung, BIP und Einkommen der Haushalte Wachstum verzeichnet wird;

B.     in der Erwägung, dass die Jugendarbeitslosenquoten nach wie vor alarmierend hoch sind, und unter Hinweis darauf, dass im April 2014 22,5 % der erwerbsfähigen jungen Menschen arbeitslos waren und die Quote von 7,8 % in Deutschland bis über 50 % in Griechenland, Spanien und Kroatien reichte, was auf erhebliche geografische Unterschiede hindeutet;

C.     in der Erwägung, dass sich in Europa 7,5 Millionen Menschen unter 25 Jahren weder in Ausbildung noch in Beschäftigung befinden (die sogenannten „NEET“); in der Erwägung, dass diese Zahlen weiter steigen und das Risiko einer verlorenen Generation besteht;

D.     in der Erwägung, dass aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und Aktivierungsstrategien entscheidend dafür sind, Arbeitslosen zu helfen, einen menschenwürdigen Arbeitsplatz zu finden;

E.     in der Erwägung, dass eine Wachstumsstrategie der EU, die das Potential unserer gemeinsamen Märkte voll ausschöpft, gleichermaßen erforderlich ist, um für die Schaffung stabiler Arbeitsplätze zu sorgen;

F.     in der Erwägung, dass trotz der insgesamt hohen Jugendarbeitslosigkeit bestimmte Branchen wie der IKT-Sektor und das Gesundheitswesen immer größere Schwierigkeiten haben, freie Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen;

G.     in der Erwägung, dass in einigen Mitgliedstaaten eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Qualifikationen der Absolventen und den Qualifikationsanforderungen des Arbeitsmarktes beobachtet werden kann;

H.     in der Erwägung, dass sich das System der dualen Berufsbildung und das System der kombinierten akademisch-berufspraktischen Studiengänge, die in einigen Mitgliedstaaten angeboten werden, dank ihres auf praktische Fähigkeiten ausgerichteten Schwerpunkts insbesondere in Zeiten der Krise bewährt haben, indem sie durch die Verbesserung der Vermittelbarkeit der Absolventen dazu beigetragen haben, die Jugendarbeitslosigkeit auf einem geringeren Niveau zu halten;

I.      in der Erwägung, dass es sowohl innerhalb der Mitgliedstaaten als auch von einem Mitgliedstaat zum anderen ein geografisches Missverhältnis beim Angebot von und bei der Nachfrage nach Arbeitsplätzen und Kompetenzen gibt,

J.      in der Erwägung, dass es europaweit zwei Millionen freie Stellen gibt und die Möglichkeit besteht, das Potential der Freizügigkeit der Arbeitnehmer zu nutzen; in der Erwägung, dass die Mobilität zwischen den Mitgliedstaaten jedoch lediglich 2,8 % ausmacht;

K.     in der Erwägung, dass finanzielle Unterstützung seitens der EU den Mitgliedstaaten helfen kann, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, wobei in diesem Zusammenhang insbesondere der Europäische Sozialfonds, die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen und der Europäische Fonds für die Anpassung an die Globalisierung zu nennen sind;

1.      fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu ergreifen, darunter insbesondere solche Maßnahmen, durch die verhindert wird, dass der Schulbesuch abgebrochen wird, oder durch die Bildungs- und Ausbildungssysteme gefördert werden (etwa durch Einführung eines dualen Ausbildungssystems oder anderer, gleichermaßen effizienter Strukturen), sowie umfassende Strategien für junge Menschen zu entwickeln, die weder eine Arbeit haben noch eine schulische oder berufliche Ausbildung absolvieren (NEET), und die einzelstaatlichen Jugendgarantieprogramme vollständig umzusetzen;

2.      fordert die Mitgliedstaaten auf, wachstumsfördernde Strategien voranzutreiben, und fordert, dass auf EU-Ebene im Sinne einer europäischen Wachstumsstrategie gehandelt wird, bei der Investitionen in und die Entwicklung von Schlüsselbereichen wie des digitalen Marktes, des Telekommunikationsmarktes und einer Energiegemeinschaft zur Schaffung stabiler Arbeitsplätze führen;

3.      fordert die Mitgliedstaaten auf, den Schwerpunkt auf die Schaffung von Bildungs-, Schulungs- oder Ausbildungsmöglichkeiten für Branchen zu legen, die zunehmend Schwierigkeiten haben, Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen;

4.      vertritt ferner die Auffassung, dass einem einfacheren Zugang zu Finanzierungen und einfacheren Regeln für die Gründung neuer Unternehmen Priorität eingeräumt werden muss, um neue KMU zu stärken und das Überleben bestehender KMU zu sichern, da hier die meisten neuen Arbeitsplätze geschaffen werden;

5.      fordert die Kommission auf, sich bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit aktiv um die Unterstützung des Privatsektors und gemeinsame Initiativen sowie andere Formen der Zusammenarbeit mit diesem zu bemühen;

6.      fordert die Mitgliedstaaten auf, die bürokratischen Hürden für Selbständige und Kleinunternehmen zu beseitigen, vorteilhafte steuerpolitische Maßnahmen einzuführen, günstigere Bedingungen für private Investitionen zu schaffen und unverhältnismäßig harte Konkursgesetze zu überarbeiten, wenn es um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geht;

7.      fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, sich über erfolgreiche und bewährte Methoden auszutauschen, ihre Strategien zu bündeln und gemeinsame Lösungen für das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu finden, nicht nur weil dieses Problem in einigen geografischen Gebieten am besten durch gemeinsame, grenzübergreifende Maßnahmen gelöst werden kann, sondern auch weil die hohe Arbeitslosigkeit eine Herausforderung für die gesamte EU-Wirtschaft darstellt;

8.      fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, neue Arten der Wirtschaftstätigkeit zu unterstützen, darunter insbesondere das soziale Unternehmertum, das Coworking und die Schwarmauslagerung („Crowdsourcing“), sowie unterstützende Maßnahmen für Genossenschaften von jungen Menschen und Jungunternehmen im Bereich des sozialen Unternehmertums anzubieten;

9.      betont, dass sich die dualen Berufsbildungssysteme und zweigleisigen Studiengänge, bei denen die praktische Erfahrung im Mittelpunkt steht, in der Wirtschaftskrise besonders bewährt und dazu beigetragen haben, die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern, indem sie die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt verbessert haben, und fordert die von der Krise betroffenen Mitgliedstaaten auf, ihre Ausbildungssysteme in diesem Sinne zu reformieren;

10.    fordert die Mitgliedstaaten auf, die Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaft und dem Bildungssektor auf allen Ebenen dahingehend zu verbessern, dass die Lehrpläne besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes abgestimmt werden; fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, einen Schwerpunkt auf EURES als vorrangiges Instrument für Arbeitsuchende und Stellenangebote zu legen, um für Mobilität zu sorgen;

11.    betont allerdings, dass neben den strukturellen Bemühungen und Reformen der Arbeitsmärkte auch die einzelstaatlichen Jugendgarantieprogramme umgesetzt werden müssen, um zu gewährleisten, dass alle Mitgliedstaaten den künftigen Herausforderungen gewachsen sind;

12.    fordert die Mitgliedstaaten der EU auf, bei der Beantragung von Finanzhilfe aus dem Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung gegebenenfalls aktiv einen Antrag im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen einzubringen, und ersucht die Mitgliedstaaten, jungen Unternehmern im Rahmen dieses Programms Vorrang einzuräumen;

13.    legt den Mitgliedstaaten nahe, die Altersgrenze für den Bezug von Leistungen aus „Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit“ von 24 auf 30 Jahre anzuheben, da junge Menschen, die ihren Arbeitsplatz in Branchen wie etwa dem Immobiliengewerbe verloren haben und über keine solide Ausbildung verfügen, nach mittlerweile sieben Jahren Krise bereits älter als 24 Jahre sind;

14.    fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die arbeitsmarktpolitischen Bestimmungen sowie ihre Sozialversicherungssysteme zu überprüfen, sofern diese für junge Menschen ein Hindernis beim Zugang zum Arbeitsmarkt darstellen;

15.    fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Maßnahmen zugunsten der Jugendbeschäftigung mit guten und dauerhaften Arbeitsverträgen zu verknüpfen und damit gegen die zunehmende strukturelle Unsicherheit der Arbeitsverhältnisse und die Unterbeschäftigung anzugehen;

16.    fordert die Mitgliedstaaten auf, das bestehende EU-Recht zum Jugendarbeitsschutz entschlossen umzusetzen und jeden Missbrauch zu bekämpfen, indem die von nationalen Arbeitsaufsichtsbehörden durchgeführten Kontrollen verstärkt werden;

17.    betont, dass in der europäischen Wirtschaft Bemühungen erforderlich sind, um die Freizügigkeit und die Arbeitsmobilität in der EU zu steigern, anstatt Beschränkungen in diesem Bereich einzuführen, und fordert die Mitgliedstaaten auf, die Freizügigkeit aller Bürger und Arbeitnehmer sicherzustellen, um die Entwicklung eines wirklichen Arbeitsmarktes der Union zu ermöglichen, Engpässe zu beseitigen und es Arbeitnehmern aus der EU zu ermöglichen, dorthin zu ziehen, wo ihre Fähigkeiten gefragt sind;

18.    fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Transparenz und Anerkennung von Qualifikationen innerhalb der Union insbesondere durch das Europäische Leistungspunktesystem für die Berufsbildung, Europass und den Europäischen Qualifikationsrahmen zu verbessern;

19.    betont, dass es für junge Menschen wichtig ist, auch im Rahmen eines Auslandsstudiums fachübergreifende Kompetenzen wie IKT-Kenntnisse, Führungskompetenzen, kritisches Denken und Sprachkenntnisse zu erwerben, um ihre Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, ihre Fähigkeit zur Anpassung an künftige Entwicklungen des Arbeitsmarktes und ihre aktive gesellschaftliche Teilhabe zu verbessern;

20.    weist in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass in der derzeitigen Wirtschaftskrise Bildung, Ausbildung und Kreativität für mehr Innovation, Produktivität und Wachstum in Europa von grundlegender Bedeutung sind; betont daher die Bedeutung von Erasmus+ und hält die Kommission an, sich mit der zwischen den EU-Staaten bestehenden Diskrepanz bei den Bildungsstandards sowie der uneingeschränkten Anerkennung von Bildungsabschlüssen in der gesamten EU zu befassen;

21.    fordert die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, im Bereich der grenzüberschreitenden Ausbildungen und Praktika bestehende Hindernisse zu beseitigen, um das Angebot an und die Nachfrage nach beschäftigungsbasierten Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen besser aufeinander abzustimmen;

22.    fordert alle Organe auf, für eine rasche Annahme der Richtlinie über die Bedingungen für die Einreise und den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen zu Forschungs- oder Studienzwecken, zur Teilnahme an einem Schüleraustausch, einem bezahlten oder unbezahlten Praktikum, einem Freiwilligendienst oder zur Ausübung einer Au-pair-Beschäftigung zu sorgen, damit die Vermittelbarkeit junger Menschen verbessert werden kann;

23.    unterstützt den Vorschlag, den die Kommission in ihrem Bericht 2013 über die Unionsbürgerschaft formuliert hat, wonach die Verordnung zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit dahingehend reformiert werden soll, dass der obligatorische Mindestzeitraum, in dem Herkunftsmitgliedstaaten Leistungen für ihre Bürger erbringen müssen, von drei auf sechs Monate verlängert wird; vertritt die Auffassung, dass ein solcher Vorschlag dazu beitragen wird, Sicherheit für Arbeitsuchende zu schaffen, wenn sie in andere EU-Mitgliedstaaten ziehen, sowie die Haushaltskosten der Gastmitgliedstaaten zu senken und Missbrauch vorzubeugen;

24.    beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung der Kommission und dem Rat zu übermitteln.

 

(1)

ABl. C 264 E vom 13.9.2013, S. 69.

(2)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0016.

(3)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0365.

(4)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0037.

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