Verfahren : 2015/2730(RSP)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : B8-0573/2015

Eingereichte Texte :

B8-0573/2015

Aussprachen :

Abstimmungen :

PV 11/06/2015 - 5.5
CRE 11/06/2015 - 5.5
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P8_TA(2015)0233

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
PDF 161kWORD 85k
Siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-0548/2015
8.6.2015
PE558.927v01-00
 
B8-0573/2015

eingereicht im Anschluss an Erklärungen des Rates und der Kommission

gemäß Artikel 123 Absatz 2 der Geschäftsordnung


zu aktuellen Enthüllungen von Korruptionsfällen auf hoher Ebene in der FIFA (2015/2730(RSP))


Curzio Maltese, Pablo Iglesias, Marisa Matias, Eleonora Forenza, Lynn Boylan, Patrick Le Hyaric, Fabio De Masi, Kostadinka Kuneva, Lola Sánchez Caldentey, Sofia Sakorafa im Namen der GUE/NGL-Fraktion

Entschließung des Europäischen Parlaments zu aktuellen Enthüllungen von Korruptionsfällen auf hoher Ebene in der FIFA (2015/2730(RSP))  
B8‑0573/2015

Das Europäische Parlament,

–       unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 18. Januar 2011 mit dem Titel „Entwicklung der europäischen Dimension des Sports“ (COM(2011)0012),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 2. Februar 2012 zu der europäischen Dimension des Sports(1),

–       unter Hinweis auf das Weißbuch der Kommission vom 11. Juli 2007 zum Thema Sport (COM(2007)0391),

–       unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission vom 6. Juni 2011 mit dem Titel „Korruptionsbekämpfung in der EU“ (COM(2011)0308),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 14. März 2013 zu Ergebnisabsprachen und Korruption im Sport(2),

–       unter Hinweis auf seine Entschließung vom 23. Oktober 2013 zu organisiertem Verbrechen, Korruption und Geldwäsche: Empfohlene Maßnahmen und Initiativen(3),

–       unter Hinweis auf die Mitteilung der Kommission über die Korruptionsbekämpfung in der EU vom 3. Februar 2014 (COM(2014)0038);

–       unter Hinweis auf den Rahmenbeschluss 2003/568/JI des Rates vom 22. Juli 2003 zur Bekämpfung der Bestechung im privaten Sektor(4),

–       unter Hinweis auf die Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten vom 21. Mai 2014 zu dem Arbeitsplan der Europäischen Union für den Sport (2014-2017)(5),

–       unter Hinweis auf das „Stockholmer Programm – Ein offenes und sicheres Europa im Dienste und zum Schutz der Bürger“,

–       unter Hinweis auf die Einigung über den Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung (vierte Richtlinie über die Bekämpfung der Geldwäsche – COM(2013)0045),

–       unter Hinweis auf die Entschließung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats vom 23. April 2015 über die Reform des Ordnungsrahmens für den Fußball,

–       unter Hinweis auf die Konvention der Vereinten Nationen über den Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen vom 18. Dezember 1990,

–       unter Hinweis auf die wichtigsten Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), das Übereinkommen (Nr. 29) über Zwangsarbeit von 1930 und das Übereinkommen (Nr. 105) über die Abschaffung der Zwangsarbeit von 1957,

–       unter Hinweis auf die Ratifizierung des Übereinkommens (Nr. 29) über Zwangsarbeit durch Katar im Jahr 1998,

–       unter Hinweis auf Artikel 2 der FIFA-Statuten, der zu den Zwecken der FIFA Folgendes zählt: „Integrität, Ethik und Fairplay zu fördern und dadurch zu verhindern, dass Methoden oder Praktiken wie Korruption, Doping oder Spielmanipulation vorkommen, die die Integrität der Spiele, Wettbewerbe, Spieler, Offiziellen und Mitglieder gefährden oder zu Missbräuchen des Association Football führen könnten“,

–       gestützt auf Artikel 123 Absatz 2 seiner Geschäftsordnung,

A.     in der Erwägung, dass am 27. Mai 2015 in Zürich 14 FIFA-Funktionäre, einschließlich des Vizepräsidenten der FIFA, von den Schweizer Behörden festgenommen wurden; in der Erwägung, dass die Festnahmen auf Antrag des Justizministeriums der USA aufgrund von Vorwürfen der Geldwäsche, Schutzgelderpressung, Bestechung und des Betrugs erfolgten;

B.     in der Erwägung, dass das FBI der USA gegen die 14 festgenommenen FIFA-Funktionäre wegen Korruption mit Schmiergeldern im Wert von über 150 Mio. US-Dollar ermittelt;

C.     in der Erwägung, dass es erwiesen ist, dass die FIFA seit vielen Jahren als keiner Rechenschaftspflicht unterliegende, undurchsichtige und notorisch korrupte Organisation gearbeitet hat; in der Erwägung, dass die jüngsten Festnahmen bestätigen, dass Betrug und Korruption in der FIFA systemisch, weit verbreitet und anhaltend und keine isolierten Fälle von Fehlverhalten sind, wie dies der bisherige FIFA-Präsident Joseph Blatter behauptete;

D.     in der Erwägung, dass darüber hinaus von den Schweizer und US-amerikanischen Behörden gesonderte Ermittlungen zu der Frage eingeleitet wurden, wie die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar vergeben wurden;

E.     in der Erwägung, dass die Wiederwahl Joseph Blatters zum Präsidenten durch die FIFA und ihr Beschluss, die Erkenntnisse einer internen Untersuchung zur Wahl Russlands und Katars zu Gastgebern der Weltmeisterschaft 2018 bzw. 2022 nicht zu veröffentlichen, belegen, dass sie auf unverantwortliche und sich jeglicher Rechenschaftspflicht entziehende Weise gehandelt hat und nach wie vor nicht bereit ist, sich zu reformieren oder die Veränderungen vorzunehmen, die notwendig sind, um den Ordnungsrahmen des internationalen Fußballs zu verbessern;

F.     in der Erwägung, dass der Rücktritt von Joseph Blatter und die Festnahme der FIFA-Funktionäre (obwohl sie bereits vor langer Zeit hätten erfolgen können) die Voraussetzungen für eine radikale Reform der Strukturen und Verfahren der FIFA geschaffen haben, um ihren Ordnungsrahmen zu verbessern und die Korruption in der Organisation zu bekämpfen;

G.     in der Erwägung, dass die Integrität von Sportverbänden von großer Bedeutung ist, da sowohl der Berufs- als auch der Amateursport eine entscheidende Rolle bei der weltweiten Förderung des Friedens, der Achtung der Menschenrechte und der Solidarität spielen, für Gesellschaften gesundheitspolitische und wirtschaftliche Vorteile erbringen und ihnen eine zentrale Rolle zukommt, wenn es darum geht, grundlegende pädagogische und kulturelle Werte hervorzuheben und die soziale Inklusion zu fördern;

H.     in der Erwägung, dass große Sportereignisse außerordentliche Möglichkeiten für die Verbreitung der mit dem Sport verbundenen Werte und Grundsätze bieten;

I.      in der Erwägung, dass Sport ein großer und schnell wachsender Wirtschaftszweig der EU ist, der einen wichtigen Beitrag zum Wachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen leistet und dessen Auswirkungen auf Wertschöpfung und Beschäftigung durchschnittliche Wachstumsraten übersteigen;

J.      in der Erwägung, dass Fußball ein gesellschaftlich in hohem Maße wahrgenommener Sport ist, der einen den höchsten Standards entsprechenden Ordnungsrahmen benötigt; in der Erwägung, dass der Ordnungsrahmen des internationalen Fußballs dringend einer Reform bedarf;

K.     in der Erwägung, dass die Situation in der FIFA das Ergebnis eines von oben nach unten gerichteten Verantwortungsprozesses ist, und die derzeitige Lage nicht so wäre, wie sie ist, wenn die kontinentalen und nationalen Fußballverbände jede mögliche von unten ausgehende Anstrengung unternommen hätten, diese Geschehnisse zu verhindern und zu stoppen;

L.     in der Erwägung, dass Korruption ein Bereich besonders schwerer Kriminalität mit grenzüberschreitender Dimension ist und oft Auswirkungen über die EU-Grenzen hinweg und darüber hinaus hat; in der Erwägung, dass die Europäische Union verpflichtet ist, im Bereich Korruptionsbekämpfung tätig zu werden;

M.    in der Erwägung, dass gemäß Artikel 67 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) die Union dazu verpflichtet ist, ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten, unter anderem durch Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Kriminalität sowie durch die Angleichung der strafrechtlichen Rechtsvorschriften; in der Erwägung, dass gemäß Artikel 83 AEUV Korruption ein Bereich besonders schwerer Kriminalität mit grenzüberschreitender Dimension ist;

N.     in der Erwägung, dass die Korruption, wenn sie nicht unverzüglich und gründlich bekämpft wird, weiter das Vertrauen in den Sport untergraben und die Integrität des Sports insgesamt gefährden kann;

O.     in der Erwägung, dass Kommission und Rat die Notwendigkeit einer Partnerschaft zwischen den Führungsgremien des Fußballs und den öffentlichen Behörden im Interesse eines verantwortungsvollen Ordnungsrahmens des Fußballsports, der die für den Profisport charakteristische Selbstverwaltung respektiert, anerkannt haben, was zu einem strukturierten Dialog über Sport führte;

P.     in der Erwägung, dass Transparenz, Rechenschaftspflicht und Demokratie – also die Kennzeichnen einer guten Verwaltung – in Sportverbänden Voraussetzungen für die Selbstverwaltung sind und innerhalb des Sports notwendig sind, um Betrug und Korruption im Sport strukturiert und wirksam vorzubeugen und zu bekämpfen;

Q.     in der Erwägung, dass das Mitglied der Kommission mit der Zuständigkeit für Bildung, Kultur, Jugend und Sport die jüngsten Entwicklungen in der FIFA verurteilte und die Wiederherstellung von Vertrauen und die Schaffung eines soliden Systems guter Verwaltung in der FIFA forderte;

R.     in der Erwägung, dass das Parlament die Führungsgremien des Fußballs aufgefordert hat, Demokratie, Transparenz, Legitimität und Rechenschaftspflicht (d. h. Finanzprüfung durch unabhängige Rechnungsprüfer) zu verbessern sowie eine gute Verwaltung zu schaffen, und die Kommission aufgefordert hat, Leitlinien vorzugeben, anhand derer eine legitime und angemessene Selbstregulierung unterstützt werden kann,

S.     in der Erwägung, dass der Kampf gegen die Korruption zu den vorrangigen Zielen des Programms von Stockholm gehört, das der Leitfaden die Tätigkeit der Kommission im Bereich Justiz und Inneres ist;

T.     in der Erwägung, dass der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) im letzten Monat auf der Grundlage der von der nepalesischen bzw. der indischen Botschaft in Katar mitgeteilten Sterblichkeitsrate berichtete, dass zwischen 2011 und Mai 2015 mindestens 1 993 Wanderarbeitnehmer in Katar gestorben sind; in der Erwägung, dass – wenn dieser Trend anhält – mehr als 4 000 Wanderarbeitnehmer gestorben sein werden, bevor die FIFA-Weltmeisterschaft 2022 beginnt;

U.     in der Erwägung, dass die drei folgenden Hauptursachen für den Tod von Bauarbeitern aus anderen Ländern festzustellen sind: a) Herzinsuffizienz als Folge des Zwangs, an der Infrastruktur für die Weltmeisterschaft in Temperaturen zu arbeiten, die zwischen Juni und September mehr als 50 Grad Celsius betragen können; b) Arbeitsunfälle, und c) Krankheiten aufgrund von elenden Lebensbedingungen in Arbeitslagern, wobei alle Ursachen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen stehen;

V.     in der Erwägung, dass Arbeitgeber im „Kafāla-System“ die fast totale Kontrolle über die Bewegungen der Wanderarbeitnehmer haben; in der Erwägung, dass die illegale Praxis der Einziehung von Reisepässen vom IGB als „nahezu flächendeckend“ bezeichnet wird; in der Erwägung, dass die Androhung der Abschiebung durch den einstellenden Arbeitgeber genutzt wird, um die Rechte der Wanderarbeitnehmer zu verletzen;

W.    in der Erwägung, dass Artikel 2 Absatz 1 des Übereinkommens über Zwangsarbeit für die Feststellung von Zwangsarbeit das Vorhandensein von drei Elementen vorsieht: das Erzwingen von Arbeit, das fehlende Einverständnis und eine Strafe;

X.     in der Erwägung, dass die IAO bei der Untersuchung einer Beschwerde gegen Katar gemäß Artikel 24 der Verfassung der IAO, die vom IGB und der Bau- und Holzarbeiter-Internationale (BHI) eingereicht wurde, im März 2014 in dem Bericht seines Generaldirektors zu dem Ergebnis kam, dass in bestimmten Fällen die drei notwendigen Elemente der Zwangsarbeit in der Situation der Wanderarbeitnehmer, die angestellt wurden, um die Infrastruktur für die FIFA-Weltmeisterschaft 2022 zu errichten, vorlag;

1.      unterstützt die Anklage, der zufolge die Korruption innerhalb der FIFA zügellos, systembedingt und tief verwurzelt ist;

2.      begrüßt den Rücktritt Joseph Blatters als Präsident der FIFA und die derzeitigen strafrechtlichen Ermittlungen, die – obgleich beide früher hätten erfolgen sollen – Reformen auslösen sollten, um für uneingeschränkte Transparenz und Rechenschaftspflicht auf allen Ebenen der FIFA zu sorgen;

3.      fordert die Kommission auf, in Absprache mit den Mitgliedstaaten und in Zusammenarbeit mit Interpol, Europol und Eurojust alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen und jedes mögliche Anzeichen für Korruption auf Seiten der FIFA oder der Funktionäre kontinentaler oder nationaler Fußballverbände im EU-Gebiet zu verfolgen und mit den amerikanischen und schweizerischen Ermittlungsbehörden uneingeschränkt zusammenzuarbeiten;

4.      unterstreicht die große Bedeutung der Ermittlungen der schweizerischen und amerikanischen Justizbehörden zu den Entscheidungen des FIFA-Exekutivkomitees, die Weltmeisterschaften 1998, 2010, 2018 bzw. 2022 an Frankreich, Südafrika, Russland bzw. Katar zu vergeben; fordert die FIFA in diesem Zusammenhang auf, den „Bericht über die Untersuchung des Vergabeverfahrens für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022“ (Garcia-Bericht) vollständig zu veröffentlichen;

5.      ist davon überzeugt, dass tiefgreifende strukturelle Reformen innerhalb der FIFA dringend erforderlich sind;

6.      fordert die FIFA auf, diese Reformen durchzuführen, um für Transparenz und Rechenschaftspflicht zu sorgen und offene, ausgewogene und demokratische Entscheidungsprozesse innerhalb des Verbandes zu gewährleisten;

7.      ist der Auffassung, dass dies einen umfassenden Reformprozess einschließlich einer Überarbeitung der Statuten, der Struktur, der Reglements und der operativen Strategien und Verfahren der FIFA erfordern wird;

8.      ist der Auffassung, dass die Einführung von Amtszeitbegrenzungen und unabhängiger Sorgfaltsprüfung für Mitglieder des Exekutivkomitees einschließlich des Präsidenten und Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsprozesse und der Gehälter des höheren und gehobenen Managements wesentliche Voraussetzungen für die Wiederherstellung von Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind;

9.      betont, dass die FIFA eine externe und vollkommen unabhängige Finanzprüfung durchführen lassen muss, bei der die Zuverlässigkeit ihrer Jahresabschlüsse bewertet wird;

10.    fordert die FIFA auf, strenge ethische Normen und einen Verhaltenskodex für ihre Leitung und ihr Exekutivkomitee einzuführen, die von einem unabhängigen Aufsichtsorgan überwacht werden;

11.    fordert alle unter Vertrag stehenden Sponsoren und Sender auf, einen Reformprozess innerhalb der FIFA zu fordern und zu unterstützen, indem sie öffentliche Erklärungen gegen Korruption im Sport abgeben, und ihren Worten durch Ausübung anhaltenden Drucks Taten folgen zu lassen;

12.    betont, dass beim Vorgehen gegen Korruption im Sport in Anbetracht ihres transnationalen Charakters eine wirksamere Zusammenarbeit zwischen allen Interessenträgern, einschließlich öffentlicher Behörden, Strafverfolgungsbehörden, der Sportindustrie, Athleten und Unterstützer, die eine wichtige Rolle im gesamten Ordnungsrahmen für den Fußball spielen sollten, erforderlich ist, wobei in diesem Zusammenhang besonderes Augenmerk auch auf die Aufklärung und Prävention zu legen ist;

13.    erinnert daran, dass eine verantwortungsvolle Verwaltung im Sport eine Voraussetzung für die Autonomie und die Selbstregulierung von Sportverbänden im Einklang mit den Grundsätzen der Transparenz, der Rechenschaftspflicht und der Demokratie bildet; betont, dass es bei Korruption im Sport keine Toleranz geben darf; unterstreicht die Notwendigkeit einer angemessenen Vertretung aller Interessenträger, einschließlich Unterstützer, im Entscheidungsprozess; stellt fest, dass bewährte Verfahren anderer Sportverbände übernommen werden können;

14.    fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, die Arbeit und die Maßnahmen im Hinblick auf einen soliden Ordnungsrahmen innerhalb des Arbeitsplans der EU für den Sport zu verstärken, ihnen Vorrang einzuräumen und dafür zu sorgen, dass die nationalen Verbände in Maßnahmen für einen besseren Ordnungsrahmen auf europäischer und internationaler Ebene umfassend beteiligt werden;

15.    fordert die Mitgliedstaaten auf, die Zusammenarbeit in Europa im Bereich der Strafverfolgung durch gemeinsame Ermittlungsgruppen und die Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden auszubauen; betont, dass Maßnahmen eingeführt und wirksam durchgesetzt werden müssen, um rechtswidrige Tätigkeiten im Sport zu bekämpfen und die tatsächliche Integrität ihrer Leitungsverbände zu gewährleisten;

16.    fordert die Kommission auf zu prüfen, ob die kürzlich erfolgte Einigung über EU-Rechtsvorschriften über Geldwäsche ausreicht, um Geldwäsche durch in der EU registrierte Führungsgremien des Sports und ihre Funktionäre zu bewältigen, und ob es einer Anpassung bedarf, um eine ausreichende Prüfung ihrer Bankkonten zu ermöglichen;

17.    beharrt darauf, dass der Kampf gegen Korruption im Hinblick auf die FIFA-Führung auch mit eindeutigen Zusagen und Maßnahmen seitens der FIFA gegen andere Formen der Korruption, insbesondere Spielabsprachen, einhergehen muss;

18.    betont, dass künftigen Reformen innerhalb des Berufsfußballs wesentliche Bestimmungen zum Schutz der Rechte der Sportler, Trainer und Mannschaften enthalten müssen; unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass die Inhaberschaft Dritter an Transferrechten von Spielern im europäischen Sport und die Ausbeutung von Minderjährigen mit Verträgen, die sie frühzeitig binden, angesprochen werden muss;

19.    erinnert daran, dass es eindeutige und transparente Regeln für die Vergabe von Weltmeisterschaften geben muss und dass angemessene Informations- und Aufsichtsmechanismen geschaffen werden müssen, damit dieses Verfahren Gleichheit zwischen Bewerberländern und eine ausschließlich auf der Qualität ihrer Projekte beruhende abschließende Entscheidung garantiert;

20.    hebt hervor, dass es wichtig ist, dafür zu sorgen, dass bei den nachfolgenden Ermittlungen zu in der Vergangenheit liegenden Korruptionspraktiken innerhalb der FIFA, sofern es gerechtfertigt ist, alle in finanzielles Fehlverhalten verwickelten Funktionäre aus ihren Ämtern entfernt und die Entscheidungen, die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland bzw. Katar zu vergeben, überprüft werden; fordert die EU auf, diesen Prozess genau zu verfolgen und die notwendigen Voraussetzungen für eine unvoreingenommene externe Ermittlung zu ermöglichen;

21.    verurteilt die tragischen und unnötigen Todesfälle von Wanderarbeitnehmern in Katar seit der Bekanntgabe der Gastgeberschaft für die Weltmeisterschaft 2022, und spricht den Familien der Arbeitnehmer, die ums Leben gekommen sind, sein Beileid aus;

22.    fordert die FIFA angesichts des Todes von mehr als 1 993 Wanderarbeitnehmern in Infrastrukturprojekten für die Weltmeisterschaft und der Enthüllungen von Korruption und Bestechung bei der Vergabe des Turniers auf, die Abstimmung über den Gastgeber der Weltmeisterschaft 2022 zu wiederholen;

23.    äußert seine Sorge über die Situation der Wanderarbeitnehmer in Katar, einschließlich gefährlicher Arbeitsbedingungen, Zwang in extremer Hitze sechs Tage in der Woche zu arbeiten, lange Arbeitszeiten und Zwang, in überfüllten und elenden Arbeitslagern zu leben;

24.    fordert Katar auf, das internationale Übereinkommen über den Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen zu ratifizieren, dementsprechende Rechtsvorschriften zu erlassen und durchzusetzen; fordert die Regierung Katars auf, das Übereinkommen der IAO über Zwangsarbeit von 1930 unverzüglich und wirksam umzusetzen; fordert Katar auf, andere Übereinkommen der IAO zu ratifizieren, dementsprechende Rechtsvorschriften zu erlassen und durchzusetzen, die die Vereinigungsfreiheit, das Recht, Gewerkschaften zu bilden und ihnen beizutreten sowie die Organisation und die Durchführung von Tarifverhandlungen garantieren sowie der Misshandlung von Wanderarbeitnehmern und einheimischen Arbeitnehmern vorzubeugen;

25.    fordert die Regierung Katars auf, das „Kafāla-System“, mit dem Wanderarbeitnehmer an ihre Arbeitgeber gebunden sind, unverzüglich aufzuheben; fordert die Abschaffung der Vermittlungsgebühren und ein Ende des Systems, in dem Wanderarbeitnehmer die Erlaubnis ihres Arbeitgebers benötigen, um die Arbeitsstelle zu wechseln und/oder das Land zu verlassen;

26.    unterstützt die Kampagne des IGB und nichtstaatlicher Organisationen, Sponsoren der FIFA aus der Wirtschaft aufzurufen, der Organisation die Sponsorschaft zu entziehen, bis die Weltmeisterschaft 2022 entweder neu vergeben wurde oder die Arbeitnehmerrechte in Katar sichergestellt sind;

27.    fordert alle internationalen Sportverbände, insbesondere das Internationale Olympische Komitee (IOC), die FIFA und die Union des Associations Européennes de Football (Europäische Fußballunion, UEFA), auf, dafür zu sorgen, dass sich jedes Land, das sich darum bewirbt, ein großes Sportereignis auszurichten, verpflichtet, sich in allen Tätigkeiten, die mit der Organisation und Durchführung der Veranstaltung zusammenhängen, an die internationalen Standards in Bezug auf grundlegende Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte zu halten, und damit menschenwürdige Arbeitsbedingungen entsprechend der Übereinkommen der UN und der IAO in allen betroffenen Tätigkeiten zu sichern;

28.    fordert die internationalen Sportverbände auf, Verfahren zur Prüfung der Integrität und Mechanismen zur Verhütung, Aufdeckung und Bestrafung aller Akte von Korruption und Missbrauch von Finanzmitteln einzuführen;

29.    betont, dass sich die Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA und deren Mangel an Glaubwürdigkeit verheerend auf die gesamte Fußball-Pyramide auswirken werden, und zwar von den höchsten Klassen des Profifußballs bis hin zu Amateurvereinen an der Basis;

30.    erachtet es als bedauerlich, dass der erbärmliche Zustand innerhalb der FIFA für den Ruf des Fußballs insgesamt äußerst negativ ist;

31.    betont nachdrücklich, dass der Fußball als Sportart für die Kultur der Korruption irrelevant ist und mit allen Mitteln davor bewahrt werden muss, wegen der aktuellen Entwicklungen innerhalb der FIFA stigmatisiert zu werden; bekräftigt, dass der Fußball und der Sport insgesamt eine nachhaltige positive Wirkung auf das Alltagsleben von Millionen Bürgern, insbesondere Jugendlichen, haben;

32.    fordert die UEFA und die nationalen Fußballverbände auf, ihre Bemühungen zu verstärken, innerhalb der FIFA grundlegende Reformmaßnahmen durchzuführen und insbesondere bis Ende 2016 die in dieser Entschließung dargelegten Empfehlungen sowohl unmittelbar als auch über ihre Vertreter im FIFA-Exekutivkomitee umzusetzen;

33.    beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat und der Kommission, den Regierungen und Parlamenten der Mitgliedstaaten, der Fédération Internationale de Football Association (Fußball-Weltverband, FIFA), der Union des Associations Européennes de Football (UEFA), den nationalen Fußballverbänden, der Association of European Professional Football Leagues (Verband europäischer professioneller Fußballligen, EPFL), der European Club Association (Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine, ECA) und der Fédération Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels (weltweit tätige Vertretung von Profifußballern, FIFPro) zu übermitteln.

(1)

ABl. C 239 E vom 20.8.2013, S. 46.

(2)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0098.

(3)

Angenommene Texte, P7_TA(2013)0444.

(4)

ABl. L 192 vom 31.7.2003, S. 54.

(5)

ABl. C 183 vom 14.6.2014, S. 12.

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