Verfahren : 2014/2843(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0110/2014

Eingereichte Texte :

B8-0110/2014

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 18/09/2014 - 10.6
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2014)0027

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 143kWORD 70k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-0109/2014
16.9.2014
PE537.012v01-00
 
B8-0110/2014

eingereicht im Anschluss an eine Erklärung der Vizepräsidentin der Kommission/Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik

gemäß Artikel 123 Absatz 2 der Geschäftsordnung


zur Lage im Irak und Syrien sowie zu der ISIS-Offensive (2014/2843(RSP))


Barbara Lochbihler, Alyn Smith, Klaus Buchner, Bodil Ceballos, Heidi Hautala, Jean Lambert, Tamás Meszerics, Michel Reimon, Judith Sargentini, Ernest Urtasun, Jordi Sebastiŕ im Namen der Verts/ALE-Fraktion

Entschließung des Europäischen Parlaments zur Lage im Irak und Syrien sowie zu der ISIS-Offensive (2014/2843(RSP))    
B8‑0110/2014

Das Europäische Parlament,

–       unter Hinweis auf seine früheren Entschließungen zum Irak, insbesondere die Entschließungen vom 17. Juli 2014(1) und 27. Februar 2014(2) zur Lage im Irak,

–       unter Hinweis auf seine früheren Entschließungen zu Syrien, insbesondere die Entschließungen vom 12. September 2013(3), vom 9. Oktober 2013(4), vom 6. Februar 2014(5) und vom 17. April 2014(6),

–       unter Hinweis auf das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Republik Irak andererseits und auf seine Entschließung vom 17. Januar 2013 zum Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem Irak(7),

–       unter Hinweis auf die Schlussfolgerungen des Rates zu Irak, insbesondere die Schlussfolgerungen vom 30. August, 15. August und 23. Juni 2014,

–       in Kenntnis der Erklärungen des Generalsekretärs der Vereinten Nationen zu Irak und Syrien,

–       unter Hinweis auf die Pariser internationale Konferenz für Frieden und Sicherheit in Irak, die auf Initiative von Präsident Hollande am 15. September 2014 einberufen wurde und die Konferenz von Dschiddah vom 11. September 2014,

–       unter Hinweis auf die Genfer Gespräche über Syrien vom Februar 2014,

–       unter Hinweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948,

–       unter Hinweis auf den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte von 1966, zu dessen Vertragsparteien der Irak und Syrien gehören,

–       unter Hinweis auf die Leitlinien der EU zur Förderung und zum Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit, die am 24. Juni 2013 angenommen wurden,

–       unter Hinweis auf die Leitlinien der EU zur Förderung der Einhaltung des humanitären Völkerrechts,

–       unter Hinweis auf die Genfer Konventionen von 1949, ihre Zusatzprotokolle und das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs,

–       in Kenntnis der Erklärung der Vizepräsidentin der Kommission/Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik zu Irak und Syrien,

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 11. März 2014 zu Saudi-Arabien, seine Beziehungen zur EU und seine Rolle in Nahost und Nordafrika(8), seine Entschließung vom 24. März 2011 zu den Beziehungen der Europäischen Union zum Golf-Kooperationsrat(9) und seine Entschließung vom 3. April 2014 zur Strategie der EU gegenüber dem Iran(10),

–       gestützt auf Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.     in der Erwägung, dass die extremistische dschihadistische Gruppe Islamischer Staat (IS) – früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) – seine territorialen Eroberungen von den östlichen Teilen Syriens bis in den nordwestlichen Irak, einschließlich der zweitgrößten Stadt des Irak, Mossul, ausgedehnt hat, gefolgt von Hinrichtungen irakischer Bürger ohne Gerichtsverfahren, von zahlreichen Gräueltaten insbesondere gegen Jesiden, Christen, Schiiten und gegnerische Sunniten, von der Durchsetzung einer strengen Auslegung der Scharia, von Vergewaltigungen und Versklavungen von Frauen, von erzwungenen Konvertierungen sowie von der Zerstörung von Gebetsstätten und Schreinen der Schiiten, Sufiten, Sunniten und Christen;

B.     in der Erwägung, dass die ISIS ihre jüngsten Gräueltaten zur Provokation der Wut der internationalen Gemeinschaft auf Videos veröffentlicht hat, die die Hinrichtung zweier US-amerikanischer und einer britischen Geisel zeigen;

C.     in der Erwägung, dass große Teile der sunnitischen Bevölkerung im Irak und in Syrien schwer unter Diskriminierung, Marginalisierung, Menschenrechtsverletzungen und andere Formen schwerwiegenden Missbrauchs durch irakische und syrische Institutionen und Sicherheitskräfte sowie mit der Regierung verbundene Milizen gelitten haben, was teilweise erklärt, warum der Vormarsch der ISIS von Teilen der desillusionierten sunnitischen Bevölkerung toleriert oder sogar unterstützt wird;

D.     in der Erwägung, dass es dem IS gelungen ist, seine staatlichen Strukturen in den Gebieten unter seiner Kontrolle zu installieren und der IS am 29. Juni 2014 die Wiederherstellung des Kalifats erklärt hat, nachdem er sich umfangreiche Einkommensquellen gesichert hat, indem er auf den von ihm kontrollierten Gebieten Banken und Geschäfte ausraubt, bis zu sechs Ölfelder in Syrien besetzt hat – darunter mit al-Omar an der irakischen Grenze das größte im Land – und Mittel von reichen Gebern erhält, insbesondere aus Saudi-Arabien, Katar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten;

E.     in der Erwägung, dass der rasche Aufstieg des IS die Schwäche der irakischen und kurdischen Armeen und vor allem der irakischen Institutionen aufgedeckt hat, die unter Korruption, Sektierertum und der Ausgrenzungspolitik der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki leiden, was zu einer deutlichen Entfremdung der sunnitischen und anderer Minderheiten im Irak geführt hat;

F.     in der Erwägung, dass das Assad-Regime als Überlebensstrategie ganz bewusst eine Dynamik der religiösen Polarisierung in Gang gesetzt hat; in der Erwägung, dass diese Dynamik die latenten und bisher weitgehend unterdrückten Spannungen in örtlichen Gemeinschaften, insbesondere zwischen der regierenden Minderheit der Alewiten und der sunnitisch-muslimischen Mehrheit des Landes geschürt hat; in der Erwägung, dass Sektierertum durch die Einbeziehung von regionalen Akteuren, insbesondere aus den Golfstaaten sowie dschihadistischer und ausländischer Extremistengruppen weiter verschärft wird;

G.     in der Erwägung, dass militärische Einheiten der kurdischen Regionalregierung Mitte Juni 2014 die Kontrolle über die multiethnische Stadt Kirkuk übernommen und damit ein umstrittenes ölreiches Gebiet der ölreichen Provinz Kirkuk einverleibt haben, und dass die kurdische Regierung im Juni Pläne für ein Referendum der kurdischen Bevölkerung über die Unabhängigkeit vom Irak angekündigt hat, das sie später verschob, um „ihre Kräfte dem Aufbau einer neuen irakischen Regierung“ zu widmen und das Vorrücken des IS abzuwehren;

H.     in der Erwägung, dass nach dem Rücktritt von Nuri al-Maliki eine neue, inklusivere Regierung unter dem neuen Premierminister Haider al-Abadi am 8. September ihre Amtsgeschäfte aufnahm, obwohl die beiden wichtigen Zuständigkeitsbereiche Inneres und Verteidigung unbesetzt blieben;

I.      in der Erwägung, dass sich Berichten zufolge tausende ausländischer Kämpfer, darunter viele aus EU-Mitgliedstaaten, den Kämpfen auf der Seite des IS angeschlossen haben; in der Erwägung, dass verschiedene Regierungen, insbesondere die von Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Tunesien und Russland rechtliche und sicherheitspolitische Schritte ergreifen, um Aktivitäten, die Verbindungen zu dem IS oder anderen extremistischen islamistischen Gruppen aufweisen, zu verbieten; in der Erwägung, dass die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Niederlande ihre Absicht bekundet haben, die Reisepässe der Bürger, die nach dem Beitritt zum IS nach Hause zurückkehren, einzuziehen; in der Erwägung, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 24. September eine von den USA eingebrachte Resolution zu diesem Thema diskutieren wird;

J.      in der Erwägung, dass die türkische Regierung endlich zugestimmt hat, die Grenzkontrollen zu Syrien zu verschärfen, um zu versuchen, weitere Rekrutierungen für den IS zu verhindern; in der Erwägung, dass die Türkei direkt vom IS angegriffen wurde, der 49 Beschäftigte des türkischen Konsulats in Mossul, einschließlich des Generalkonsuls, seit Juni als Geiseln in seiner Gewalt hat;

K.     in der Erwägung, dass sunnitische Religionsführer weltweit die Taten des IS als nicht-islamisch verurteilt haben;

L.     in der Erwägung, dass der Aufstieg des IS zu einer katastrophalen humanitären Krise mit Millionen von Flüchtlingen, insbesondere in die Autonome Region Kurdistan, geführt hat, die zu den Millionen hinzukommen, die bereits durch den syrischen Krieg vertrieben wurden; in der Erwägung, dass die EU ihre humanitäre Hilfe weiter ausgedehnt und eine Luftbrücke zwischen Brüssel und Erbil eingerichtet hat;

M.    in der Erwägung, dass verschiedene Streitkräfte, einschließlich militärischer Einheiten der kurdischen Regionalregierung und der irakischen Armee sowie bewaffneter Gruppen, einschließlich kurdischer Kämpfer der PKK und der YPG und der vom Iran unterstützten schiitischen Milizen, versuchen, mit Unterstützung durch US-Luftangriffe den Angriff des IS auf den Nordirak und Syrien abzuwehren;

N.     in der Erwägung, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, eine unbefristete Kampagne von Luftangriffen gegen ISIS-Milizen in Syrien angekündigt hat, die zusätzlich zu den bereits im Irak durchgeführten stattfinden sollen, und in der Erwägung, dass er aktiv daran arbeitet, Unterstützung für eine internationale militärische Koalition zu gewinnen; in der Erwägung, dass Frankreich voraussichtlich an der militärische Offensive im Irak mitwirken wird, während die Regierungen verschiedener Staaten, insbesondere Deutschland, ihre Absicht bekundet haben, die kurdischen Kräfte mit Waffenlieferungen zu unterstützen; in der Erwägung, dass das Assad-Regime seine Bereitschaft erklärt hat, die internationalen Bemühungen gegen den ISIS zu unterstützen, wobei es darauf gedrungen hat, sein vorheriges Einverständnis mit Luftschlägen abzuwarten, und kürzlich Luftangriffe gegen Stellungen der ISIS durchgeführt hat;

O.     in der Erwägung, dass am 10. September in einer Regionalkonferenz über den IS in Dschiddah Bahrain, Kuweit, Oman, Katar, Saudi Arabien, die VAE, Ägypten, Irak, Jordanien und Libanon ein gemeinsames Kommuniqué unterzeichnet haben, in dem sie mit den USA übereinkamen, „sich an den vielen Komponenten einer abgestimmten militärischen Operation gegen den ISIS zu beteiligen“ und eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors, einschließlich des Stopps des Zustroms von ausländischen Kämpfern durch Nachbarstaaten, der Bekämpfung der Finanzierung des ISIS und anderer Terrorgruppen und des Ablehnens der dschihadistischen Ideologie zu ergreifen;

1.      verurteilt die Gräueltaten, die vom ISIS gegenüber verschiedenen Gruppen, die nicht seine Überzeugungen teilen, angedroht oder begangen werden, vor allem alle religiösen und ethnischen Minderheiten, wie Christen, Jesiden, Schabaken und Turkmenen aber auch Schiiten und Sunniten; verurteilt die abscheuliche Ermordung zweier amerikanischer Journalisten und eines britischen Entwicklungshelfers durch den ISIS;

2.      ist der Ansicht, dass jede wirksame Antwort der internationalen Gemeinschaft auf die schändlichen Handlungen und den schändlichen Charakter des ISIS einen gesammelten, inklusiven und strategischen Aktionsplan auf der Grundlage internationaler Legalität erfordert; erinnert in diesem Zusammenhang an die verheerenden und langfristigen Auswirkungen der moralischen, rechtlichen und geopolitischen Schwächen der abenteuerlichen Politik nach den Anschlägen des 11. Septembers; betont, dass die rechtswidrigen oder rechtlich fragwürdigen auswärtigen Anti-Terror-Operationen, unter anderem in Pakistan, Somalia und Jemen, insbesondere durch Luftangriffe, zu nicht hinnehmbaren Opfern und einer weiteren Radikalisierung in der örtlichen Bevölkerung geführt haben;

3.      betont, dass der ISIS in erster Linie die Folge statt die Ursache der gegenwärtigen Erschütterungen, in denen der Nahe Osten und die angrenzenden Regionen versinken, darstellt; fordert die EU und andere internationale Führungsgremien auf, die grundlegenden sozio-ökonomischen, kulturellen und politischen Wurzeln des ISIS-Phänomens festzustellen und sich darauf zu konzentrieren; betont, dass der ISIS vor dem Hintergrund langwieriger Menschenrechtsverletzungen und Straflosigkeit, Vetternwirtschaft, um sich greifender Korruption, Sektierertums, Marginalisierung und Diskriminierung ganzer Gruppen, insbesondere Sunniten, sowie eine lange Geschichte externer Manipulation und Intervention durch regionale und westliche Akteure entstand;

4.      nimmt zur Kenntnis, dass die Organisation des IS staatenähnliche Fähigkeiten und Anziehungskraft erlangt hat und ein Phänomen darstellt, das gemäß seiner rückschrittlichen und extremistischen Agenda das Potential hat, große Teile des Nahen Ostens und darüber hinaus neu zu gestalten;

5.      begrüßt den Beschluss des Rates gemäß der von den Vereinten Nationen definierten internationalen Schutzverantwortung der bedrohten Bevölkerung zu Hilfe zu eilen, insbesondere durch die Aktivierung des Europäischen Katastrophenschutzmechanismus und durch die von ECHO eingerichtete humanitäre Luftbrücke; fordert zusätzliche humanitäre Unterstützung für die vom Konflikt betroffene Bevölkerung, einschließlich der syrischen Kurden;

6.      ist jedoch besorgt, dass die Waffenlieferungen einiger EU-Mitgliedstaaten an die Kurden oder syrische Rebellen schwere Probleme in Bezug auf den Verhaltenskodex der EU für Waffenexporte aufwerfen, der die Lieferung von militärischem Gerät in Krisenregionen verbietet; ist tief besorgt darüber, dass diese Waffen in die falschen Hände geraten könnten und dass die Analyse des Bedarfs und die Koordination zwischen den liefernden Mitgliedstaaten sehr zu wünschen übrig lässt;

7.      fordert erhöhte finanzielle Unterstützung für die kurdischen Regionalbehörden, um den beispiellosen Flüchtlingszustrom zu bewältigen;

8.      betont die symbolische Bedeutung, dass der Beschluss der EU vom 15. August zum Irak auch von den Regierungen all derjenigen Staaten getragen wurde, die sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen hatten, und dass die EU in ihrer Gesamtheit eine historische Verpflichtung hat, der irakischen Bevölkerung zuzusichern, dass die Absichten der Mitgliedstaaten der EU ausschließlich auf die Verteidigung ihres Friedens und ihrer körperlichen und geistigen Unversehrtheit gerichtet sind;

9.      begrüßt die kürzlich erfolgte Bildung einer neuen, inklusiveren irakischen Regierung und fordert alle Seiten auf, den Konflikt zwischen den Provinzen über die Einnahmen aus dem Ölgeschäft und den Ölexporten mit gegenseitigem Respekt beizulegen;

10.    fordert die irakische Regierung und das irakische Parlament auf, dringend Recht und Rechtspraxis zu überprüfen, das Rechtssystem und den Sicherheitsapparat zu reformieren und inklusive Politik gegenüber allen Irakern umzusetzen und die diskriminierende Politik, insbesondere gegen die sunnitische Bevölkerung zu beenden;

11.    nimmt die Militärschläge der US-Streitkräfte gegen den IS auf Anforderung der kurdischen und irakischen Regierung zur Kenntnis, und unterstreicht, dass solche Einsätze in Zeit und Zielsetzung streng begrenzt, ausschließlich gegen das Vordringen des IS gerichtet und auf die Prämisse, dass militärische Mittel das letzte Mittel sein sollten, gestützt sein müssen;

12.    bedauert, dass vor den Bombenangriffen der USA keine Versuche unternommen wurden, die Genehmigung der Vereinten Nationen in Form einer Resolution des Sicherheitsrates einzuholen;

13.    betont, dass im Fall von Syrien eine rechtmäßige, externe militärische Intervention entweder die Genehmigung des regierenden Assad-Regimes oder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen voraussetzt; betont seine absolute Abscheu gegen die Aussicht einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit mit dem entsetzlichen Assad-Regime;

14.    erinnert an die besondere Verantwortung des Assad-Regimes – gemeinsam mit den externen Mächten, insbesondere Saudi Arabien und Katar – beim Schüren der zunehmend religiösen Dimension des Krieges in Syrien und damit bei der Förderung des ISIS; fordert das Assad-Regime und die Staaten, die Einfluss auf dieses Regime ausüben, auf, mit den bewaffneten Oppositionsgruppen, die den IS bekämpfen, Waffenstillstandsabkommen auszuhandeln;

15.    ist nach wie vor überzeugt, dass es in Syrien und im Irak keinen dauerhaften Frieden geben kann, wenn diejenigen, die für die während des Konflikts auf allen Seiten begangenen Verbrechen, vor allem der religiös oder ethnisch motivierten Verbrechen, verantwortlich sind, nicht zur Rechenschaft gezogen werden; bekräftigt seine Forderung nach einer Befassung des Internationalen Strafgerichtshofs mit der Lage in Syrien und unterstützt alle Initiativen in diese Richtung;

16.    fordert die Hohe Vertreterin und die Mitgliedstaaten der EU auf, die Mitgliedstaaten der EU, die Mitglied im Sicherheitsrat sind, zu drängen, alle Anstrengungen für eine Initiative des Sicherheitsrats zu unternehmen, um eine regionale Strategie zur Bekämpfung des IS und der Al-Qaida zu erstellen, die die Interessen der Bevölkerungen in der Region berücksichtigen würde;

17.    fordert angesichts der existentiellen Krisen im Nahen Osten und anderswo eine erneute Erörterung des Einrichtung ständiger Truppen der Vereinten Nationen zur Friedenserzwingung, die dem Generalsekretär zur Verfügung stehen, und zu denen die EU aktiv beitragen sollte;

18.    verurteilt die Aktivitäten der Länder und/oder ihrer Bürger, die dem IS oder anderen extremistischen islamistischen Gruppen ideologische oder materielle Unterstützung zur Verfügung gestellt haben, insbesondere Saudi Arabien, die VAE, Katar und Kuweit, wie auch die Türkei und Syrien; nimmt die Erklärung von Dschiddah zur Kenntnis, und fordert all diese Staaten auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um jegliche Unterstützung für Anhänger des IS oder von Al-Qaida zu unterbinden, unabhängig davon, ob sie durch Staaten oder Privatpersonen erfolgt;

19.    betont, wie wichtig es ist, dass die Länder der Region die Führung bei der Bekämpfung des islamistischen Extremismus innehaben und bedauert, dass der Iran an der Konferenz in Paris nicht teilnahm;

20.    betont nachdrücklich, dass die EU eine eigene echte langfristige Strategie gegenüber ihren Nachbarn im Nahen und Mittleren Osten, einschließlich Iran, entwickeln muss;

21.    warnt vor dem erheblichen Risiko, dass sich kurzfristige, auf die Bildung von Bündnissen gegen den ISIS abzielende Tendenzen in den Beziehungen der EU mit regionalen autoritären Regimen wie Ägypten oder Saudi-Arabien gegenüber werteorientierten Erwägungen durchsetzen;

22.    sichert seine weitere Unterstützung für Frieden, Sicherheit und Entwicklung, die in der Autonomen Region Kurdistan erreicht worden sind, und die unbedingt zu erhalten sind, zu, und fordert die Kurden auf, ihr Recht auf Selbstbestimmung auf dem Verhandlungswege zu verfolgen;

23.    fordert die Zahl der Flüchtlinge aus Irak und Syrien, denen in Europa Aufenthalt gewährt wird, zu erhöhen, wobei dies auch für die Jesiden gilt, die eine besonders fragile und häufig verfolgte Minderheit sind; ist der Ansicht, dass dringend eine internationale Konferenz zur Koordinierung der Aufnahme von Flüchtlingen organisiert werden sollte, und dass die EU zu diesem Zweck ein Sofortprogramm erstellen sollte;

24.    fordert angesichts tausender Europäer, die Berichten zufolge als Kämpfer von dem IS rekrutiert werden, einen Politikwechsel in den Mitgliedstaaten der EU, der die Notwendigkeit betont, Politik gegen den Extremismus unter Bürgern der EU zu entwickeln und aktiv die soziale Ausgrenzung und die Perspektivlosigkeit zu bekämpfen, insbesondere im Fall der zweiten und dritten Generation der zugewanderten Bevölkerung; fordert eine offene Kampagne zur Aufwertung des Begriffs des Islams als integraler Bestandteil der europäischen Kultur; verurteilt in diesem Zusammenhang die Absicht verschiedener Regierungen von Mitgliedstaaten der EU, Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft, die möglicherweise von den Schlachtfeldern des Nahen Ostens zurückkehren, die Staatsbürgerschaft zu entziehen;

25.    ist weiterhin stark über die Auswirkungen der langfristigen und zunehmenden Präsenz syrischer Flüchtlinge in den Nachbarländern, insbesondere in Jordanien, Libanon und der Türkei, besorgt; fordert die Kommission und die EU-Mitgliedstaaten auf, den vom Syrienkonflikt betroffenen Bevölkerungsgruppen auch künftig umfangreiche humanitäre Hilfe zu leisten; bedauert, dass nur eine sehr geringe Zahl syrischer Flüchtlinge in die EU umgesiedelt wurde, und fordert die Mitgliedstaaten auf, in stärkerem Maße Verantwortung zu übernehmen, indem sie insbesondere ihre Schutzmaßnahmen stärken;

26.    beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, der Vizepräsidentin der Kommission/Hohen Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, den Regierungen und Parlamenten der EU-Mitgliedstaaten, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, dem Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien sowie den Regierungen und Parlamenten Syriens und Iraks zu übermitteln.

(1)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0011.

(2)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0171.

(3)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0378.

(4)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0414.

(5)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0099.

(6)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0461.

(7)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0023.

(8)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0207.

(9)

Angenommene Texte, P7_TA(2011)0109.

(10)

Angenommene Texte, P7_TA(2014)0339.

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