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Verfahren : 2006/2231(INI)
Werdegang im Plenum
Entwicklungsstadium in Bezug auf das Dokument : A6-0450/2006

Eingereichte Texte :

A6-0450/2006

Aussprachen :

PV 31/01/2007 - 21
CRE 31/01/2007 - 21

Abstimmungen :

PV 01/02/2007 - 7.9
CRE 01/02/2007 - 7.9
Erklärungen zur Abstimmung

Angenommene Texte :

P6_TA(2007)0019

Ausführliche Sitzungsberichte
Mittwoch, 31. Januar 2007 - Brüssel Ausgabe im ABl.

21. Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung: eine europäische Dimension zur Verhinderung von Übergewicht, Adipositas und chronischen Krankheiten (Aussprache)
Protokoll
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  Der Präsident. Als nächster Punkt folgt der Bericht von Frédérique Ries im Namen des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit über „Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung: eine europäische Dimension zur Verhinderung von Übergewicht, Adipositas und chronischen Krankheiten“ (2006/2231(INI)) (A6-0450/2006).

 
  
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  Frédérique Ries (ALDE), Berichterstatterin. – (FR) Herr Präsident, ich möchte zunächst meinen Kollegen Schattenberichterstattern danken, die anwesend sind: Herr Bushill-Matthews, Frau McAvan, Frau Evans, Frau Sinnott und Frau Belohorská. Ich muss sagen, dass meine Zusammenarbeit mit ihnen seit meiner Ernennung zur Berichterstatterin vor neun Monaten sehr eng und gewinnbringend gewesen ist.

Ich nenne in diesem Bericht einige sehr bemerkenswerte Zahlen: 38 % der Frauen, 27 % der Männer und fast 5 Millionen Kinder in der EU sind als fettleibig einzustufen, und es gibt jährlich zwischen 300 000 und 400 000 neue Fälle bei den kleinsten Kindern. Die Situation ist zugleich einfach und erschreckend. Im Jahr 2000 hat die WHO Fettleibigkeit als größtes Gesundheitsproblem in den Ländern der westlichen Welt bezeichnet. Dies erstaunt kaum, wenn durchschnittlich 6 % der nationalen Gesundheitsausgaben für Krankheiten aufgewendet werden, die durch Übergewicht verursacht werden: Typ-II-Diabetes, Erkrankungen der Atemwege, Herzerkrankungen und andere Beschwerden. Doch abgesehen von diesen Zahlen ist besonders besorgniserregend, dass sich diese Krankheit heute weiter ausbreitet.

An dieser Stelle ist eine erste Feststellung zu machen, der alle zustimmen werden: Wir haben nicht rechtzeitig gehandelt, und wenn ich sage „wir“, meine ich die Regierungen, die Gesundheitsämter und Bildungsbehörden und auch uns, als Eltern.

Meine zweite Feststellung ist ebenso nahe liegend: Es ist nicht einfach, die Fettleibigkeit und alle ihre gesundheitlichen Folgen wirksam zu bekämpfen. Dies erfordert ein umfassendes, ganzheitliches Vorgehen, das so verschiedene Faktoren wie Vererbung, Lebensweise und Erziehung zu einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung berücksichtigt, und dies möglichst ab der frühesten Kindheit. Hierbei spielen der familiäre und berufliche Hintergrund eine entscheidende Rolle. Wir dürfen nicht darüber hinwegsehen, dass unsichere Arbeitsverhältnisse und Armut Faktoren sind, die Fettleibigkeit zuweilen auslösen und auf jeden Fall weiter zunehmen lassen.

Drittens möchte ich feststellen, dass wir nicht bei Null anfangen. Es gibt derzeit etwa sechzig Initiativen zur Vorbeugung von Fettleibigkeit und zur Förderung körperlicher Betätigung, die auf europäischer Ebene Beachtung finden oder verdienen, wie beispielsweise Fleurbaix und Laventie sowie Food Dudes, um nur zwei von ihnen zu nennen.

Wie bereits wiederholt gesagt wurde, muss Europa zu diesem Kampf nicht nur mit Worten, sondern auch mit umfangreichen Taten beitragen. Wenn Europa einen echten Mehrwert erbringen will, muss es Ernährung und körperliche Bewegung bereichsübergreifend in die Teile der Gemeinschaftspolitik integrieren, für die glücklicherweise die umfangreichsten Haushaltsmittel der Europäischen Union zur Verfügung stehen: die gemeinsame Agrarpolitik, das siebte Forschungsrahmenprogramm und die Strukturfonds. Ich begrüße auch, dass im Rahmen der Reform der GMO für Obst und Gemüse, die in der letzten Woche von Kommissarin Fischer Boel eingeleitet wurde, eine der sieben Prioritäten – der sieben Hauptziele – darin besteht, den Verzehr dieser Lebensmittel mit hohem Nährstoffgehalt zu fördern.

Ich möchte in diesem Hohen Haus, wie auch im Bericht, erneut darauf hinweisen, dass ich einer Politik der Anreize, Preissenkungen, Steuersenkungen und anderen Vergünstigungen den Vorzug vor einer Besteuerung kalorienhaltiger Erzeugnisse nach dem Beispiel der „fat tax“ gebe, die letztendlich vor allem die ärmsten Haushalte in Europa treffen würde.

Ich begrüße alle Kompromisse, die wir bei unserer Arbeit zu wichtigen Fragen in diesem Bericht erzielen konnten. Ich will nicht alle, aber doch ein oder zwei davon nennen. Den Kompromiss zu Ziffer 4, in der empfohlen wird, dass alle Mitgliedstaaten nach dem Vorbild der WHO Fettleibigkeit offiziell als chronische Krankheit anerkennen: dies ist eine weit reichende Forderung, die von den Patientenverbänden unterstützt wird, und die wir übernehmen müssen. Dies ist zweifellos auch der sicherste Weg, zu verhindern, dass bestimmte Menschen in unserer Gesellschaft stigmatisiert werden, und sicherzustellen, dass die Gesundheitssysteme eine angemessene Behandlung gewährleisten. Dann den Kompromiss zu den Ziffern 16 und 17, in denen die Bedeutung der Schulen hervorgehoben wird, Kindern eine gesunde Lebensführung nahe zu bringen – sei es nun in den Schulkantinen oder auf den Sportplätzen. Und schließlich den Kompromiss zu Ziffer 30 über die dringende Notwendigkeit, unsere Vorschläge zu übernehmen und eine vereinfachte und harmonisierte Form der Kennzeichnung von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an Salz, Zucker und bestimmten Fetten vorzusehen.

Ich möchte zudem betonen, dass ich die Sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament und die Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz in ihrer Kritik an kalorienreichen Erzeugnissen unterstütze. Ja, wir müssen mit dieser etwas anstrengenden politischen Korrektheit, die zu Untätigkeit führt, aufhören. Wer kann heute noch glauben und behaupten, dass es aus ernährungstechnischer Sicht keine guten und schlechten Lebensmittel gibt? Die Tatsache, dass es schlechte Lebensmittel gibt, zeigt, dass die Europäische Union auch die Senkung des Verbrauchs an gesättigten Fettsäuren in Angriff nehmen muss – dies ist Thema von Ziffer 28 –, die für schlechte Cholesterinwerte und damit für eine ganze Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich sind.

Im Übrigen bedauere ich, dass sich unsere Debatten meines Erachtens zu sehr darauf konzentrieren, Fernsehwerbung für Lebensmittel und Getränke mit hohem Zucker-, Salz- und Fettgehalt in Kinderprogrammen zu untersagen. Meines Erachtens wurde diese Frage größtenteils durch unsere Abstimmung über die Änderung der Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ im Dezember 2006 geklärt – also vor kurzer Zeit. Dies kommt in unserem Kompromissänderungsantrag 5 sehr deutlich zum Ausdruck. Mir persönlich würde es schwer fallen, einer Mutter die Logik einer Politik zu erklären, die Fernsehwerbung beispielsweise für Schokoladenriegel untersagt, aber andererseits die gleiche Werbung im Internet oder im Kino gestattet; dies sind die Überlegungen, die hinter Ziffer 24 stehen.

Herr Präsident, ich bin davon überzeugt, dass wir alle hier in diesem Hohen Haus den gleichen Wunsch haben. Zunächst einmal geht es darum, dieser Epidemie Einhalt zu gebieten, in dem innerhalb von vier oder fünf Jahren erkennbare Fortschritte erreicht werden, vor allem in Hinblick auf die Kinder. Außerdem müssen wir versuchen, diesen Trend bis spätestens 2015 durch eine ehrgeizige Politik auf allen Zuständigkeitsebenen, einschließlich der europäischen Ebene, umzukehren. Deshalb setzen wir große Hoffnung in Sie, Kommissar Kyprianou, und in das künftige Weißbuch, das Sie uns im Frühjahr vorlegen werden.

 
  
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  Markos Kyprianou, Mitglied der Kommission. (EN) Herr Präsident! Ich möchte den Bericht des Parlaments zu unserem Grünbuch sehr begrüßen und natürlich Frau Ries zu ihrer exzellenten Arbeit beglückwünschen. Ich kann mich ohne große Umschweife mit ihrem Ansatz im Bericht einverstanden erklären, insbesondere mit der Bekräftigung der Forderung, die öffentliche Gesundheit in das Zentrum der Erwägungen in ganz Europa zu rücken.

Wir alle sind aufgerufen, dies umzusetzen. Hier geht es um eine große Herausforderung, weil eine Veränderung der Lebensweise erforderlich ist, und das ist nicht immer einfach. Wir werden uns langfristig und dauerhaft damit befassen müssen, und wir müssen beharrlich und hartnäckig sein. Dieses komplexe Problem bedarf komplexer Lösungen. Die Kommission hat sich aus diesen gegenseitigen Schuldzuweisungen herausgehalten, da tatsächlich uns alle die Schuld trifft. Wir haben das Problem herannahen sehen, es aber lieber ignoriert; wir waren stets der Meinung, dies sei eher ein Problem für Nordamerika, und ignorierten die Tatsache, dass es immer mehr zu einem europäischen Problem wurde. Daher tragen wir alle die Verantwortung und müssen uns also alle an seiner Lösung beteiligen.

Diesem Thema messen wir eine hohe Priorität bei, und ich kann hier einmal mehr bestätigen, dass Fettleibigkeit unschwer zu einem der größten Gesundheitsrisiken in der Europäischen Union im 21. Jahrhundert werden kann. Es ist notwendig, die Probleme und die Gesundheitsbelange und -schäden zu analysieren, die Fettleibigkeit mit sich bringt. Noch beunruhigender ist die Zunahme der Fettleibigkeit im Kindesalter. Die Zahlen sind wirklich beunruhigend: 40 Millionen Kinder sind heute davon betroffen, und jedes Jahr kommen weitere 400 000 hinzu. Das macht uns wirklich Sorgen.

Die Kommission wird im kommenden Monat ein Weißbuch verabschieden. Bei der Konzipierung und Erarbeitung dieses Papiers – ich möchte es eine Strategie nennen – werden wir die im Bericht enthaltenen Ideen und Meinungen auf jeden Fall berücksichtigen.

Für uns wird dieser Ansatz eine Mischung aus selbstregulierenden, freiwilligen und – warum nicht? – auch Regulierungsmaßnahmen darstellen. In Bezug auf Regulierung brauche ich nur auf die gesundheitsbezogenen Angaben oder die Studie zur Etikettierung von Lebensmitteln zu verweisen, die schon bald veröffentlicht wird, wahrscheinlich noch in diesem Jahr. Natürlich haben wir – wie Sie wissen – die Plattform mit konkreten Verpflichtungen der Interessenvertreter. Diese Verpflichtungen müssen nachprüfbar, kontrollierbar und objektiv unabhängig sein. Wir werden bald den zweiten Monitoring-Bericht zur Plattform veröffentlichen.

Der Bericht berührt viele Fragen und Themen, mit denen wir konform gehen, beispielsweise eine andere Lebensmittelzusammensetzung, Anreizprogramme für Selbstregulierung und die äußerst brisante Frage der Lebensmittelwerbung für Kinder. Die Wahrheit ist, dass wir uns bisher sehr stark auf den Lebensmittelkonsum und die Ernährung konzentriert haben. Jetzt wollen wir stärker auf die körperlichen Aktivitäten eingehen, was ebenfalls ein ernstes Problem für europäische Bürger darstellt. Auch die Mitgliedstaaten tragen hier eine große Verantwortung, und ich möchte auf die Erwähnung des Sportunterrichts im Bericht verweisen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor. Es ist mir sehr unangenehm, feststellen zu müssen, dass die Kinder und Jugendlichen an den Schulen der Europäischen Union sich nicht ausreichend körperlich betätigen. Die große Herausforderung besteht nicht nur darin, sie wieder zu mehr sportlicher Bewegung zu ermuntern, sondern dass sie auch Spaß daran haben. Das ist sehr wichtig. Ich möchte ganz kurz einen Vater zitieren, der mir gegenüber beklagte, dass sein Sohn von der Schule nach Hause kommt und Basketball am Computer spielt, statt draußen auf dem Schulhof das reale Spiel zu spielen. So sieht die Wirklichkeit aus. Ihre Bemerkung zu Videospielen ist sehr wichtig, doch müssen wir auch einen wissenschaftlich fundierteren, fortschrittlicheren, moderneren Weg einschlagen, damit körperliche Betätigung wieder Spaß macht, damit die Schüler und Teenager Spaß am Sport haben. Sport sollte nicht nur für Athleten und Wettkämpfer da sein, sondern für alle.

Wir sind bereits auf die Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Obst und Gemüse eingegangen. Wir erwägen, den Verzehr von Obst und Gemüse zu fördern. Dieser Aspekt ist äußerst bedeutend, aber wir werden uns auch weiterhin mit dem Aspekt der Bezahlbarkeit befassen, da heutzutage gesunde Lebensmittel leider viel teurer sind als das, was wir als „Junkfood“ kennen.

An dieser Stelle möchte ich schließen und der Berichterstatterin nochmals für ihre ausgezeichnete Arbeit danken. Ich versichere Ihnen, dass wir die Ansichten des Parlaments bei der Erarbeitung unserer Strategie in den kommenden Monaten sehr genau prüfen werden.

 
  
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  Anna Hedh (PSE), Verfasserin der Stellungnahme des mitberatenden Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter.(SV) Herr Präsident! Ich freue mich wirklich sehr, dass wir uns jetzt diesem großen Problem widmen, das so viele Menschen betrifft, nicht nur in Europa, sondern auch in großen Teilen der übrigen Welt. Ich habe die Stellungnahme des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter verfasst und hätte mir bei der Erarbeitung dieses Berichts eine deutlichere Gleichstellungsperspektive gewünscht. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass das Parlament die Kommission auffordert, die Geschlechterdimension in Fragen des Übergewichts und der Fettleibigkeit, der Ernährung und der körperlichen Bewegung noch stärker zu berücksichtigen, insbesondere in Bezug auf die Datenerfassung und den Austausch bewährter Verfahren. Wir müssen ferner eine gemeinschaftsweite Kommunikationsstrategie ausarbeiten und dürfen dabei nicht die Unterschiede zwischen Frauen und Männern vergessen. Die Fettleibigkeit von Frauen sollte genauer untersucht werden, insbesondere angesichts der herrschenden Diskriminierung im Gesundheitswesen.

 
  
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  Philip Bushill-Matthews, im Namen der PPE-DE-Fraktion. – (EN) Herr Präsident! Die Weltgesundheitsorganisation hat die Fettleibigkeit als größte Gesundheitsgefahr für den Westen bezeichnet, nachdem sie in den vergangenen 30 Jahren so drastisch zugenommen hat. In vielen EU-Ländern ist mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig, wobei fast jeder dritte Erwachsene als fettleibig gilt. Ferner sind bereits drei Millionen Kinder in Europa als fettleibig anzusehen, und weitere 14 Millionen gelten als übergewichtig. Es wird sogar von Kindern berichtet, die Krankheiten entwickeln, die normalerweise erst im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten, nämlich Diabetes vom Typ II.

Das ist ein riesiges Problem, es verschlimmert sich und betrifft uns alle. In meinem Land hat unsere Nationale Rechnungsprüfungsbehörde die wirtschaftlichen Folgen der Fettleibigkeit auf jährlich etwa eine halbe Milliarde Pfund an Gesundheitsausgaben beziffert, hinzu kommen weitere zwei Milliarden Pfund an Zusatzkosten für die Volkswirtschaft. Als Steuerzahler müssen wir alle für das Problem aufkommen, so dass wir auch alle daran interessiert sind, dass eine Lösung gefunden wird. Es muss ganz klar etwas unternommen werden, aber die Frage ist, wer entscheidet?

Dieser ernste Bericht von Frau Ries macht deutlich, dass nicht die EU die Entscheidungen treffen kann. Von EU-Seite kann Unterstützung kommen, indem u. a. bewährte Vorgehensweisen ausgetauscht und neue Ideen gefördert werden, da der Gesundheitsschutz erklärtermaßen in den Zuständigkeitsbereich der EU fällt. Die ärztliche Versorgung obliegt den Mitgliedstaaten. Allerdings sind nicht nur die Regierungen der Mitgliedstaaten oder die Hersteller von Lebensmitteln und Getränken verantwortlich, sondern auch die Eltern und Kinder selbst. Wir wollen weder einen Babysitter-Staat noch ein Babysitter-Europa, das uns nur das tun lässt, was es als gut für uns erachtet. Wir wollen den Menschen helfen, für sich selbst zu entscheiden, weshalb wir auch die Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ erwähnt haben, die die Mitgliedstaaten und die Kommission aufruft, Verhaltenskodizes im Hinblick auf Werbung für Kinder zu entwickeln, statt Zwangskontrollen zu schaffen. Um Zweifel auszuräumen, beziehe ich mich auf die Revisionen zur Richtlinie, die das Parlament im vergangenen Dezember angenommen hat.

Abschließend sollten wir bedenken, dass die Kalorienaufnahme nur die Hälfte des Problems ausmacht. Es freut mich, dass der Kommissar in seinen einleitenden Bemerkungen auf die andere Hälfte eingegangen ist, nämlich den Energieverbrauch, dass also Menschen jeden Alters sich körperlich stärker betätigen sollten. Ebenso freut mich seine Bemerkung, dass die Regierungen und andere Stellen den Wettkampfsport fördern und aufhören sollten, weiterhin Schulsportplätze zu veräußern.

Jeder ist gefragt, das Problem anzugehen. Es ist an der Zeit, dass sich ihm jeder stellt. Ich beglückwünsche die Kommission zu ihrem Papier und insbesondere die Berichterstatterin für die Sorgfalt und Gedankentiefe, die sie diesem Bericht angedeihen ließ.

 
  
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  Linda McAvan, im Namen der PSE-Fraktion. – (EN) Herr Präsident! Zunächst möchte ich Frau Ries danken – zum einen für den guten Bericht und zum anderen für die kooperative Zusammenarbeit. Ich möchte auch allen Schattenberichterstattern danken. Wir haben alle zusammengearbeitet, und ich denke, dass Sie, Herr Kommissar, sehen werden, dass wir generell zu der Einsicht gelangt sind, dass etwas geschehen muss. Wir sind der Kommission sehr dankbar, dass sie dieses Thema an die erste Stelle ihrer Arbeitsagenda gesetzt hat.

Wie Herr Bushill-Matthews sagte, kann die EU sich nicht um alles kümmern. Die Verantwortung liegt zwar auf einzelstaatlicher Ebene, aber es gibt drei Bereiche, in denen die EU etwas ändern könnte. Der erste wurde bereits erwähnt: die Etikettierung von Lebensmitteln. Wir von der PSE-Fraktion treten dafür ein, dass die acht wichtigsten Nährstoffe auf der Rückseite jeder Verpackung angegeben werden. Wir wollen keine Etikettierung, bei der die Industrie selbst entscheidet, auf welche Nährstoffe sie die Verbraucher aufmerksam machen will. Viele Einzelhandelsunternehmen und Lebensmittelunternehmen tun dies bereits, und sie wollen ebenfalls gleiche Spielregeln für alle. Viele von ihnen befürworten Pflichtetikettierungen auf der Verpackungsrückseite, und ich denke, das sollten Sie, Herr Kommissar, bei der Revision Ihrer Vorschriften berücksichtigen.

Wir brauchen Hinweise auf der Verpackungsfrontseite und eindeutige Systeme, und zwar schon bald. Was die Werbung betrifft, so darf es in Bezug auf Werbung für Kinder keine Lippenbekenntnisse geben. Wir müssen wirklich etwas unternehmen. Im Vereinigten Königreich passiert tatsächlich etwas. Unser Gesetzgeber ist dabei, an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt zu verbieten, und ich denke, so etwas sollte es in ganz Europa geben.

Ein wichtiger Bereich schließlich, in dem Sie, Herr Kommissar, sich engagieren könnten, ist die Neuzusammensetzung von Lebensmitteln. Diese Woche ist im Vereinigten Königreich die Woche des Salzes. Viele Lebensmittelhersteller haben den Salzgehalt ihrer Produkte im Vereinigten Königreich erfolgreich reduziert. Wir wollen in dieser Hinsicht mehr Taten sehen, desgleichen im Zusammenhang mit Transfettsäuren. Frau Ries ist darauf eingegangen. Transfettsäuren sind gefährlich. Sie haben keinerlei Nährwert. In New York sind sie verboten, Dänemark hat schon etwas in dieser Richtung angestoßen. Wir wollen, dass Sie die gegen Dänemark gerichteten Maßnahmen stoppen und auf EU-Ebene etwas gegen die Transfettsäuren tun. Worin liegt der Sinn, Nahrungsmitteln Stoffe zuzusetzen, die wertlos sind?

Ich begrüße die schriftliche Erklärung, die Herr Higgins, Herr Jørgensen, Herr Bowis und ich diese Woche eingereicht haben, in der die EU zu Maßnahmen im Zusammenhang mit Transfettsäuren aufgefordert wird. Ich hoffe, sie findet Ihre Beachtung, Herr Kommissar.

 
  
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  Mojca Drčar Murko, im Namen der ALDE-Fraktion. – (SL) Sehr geehrte Damen und Herren! Wir alle sind uns im Grunde einig: Wenn wir wollen, dass die Menschen ihre ungesunden Ernährungs- und Lebensgewohnheiten ändern, dann müssen wir sie auch davon überzeugen, dass dies sinnvoll ist. Sie müssen sozusagen umerzogen werden. Entscheidend ist in dieser Hinsicht die Art und Weise, wie solche Informationen übermittelt werden.

Bei der Suche nach geeigneten Mitteln und Wegen, um eine derartige Botschaft zu kommunizieren, können wir auf Erfahrungen zurückgreifen, die wir im Rahmen anderer Sensibilisierungskampagnen gesammelt haben. So hat die Allgemeinheit zwar lange Zeit Aufrufe zu individuellem Engagement im Kampf gegen den Klimawandel ignoriert. Dennoch hat sich etwas getan. Die Informationssendungen im Fernsehen sind bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Aber bevor die Botschaft verstanden wird, werden wir wohl noch lange geduldig darüber informieren müssen.

Wenn es um die Notwendigkeit geht, junge Menschen zu bewegen, ihre ungesunden Essgewohnheiten aufzugeben, sollten wir die Rolle der Eltern nicht unterschätzen, die ebenfalls der Umerziehung bedürfen. Denn erst wenn sie davon überzeugt sind, dass gesundes Essen ihren Kindern gut tut, können sie selbst einen größeren Beitrag leisten.

Aus meinem Wahlkreis wurde mir berichtet, dass einige Eltern, ermutigt durch unsere Aktivitäten im Europäischen Parlament, von einer Schule die Erlaubnis erhalten haben, die äußeren Umstände zu verändern, die sich auf die Essgewohnheiten der Schüler auswirken. So haben sie beispielsweise Verkaufsautomaten mit ungesunden Lebensmitteln aus der unmittelbaren Umgebung der Schule entfernt, sie halten die Schüler nun dazu an, zum Mittag Früchte der Saison zu essen und – ob man es glauben will oder nicht – die Kinder gehen täglich zu Fuß zur Schule.

 
  
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  Andrzej Tomasz Zapałowski, im Namen der UEN-Fraktion. – (PL) Herr Präsident! Der Bericht Ries befasst sich mit Übergewicht und Adipositas, die vor allem bei jungen Menschen ein großes Problem darstellen und deshalb für die Zukunft der europäischen Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind. Wir müssen unser Augenmerk daher ganz speziell auf die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen wie auch auf das Umfeld richten, in dem die Kinder die meiste Zeit verbringen, nämlich die Schule und das Elternhaus.

In vielen europäischen Ländern ist die Qualität des Essens, das in den Speiseräumen der Bildungseinrichtungen angeboten wird, unzureichend. Der leichte Zugang zu Süßigkeiten und stark gesüßten Getränken macht eine gesunde Ernährung schwierig. Hinzu kommt, dass die Kinder zu Hause häufig Junkfood zu sich nehmen. Ein Grund dafür ist, dass gesunde Lebensmittel aus biologischem Anbau teuer sind. Das gilt auch für Obst. Deshalb müssen mehr Mittel für die Kofinanzierung der biologischen Landwirtschaft in den EU-Mitgliedstaaten, insbesondere des Weichobstsektors, bereitgestellt werden. Dann würden die Preise für Obst und Gemüse sinken. Darauf hat der Herr Kommissar bereits hingewiesen.

Ergebnisse lassen sich nur mit einer eindeutig auf die Förderung der Gesundheit ausgerichteten Politik erzielen, die mit konkreten Maßnahmen einhergehen muss. Wenn wir hierzu nur Erklärungen abgeben, entsteht der falsche Eindruck, dass wir uns irgendwie durchmogeln wollen. Wenn die zur Förderung der biologischen Landwirtschaft erforderlichen Mechanismen nicht rasch in Gang gesetzt werden, um eine umfassende Versorgung mit solchen Lebensmitteln zu gewährleisten, werden die Länder der Europäischen Union ihre Ausgaben für den Gesundheitsschutz schon sehr bald erhöhen müssen. Hier besteht Handlungsbedarf in den zuständigen Ausschüssen einschließlich des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, denn die Weichobstproduktion erhält nicht die nötige Unterstützung und Hilfe aus dem Unionshaushalt.

 
  
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  Hiltrud Breyer, im Namen der Verts/ALE-Fraktion. – Herr Präsident, liebe Kommission, liebe Kolleginnen und Kollegen, Frau Berichterstatterin! Herr Kommissar, beim Schutz der Passivraucher sind Sie sehr ambitioniert. Leider wird diese echte Dringlichkeit im Bereich des Übergewichts bislang nicht so deutlich.

Ich hätte mir mehr verbindliche Vorschläge in diesem Grünbuch gewünscht, so dass klar geworden wäre, dass wir in eine Phase der Rechtsetzung eintreten, anstatt an die Selbstverpflichtung der Industrie zu appellieren. Wir wissen aus so vielen anderen Bereichen, dass das eigentlich nur Hinhaltemanöver sind.

Nach Zahlen der WHO sind weltweit 1,5 Milliarden Menschen zu dick, während 800 Millionen auf der Welt an Hunger leiden. Dies macht deutlich, dass es sich zwar einerseits um ein globales Problem handelt, andererseits aber auch um ein besonderes Problem innerhalb der Europäischen Union, wo jedes vierte Kind von Fettleibigkeit betroffen ist. Wir haben jedes Jahr 300 000 neue Fälle. Da ist es doch wirklich allerhöchste Zeit, tätig zu werden.

Bei allen guten Vorsätzen und Ideen, die dieser Bericht enthält und die wir natürlich sehr begrüßen, hätten wir uns mehr Verbindlichkeit gewünscht! Wir hätten uns gewünscht, dass die Kommission auch den Mut gehabt hätte, ein Verbot von Transfettsäuren in industriell gefertigten Nahrungsmitteln vorzuschlagen. Wir wissen, dass Transfettsäuren schädigend sind. Ich freue mich, dass einige Mitgliedstaaten inzwischen auch den Mut zu einem Verbot haben. Aber ich hätte mir diesen Mut auch von Seiten der Kommission gewünscht, ein solches Verbot für die Europäische Union vorzuschlagen. Ich hoffe, dass wir das noch nachholen können! Ein weiterer wichtiger Aspekt wäre auch das Verbot, Spielzeug als Lockmittel für Junkfood für Kinder, etwas in Fastfood-Restaurants, zu benutzen. Ich denke, dass wir noch einmal deutlich machen müssen — und damit bin ich beim Schluss, — dass wir wirklich auch verstärkt bei der Werbung ansetzen müssen, um dafür zu sorgen, dass Übergewicht und drohende Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nicht überhand nimmt.

 
  
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  Bairbre de Brún, thar ceann Ghrúpa GUE/NGL. – A Uachtaráin, mar iar-Aire Sláinte cuirim fáilte roimh an Tuarascáil seo. Aontaím léi go bhfuil gá daoine agus comhlachtaí a spreagadh chun an rud ceart a dhéanamh, ach creidim go láidir go bhfuil gá le cosc a úsáid fosta. Tá ilthosca ann ar cúis le mortabháil iad agus baineann freagairt ar bith le roghanna i réimsí éagsúla beartais. Cé go bhfuil oideachas agus rogha tomhaltóirí tábhachtach, caithfidh muid cinntiú go nglacann údaráis phoiblí, déantúsóirí bia, fógróirí agus na meáin lena gcuid freagrachtaí. Cuirim fáilte go háirithe roimh an leasú a iarrann ar dhéantúsóirí bia agus ar an tionscal margaíochta stop a chur le daoine cáiliúla, scannáin agus carachtair chartúin a bhfuil tóir ag páistí orthu a úsáid le bianna a bhfuil ardleibhéal saille, siúcra agus salainn iontu a chothú i measc páistí. Ba chóir do dhéantúsóirí lipéadú soiléir agus buan a thabhairt isteach ar bhealach nach mbeidh gá do thomhaltóirí a bheith ina saineolaithe cothaithe chun na roghanna cearta acu a dhéanamh.

 
  
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  Hélène Goudin, im Namen der IND/DEM-Fraktion. – (SV) Herr Präsident! Wir diskutieren hier einen Bericht über ein Problem, das sowohl die EU-Mitgliedstaten als auch die reichen Länder der Erde insgesamt betrifft, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Es besteht kein Zweifel daran, dass Übergewicht und Adipositas ernste Probleme sind, die schwerwiegende Folgen haben, nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für die gesamte Gesellschaft.

Wir müssen uns jedoch die Frage stellen, ob dies wirklich ein Problem ist, das auf Gemeinschaftsebene behandelt werden sollte. Ich persönlich finde das nicht. Warum sollte die EU sich mit der Frage beschäftigen, wo sich in den Mitgliedstaaten Schulen befinden sollten? Glaubt dieses Hohe Haus, die Menschen wissen nicht, dass Obst und Gemüse gut für sie sind oder dass körperliche Bewegung gut für die Gesundheit ist? In Punkt 46 des Berichts wird die Besorgnis wegen des rückgängigen Verzehrs von Obst und Gemüse in Europa aufgrund der hohen Preise für diese Erzeugnisse zum Ausdruck gebracht. Das allein sollte schon zum Nachdenken anregen – angesichts der enormen Subventionen, die die EU-Landwirte über die Gemeinsame Agrarpolitik erhalten. Ist der nächste Schritt die Forderung nach einer Erhöhung der Agrarbeihilfen? Fettleibigkeit und die damit verbundenen Krankheiten sind Fragen, die jeder einzelne Mitgliedstaat ausgehend von den jeweils dort herrschenden Bedingungen lösen muss. Wir sollten uns stattdessen auf Probleme konzentrieren, die für dieses Forum geeignet sind.

 
  
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  Jean-Claude Martinez, in Namen der ITS-Fraktion. – (FR) Herr Präsident, Herr Kommissar! In Europa gibt es etwa 100 Millionen dicke Menschen, im Gegensatz zu Darfur, wo es nur magere gibt. Natürlich gibt es in der Welt 800 Millionen Kinder, die vom Hungertod bedroht sind, während wir bei uns 14 Millionen fettleibige Kinder haben und ihre Zahl steigt.

Was kann nun unternommen werden, und zwar nicht, damit sie nicht mehr wie die Figuren auf den Gemälden Fernando Boteros aussehen, sondern um 7 % unserer jährlichen Gesundheitsausgaben einzusparen?

Zunächst einmal gibt es die Möglichkeit von Diäten. Abgesehen von der Biafra-Diät, die zu gefährlich ist, gibt es die Kreta-Diät, doch die erfordert Olivenöl, Obst, Gemüse und weißes Fleisch, und bedauerlicherweise zerstört die überarbeitete Gemeinsame Agrarpolitik unsere Olivenbäume und nimmt unseren Gemüsegärtnern, Obstbauern und Geflügelzüchtern die Arbeitsplätze weg.

Es gibt auch finanzielle Regelungen, die sehr effizient sind. In der Tat nimmt die Fettleibigkeit mit der Höhe des Einkommens ab. Am Ende der Leiter sind die Reichen alle dünn. Die Armen müssen also reicher sein, wenn sie dünner werden sollen. Doch um dies zu erreichen, müssten wir den Sparpakt von Maastricht überdenken, der ausgegrenzte und damit fette Menschen hervorbringt.

Meine einzige Hoffnung ist, dass die Klimaerwärmung voranschreitet. Dann hätten die europäischen Kinder viel Bewegung, wenn sie auf ihren kleinen Kamelen in die Schulen reiten, die von Sanddünen umgeben sind. Ich hoffe auch, dass keines dieser Kinder mit den eingefallenen Augen und geschwollenen Bäuchen den Bericht von Frau Ries liest, denn es gibt zwei Gründe dafür, sich zu übergeben, entweder, indem man zuviel isst oder aber einen derart skandalösen Bericht wie diesen liest!

 
  
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  Renate Sommer (PPE-DE). – Herr Präsident! Zunächst einmal möchte ich der Berichterstatterin danken: Frau Ries, ich fand Ihren Bericht von Anfang an recht ausgewogen und im Prinzip tragbar.

Ich denke, ich kann das beurteilen, denn ich habe mich mehr als drei Jahre lang mit der Problematik der zunehmenden Dickleibigkeit der Europäer, insbesondere der Kinder befasst, nämlich im Zusammenhang mit den berühmt-berüchtigten ernährungs- und gesundheitsbezogenen Angaben über Lebensmittel – Herr Kommissar, Sie erinnern sich!

Besonders wichtig ist mir, das Problem unter einem ganzheitlichen Ansatz zu betrachten. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es ist eben nicht das einzelne Lebensmittel oder die verführende Werbung hierfür, die die Menschen immer dicker und damit immer anfälliger für Krankheiten werden lässt. Wir wissen, dass der heutige Lebensstil das eigentliche Problem ist: Wir bewegen uns zu wenig!

Aber kann der Gesetzgeber dieses Problem lösen? Werbeverbote halte ich generell nach wie vor für bedenklich. Denn diese suggerieren, dass ein Produkt schlecht ist und die Schuld an der Misere trägt. In den Augen unserer Bürgerinnen und Bürger ist dies Staatsdirigismus, und so etwas erzeugt beim Einzelnen nur Europaverdrossenheit und Verweigerung.

Was aber ist mit der Eigenverantwortung der Bürger? Sind sie plötzlich unmündig? Was ist mit der Verantwortung der Eltern für ihre Kinder? Die gilt es doch einzufordern! Aber natürlich müssen wir die Europäer durch bessere Bildung, durch verständliche Kennzeichnung der Lebensmittel, durch Aufklärung über einen gesunden Lebensstil auch in die Lage versetzen, diese Eigenverantwortung wahrnehmen zu können. Eltern wollen doch eine gute und gesunde Zukunft für ihre Kinder!

Dabei dürfen wir aber den europäischen Grundsatz der Subsidiarität nicht vergessen. Wir können und dürfen nur der Ideenvermittler zwischen den Mitgliedstaaten sein. Es liegt nicht in unserer Kompetenz, z. B. in den schulischen Bereich einzugreifen. Das ist national oder wie in Deutschland regional geregelt. Grundsätzlich gilt: Gesetzlicher Zwang ist der falsche Weg. Druck erzeugt Gegendruck. Wir müssen die Menschen überzeugen und mitnehmen in unserer Politik. Nur so werden wir erfolgreich sein!

 
  
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  Anne Ferreira (PSE).(FR) Herr Präsident, Herr Kommissar, meine Damen und Herren! Zunächst einmal möchte ich unserer Kollegin meine Anerkennung für ihre Arbeit zollen. Ich unterstütze ganz besonders ihre Vorschläge zu Prävention und Erziehung sowie natürlich auch zum Sportunterricht. In diesen Vorschlägen wird auch die wichtige Rolle von Schulkantinen hervorgehoben, die Kindern und Jugendlichen eine ausgewogene Ernährung mit gesunden Produkten anbieten müssen.

Wann immer diese Maßnahmen in unseren Ländern umgesetzt wurden, haben sie zu befriedigenden Ergebnissen geführt, und mehrere Studien zeigen, dass mit solchen Programmen, die der Fettleibigkeit vorbeugen und eine gesunde Ernährung fördern sollen, die Zahl der Fettleibigen unter übergewichtigen jungen Menschen – die im Übrigen insgesamt kontinuierlich zunimmt – stabilisiert werden konnte. Die Zahlen wurden soeben genannt. Deshalb bin ich der Ansicht, dass wir die Kommission dringend auffordern müssen, diese Programme auf weitaus breiterer Ebene durchzuführen.

Vor diesem Hintergrund muss meines Erachtens unbedingt hervorgehoben werden, dass wir uns angesichts dieses immer weiter zunehmenden Gesundheitsproblems auch den zugrunde liegenden Ursachen widmen müssen. Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und sozialem Umfeld wurde mehrfach nachgewiesen, Hauptgrund für diesen Zusammenhang sind die Lebensmittelkosten. In einer französischen Tageszeitung erschien heute ein Artikel mit dem Titel „Die Reichen sind schlank“.

Wenn Fettleibigkeit hauptsächlich mit dem übermäßigen Konsum von Zucker und Fett zusammenhängt, und Obst und Gemüse in entsprechend niedrigeren Mengen verzehrt werden, so ist dies sicherlich auf die Kosten letzterer zurückzuführen. Überdies ist hier nicht absehbar, wie sich die Lage in Zukunft verbessern könnte, da allgemein bekannt ist, dass die überarbeitete Gemeinsame Agrarpolitik dazu führen wird, dass Zucker und auch Fett zu Preisen auf den Markt gebracht werden, die ein Viertel unter den jetzigen liegen; diese Entwicklung würde zu ihrer stärkeren Verwendung in Erzeugnissen der Nahrungsmittelindustrie führen. Die Preise für Obst und Gemüse würden dagegen weiter steigen und somit für die ärmsten Bevölkerungsteile unerschwinglich bleiben.

Daher wäre es hilfreich, wenn sich die Lebensmittelpolitik und die Gesundheitspolitik der Europäischen Union ergänzen würden, indem Nahrungsmittel für alle erschwinglich sind und zu günstigen Preisen angeboten werden. Auch die Auswirkungen der Sozial- und Wirtschaftspolitik sollten nicht vernachlässigt werden, da die Wahl der Lebensmittel in der Regel von der Kaufkraft der Haushalte bestimmt wird. Bis unsere politischen Strategien überarbeitet sind, sollten wir jedoch umgehend dafür Sorge tragen, dass durch unser Nahrungsmittelhilfeprogramm diejenigen Obst und Gemüse erhalten, die es benötigen.

 
  
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  Jan Tadeusz Masiel (UEN).(PL) Herr Präsident! Noch vor Kurzem galten Übergewicht und Fettleibigkeit hauptsächlich als Problem der Vereinigten Staaten. Nun scheint diese neue Krankheit, von der die Industriegesellschaften betroffen sind, auch in der Europäischen Union angekommen zu sein. Wie die Berichterstatterin feststellte, tritt sie vor allem bei Kindern auf.

Ich stimme den Analysen und Feststellungen in dem Bericht zu. Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass wer sich gesund ernähren soll, auch Zugang zu gesunden Lebensmitteln haben muss. Leider sind gesunde Lebensmittel in der Union immer schwerer zu finden. Bedauerlicherweise werden wir schon jahrelang von den Agrar- und Lebensmittelkonzernen als Geisel genommen und gezwungen, das zu verbrauchen, was sie liefern. Diese Konzerne zwingen den Landwirten eine bestimmte Form der landwirtschaftlichen Produktion auf, die dazu führt, dass immer mehr preiswertere Lebensmittel von immer schlechterer Qualität produziert werden. Die Bauern werden ermutigt und indirekt gezwungen, die Landwirtschaft zu intensivieren, was nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit schadet.

Wir sprechen heute unter anderem über Fettleibigkeit und Übergewicht. Inzwischen warnen Wissenschaftler – was noch alarmierender ist –, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa nicht weiter steigen, sondern rapide sinken wird. Wir alle – und das ist weitaus bedenklicher – subventionieren die Landwirte, und letzten Endes haben weder wir noch sie in ausreichendem Maße etwas davon. Ein Weg, die hier angesprochenen Probleme zu lösen, wäre die Rückkehr zur traditionellen biologischen Landwirtschaft, in der es dann auch keine GVO gäbe.

 
  
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  Urszula Krupa (IND/DEM).(PL) Herr Präsident! Wenn wir Übergewicht und durch Fettleibigkeit verursachte chronische Krankheiten vermeiden wollen, müssen wir in erster Linie für eine Verbesserung der geistigen Gesundheit der Gesellschaft sorgen. Psychologische Probleme führen zu übermäßigem Essen und auch zu Anfälligkeit gegenüber anderen Süchten, die aus mangelndem Selbstwertgefühl und Frustration herrühren, die einer stressigen Lebensweise sowie der Jagd nach finanziellem Erfolg und der Verbesserung des eigenen materiellen Standards geschuldet sind.

Ein weiterer wesentlicher Grund für die stark verbreitete Fettleibigkeit ist die unnatürliche und ungesunde, auf künstlichem Wege hergestellte Nahrung voller Konservierungsstoffe, die heute überall rund um die Uhr erhältlich ist. Dadurch wird die normale physiologische Abfolge von Hunger und Sättigung unterbrochen. Fehlende körperliche Betätigung im Zusammenhang mit den zunehmend mechanisierten Abläufen im täglichen Leben trägt ebenfalls zu der vorgenannten Erscheinung bei. Die Sensibilisierung für diese und andere Faktoren sollte aber mit gesetzlichen Regelungen einhergehen, die in die Zuständigkeit der Mitglieder des Parlaments und anderer Entscheidungsträger fallen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Angaben zur Zusammensetzung und zum Kaloriengehalt von Lebensmitteln in Bezug auf kranke Menschen, die essen, um ihre Ängste oder Depressionen zu überwinden, nicht das geeignete Mittel sind.

 
  
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  Pilar Ayuso (PPE-DE).(ES) Herr Präsident, Herr Kommissar, meine Damen und Herren! Zunächst möchte ich der Berichterstatterin, Frau Ries, sowie den Schattenberichterstattern zu ihrer Arbeit gratulieren.

Die Initiative der Kommission, ein Grünbuch zur Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung zur Verhinderung von Fettleibigkeit auszuarbeiten, ist von allen am Prozess Beteiligten äußerst wohlwollend aufgenommen worden. Das ist Ausdruck der Vielschichtigkeit des Problems und der Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die gesamte Gesellschaft erreicht wird. Alles das ist im Bericht von Frau Ries sehr wirksam dargelegt.

In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass sich die europäische Nahrungsmittelindustrie an zahlreichen Initiativen beteiligt und konkrete Verpflichtungen in verschiedenen Bereichen eingegangen ist, um die gesunde Ernährung und Lebensweise im Rahmen der europäischen Plattform für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit, die von der Europäischen Kommission 2005 ins Leben gerufen wurde, zu fördern.

Es werden wachsende Anstrengungen unternommen, um den Verbrauchern ein immer breiteres und vielfältigeres Produktsortiment anzubieten, das ihren Bedürfnissen Rechnung trägt. Deshalb müssen wir auch weiterhin die Innovationsbemühungen der Industrie unterstützen, die letztendlich den Verbrauchern zugute kommen. Dieses Engagement der verantwortlichen europäischen Industrie steht im direkten Zusammenhang mit der Förderung einer gesunden Ernährung und Lebensweise und kommt in einigen Beispielen von Selbstregulierung und Vermarktung zum Ausdruck. Konkret in Spanien hat die Industrie dazu eine Vereinbarung mit dem Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz unterzeichnet, und sie funktioniert sehr gut. Sie beinhaltet die Förderung der Erziehung der Verbraucher im Bereich der gesunden Ernährung und vor allem der körperlichen Bewegung. Das sind sehr wichtige Instrumente zur Bekämpfung der Fettleibigkeit.

Doch ich möchte darauf hinweisen, dass es keine guten oder schlechten Nahrungsmittel an sich gibt. Alles kann und muss gegessen werden. Es gibt eine gesunde und eine weniger gesunde Ernährung. Alles hängt von der Vielfalt ab. Wir müssen klar machen, dass es gilt, weniger Auto zu fahren, weniger Fernbedienungen, Videospiele usw. zu nutzen, und wir dürfen nicht denken, dass sich alles mit Verboten und Vorschriften lösen lässt.

Auf einen weiteren Punkt möchte ich noch verweisen. Wir dürfen Übergewichtige nicht verteufeln, denn wenn wir zu sehr insistieren, werden wir ein anderes Problem haben, das der Magersucht, die vielleicht viel schlimmer ist, besonders bei Jugendlichen.

 
  
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  Zdzisław Zbigniew Podkański (UEN).(PL) Herr Präsident! Jeder weiß, dass gesunde Ernährung und körperliche Betätigung das beste Mittel gegen Fettleibigkeit, Übergewicht und chronische Krankheiten sind. Es ist auch allgemein bekannt, dass über die Hälfte der Unionsbürger mit Fettleibigkeit und Übergewicht zu kämpfen haben. Die Mitglieder dieses Hohen Hauses sind sich dieser Tatsachen ebenso bewusst.

Damit erhebt sich eine grundsätzliche Frage. Wie kommt es, dass so viele aufgeklärte Menschen, die von ihren Mitbürgern in öffentliche Ämter gewählt werden, die Entwicklung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln unterstützen? Weshalb geben sie dem Druck der Lobbyisten und anderer Interessengruppen nach, die Produkte fördern und auf den Markt bringen, die für den Menschen und die Umwelt gefährlich sind? Wie kann es sein, dass diese aufgeklärten Menschen die Globalisierung der Landwirtschaft tolerieren und – was noch schlimmer ist – überhaupt erst die Voraussetzungen dafür schaffen, sodass bäuerliche Familienbetriebe, die gesunde Nahrungsmittel produzieren, durch die Förderung von landwirtschaftlichen Großbetrieben, die den Boden und die Umwelt schädigen, verdrängt werden? Weshalb handeln so viele kluge Menschen entgegen den Interessen so vieler anderer?

 
  
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  Françoise Grossetête (PPE-DE).(FR) Herr Präsident! Ich möchte zunächst meine Kollegin, Frau Ries, beglückwünschen, die bemerkenswerte Arbeit zu einem besonders wichtigen Thema geleistet hat, denn, wie bereits gesagt wurde, gelten heute mehr als 27 % der Männer und 38 % der Frauen in Europa als übergewichtig oder fettleibig. Diese Menschen leiden psychisch unter den Blicken der anderen und sind oft der Gefahr ernsthafter Gesundheitsprobleme ausgesetzt.

Wie ebenfalls bereits gesagt wurde, sind mehr als 3 Millionen Kinder von Fettleibigkeit betroffen, das bedeutet, jedes vierte Kind in Europa. Diese Statistiken sollten uns dazu veranlassen, Maßnahmen zu ergreifen, vor allem mit Blick auf die alarmierenden Wachstumsraten mit mehr als 400 000 neuen Fällen jährlich. Die Kindheit ist ein Lebensabschnitt, in dem ein Mensch einen Großteil seiner Essgewohnheiten entwickelt. Daher ist es Zeit, dass die Europäische Union die Mitgliedstaaten – die in diesem Bereich zuständig sind – dazu ermutigt, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung von Kindheit an zu fördern.

Wie im Bericht empfohlen, müssen die Maßnahmen der Mitgliedstaaten durch die Information der Verbraucher, insbesondere der jungen Verbraucher, ergänzt werden. Damit meine ich die Durchführung von Kampagnen – nicht nur in den Medien, sondern auch in Schulen und vor allem in Schulkantinen –, um die Verbraucher über die mit Fettleibigkeit zusammenhängenden Probleme zu informieren und ein Bewusstsein für diese Frage zu wecken.

Im Bericht wird auch die entscheidende Rolle von Angehörigen der Gesundheitsberufe bei der Feststellung von Risiken chronischer Erkrankungen in Verbindung mit Fettleibigkeit hervorgehoben, zum Beispiel Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die für übergewichtige Menschen besonders ernste Folgen haben. Dank ihrer besonderen Beziehung zum Patienten können die Angehörigen der Gesundheitsberufe darüber hinaus dabei helfen, die Menschen über die für sie bestehenden Risiken zu informieren und zu beraten, und auf diese Weise eine wichtige Aufgabe übernehmen.

Eines der zentralen Probleme in diesem Zusammenhang besteht, wie meine Vorredner bereits gesagt haben, darin, dass nicht genügend Obst und Gemüse gegessen werden. Wir alle wissen, wie wichtig es ist, Obst und Gemüse zu verzehren; doch, wie es im Bericht heißt, können manche dies nicht tun, weil diese Erzeugnisse zu teuer sind. Wir sollten daher praktische Lösungen vorschlagen, um diese nicht hinnehmbare Diskriminierung im Gesundheitsbereich zu verhindern. Es ist höchst wichtig, dass die Europäische Union die praktischen Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Bereich Gesundheit und Ernährung so eng wie möglich begleitet, und dies vor allem in Hinblick darauf, der Zunahme der Fettleibigkeit in Europa, vor allem bei Kindern, Einhalt zu gebieten.

 
  
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  Leopold Józef Rutowicz (UEN).(PL) Herr Präsident! Das Problem, das im Bericht Ries behandelt wird, betrifft nicht nur Europa. Etliche Länder versuchen seit vielen Jahren, die Herausforderungen im Zusammenhang mit gesunder Ernährung, körperlicher Betätigung sowie der Vermeidung von Fettleibigkeit, Übergewicht und chronischen Krankheiten zu bewältigen. Bestimmte Unternehmen verdienen gut an Wundermitteln gegen die Fettleibigkeit, die aber mehr schaden als nützen. In Büchern über die verschiedensten Diäten liest man, dass Essen die beste Medizin sei, während die Zahl der „Dicken“ in unserer Gesellschaft zunimmt.

Mir scheint, die Verbraucher sind nicht allzu gut über die Ernährung und ihre Folgen informiert. Aufklärung, die Propagierung einer gesunden Ernährung in den Massenmedien sowie Angaben zu den einzelnen Inhaltsstoffen auf der Verpackung dürften für die Bürger hilfreich sein. All diese Maßnahmen sollten meines Erachtens durch die Untersuchung derjenigen ergänzt werden, die für Fettleibigkeit anfällig sind, um festzustellen, welche Stoffe sich im Körper ablagern und welche der Körper braucht.

 
  
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  Markos Kyprianou, Mitglied der Kommission. (EN) Herr Präsident! Ich möchte allen Abgeordneten für die äußerst interessante Aussprache danken. Ich freue mich, dass wir ähnlich denken.

Zunächst möchte ich sagen, dass wir uns natürlich alle darüber einig sind, dass letztlich immer der Einzelne entscheidet. Nicht wir sind es, die die Nahrung auf den Tisch des Verbrauchers stellen, und wir können niemanden dazu zwingen, etwas zu essen oder nicht zu essen. Doch gleichzeitig tragen wir die Verantwortung dafür sicherzustellen, dass die Verbraucher eine bewusste Entscheidung treffen können, es muss also aufgeklärt werden, das stimmt, aber es bedeutet auch zu gewährleisten, dass die Informationen, die sie erhalten, akkurat, wahrheitsgemäß und korrekt sind sowie auf wissenschaftlichen Fakten basieren, was die gesundheitsbezogenen Angaben betrifft. Ich habe den Aufruf zu Lebensmitteletikettierungen vernommen. Daran werden wir arbeiten.

Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher ausreichende, verständliche Informationen erhalten, so dass sie ihre Wahl treffen können. Das betrifft sowohl die Bürger als auch die Eltern, die für ihre Kinder wählen müssen, und sie müssen auch ab und zu „Nein“ sagen. Das ist ebenfalls sehr wichtig, da wir keine Lebensmittel verbieten wollen. Das möchte ich klarstellen. Wir wollen keine Lebensmittel vom Speisezettel der Verbraucher streichen. Ich kann mir kein Kind vorstellen, das aufwächst, ohne je ein Eis oder einen Schokoriegel gegessen zu haben, doch sollten es nicht zehn Stück täglich sein, und das ist eine Frage der Mäßigung. Dies ist für uns alle eine Herausforderung. Auch verstehe ich, dass Werbung für Kinder ein wichtiges Thema ist. Ich halte den Kompromiss, den wir bei der Aussprache zur Richtlinie zu Fernsehen ohne Grenzen erzielt haben, für sehr klug, doch arbeiten wir auch, wie Sie wissen, an einer Selbstregulierung auf Seiten der Industrie, um sicherzustellen, dass sie in dieser Hinsicht Verantwortung übernimmt.

Wir haben immer betont, dass es praktischer wäre und viel schneller ginge, wenn wir größtenteils auf Selbstregulierung zurückgreifen könnten, aber wir in der Kommission haben immer darauf verwiesen, dass wir ohne Umschweife darauf zurückkommen und verbindlichere Maßnahmen ergreifen werden, falls das nicht funktionieren sollte.

Auch wenn Frau Breyer nicht anwesend ist, was ich bedauere, möchte ich sagen, dass diese Kommission zu vielen Themen sehr engagiert und mutig auftritt – ich denke da an Tabak und Alkohol sowie die Beschäftigung mit dieser Thematik. Sie werden sich entsinnen, dass es vor zwei Jahren, als ich diese Fragen im Namen der Kommission erstmals ansprach, Reaktionen von vielen Seiten gab. Aber jetzt haben wir diese Aussprache. Wir erörtern jetzt ein Grünbuch. Es enthält eine Strategie, die unsere nächsten Aktionen beschreibt.

Die Neuzusammensetzung von Lebensmitteln ist ein sehr wichtiges Anliegen für uns. Wir studieren das Problem der Transfettsäuren und arbeiten daran. Ich kann Ihnen versichern, dass mir diese Problematik bekannt ist. Sie ist eine Herausforderung. Wir müssen sicherstellen, dass diese Stoffe bei ihrer Entfernung nicht durch schlimmere ersetzt werden. Daran müssen wir mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBLS) eng zusammenarbeiten.

Immer im Auge behalten müssen wir die soziale Dimension, aber auch die Frage der Ungleichheit, wenn es um aus Fettleibigkeit resultierende Gesundheitsschäden geht, da hiervon leider Familien mit niedrigen Einkommen am stärksten betroffen sind. Das ist eine Tatsache. Daher haben wir eine besondere Verantwortung, in dieser Hinsicht aktiv zu werden.

Abschließend möchte ich Ihnen allen nochmals für eine äußerst interessante Aussprache danken. Ich freue mich darauf, mit Ihnen unsere Strategie zu erörtern, sobald sie erschienen ist, und zu besprechen, wie wir praktische Ergebnisse erzielen können und sie zum Nutzen der europäischen Verbraucher einsetzen können.

Zum Schluss möchte ich der Berichterstatterin nochmals für ihre ausgezeichnete Arbeit danken.

 
  
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  Frédérique Ries (ALDE), Berichterstatterin. – (FR) Herr Präsident! Ich gehe normalerweise nicht auf die Ausführungen der Rechtsradikalen ein. Doch ich möchte zum Redebeitrag von Herrn Martinez nur etwas sagen, das, glaube ich, im Tartuffe von Molière steht: wenn man in einem bestimmten Moment nicht antwortet, dann bedeutet dies Zustimmung. Ich fühle mich verpflichtet, in diesem Hohen Haus im Namen des Kommissars zu antworten, denn Herr Martinez hat schließlich die Wörter „sich übergeben“ und „skandalös“ im Zusammenhang mit dem Grünbuch und dem Bericht verwendet.

Ich bin seit sieben Jahren in diesem Parlament, und solche Worte habe ich hier bisher noch nie gehört. Ich glaube nicht, dass dieser Bericht besonders umstritten oder polemisch ist. Ich denke, er findet, nach den Redebeiträgen zu urteilen, recht viel Zustimmung. Daher weise ich die vorgebrachten Anschuldigungen oder, genauer gesagt, Beleidigungen kategorisch zurück. Herr Martinez betrachtet diese Geißel ganz offensichtlich durch ein Nord-Süd-Prisma. Das ist seine eigene Sichtweise. Wir betonen von Anfang an – und Frau Breyer, die nicht mehr im Plenum ist, hat dies hervorgehoben –, dass es zwar 1,5 Milliarden fettleibige Menschen gibt, aber auch 800 Millionen, die vor Hunger sterben. Um ein ebenso anekdotenhaftes Beispiel wie Herr Martinez zu nennen, möchte ich darauf hinweisen, dass es auch in Mikronesien, auf den Samoainseln, fettleibige Menschen gibt.

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass in Hinblick auf humanitäre Hilfe und Solidaritätsbekundungen weder ich noch irgendjemand sonst sich von einer Person wie Herrn Martinez belehren lassen muss, der einen ganz besonderen Platz auf dem politischen Schachbrett einnimmt.

 
  
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  Der Präsident. Die Aussprache ist geschlossen.

Die Abstimmung findet morgen um 11.30 Uhr statt.

Schriftliche Erklärungen (Artikel 142)

 
  
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  Ian Hudghton (Verts/ALE).(EN) Die Berichterstatterin hat versucht, einen Mittelweg zwischen den weit auseinandergehenden Standpunkten im Ausschuss zu finden, was zweifellos kein leichtes Unterfangen ist, doch denke ich immer noch, dass dieser Bericht verbessert werden könnte und sollte.

Ich werde die von meiner Fraktion eingereichten Änderungsanträge unterstützen, die auf die Verbesserung der Zusammensetzung von industriell gefertigten Lebensmitteln abzielen, auf weniger Werbung für zucker-, fett- oder salzreiches Fastfood, insbesondere durch Fernsehwerbung und die Verbesserung der Standards in Schulen aufrufen, um das Wissen um Lebensmittel und Kochen zu verbessern, sowie zur Reduzierung der Vermarktung von „Junkfood“ in Schulen.

Ferner unterstütze ich den Aufruf zu einem Verbot der Transfettsäuren in der industriellen Nahrungsmittelproduktion, so wie es kürzlich in New York vereinbart wurde. In der EU könnten stärkere Anreize geschaffen werden, um den Nährwert von Lebensmittelprodukten durch die Förderung der Herstellung von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik und der ländlichen Entwicklungspolitik zu erhöhen.

 
  
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  Magda Kósáné Kovács (PSE).(HU) Der Bericht über die Förderung einer gesunden Lebensweise weist auf ein Problem hin, das etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung betrifft.

Strategien zur Kontrolle und Verhinderung von Übergewicht, Adipositas und chronischen Krankheiten sollten die gesamte Lebensspanne eines Menschen umfassen – vom Mutterleib bis ins hohe Alter.

Ältere Personen und solche mit eingeschränkter Mobilität sind weit mehr als andere Bevölkerungsgruppen von Übergewicht aufgrund mangelnder Bewegung betroffen, was zu Krankheiten führen kann. Im Ergebnis häufen sich bei älteren Menschen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die weltweite Verbreitung von Diabetes, mit deren Behandlung weitere Komplikationen verbunden sind. Notgedrungen wird die Mobilität älterer Patienten häufig im Zuge einer Therapie eingeschränkt, sodass sie nicht nur mit ihren Beschwerden zu kämpfen haben, sondern auch mit einer zusätzlichen Einschränkung ihrer Lebensumstände.

Uns ist bewusst, dass Europa vor dem Hintergrund der Überalterung der Gesellschaft das Hauptaugenmerk auf die Vorbeugung verlegen muss. Allerdings müssen wir älteren Menschen das Recht und die Chance auf ein Leben in menschlicher Würde garantieren. Damit ist im Übrigen auch untrennbar das Recht auf ein gesundes Leben verbunden.

Ich möchte drauf hinweisen, dass die Mitgliedstaaten über verschiedene Möglichkeiten der Vorbeugung verfügen. Für ein gesundes Leben zahlen wir in jedem Land einen anderen Preis. Zum Zeitpunkt der Umsetzung von Präventivmaßnahmen sollten wir im Zuge der Identifikation benachteiligter Gruppen insbesondere auf ältere und behinderte Menschen eingehen und Präventions-/Rehabilitationsprogramme so weit wie möglich den lokalen Bedürfnissen anpassen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn alle Mitgliedsstaaten ihre Kräfte bündeln und bewährte Erfahrungen teilen.

 
  
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  Gábor Harangozó (PSE).(EN) Angesichts der in jüngster Zeit rasanten Zunahme der Zahl fettleibiger und übergewichtiger Menschen in der Europäischen Union möchte ich sowohl das Grünbuch der Kommission als auch den Bericht von Frau Ries auf das Wärmste begrüßen. Die Wachstumsrate in Bezug auf fettleibige Menschen hat in der Tat bereits ein dramatisches Ausmaß in der Union erreicht. Daher sollte das Thema ernsthaft angegangen werden, indem ein EU-Aktionsplan zur Förderung gesunder Lebensweisen erstellt wird. Wir haben nicht nur gegen schlechte Verbrauchergewohnheiten und fehlende körperliche Aktivitäten zu kämpfen, sondern es müssen auch die wirtschaftlichen Folgen entsprechend betrachtet werden.

Es ist klar erwiesen, dass viele Todesfälle und Krankheiten vermieden werden könnten, wenn man sich angemessen ernähren und täglich Sport treiben würde. Es könnten nicht nur Leben gerettet werden, sondern die Finanzlast des Staatshaushalts könnte gemindert werden, da die sozioökonomischen Auswirkungen von Erkrankungen im Zusammenhang mit Übergewichtsproblemen etwa 4 bis 7 % der Gesamtausgaben der Mitgliedstaaten für das Gesundheitswesen ausmachen. Die volkswirtschaftlichen Folgen von Fettleibigkeit sind noch nicht umfassend analysiert. Adipositas ist eine echte Krankheit, eine wirkliche Herausforderung für die Union, für die Gesundheit ihrer Bürger und auch für die Verbrauchergewohnheiten.

 
  
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  Jules Maaten (ALDE). – (NL) Ich bin erfreut, dieses Grünbuch auf unserer parlamentarischen Agenda zu sehen. Fettleibigkeit ist ein wachsendes Problem. Immer mehr fettleibige Menschen haben ein weitaus größeres Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. Meiner Überzeugung nach müssen wir auf den Gebieten wie Verbraucherinformation (Nährwertkennzeichnung), auf denen Europa tatsächlich von zusätzlichem Wert sein kann, wirklich handeln. Die Mitgliedstaaten selbst tragen letzten Endes den Löwenanteil der Verantwortung und müssen ihr Äußerstes tun, um ihre Bevölkerung zu einer gesünderen Ernährung und vor allem zu mehr körperlicher Bewegung anzuhalten, denn das ist der Kern des Problems.

 
  
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  Kathy Sinnott (IND/DEM).(EN) Ich möchte Frau Ries für ihre Arbeit an diesem Bericht danken. Es wurden viele wichtige Dinge angesprochen, von der Wahl der richtigen Ernährung bis hin zu einem aktiveren Lebensstil, so dass ich lediglich auf einige weniger vordringliche, doch ebenso wichtige Faktoren der Fettleibigkeit eingehen möchte.

Geschmacksverstärker (Glutamate), die mittlerweile in vielen Snacks und verarbeiteten Lebensmitteln zu finden sind, werden immer stärker mit Fettleibigkeit in Zusammenhang gebracht, insbesondere wenn sie Kinder in einem frühen Entwicklungsalter zu sich nehmen. Ähnlich wird Aspartam, ein künstlicher Süßstoff, der in vielen süßen Lebensmittelerzeugnissen enthalten ist, mit Appetitstörungen in Zusammenhang gebracht. Paradoxerweise verursacht Aspartam in zahlreichen mit „Diät“ oder „light“ gekennzeichneten Lebensmitteln bei vielen, die diese essen, einen gesteigerten Appetit darauf. Bei beiden handelt es sich um synthetische Chemikalien, die die Geschmacksknospen anregen. Diese Geschmacksverstärker können auch die Geschmacksknospen betäuben, was naturbelassene Lebensmittel unattraktiver werden lässt.

In einer umfangreichen Studie im Vereinigten Königreich wurde auch Schlafmangel bei Kindern und Jugendlichen als Hauptursache für Fettleibigkeit benannt, da diese den Hormonstatus und den Stoffwechsel beeinflusst. Als Nebenursache führt mangelnder Schlaf dazu, dass Kinder naschen und keine Lust auf körperliche Betätigung haben.

 
  
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  Péter Olajos (PPE-DE).(HU) Im Zusammenhang mit dem Bericht von Frédérique Ries haben wir bereits ausführlich über Fettleibigkeit als vierthäufigste Todesursache in der Europäischen Union gesprochen. Indirekt müsste sie eigentlich sogar an erster Stelle stehen. Als chronische Krankheit stellt Adipositas nicht nur für den Betroffenen eine ernstzunehmende seelische und finanzielle Belastung dar, sondern auch für seine Familie und die gesamte Gesellschaft. Bedauerlicherweise steigt die Zahl der Betroffenen stetig.

Unter den Risikogruppen sollten wir Kindern besondere Aufmerksamkeit schenken, da sich die Zahl der von Fettleibigkeit betroffenen Kinder jährlich um mehr als 400 000 erhöht. Fraglos können Vorbeugemaßnahmen getroffen werden. Aber was verstehen wir eigentlich unter Vorbeugung?

• Bereitstellung von Informationen und adäquater Aufklärung über gesundes Essen für die Gesellschaft und insbesondere Kinder

• regelmäßige körperliche Betätigung

• Kontrolle der an bestimmte Verbrauchergruppen gerichteten Werbung und

• Verbraucherschutz.

Selten denken wir an den Verbraucherschutz, obwohl es sich hierbei um ein grundlegendes Instrument der Vorbeugung handelt. Wir müssen sicherstellen, dass aus den Nährwertangaben klar hervorgeht, wie viel Prozent des täglichen Nährstoffbedarfs beim Verzehr des betreffenden Lebensmittels aufgenommen werden.

Bei Lebensmitteln mit geringem Nährwert und einem hohen Gehalt an Kohlehydraten – wie Schokolade, gesüßten Getränken usw. – sollte (ähnlich wie bei Tabakerzeugnissen) deutlich sichtbar darauf hingewiesen werden, dass ein übermäßiger Genuss zu Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann.

 
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