Verfahren : 2015/2574(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0360/2015

Eingereichte Texte :

B8-0360/2015

Aussprachen :

PV 30/04/2015 - 4
CRE 30/04/2015 - 4

Abstimmungen :

PV 30/04/2015 - 10.8
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2015)0184

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 145kWORD 74k
22.4.2015
PE555.118v01-00
 
B8-0360/2015

eingereicht im Anschluss an die Anfrage zur mündlichen Beantwortung B8‑0109/2015

gemäß Artikel 128 Absatz 5 der Geschäftsordnung


zur Expo 2015 in Mailand mit dem Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ (2015/2574(RSP))


Paolo De Castro im Namen des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung

Entschließung des Europäischen Parlaments zur Expo 2015 in Mailand mit dem Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“  (2015/2574(RSP))  
B8‑0360/2015

Das Europäische Parlament,

–       unter Hinweis auf den Beschluss des Internationalen Ausstellungsbüros, unter dem Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ eine Weltausstellung zu organisieren, die vom 1. Mai bis zum 30. Oktober 2015 in Mailand stattfindet,

–       unter Hinweis auf den Beschluss der Kommission vom 3. Mai 2013, an der Weltausstellung 2015 in Mailand teilzunehmen (C(2013)2507),

–       unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 3. Mai 2013 an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen mit dem Titel „Teilnahme der EU an der Weltausstellung „Expo 2015“ in Mailand „Feeding the Planet: Energy for Life““ (COM(2013) 255),

–       unter Hinweis auf die Anstrengungen, die der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss der Europäischen Union seit dem 21. März 2014 mit Unterstützung der Kommission und des Parlaments unternommen hat, um fachliche Beratung zu den Herausforderungen in Bezug auf Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit sowie Leitlinien für das Veranstaltungsprogramm der Expo 2015 anzubieten,

–       unter Hinweis auf die von den Vereinten Nationen im September 2000 verabschiedeten Millenniumsentwicklungsziele und die vorläufigen Ziele für die nachhaltige Entwicklung, die voraussichtlich auf der nächsten Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 verabschiedet werden,

–       unter Hinweis auf die Veröffentlichung der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) mit dem Titel „World agriculture towards 2030/2050: the 2012 revision“,

–       unter Hinweis darauf, dass die FAO das Jahr 2014 zum Internationalen Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft ausgerufen hat,

–       unter Hinweis darauf, dass die FAO das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens ausgerufen hat,

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 18. Januar 2011 zur Anerkennung der Landwirtschaft als Sektor von strategischer Bedeutung für die Ernährungssicherheit(1),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 19. Januar 2012 zu dem Thema „Schluss mit der Verschwendung von Lebensmitteln – Strategien für eine effizientere Lebensmittelversorgungskette in der EU“(2),

–       unter Hinweis auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 und insbesondere auf Artikel 25, in dem das Recht auf Nahrung als Bestandteil des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard anerkannt wird,

–       unter Hinweis auf die Anfrage an die Kommission zur Expo 2015 in Mailand mit dem Motto „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ (O-000016/2015 – B8-0109/2015),

–       unter Hinweis auf den Entschließungsantrag des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung,

–       gestützt auf Artikel 128 Absatz 5 und Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.     in der Erwägung, dass das Motto der Expo 2015 in Mailand, „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“, und die Ausstellung selbst der Debatte über eine Verbesserung der Erzeugung und der Verteilung von Lebensmitteln, die Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung und die Förderung und Weiterentwicklung bereits bestehender Ansätze im Kampf gegen Ernährungsunsicherheit, Unterernährung und Fehlernährung neuen Auftrieb verleihen und somit einen Ausgleich zwischen der Verfügbarkeit und dem Verbrauch von Ressourcen schaffen können;

B.     in der Erwägung, dass das Motto der Expo 2015 in Mailand dazu einlädt, nachzudenken und sich mit den zahlreichen Versuchen zu befassen, die darauf abzielen, eine Lösung für die Widersprüche einer globalisierten Welt zu finden, in der einerseits etwa 870 Millionen unterernährte Menschen an Hunger leiden und andererseits an die 2,8 Millionen Menschen an Erkrankungen sterben, die auf schlechte Ernährung und auf mit Fettleibigkeit oder Übergewicht zusammenhängende Krankheiten zurückzuführen sind;

C.     in der Erwägung, dass die Expo 2015 in Mailand mit dem angepeilten Jahr der Millenniumsentwicklungsziele und dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahr des Bodens zusammenfällt und der Debatte über die neuen Ziele für die nachhaltige Entwicklung, über deren endgültigen Entwurf zurzeit verhandelt wird, als Inspirationsquelle dienen sollte; in der Erwägung dass Landwirtschaft, Nahrungsmittel und Ernährungssicherheit die zentralen Themen der Verhandlungen sind;

D.     in der Erwägung, dass während der Expo 2015 die „Charta von Mailand“ erstellt wird, die dem Generalsekretär der Vereinten Nationen als Vermächtnis der Expo 2015 übergeben werden und einen Beitrag zur internationalen Debatte über die Millenniumsziele leisten soll;

E.     in der Erwägung, dass das Motto der Expo 2015 in erster Linie auf den Landwirtschaftssektor ausgerichtet ist, bei dem es sich nach wie vor um einen Grundpfeiler der Wirtschaft der Union handelt, da die Ausfuhr von Agrarerzeugnissen zwei Drittel ihres gesamten Außenhandels ausmacht, dass die Union noch immer der größte Importeur von Agrarerzeugnissen ist und dass die Lebensmittelindustrie der EU einen Jahresumsatz von beinahe einer Billion EUR generiert und über vier Millionen Menschen beschäftigt;

F.     in der Erwägung, dass, der Wissenschaftliche Lenkungsausschuss der EU für die Expo 2015 davon ausgeht, dass in bestimmten Bereichen neue Kenntnisse erlangt werden müssen, um über Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen zu einem besseren Verständnis der Öffentlichkeit für Lebensmittel und Lebensmittelerzeugung in der Landwirtschaft beizutragen, damit die Menschen sich der globalen Auswirkungen ihrer jeweiligen Lebensmittelpräferenzen bewusst werden;

G.     in der Erwägung, dass die Erfahrung der Zivilgesellschaft und ihr Beitrag zu Themen der Expo 2015 unerlässlich sind und die Zivilgesellschaft dazu ermutigt werden muss, mit ihrer Erfahrung und ihren Initiativen bedeutende internationale Debatten anzustoßen und Leitlinien zu entwickeln, um die globalen Krisen in Bezug auf Nahrungsmittel und Ernährung abzumildern;

H.     in der Erwägung, dass gesunde Böden nicht nur die Grundlage für die Erzeugung von Lebensmitteln, Kraftstoffen, Fasern und Medizinprodukten darstellen, sondern auch von größter Bedeutung für unsere Ökosysteme sind, da sie eine grundlegende Rolle im Kohlenstoffkreislauf spielen, Wasser speichern und filtern und einen Beitrag zur Bewältigung von Überschwemmungen und Dürren leisten;

I.      in der Erwägung, dass die Plattform „Open Expo“, mit der die Transparenz bei der Expo 2015 uneingeschränkt gesichert werden soll, alle Informationen über die Verwaltung, die Projektierung, die Organisation und den Ablauf der Veranstaltung offenlegt und als hilfreiches Verfahren für Transparenz betrachtet werden kann;

J.      in der Erwägung, dass Schätzungen der FAO zufolge, ein Anstieg der Weltbevölkerung von 7 auf 9,1 Mrd. Menschen eine Steigerung der Nahrungsmittelversorgung um 70 % bis 2050 erforderlich macht, wobei dieselben Zahlen darauf hindeuten, dass eine Erhöhung der Produktion alleine nicht ausreichen würde, um die Ernährungssicherheit aller Menschen sicherzustellen;

K.     in der Erwägung, dass laut Angaben der FAO im Jahr 2010 925 Millionen Menschen Hunger litten und dass mehr als ein Drittel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren auf Unterernährung zurückzuführen ist;

L.     in der Erwägung, dass die FAO von einem Anstieg der Ackerlandflächen um lediglich 4,3 % bis 2050 ausgeht;

M.    in der Erwägung, dass der Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens in Schwellenländern zu einer Umstellung der Ernährung auf Erzeugnisse mit einem höheren Proteingehalt, einschließlich tierischem Eiweiß, und auf verarbeitete Erzeugnisse und somit zu einer weltweiten Angleichung des Essverhaltens nach dem Vorbild wohlhabenderer Gesellschaften führt;

N.     in der Erwägung, dass durch Ernährungsweisen, die eine hohen Anteil tierischer Produkte enthalten, deutlich mehr Ressourcen verbraucht werden als durch Ernährungsweisen, die durch einen hohen Anteil pflanzlicher Produkte gekennzeichnet sind;

O.     in der Erwägung, dass die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern mehr als 70 % der Arbeitskräfte – hauptsächlich Frauen – Beschäftigung und eine Existenzgrundlage bietet; in der Erwägung, dass Schätzungen der Weltbank zufolge das Wachstum im Agrarsektor für die Verringerung der Armut doppelt so wirksam ist wie das Wachstum in anderen Wirtschaftsbereichen;

P.     in der Erwägung, dass es in der EU von Ernährungsunsicherheit betroffene Gebiete gibt und dass 79 Mio. Menschen in der EU noch immer unterhalb der Armutsgrenze leben, während 124,2 Mio. bzw. 24 % der Menschen in der EU von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind im Vergleich zu 24,3 % im Jahr 2011;

Q.     in der Erwägung, dass nur die Hälfte aller Entwicklungsländer (62 von 118) auf dem Wege sind, das Millenniumsentwicklungsziel zu erreichen;

R.     in der Erwägung, dass das Recht aller Menschen auf Nahrung und hochwertige Ernährung von überragender Bedeutung ist, um die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen; in der Erwägung, dass Nahrung mit den meisten – wenn nicht mit allen – Millenniumsentwicklungszielen verknüpft ist, die wiederum selbst in einem engen Zusammenhang stehen;

S.     in der Erwägung, dass unterschiedliche internationale Rechtsinstrumente das Recht auf Nahrung mit anderen Menschenrechten verknüpfen, darunter das Recht auf Leben, das Recht auf Auskommen, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Eigentum, das Recht auf Bildung und das Recht auf Wasser;

T.     in der Erwägung, dass der Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe, der der Landwirtschaft weltweit zugewiesen wird, in den letzten drei Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen ist;

U.     in der Erwägung, dass das Konzept der Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit nicht nur die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, sondern auch das Recht auf Nahrungsmittel und auf sachgemäße Informationen über das, was wir essen sowie den nachhaltigen Zugang zu einer gesunden Ernährung für alle Menschen umfasst, was andere Faktoren wie sanitäre Anlagen, Hygiene, Impfungen und Entwurmungen mit einschließt;

V.     in der Erwägung, dass für die Menschheit Hunger und Unterernährung die Hauptursachen von Massensterben und die größte Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt darstellen;

W.    in der Erwägung, dass sich schwankende Nahrungsmittelpreise negativ auf die Ernährungssicherheit und die Nahrungsmittelkette auswirken;

X.     in der Erwägung, dass der weltweite Konjunkturabschwung und die steigenden Nahrungsmittel- und Kraftstoffpreise die Ernährungslage in vielen Entwicklungsländern – speziell in den am wenigsten entwickelten Ländern – verschlechtert und damit den im vergangenen Jahrzehnt erreichten Fortschritt bei der Armutsbekämpfung teilweise zunichte gemacht haben;

Y.     in der Erwägung, dass unsichere Verhältnisse auf den Agrarmärkten in Entwicklungsländern dazu führen, dass die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln durch Naturkatastrophen, Konflikte und Gesundheitskrisen übermäßig stark gefährdet ist;

Z.     in der Erwägung, dass das bestehende Lebensmittelsystem sowohl zum Klimawandel beiträgt als auch von ihm betroffen ist, was sich auf die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und die Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion und die Verarbeitungsindustrie auswirkt;

AA.  in der Erwägung, dass auf den Klimawandel zurückgehende Naturkatastrophen mit schwerwiegenden Folgen für EU-Mitgliedstaaten und Drittländer einhergehen und eine Gefahr für die Ernährungssicherheit und -souveränität in bereits kritischen Situationen darstellen;

AB.  in der Erwägung, dass nach Schätzungen der Kommission 30 % der weltweiten Lebensmittel verloren gehen oder weggeworfen werden und dass die in der Europäischen Union jährlich anfallenden 89 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle (dies entspricht 179 kg pro Kopf) bis 2020 um 126 %, also auf etwa 40 Mio. Tonnen, ansteigen werden, wenn keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden;

AC.  in der Erwägung, dass eine bessere Steuerung der Lebensmittelkette eine effizientere Landnutzung und eine sinnvollere Bewirtschaftung der Wasserressourcen nach sich ziehen und sich positiv auf den gesamten Agrarsektor weltweit auswirken würde und zudem in hohem Maße zur Bekämpfung der Unter- und Fehlernährung in den Entwicklungsländern beitragen würde;

AD.  in der Erwägung, dass es neben Hunger, Unter- und Mangelernährung paradoxerweise ein hohes Maß an Fettleibigkeit sowie Krankheiten gibt, die auf eine unausgewogene Ernährung zurückzuführen sind, was zu sozialen und wirtschaftlichen Problemen mit zum Teil dramatischen Folgen für die menschliche Gesundheit führt;

AE.   in der Erwägung, dass sich Handels- und Investitionsabkommen nachteilig auf die Ernährungssicherheit und das Vorhandensein von Mangelernährung auswirken können, wenn die Verpachtung oder der Verkauf von Ackerflächen an Privatinvestoren dazu führen, dass die Bevölkerung vor Ort vom Zugang zu Produktionsmitteln abgeschnitten wird, die für deren Lebensgrundlage unerlässlich sind, oder dass große Mengen an Nahrungsmitteln exportiert oder auf internationalen Märkten verkauft werden, wodurch das Gastland noch abhängiger von – und anfälliger für – Schwankungen der Rohstoffpreise auf den internationalen Märkten wird;

AF.   in der Erwägung, dass eine nachhaltige Beseitigung des Hungers nicht dadurch erreicht werden kann, dass alle Menschen mit genügend Nahrungsmitteln versorgt werden; in der Erwägung, dass dies nur erreicht werden kann, indem dafür gesorgt wird, dass Kleinlandwirte ihr Land behalten und bewirtschaften können und indem Fair-Trade-Systeme aufrechterhalten sowie Wissen, Innovationen und nachhaltige Verfahren weitergegeben werden;

AG.  in der Erwägung, dass die grundlegende Rolle von Landwirten und insbesondere von landwirtschaftlichen Familienbetrieben für die Gewährleistung der Ernährungssicherheit weltweit anerkannt werden sollte;

AH.  in der Erwägung, dass die vielseitigen Funktionen der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft anerkannt werden sollten, da sie nicht nur der Erzeugung von Lebensmitteln dienen, sondern auch eine grundlegende Rolle bei der Bereitstellung öffentlicher Güter wie beispielsweise der Landschaftspflege, der biologischen Vielfalt, des Klimaschutzes und der Fähigkeit, Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürren und Brände abzumildern, spielen;

1.      betont, dass für die Bewältigung des Problems der Ernährungssicherheit Folgendes unerlässlich ist: eine starke und nachhaltige Landwirtschaft in der ganzen EU, eine florierende und diversifizierte ländliche Wirtschaft, eine saubere Umwelt und landwirtschaftliche Familienbetriebe, die sich auf eine solide, fairere, über Ländergrenzen hinweg solidarische und angemessen finanzierte Gemeinsame Agrarpolitik stützen können;

2.      ist der Ansicht, dass ökologische Nachhaltigkeit nur dann möglich ist und die Bemühungen um die Anpassung an den Klimawandel und um seine Abschwächung nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn bei landwirtschaftlichen Betrieben für ökonomische Nachhaltigkeit gesorgt wird und wenn Landwirte bei ihrem Zugang zu Land, zu Krediten und zu Aus- und Weiterbildung unterstützt werden;

3.      fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, das Motto der Expo 2015 in Mailand, „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ dazu zu nutzen, Verpflichtungen zur Gewährleistung des Rechts auf eine angemessene, gesunde, nachhaltige und bewusste Ernährung festzulegen;

4.      fordert die Kommission auf, sicherzustellen, dass am EU-Stand der Expo 2015 auf das dringende Erfordernis aufmerksam gemacht wird, die gravierenden Probleme entlang der gesamten Versorgungskette anzugehen – unter anderem, was die langfristige Nachhaltigkeit der Erzeugung, des Vertriebs und des Verbrauchs von Lebensmitteln betrifft –, gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorzugehen und Unterernährung, Fehlernährung sowie Fettleibigkeit zu bekämpfen;

5.      betont, dass das Recht auf Nahrung ein grundlegendes Menschenrecht ist und erst dann erreicht ist, wenn alle Menschen Zugang zu geeigneten, unbedenklichen und nahrhaften Lebensmitteln haben, die den Nahrungsbedarf decken, der zu einem aktiven und gesunden Leben gehört;

6.      unterstreicht, dass der Zugang zu Nahrung eine Voraussetzung für die Verringerung von Armut und Ungleichheit und das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele ist;

7.      hebt hervor, dass der Kampf gegen Unterernährung und die Bereitstellung eines allgemeinen Zugangs zu hinreichend nahrhaften Nahrungsmitteln weiterhin eines der wichtigsten Ziele der Agenda für die Zeit nach 2015 im Rahmen der Vorgabe zur Beseitigung des Hungers sein sollte, wobei insbesondere gefordert werden sollte, bis 2030 sämtliche Formen der Mangelernährung zu beseitigen;

8.      vertritt die Auffassung, dass die zunehmenden Schwankungen auf den Lebensmittelmärkten zu Nachhaltigkeitsproblemen führen und die Maßnahmen zur Erhöhung der Ernährungssicherheit und der ökologischen Nachhaltigkeit der Lebensmittelerzeugung ausgeweitet werden müssen, indem auf die Knappheit der natürlichen Ressourcen reagiert und die Forschung und Innovation im Bereich der Landwirtschaft gefördert werden;

9.      vertritt die Auffassung, dass mit angemessenen institutionellen Rahmen, Rechtsrahmen und Überwachungsrahmen die Schaffung eines Umfelds für die Entwicklung solider, nachhaltiger, fairer, bezahlbarer und diversifizierter Agrarmarktsysteme gefördert werden kann;

10.    ist der Ansicht, das kleinere Landwirtschaftsbetriebe, ökologische Landwirtschaft, landwirtschaftliche Systeme von hohem Naturschutzwert und „baumunterstützte“ Landwirtschaft als Modelle gefördert werden sollten, die besonders wirksam für Nachhaltigkeit bei der weltweiten Nahrungsmittelerzeugung sorgen;

11.    fordert die Kommission auf, sich für effizientere landwirtschaftliche Methoden – beispielsweise agrarökologische Ansätze und Diversifizierungsansätze – und ein besseres, nachhaltiges Ressourcenmanagement in der Landwirtschaft einzusetzen, mit dem Ziel, die Betriebsmittelkosten und die Verschwendung von Nährstoffen zu senken und für mehr Transfer von Wissen und Innovationen, Ressourceneffizienz, Vielfalt an Kulturpflanzen und Nachhaltigkeit in den landwirtschaftlichen Betrieben zu sorgen;

12.    fordert die Kommission auf, die Forschung im Bereich der Landnutzung und der nachhaltigen Intensivierung durch die Förderung einer effizienteren Nutzung von Nährstoffen, Wasser und Energie, stärkere Anstrengungen, was den Erhalt von Wasser- und Bodenressourcen betrifft und die weitere Anpassung biologischer Maßnahmen im Rahmen der Schädlingsbekämpfung zu unterstützen; fordert die Kommission ferner auf, die Forschung dabei zu unterstützen, die Erträge zu verbessern und dabei die ökologischen Folgen zu verringern;

13.    ist besorgt über zunehmende Landaneignungen sowie über deren Folgen für die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern und die Zukunft der Landwirtschaft und der Landwirte;

14.    fordert die Kommission auf, die Mitgliedstaaten zu sensibilisieren und dazu anzuhalten, die „Ressource“ Boden unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu nutzen, da sie für die Verwirklichung der Ernährungs- und der Lebensmittelsicherheit, die Anpassung an den Klimawandel und seine Abschwächung sowie generell für eine nachhaltige Entwicklung benötigt wird;

15.    unterstreicht, dass das Problem der Landverödung, durch das Armut und Ernährungsunsicherheit zusätzlich verschärft werden, in Angriff genommen werden muss;

16.    fordert die Kommission auf, die weltweite Umsetzung der freiwilligen Leitlinien der UNO/FAO für die verantwortungsvolle Regelung der Nutzungs- und Besitzrechte in Bezug auf Land, Fischgründe und Wälder durch Investoren und Zielländer, zu fördern;

17.    fordert die Kommission auf, die weltweite Verwirklichung der Ziele der FAO zu unterstützen, um die Ausarbeitung von landwirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Strategien zu fördern, die nachhaltig wirtschaftenden landwirtschaftlichen Familienbetrieben zugutekommen;

18.    betont, dass die Nachhaltigkeit der Lebensmittelerzeugung durch die derzeitigen Ungleichgewichte in der Lebensmittelversorgungskette gefährdet ist; fordert mehr Transparenz und Fairness in der Lebensmittelversorgungskette und die Beseitigung unlauterer Handelspraktiken und anderer Marktverzerrungen, um ein angemessenes Einkommen für Landwirte, angemessene Gewinne und faire Preisbildung entlang der gesamten Nahrungsmittelversorgungskette sowie die Lebensfähigkeit des Agrarsektors zu gewährleisten, der für Ernährungssicherheit sorgt; fordert die Kommission daher auf, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Ziele so zeitnah wie möglich zu erreichen;

19.    hält es für geboten, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten Strategien zur Bekämpfung der unlauteren Methoden fördern, deren Anwendung im Rahmen des Hochrangigen Forums der Kommission für die Verbesserung der Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette festgestellt wurde;

20.    betont, dass dem Bodenverbrauch und der Aufgabe von Grenzertragsböden im Interesse der Ernährungssicherheit entschieden entgegengewirkt werden muss;

21.    unterstreicht die wichtige Rolle der Entwicklung des ländlichen Raums für das wirtschaftliche und soziale Wachstum dieser Gebiete und fordert, dass junge Landwirte unterstützt werden;

22.    fordert die Kommission auf, sich angesichts der internationalen Debatte im Rahmen der 21. Tagung der Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen in Paris um ein ehrgeiziges internationales Übereinkommen zu bemühen, in dem auf Nahrungsmittel zur Eindämmung des Klimawandels eingegangen wird;

23.    fordert den Rat auf, die Rolle des gesamten Agrarsektors bei der Eindämmung des Klimawandels und der Anpassung an seine Folgen anzuerkennen;

24.    fordert die Kommission auf, die Verschwendung von Lebensmitteln mit ehrgeizigen, klar umrissenen und verbindlichen Zielen anzugehen, indem sie die Mitgliedstaaten dazu anhält, auf allen Ebenen der Versorgungskette – von der Erzeugung bis zum Verbrauch – Maßnahmen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu ergreifen;

25.    fordert die Mitgliedstaaten auf, ihre Bürger aufzuklären, bewährte Verfahren zu fördern und zu verbreiten, Analysen durchzuführen, öffentliche Kampagnen – unter anderem an Schulen – über Lebensmittelverschwendung und über die große Bedeutung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung unter Bevorzugung vor Ort erzeugter Lebensmittel einzuleiten und 2016 zum „Europäischen Jahr der Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung“ zu erklären;

26.    ist der Ansicht, dass es wichtig ist, den Dialog mit den Interessenträgern zu suchen, um dafür zu sorgen, dass nichtverkaufte, aber sichere und essbare Lebensmittel systematisch wohltätigen Organisationen zur Verfügung gestellt werden;

27.    fordert die Mitgliedstaaten und die Kommission nachdrücklich auf, sich noch stärker für eine gesunde und bewusste Ernährung und Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards in der Ernährung einzusetzen, was Forschungs- und Bildungsprogramme betrifft, um bereits im Kindesalter in den Schulen eine verantwortungsbewusste und gesunde Lebensführung zu fördern, und durch die Weiterentwicklung ihrer Politik auf die Beseitigung der Unter- und Fehlernährung und die Vorbeugung von Fettleibigkeit hinzuarbeiten;

28.    weist darauf hin, dass es wichtig ist, die Aufklärung über eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu fördern, wozu auch die Unterstützung lokaler Erzeugnisse und traditioneller Ernährungsgewohnheiten und die Aufklärung darüber gehören;

29.    plädiert mit Nachdruck dafür, dass das gesamte Nahrungsmittelsystem, zu dem die Landwirtschaft gehört, zusammen mit der Handels-, Gesundheits-, Bildungs-, Klima- und Energiepolitik auf einem den Menschenrechten unterliegenden Ansatz beruhen sollte, bei dem die EU eine Vorreiterrolle einnimmt;

30.    fordert daher, dass bei sämtlichen Maßnahmen, mit denen die Ernährungsunsicherheit bekämpft werden soll, die geschlechtsspezifische Dimension berücksichtigt und die Stärkung der Rolle der Frau gefördert wird;

31.    betont erneut, wie wichtig es ist, die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern zu fördern und einen angemessenen Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe der EU für den Agrarsektor bereitzustellen; hält es für bedauernswert, dass es seit den achtziger Jahren einen dramatischen Einbruch bei der Höhe der für die Landwirtschaft bereitgestellten Entwicklungshilfe gegeben hat, und begrüßt, dass das Erfordernis anerkannt wurde, diesen Trend umzukehren;

32.    vertritt die Auffassung, dass die Situation von Frauen in der Landwirtschaft verbessert werden muss, insbesondere in den AKP-Staaten (Staaten in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean), da sich gezeigt hat, dass die Stärkung der Rechte von Frauen in ländlichen Gebieten und das Investieren einen erheblichen Produktivitätsanstieg und eine Verringerung von Hunger und Unterernährung zur Folge hat;

33.    fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, sich vorrangig mit Kooperationsprogrammen zu befassen, die auf Mikrokrediten basieren und die darauf abzielen, kleine und ökologisch nachhaltig wirtschaftende Betriebe, die in erster Linie für den Markt vor Ort produzieren, zu unterstützen;

34.    fordert die Kommission auf, die gemeinschaftlichen Strategien im Lebensmittelbereich entlang der gesamten Versorgungskette nachhaltiger auszurichten und den biologischen und biodynamischen Anbau und die Vermarktung vor Ort stärker zu berücksichtigen;

35.    beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung der Kommission, dem Rat sowie den mit der EXPO 2015 in Mailand Beauftragten der teilnehmenden Mitgliedstaaten zu übermitteln.

(1)

ABl. C 136 E, 11.5.2012, S. 8.

(2)

ABl. C 227 vom 6.8.2013, S. 25.

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